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Full text of "Birka III. Die Textilfunde aus den gräbern"

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BIRKA 

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DIE  TEXTILFUNDE 

AUS  DEN  GRÄBERN 

VON 

AGNES  GEIJER 


KUNGL.  VITTERHETS  HISTORIE  OCH  ANTIKVITETS  AKADEMIEN 


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B  I  R  K  A 

UNTERSUCHUNGEN  UND  STUDIEN 

HERAUSGEGEBEN  VON 

KUNGL.  VITTERHETS  HISTORIE  OCH 
ANTIKVITETS  AKADEMIEN 

III 

DIE  TEXTILFUNDE 

AUS  DEN  GRÄBERN 


HERAUSGEGEBEN  MIT  UNTERSTÜTZUNG 
DES  HUMANISTISCHEN  FONDS 


KUNGL.  VITTERHETS  HISTORIE  OCH  ANTIKVITETS  AKADEMIEN 


BIRKA 


III 

DIE  TEXTILFUNDE 

% 

AUS  DEN  GRÄBERN 


AGNES  GEI J ER 


Mit  40  Tafeln  und  50  Abbildungen  im  Texte 


UPPSALA  1938 


ALMQVIST  &  WIKSELLS  BOKTRY CKERI-AKTIEBOLAG 


INHALTVERZEICHNIS. 


Seite 

Kap.  I.  Die  verschiedenen  Arten  des  Textilmaterials .  1 1 

»  II.  Schlichte  Stoffe  aus  Flachs  und  Hanf,  FH  i  — 11  14 

Plissierungen,  S.  16. 

»  III.  Wollstoffe,  W  1— 45 .  18 

Das  Wollmaterial,  S.  18  —  Die  Wollstoffe,  S.  ig.  —  Gruppe  I,  grobe  Stoffe,  W  1-9,  S .  20. 

—  Gruppe  II,  gemusterte  Köpergewebe  zarter  Qualität,  S.  22:  Vierbindige  Stoffe,  W  10- 
13;  Dreibindige  Stoffe,  W  14-21;  Über  die  Technik  der  gemusterten  Köperstoffe.  — 
Gruppe  III,  Rips  und  andere  Gewebe  in  Leinwandbindung  zarter  Qualität,  W  22-33, 

S.  34.  —  Gruppe  IV,  schlichte  Stoffe  in  Köperbindung,  W  34-45,  S.  37.  —  Über  die 
Herkunft  der  feinen  Wollstoffe,  S.  40 . 

»  IV.  Mustergewebe  aus  Wolle  und  Flachs,  M  i — 8 . 48 

Gobelinartige  Gewebe,  M  1-3,  S.  48.  —  Broschierte  Gewebe  M  4-8,  S.  55. 

»  V.  Seidenstoffe,  S  i — 5  58 

»  VI.  Die  verschiedenen  Arten  von  Gold-  und  Silberfäden . 68 

»  VII.  Bänder,  B  1 — 28 . 75 

Ein  broschiertes  Band  —  ein  echtes  Gewebe,  B  i ,  S.  73. 

Brettchenbänder,  S.  76:  Beschreibung  der  Birkatechnik,  S.  j8.  —  Materialverwendung,  S.  79. 

—  Vielfarbigkeit,  S .  81.  —  Muster,  S.  84.  —  Katalogbeschreibung  B  2-28,  S.  85.  —  Die 
Herkunft  der  Brettchenbänder,  S.  go :  Technischer  Überblick;  Literarische  Quellen,  Muster 
und  Material. 

»  VIII.  Posamentierarbeiten,  P  i — 27 . 99 

»  IX.  Stickereien,  St  1 — 33 . 106 

Stielstich,  St  1-4,  S.  108.  —  Ösenstich,  St  5-15,  S.  log.  —  Schlingenstich,  St  16-33,  IJ4- 
—  Zusammenfassung  der  Kapitel. VI-IX,  S.  124. 

»  X.  Verschiedene  Arbeiten  aus  Wollgarn,  D  i  — 11  128 

Schnüre,  Flechten,  Sprang  u.  a. 

»  XI.  Reste  aus  Pelzwerk,  Fellen  und  Kissen . 133 

»  XII.  Die  Tracht  . 134 

Quellen,  S.  134.  —  Das  Birkamaterial,  S.  136.  —  Vergleichendes,  S.  147.  —  Zusammen¬ 
fassung.  S.  132. 

Grabregister  in  Anbetracht  der  textilen  Überreste . 157 

Tabelle . 176 

Beilage  I.  Mikroskopische  und  chemische  Untersuchungen  von  Hj.  Ljungh  180 

Beilage  II.  Mikroskopische  Untersuchungen  von  I.  Arwidsson  . 185 

Literaturverzeichnis . 187 

Tafeln  1 — 40. 


VORWORT. 


Durch  die  von  Hjalmar  Stolpe  auf  der  Insel  Björkö  im  Mälar-See  hauptsächlich 
in  den  Jahren  1871 — 1879  und  1881  vorgenommenen  Untersuchungen  konnte  mit 
aller  Bestimmtheit  festgestellt  werden,  dass  die  aus  den  zeitgenössischen  Quellen 
bekannte  Handelsstadt  Birka,  das  kommerzielle  Zentrum  Schwedens  in  der  Wikinger¬ 
zeit,  auf  der  genannten  Insel  lag.  Beinahe  zwei  Jahrhunderte  lang,  ungefähr  von 
800  bis  975  n.  Chr.  stand  Birka  in  lebhaftem  Verkehr  sowohl  mit  Westeuropa,  woher 
die  ersten  Missionäre  in  die  Stadt  kamen,  als  auch  mit  dem  Orient  über  die  Handels¬ 
wege  durch  Russland.  Doch  hat  die  Stadt  bereits  vor  dem  Jahre  1000  ihre  Rolle 
offenbar  ausgespielt.  Die  Untersuchungen  Stolpes  auf  den  Gräberfeldern  wie  auch  in 
der  sogenannten  „Schwarzen  Erde“,  jenen  Kulturschichten,  die  dort,  wo  sich  einst 
die  Stadt  erhob,  entstanden  waren,  ergaben  ein  mannigfaltiges  und  grosses  Material, 
das  uns  die  Möglichkeit  gibt,  uns  eine  Vorstellung  von  dem  Leben  in  der  ersten  Han¬ 
delsstadt  des  schwedischen  Reiches  zu  machen. 

Im  Jahre  1931  erhielt  H.  Arbman  von  der  Kgl.  Vitterhets  Historie  och  Anti- 
kvitetsakademie  den  Auftrag  zwecks  vollständiger  Veröffentlichung  dieses  wichtige 
archäologische  Material  zu  bearbeiten.  Bei  der  nun  folgenden  genauen  Bestands¬ 
aufnahme  hat  man  eine  Menge  textiler  Reste,  oft  mit  Erde  bedeckt  oder  vermischt, 
entweder  noch  neben  Metallgegenständen  verschiedener  Art  liegend  oder  in  beson¬ 
deren  Schachteln  verwahrt  gefunden.  Bis  dahin  hatten  nur  wenige  Arbeiten  aus  Gold- 
und  Silberfäden  Beachtung  erfahren  und  waren  im  Statens  Historiska  Museum  aus¬ 
gestellt  worden.  Die  so  zum  Vorschein  gekommenen  Textilfragmente  waren  sehr 
verschiedenartig,  weshalb  eine  besondere  Bearbeitung  für  notwendig  erachtet  wurde. 
Die  Unterzeichnete,  die  anfänglich  nur  zur  Beratung  hinzugezogen  wurde,  konnte 
sich  glücklich  schätzen,  diese  interessante  Aufgabe  zugewiesen  zu  erhalten,  deren 
Durchführung  die  ganze  Zeit  in  enger  Zusammenarbeit  mit  Dozent  Arbman  erfolgte. 

Mehrere  Gründe  sprachen  dafür,  das  Textilmaterial  aus  der  Gesamtpublikation 
über  die  Gräber  herauszuheben  und  daraus  einen  das  Gesamtwerk  ergänzenden 
Band  zu  bilden.  Die  Textilfragmente  stellen  nämlich  eine  Vielfalt  verschiedener 
Techniken  und  Gattungen  dar,  von  denen  mehrere  bisher  wenig  oder  gar  nicht 
bekannt  sind.  Das  hat  zur  Folge,  dass  die  erklärende  Beschreibung  viel  ausführlicher 
werden  musste,  als  dies  für  das  andere  archäologische  Material  nötig  ist,  wo  eine 
feste  Nomenklatur  und  auch  ein  reiches  Material  vorliegt,  auf  das  man  sich  berufen 


8 


WORWORT 


kann.  Ausserdem  sind  aus  jener  Zeit  Textilien  so  selten  und  dieser  grosse  Komplex 
verschiedener  Gegenstände  so  einzigartig,  dass  eine  Spezialbehandlung  allein  deshalb 
wohl  begründet  erscheint.  Leider  muss  man  damit  rechnen,  dass  bis  zum  Erscheinen 
des  von  Dozent  Arbman  verfassten  Hauptteiles  der  Grabpublikation,  Birka  I — II, 
noch  etwa  ein  Jahr  verstreichen  wird,  wodurch  die  vorliegende  Arbeit  bis  zu  einem 
gewissen  Grade  vorläufig  unvollständig  wird. 

Bezüglich  der  Disposition  der  vorliegenden  Arbeit  und  ihres  Verhältnisses  zu 
Birka  I — II  sei  hier  Folgendes  angeführt.  Die  verschiedenen  technischen  Gruppen 
werden  in  getrennten  Kapiteln  beschrieben,  die  teils  eine  generelle  Behandlung  und 
das  Vorkommen  der  fraglichen  Erscheinungen,  teils  einen  Katalogteil  enthalten.  Jede 
Sache  ist  mit  einem  Buchstaben,  der  sich  von  der  Gattung  der  in  den  betreffenden 
Kapiteln  beschriebenen  Gegenständen  herleitet,  und  mit  einer  Ziffer  bezeichnet. 
Diese  Zeichen  kehren  im  Grabregister  wieder,  das  also  eine  direkte  Ergänzung  zu 
Birka  I — II  bildet,  aber  auch  durch  seine  ausführliche  Lagebeschreibungen  die  Unter¬ 
lage  für  die  Tabelle  und  das  Kap.  XII  darstellt,  wo  unter  Hinzuziehung  auswärtigen 
Vergleichsmaterials  die  Beobachtungen  über  die  Tracht  vorgelegt  werden. 

Ich  möchte  diese  Arbeit  nicht  abschliessen  ohne  einer  angenehmen  Pflicht  nach¬ 
zukommen  und  allen  jenen,  die  mich  auf  irgend  eine  Weise  unterstützt  haben,  aufs 
herzlichste  zu  danken.  Vor  allem  sei  Dozent  Holger  Arbman  genannt,  mit  dem  sich 
in  den  verflossenen  Jahren  die  Zusammenarbeit  sowohl  in  historisch-archäologischen 
als  auch  in  praktisch-redaktionellen  Fragen  usw.  in  der  idealsten  Weise  gestaltete, 
eine  Zusammenarbeit,  die  für  mich  persönlich  äusserst  lehrreich  war  und  dem  Arbeits¬ 
ergebnis  zum  allergrössten  Nutzen  gereichte.  Reichsantiquar  Sigurd  Curman  bin 
ich  zu  grossem  Dank  verpflichtet,  dass  er  mir  die  Gelegenheit,  diese  Aufgabe  auszu¬ 
führen,  gegeben  hat,  sowie  für  das  fördernde  und  anregende  Interesse,  das  er  meiner 
Arbeit  stets  entgegenbrachte.  Mein  wärmster  Dank  gilt  auch  allen  anderen  Beamten 
an  der  Vitterhets  Historie  och  Antikvitets  Akademie,  die  mir  bereitwilligst  ihre 
Unterstützung  und  wertvollen  Ratschläge  liehen.  Für  die  sehr  geschickte  Arbeit  bei 
den  schwierigen  photographischen  Aufgaben  möchte  ich  besonders  den  Herren  H. 
Faith-Ell  und  N.  Lagergren  danken. 

Ferner  habe  ich  eine  grosse  Dankesschuld  an  Büroingenieur  Hjalmar  Ljungh, 
bei  der  Staatlichen  Eisenbahnverwaltung  in  Stockholm,  abzutragen,  für  die  unverdros¬ 
sene  Mühe,  die  er  auf  die  Materialuntersuchung  verwandte,  und  für  das  glühende 
Interesse,  mit  dem  er  ein  für  den  Historiker  brauchbares  Untersuchungsresultat  zu 
erreichen  trachtete,  sowie  dem  inzwischen  verstorbenen  Dozenten  der  Uppsala  Uni¬ 
versität  I.  Arwidsson,  der  die  zoologischen  Bestimmungen  einer  Anzahl  von  Faser¬ 
proben  durchgeführt  hat. 

Bei  meinen  Besuchen  in  fremden  Sammlungen  und  Instituten  fand  ich  das  grösste 
Entgegenkommen  für  meine  Studien,  weshalb  ich  mir  gestatte,  allen,  Genannten  und 
Ungenannten,  meinen  wärmsten  Dank  auszusprechen.  Besonders  möchte  ich  meinem 


WORWORT 


9 


Kollegen  auf  diesem  speziellen  Forschungsgebiet  Dr.  phil.  Björn  Hougen,  Konser¬ 
vator  an  der  Oldsaksamling  in  Oslo,  für  die  vielen  aufschlussreichen  Diskussionen 
und  die  Freigebigkeit,  mit  der  er  mir  das  Osebergmaterial  für  vergleichende  Studien 
zur  Verfügung  gestellt  hat,  danken. 

Schliesslich  möchte  ich  Dr.  jur.  H.  Patzelt  aus  Wien  für  die  Übersetzung  des 
Manuskriptes  ins  Deutsche  und  Fil.  Kand.  Frau  Dagny  Arbman  für  ihre  wertvolle 
Hilfe  im  Korrekturlesen,  Abfassen  des  Literaturverzeichnisses  usw.  herzlich  danken. 

Für  ein  geschicktes  Durchführen  der  typographischen  Arbeit  bin  ich  der  Firma 
Almqvist  &  Wikseil  sehr  verbunden. 

Stockholm  im  März  1938. 

Agnes  Geijer. 


I. 


DIE  VERSCHIEDENEN  ARTEN  DES  TEXTILMATERIALS. 

Die  in  den  Birkagräbern  aufgefundenen  Fragmente  von  Textilien  sind  aus 
verschiedenem  Fadenmaterial  erzeugt  und  zwar  aus  Wolle,  Flachs,  Hanf, 
Seide,  Gold  und  Silber.  Ausserdem  wurden  Reste  von  Pelzen  verschiedener 
Tiere  —  Eichhörnchen,  Marder,  Biber  und  Schaf  —  gefunden,  die  höchstwahrschein¬ 
lich  zu  den  Kleidern  gehört,  daneben  auch  Entenfedern,  die  vermutlich  als  Polster¬ 
füllungen  gedient  haben. 

Um  eine  völlig  zuverlässige  Bestimmung  des  Textilmaterials  zu  erhalten  und 
womöglich  aus  dem  Material  selbst  Richtlinien  für  ein  Urteil  über  den  Ursprung 
der  Textilwaren  zu  gewinnen,  haben  wir  uns  am  Büroingenieur  der  Staatlichen 
Eisenbahnverwaltung,  Stockholm,  Hj.  Ljungh  gewandt,  der  sich  seit  langem  mit 
derartigen  Fragen  beschäftigt.  Unter  den  in  den  Birkafunden  vorhandenen  Textilien 
wurde  eine  Auswahl  getroffen  und  diese  Proben  wurden  dann  einer  Reihe  von 
äusserst  sorgfältigen  und  zeitraubenden  chemisch-mikroskopischen  Untersuchungen 
unterzogen,  die  in  mehreren  Fällen  bemerkenswerte  und  interessante  Resultate  ge¬ 
zeitigt  haben.  Ein  vollständiger  Bericht  über  die  Untersuchungen  Ljunghs  ist  in 
einer  besonderen  Beilage  (I)  wiedergegeben. 

Ausserdem  hat  der  inzwischen  verstorbene  Dozent  der  Uppsala-Universität  I.  Ar- 
widsson  mikroskopische  Untersuchungen  an  einer  Anzahl  von  Haar-  und  Federpro¬ 
ben  durchgeführt,  wodurch  es  ihm  gelungen  ist,  die  verschiedenen  Arten  zu  bestim¬ 
men.  In  Beilage  II  findet  sich  ein  ausführliches  Verzeichnis  dieser  Untersuchungen. 

Durch  genaue  Vergleiche  mit  den  untersuchten  Proben  konnte  sodann  das  übrige 
Material  bestimmt  werden. 

Zahlreiche,  verschiedenartige  Sorten  von  Textilmaterial  wurden  uns  in  mehr 
oder  weniger  fragmentarischer  Verfassung  erhalten,  sobald  sie  in  den  Gräbern  bei 
Metallgegenständen  lagen,  die  den  Textilien  auf  irgendeine  Weise  als  Schutz  ge¬ 
dient  haben.  In  erster  Linie  ist  es  der  Bronze  und  dem  Silber  zu  verdanken,  dass 
uns  die  Kenntnis  von  derartigen  Gegenständen  vermittelt  werden  konnte.  Denn 
durch  die  Jonisierung  und  Zersetzung  dieser  Metalle  sowie  durch  die  sich  anschliessende 
Salzbildung  sind  Substanzen  entstanden,  die  die  Eigenschaft  haben,  direkt  konser¬ 
vierend  auf  gewisse  Textilfasern  einzuwirken,  die  dadurch  ihre  ursprüngliche  Struk¬ 
tur  und  Weiche  hier  und  da  einigermassen  beibehalten  konnten. 


ERSTES  KAPITEL 


I  2 


Dagegen  sind  die  Farben  in  den  meisten  Fällen  zu  Grunde  gegangen  und  nur, 
soweit  schwache  Nuancen  verschiedener  Farbtöne  und  insbesonders  kleine  Reste 
von  noch  reaktionsfähigen  Farbstoffen  vorhanden  sind,  kann  man  in  einigen  Fällen 
mit  ziemlicher  Wahrscheinlichkeit  das  ursprüngliche  Aussehen  erschliessen. 

Doch  auch  unter  günstigen  Verhältnissen  — wenn  die  Stoffreste  in  enger  Berüh¬ 
rung  mit  solchen  Metallgegenständen  lagen  —  sind  uns  hauptsächlich  nur  die  tie¬ 
rischen  Textilfasern,  Wolle  und  Seide,  einigermassen  erhalten  geblieben,  während  die 
Gewebe  aus  Pflanzenfasern  —  Flachs  und  Hanf  —  in  der  Regel  nur  als  äusserst  kleine 
Fragmente  in  einem  Zustand  weit  vorgeschrittener  Verwitterung  vorzufinden  sind, 
so  dass  sie  alle  Weichheit  und  Elastizität  verloren  haben.  Nur  in  einigen  seltenen 
Ausnahmsfällen  haben  besonders  glückliche  Umstände  Leinenstoffe  unversehrt  er¬ 
halten. 

Auch  in  enger  Berührung  mit  Eisengegenständen  sind  bisweilen  kleinere  Textil¬ 
reste  erhalten  geblieben,  doch  hat  der  Rost  leider  die  von  unserem  Standpunkt  aus 
ungünstige  Eigenschaft,  die  Fasern  zum  Aufquellen1  zu  bringen,  worauf  sich  das 
Ganze  verhärtet.  Die  Gewebe  bekommen  hierdurch  eine  ganz  andere  Flächen¬ 
struktur,  weshalb  sie  oft  schwer  zu  erkennen  sind  (die  Farbe  verändert  sich  ja  voll¬ 
ständig),  ganz  besonders  auch  deswegen,  weil  sich  ihr  organischer  Charakter  so  weit 
ändert,  dass  die  mikroskopische  Untersuchung  gewöhnlich  kein  sicheres  Resultat 
ergeben  kann. 

Was  nun  die  Gold-  und  Silberfäden  betrifft,  die  in  grossem  Umfang  bei  den 
Textilarbeiten  Verwendung  finden,  so  liegen  die  Dinge  folgendermassen. 

Der  Zustand  des  Silberfadens  wechselt  je  nach  dem  im  Grab  herrschenden  Feuch¬ 
tigkeitsgrad  und  dem  stärkeren  oder  schwächeren  Auftreten  von  Erdsäuren.  Biswei¬ 
len  kann  das  Silber  recht  gut  erhalten  sein,  bisweilen  ist  es  beinahe  ganz  zersetzt  und 
zu  einer  violettweissen  Masse  verwandelt,  die  nur  dank  der  sie  umgebenden  Seiden¬ 
fäden  nicht  verstreut  wurde.  Als  Regel  kann  man  gelten  lassen,  dass  je  stärker  die 
Oxydierung  ist,  desto  besser  ist  das  übrige  Textilmaterial  erhalten. 

Das  reine  Gold  dagegen  verändert  sich  ja  unter  der  chemischen  Einwirkung  von 
Erdsäuren  u.  dgl.  nicht  und  hat  daher  gewöhnlich  seinen  Glanz  behalten.  Andrer¬ 
seits  hat  es  aber  nicht,  wie  das  Silber,  irgendwelche  Salze  abgesondert,  die  den  Stoff 
oder  die  Textilfäden,  mit  welchen  es  ursprünglich  verarbeitet  war,  hätten  konser¬ 
vieren  können. 

Uber  die  Art  der  verschiedenen  Textilmaterialien  wird  im  Zusammenhang  mit  der 
Behandlung  der  betreffenden  Techniken  eingehend  berichtet  werden.  Hier  sei  je¬ 
doch  bereits  ein  Punkt  hervorgehoben,  der  in  gleichem  Masse  alle  Kapitel  betrifft, 
nämlich  die  Bezeichnung  für  das  Spinnen  und  die  Drehung  des  Fadens.  In  dieser 
Hinsicht  herrscht  in  der  internationalen  Literatur  ein  bedauerlicher  Wirrwarr,  der 
in  vielen  Fällen  Unklarheit  und  ärgerliche  Missverständnisse  verursacht,  da  die  be- 

1  nachdem  sich  zuerst  Ferrohydroxyd  bildet,  das  durch  weitere  Oxydation  in  Ferrihydroxyd  übergeht. 


DAS  TEXTILMATERIAL 


*3 


treffenden  Verfasser  nicht  angeben,  was  sie  mit  ihren  Bezeichnungen  meinen.  Der 
Grund  hiezu  liegt  in  gewissen  Fällen  darin,  dass  die  jeweiligen  Verfasser  von  der 
praktischen  Arbeitsweise,  d.  h.  wie  die  Spinnwirtel  gedreht  wird,  ausgegangen  sind.1 
Manchmal  —  aber  nicht  immer  —  läuft  nämlich  die  Spinnrichtung  des  Fadens 
entgegengesetzt  der  Drehung  der  Spinnwirtel.2  Aber  da  diese  Regel  keineswegs 
allgemeingiltig  ist,  dürfte  kein  Zweifel  darüber  herrschen,  dass  die  fragliche  Be¬ 
zeichnung  immer  von  dem  fertigen  Material  ausgehen  soll. 

Die  schematische  Zeichnung  Abb.  i  erklärt  genau  die  Bedeutung  der  in  dieser 

a  b  c  d 

Abb .  I.  Schema  zu  Bezeichnung  der  Drehungsrichtung  eines  Fadens, 
a  linksgesponnen,  b  rechtsgesponnen,  c  linksgezwirnt,  d  rechtsgezwirnt. 


Arbeit  vorkommenden  Bezeichnungen.  Ein  einfacher  Faden  ist  gesponnen.  Ein 
zwei-  oder  mehrfädiger  Faden  ist  gezwirnt,  wobei  zu  beachten  ist,  dass  die  Drehungs¬ 
richtung  beim  Zwirnen  immer  entgegengesetzt  der  Drehungsrichtung  beim  Spinnen 
der  einzelnen  Fäden  ist.  Der  Faden  ist  rechtsgesponnen  bezw.  rechtsgezwirnt,  wenn 
die  Drehungsrichtung  mit  der  Sonnenbewegung  geht,  d.  h.  im  Sinne  des  Uhr¬ 
zeigers,  vorausgesetzt,  dass  er  zwischen  der  Uhr  und  dem  Arbeitenden  gespannt 
ist.  Die  entgegengesetzte  Richtung  wird  mit  links  bezeichnet.3 

1  R.  Pfister  (Textiles  de  Palmyre,  S.  22,  und  Revue  des  Arts  asiat.  VIII,  1934,  S.  81)  macht  auch  geltend,  dass 
nur  die  eine  Drehungsrichtung  beim  Spinnen  gleichzeitig  in  einem  und  demselben  Gebiet  vorgekommen  ist  —  ver¬ 
schiedene  Spinnrichtung  würde  also  auf  verschiedenen  Ursprung  hindeuten.  Wie  verfehlt  es  ist,  sich  auf  eine  solche 
Hypothese  zu  stützen,  geht  klar  aus  dem  genaueren  Studium  des  vorliegenden  Materials  sowie  des  nordischen  Tex¬ 
tilhandwerks  überhaupt  hervor.  Es  kann  hinzugefügt  werden,  dass  die  Giltigkeit  dieser  Regel  auf  einige  der  primi¬ 
tiven  Indianerstämme,  die  von  Nordenskiöld  beobachtet  wurden,  zutrifft,  jedoch  nicht  auf  alle.  Auf  die  nord-  und  mit¬ 
teleuropäische  Steinzeit  kann  diese  Regel  gar  nicht  angewendet  werden,  nach  den  in  der  Keramik  erhaltenen  Eindrücken 
von  Schnüren  in  verschiedener  Drehungsrichtung  zu  schliessen.  (Otto  Frödin  und  Erland  Nordenskiöld:  Über  Zwir¬ 
nen  und  Spinnen  bei  den  Indianern  Südamerikas,  Göteborg  1918,  S.  61  ff.) 

2  R.  Jirlow,  Sländspinning  i  Sverige,  Svenska  Kulturbilder  Bd.  5,  S.  1 12.  Die  verschiedenen  Resultate  hängen  auch 
davon  ab,  in  welcher  Lage  die  Werkzeuge  und  das  Gespinst  gehalten  werden. 

3  In  der  letzten  Zeit  wurde  eine  Bezeichnung  eingeführt,  die  von  der  Übereinstimmung  des  fertiggedrehten  Fadens 
mit  den  Diagonallinien  der  Buchstaben  S  und  Z  abgeleitet  wird:  S-gedreht  =  rechtsgedreht,  Z-gedreht  =  linksgedreht 
(Deutsche  Normen,  Mai  1936).  Ich  bedaure,  dass  ich  dieses  praktische  Bezeichnungssystem  nicht  früher  kannte. 


II. 


SCHLICHTE  STOFFE  AUS  FLACHS  UND  HANF. 


Die  Pflanzenfasern  sind,  wie  oben  hervorgehoben  wurde,  bedeutend  weniger 
widerstandsfähig  gegen  Verwitterung  als  die  tierischen  Fasern.  Es  haben 
sich  daher  nur  kleine,  äusserst  brüchige  und  beschädigte  Fragmente  im  Schutz 
von  Metallgegenständen  erhalten.  Reste  davon  sind  in  zirka  70  Gräbern  konstatiert 
worden.  Mit  einer  (undeutlichen)  Ausnahme  sind  es  lauter  zweibindige  Gewebe; 
im  allgemeinen  relativ  zart  und  gleichmässig  abgewogen  (d.  h.  die  Fadendichte  ist 
in  der  Kette  und  im  Schuss  ungefähr  gleich).  Die  Zahl  der  Fäden  variiert  zwischen 
15  und  20  per  cm  in  jeder  Richtung.  Weniger  häufig  hat  die  Bindung  Ripscharakter 
mit  einem  Fadenverhältnis  von  zirka  10x20. 

Die  beiden  verschiedenen  Materialien  Flachs  und  Hanf  konnten  erst  mit  Hilfe 
der  mikrochemischen  Analysen  festgestellt  werden.  Dem  blossen  Auge  erscheinen 
sie  so  ähnlich,  dass  ich  in  einzelnen  Fällen  nicht  zu  entscheiden  wage,  was  von  beiden 
vorliegt.  Nach  den  analysierten  Proben  zu  urteilen,  sieht  es  aus,  als  ob  die  Stoffe  aus 
Hanf  dünner  und  schütterer  wären  und  ihr  Fasernmaterial  sich  mehr  verändert  hätte 
als  das  der  Stoffe  aus  Flachs.  Die  zweibindigen  Stoffe,  die  in  einer  Menge  ovaler 
Spangen  in  wechselnder  Stärke  Vorkommen,  ähneln  jenen,  deren  Material  als  Flachs 
bestimmt  wurde.  Die  Farbe  dieser  Stoffe  ist  in  der  Regel  hell,  jetzt  mehr  oder  weniger 
stark  rostgefärbt.  In  den  seltenen  Fällen,  da  man  die  Spinnrichtung  erkennen  konnte, 
war  es  Linksrichtung.  Diese  Feststellung  stimmt  mit  einem  Schnurstückchen  überein, 
das  sich  im  Innern  einer  Bronzeperle  in  Grab  854  unversehrt  erhalten  hat:  die  Schnur 
ist  aus  3  Zwirnen  mit  Rechtsdrehung  verfertigt,  jeder  der  Zwirne  ist  aus  zweifachem, 
linksgesponnenem  Fäden  gezwirnt. 

Die  Menge  ovaler  Spangen  —  in  über  50  Gräbern  —  in  denen  Reste  von  solchen 
Leinenkleidern  erhalten  sind,  berechtigen  uns  zur  Annahme,  dass  diese  Stoffe  in  der 
Regel  einfarbig  waren,  und  zwar  weiss  oder  naturfarbig.  Einige  Exemplare  waren 
aber  deutlich  blau  gefärbt.  Nur  ein  kleines  Fragment  aus  kleinkariertem  Stoff,  FH  7, 
ist  erhalten,  welches  beweist,  dass  man  sich  auch  dieser  Art  bediente,  ein  glattes  Ge¬ 
webe  mittels  verschiedenfarbiger  Fäden  zu  mustern. 

FH  1.  Grab  465  A.  Taf.  3:  2.  Leinenstoff,  verrostetes  Fragment,  erhalten  an  der  Eisennadel  einer  Bronze- 
spange.  Fadendichte  per  cm  ungefähr  15  X  18.  Wahrscheinlich  Linksdrehung.  Typische  Leinenstruktur  mit 
etwas  ungleichmässigen  Fäden,  besonders  in  der  einen  Richtung,  welche  wahrscheinlich  den  Schuss  darstellt. 
Analysiert  als  Flachs  (Beilage  1). 


SCHLICHTE  STOFFE  AUS  FLACHS  UND  HANF 


FH  2.  Grab  466.  Taf.  3:3.  Leinenstoff,  die  Fragmente  in  einer  Spange  erhalten  und  nicht  durch  Rost 
verhärtet.  Dichtes  zweibindiges  Gewebe,  deutlich  linksgesponnenes  Garn.  Die  Fadendichte  per  cm  20  X  15, 
das  erste  Fadensystem  ist  zart  und  gleichmässig,  das  andere  gröber  und  ungleichmässig. 

FH  3.  Grab  619.  Taf.  3:4.  Leinenstoff,  gleichmässig  abgewogene  Leinwandbindung  aus  gleichmässigen 
dünnen  Fäden.  Schütter.  Fadendichte  16  cm  in  beiden  Richtungen.  Analysiert  als  Flachs  (Beilage  1). 

FH  4.  Grab  837.  Schütteres,  zweibindiges  Gewebe,  sehr  unscheinbare  und  brüchige  Fragmente.  Die  Fäden 
sehr  dünn  und  gleichsam  miteinander  verschmolzen.  Die  Fäden  können  nicht  gezählt  werden,  dürften 
jedoch  nicht  mehr  als  20  per  cm  sein.  Analysiert  als  Hanf  (Beilage  1). 

FH  5.  Grab  619.  Taf  3:7.  Fragmente  aus  schütterem  Stoff  in  dunkler  Farbe  mit  undeutlicher  Köper¬ 
textur  (vierbindig  ?),  ganz  in  der  Nähe  von  Resten  eines  Biberfells  liegend,  die  an  einer  Spange  erhalten  sind. 
Ungefähre  Fadendichte  wenigstens  15  per  cm.  Analysiert  als  Hanf  (Beilage  1). 

FH  6.  Grab  847.  Zweibindiges  Gewebe.  Jetzt  kaum  merkbare  Fragmente,  am  ähnlichsten  FH  1 — 2. 
Analysiert  als  Hanf. 

FH  7.  Grab  757.  Taf.  3:6.  Kleinkarierter  Leinen(?)-stoff,  Leinwandbindung,  Fadendichte  ca.  20X20 
per  cm.  In  beiden  Richtungen  5 — 6  blaugrüne  Fäden,  abwechselnd  mit  einem  weissen  oder  rötlichen.  Die 
F ragmente  äusserst  klein  und  brüchig. 

FH  8.  Grab  60  A.  Leinenstoff,  grobes  Ripsgewebe  in  hellbrauner  Farbe.  Linksgesponnenes  Garn. 
Die  eine  Richtung  (die  Kette?)  etwas  zarter  und  schütterer:  5  Fäden  per  cm;  die  andere  gröber:  10 — 12  Fäden 
per  cm. 

FH  9.  Grab  466.  Taf.  3:1.  Leinenstoff  in  hellbrauner  Farbe.  Ripsbindung  wie  FH  8,  aber  feiner.  Fa¬ 
dendichte  ungefähr  8  X  22  per  cm. 

FH  10.  Grab  60  A.  Leinenstoff,  gleichmässig  abgewogene  dichte  Leinwandbindung,  die  Fäden  etwas 
ungleichmässig,  linksgesponnen.  Fadendichte  per  cm  15X17.  Blauer  Farbton,  ursprünglich  oder  durch 
Bronze  verursacht,  sowie  kleinere  Rostflecke. 

FH  11.  Grab  60  A.  Hanfstoff  (?).  Schüttere  Leinwandbindung,  zarte  Fäden,  18 — 20  Stück  per  cm 
in  beiden  Richtungen.  Dunkle  grünblaue  Farbe.  Kleine  Fragmente. 


Erdfunde  von  Leinen  sind  ja  im  Norden  äusserst  selten.  In  der  Regel  ist  es  nur 
durch  sonst  unerklärlichen  Aushöhlungen  oder  Unvollständigkeiten  in  den  erhaltenen 
Woll-  oder  Seidentextilien  möglich,  auf  die  einstmalige  Existenz  von  Leinen  in  den 
verschiedenen  Funden  zu  schliessen.  Die  schweizerischen  Pfahlbaufunde  bilden  ja 
infolge  ihrer  besonders  gearteten  Konservierungsverhältnisse  hierin  eine  erfreuliche 
Ausnahme. 

Mehrere  Quellen  bezeugen  ja,  dass  die  Germanen  Flachs  anbauten.  Sowohl  Pli— 
nius  wie  auch  Strabo  und  Tacitus  berichten  von  den  prachtvollen  (?)  Leinenkleidern 
der  germanischen  Frauen.  Während  der  Zeit  Karls  des  Grossen  trugen  sowohl  der 


i6 


ZWEITES  KAPITEL 


Kaiser  als  auch  die  vornehmen  Franken  Leinenwäsche;  aber  dies  wurde  offenbar 
als  ein  gewisser  Luxus  betrachtet.1  Wolle  war  billiger.  In  Friesland  entsprach  i  kg 
Flachs  3  kg  Wolle  dem  Preise  nach2  und  ausserdem  ist  ja  Flachs  bedeutend  schwerer 
als  Wolle.  Das  Wertverhältnis  hat  sich  im  Norden  in  derselben  Richtung  bewegt.3 

Bezüglich  des  Vorkommens  und  der  Verwendung  des  Planfes  sind  die  Angaben 
spärlicher.  Eine  Hanfschnur  unter  den  neolithischen  Pfahlbaufunden  vom  Thaingau 
lässt  indessen  das  früzeitige  Vorkommen  des  Hanfes  in  Europa  erkennen.4  Die 
alten  nordischen  Gesetze  geben  deutlich  zu  erkennen,  dass  der  Hanfbau  ebenso  wie 
der  Flachsbau  am  Ende  der  Vorzeit  im  Norden  heimisch  war.  Bemerkenswert  ist 
jedoch,  dass  der  Hanf  damals  ebenso  wie  jetzt,  für  gröbere  Gewebe  und  zum  Sticken 
verwendet  wurde5 6,  während  die  in  Birka  festgestellten  Hanfstoffe  ausserordentlich 
zart  und  dünn  gewesen  zu  sein  scheinen.  Man  muss  sich  fragen,  ob  die  letzteren  nicht 
doch  aus  dem  Orient  stammen,  wo  vielleicht  dieselbe  Pflanze  einen  anderen  Charakter 
hatte  als  die  im  Norden  angebaute. 

Hier  dürfte  der  beste  Platz  dafür  sein,  um  über  die  Vorgefundenen  Reste  an  Plissie¬ 
rungen  oder  Gaujfrierungen  zu  berichten  (Taf.  i,  2  u.  3).  Der  Stoff  ist  mit  Rost 
durchsetzt,  verhärtet  und  spröde,  aber  es  kann  kein  Zweifel  darüber  herrschen,  dass 
das  Material  ursprünglich  Flachs  war.  Die  best  erhaltenen  Proben  sind  an  der  Innen¬ 
seite  der  Spangen  zu  finden,  wo  sie  recht  gut  gegen  Zerreiben  bewahrt  wurden. 

Die  Plissierung  ist  äusserst  fein  und  ehenmässig  sowie  durchgängig  gleichartig 
durchgeführt.  Der  Stoff  liegt  in  sehr  kleinen,  ebenmässigen  Stehfalten  von  2 — 3  mm 
Tiefe.  Die  Falten  sind  rund;  der  Durchschnitt  bildet  eine  zusammengedrückte 
Wellenlinie.  Gerade  diese  Struktur  beweist,  dass  die  Fältelung  nicht  (wie  in  späterer 
Zeit)  durch  ein  Eisen  oder  irgendeinen  harten  Gegenstand  erreicht  wurde,  der  die 
Falten  scharf  gemacht  hätte. 

Das  Verfahren  muss  ungefähr  folgendes  gewesen  sein:  Erst  hat  man  mit  Nadel 
und  Zwirn  in  geraden  Linien,  parallel  und  recht  weit  voneinander,  kleine,  gleichmäs- 
sige  Stiche  in  den  Stoff  genäht.  Dann  hat  man  die  Fäden  zugezogen,  sodass  der 
Stoff  stark  gefaltet  wurde.  Durch  Strecken  in  der  anderen  Richtung  werden  die 
Falten  parallel  und  zusammenhängend.  Nachdem  man  das  Ganze  mit  Wasser  be¬ 
feuchtet  und  in  der  Lage,  die  durch  Strecken  des  Stoffes  und  weiteres  Zuziehen  der 
Fäden  fixiert  wurde,  hat  trocknen  lassen,  ist  die  Plissierung  fertig  und  die  Fäden  kön¬ 
nen  herausgezogen  werden.  Die  Methode  eignet  sich  besonders  für  Leinenstoff,  der 
nach  dem  Trocknen  immer  etwas  steif  wird  und  sein  Form  gut  beibehält. 

Aussehen  und  Lage  ergibt  sich  aus  den  Bildern.  Die  5  Gräber,  in  denen  solche 

1  G.  Girke,  Die  Tracht  der  Germanen  in  vor-  und  frühgeschichtlicher  Zeit,  II,  S.  13  resp.  35. 

2  Kletler,  Nord  Westeuropas  Verkehr,  Handel  und  Gewerbe  im  frühen  Mittelalter,  S.  108. 

3  Hj.  Falk,  Altwestnordische  Kleiderkunde,  Kristiania  1919,  S.  62. 

4  Eberts  Reallexikon:  Hanf.  Vgl.  die  Angaben  über  Flachs  und  Hanf  bei  Gertrud  Sage,  Gewebereste  auf  vorge¬ 

schichtlichen  Eisengeräten  in  Schlesien,  Altschlesien  Bd.  4. 

6  Hj.  Falk,  a.  a.  O.,  S.  3,  5  u.  64. 


SCHLICHTE  STOFFE  AUS  FLACHS  UND  HANF 


17 


Reste  festgestellt  wurden,  sind  weibliche:  Nr.  517,  950,  980,  1062,  1084.  In  den 
Spangen  liegen  die  Falten  ungefähr  parallel  mit  der  Längsrichtung  der  Spangen; 
sie  sollten  also  von  den  Schultern  herabfallen,  was  ja  am  natürlichsten  erscheint.  An 
einer  Schere  festgerostete  Reste  deuten  vielleicht  an,  dass  das  plissierte,  leinene  Klei¬ 
dungsstück  recht  lang  war.  Vergleiche  weiters  das  Kapitel  über  die  Kleidung  und 
das  Grabregister. 

Bezüglich  der  Plissierungsmethode  selbst  seien  hier  folgende  Tatsachen  hervor¬ 
gehoben,  die  ich  erst  erkannte,  nachdem  mir  das  obenbeschriebene  Verfahren  klar 
geworden  war.  In  Südost-Finnland  (bes.  Karelen)  und  Estland  (Dagö)  wird  das 
Fadenverfahren  oft  für  Röcke,  auch  solche  aus  Wolle,  verwendet.  Der  so  zugerichtete 
Rock,  der  am  ehesten  einer  riesengrossen  Wurst  gleicht,  wird  in  w'arme  Presse  gelegt, 
entweder  unten  ins  Bett  oder  zwischen  Bretter  und  warmem  Brot,  das  eben  aus  dem 
Backofen  kommt.  In  Karelen  wird  diese  Technik,  auch  sehr  fein  aus  Leinenstoff 
ausgeführt,  in  Verbindung  mit  Stickerei  verwendet.1  Bemerkenswerter  Weise  kommt 
diese  Methode  dagegen  nicht  bei  der  Bauernbevölkerung  Schwedens  vor.  Die  hier¬ 
zulande  an  verschiedenen  Orten  verwendeten  plissierten  Röcke  sind  auf  ganz  andere 
Art  behandelt.2 

1  Diese  Angaben  verdanke  ich  Magister  Tyyni  Vahter,  Intendent  am  Finnlands  Nationalmuseum,  und  Magister 
Aino  Nissinen,  Helsingfors.  Vgl.  auch  Sirelius,  Suomen  kansanomaista  kulttuuria,  S.  104,  und  Manninen,  Geschichte 
der  estnischen  Volkstracht,  Eesti  rahva  museumi  astaraamat  III,  S.  498  und  Abb.  235. 

2  Laut  Angabe  Frau  Gunnel  Hazelius-Berg,  Amanuens  am  Nordiska  Museet  in  Stockholm. 


2 —  37823.  Birka  III. 


III. 


WOLLSTOFFE. 


Das  JVollmateriaL 

Das  erhaltene  Textilmaterial  besteht  natürlich  hauptsächlich  aus  Wolle  und 
Wollgeweben  und  es  liegt  die  Annahme  nahe,  dass  dies  auch  ursprünglich 
der  Fall  war.  Die  erhaltenen  Stoffreste  gehören  einer  Menge  verschieden¬ 
artiger  Sorten  an  und  häufig  finden  wir  mehrere  Schichten  von  unähnlichen 
Geweben  übereinander. 

Die  Materialuntersuchungen  haben,  was  den  Charakter  der  Wolle  betrifft,  sehr 
interessante  Resultate  gezeitigt,  auf  die  wir  später  zurückkommen  werden.  Betref¬ 
fend  Farbe  und  Färbung  muss  man  sich  mit  Wahrscheinlichkeitsbestimmungen 
zufrieden  geben;  die  Textilfasern  sind  ja  vielfältigen  chemischen  und  anderen  Ein¬ 
flüssen  ausgesetzt  gewesen  und  die  mikrochemische  Untersuchung  kann  leider  nicht 
bestimmt  entscheiden,  was  ursprünglich  und  was  sekundär  ist.  Die  Mehrzahl  der 
Textilfragmente  zeigt  einen  dunkleren  oder  helleren  schwarzbraunen  Farbton,  der 
viele,  nicht  einmal  im  Mikroskop  erkennbare  Farben  verbergen  kann.  Einzelne  Frag¬ 
mente  zeigen  einen  blaugrünen  Ton,  der  zwar  als  Zeichen  einer  ursprünglich  blauen 
Farbe  gedeutet  werden  kann,  der  jedoch  in  manchen  Fällen  sekundärer  Natur  ist, 
verursacht  durch  Grünspan  der  anliegenden  Bronze-Schmuckstücke,  der  ja,  wie 
oben  hervorgehoben  wurde,  ein  ausgezeichnetes  Konservierungsmittel  war.  Welche 
Schlussfolgerungen  man  in  dieser  Hinsicht  aus  den  chemischen  Untersuchungen  zie¬ 
hen  kann,  diese  Frage  muss  ich  vorderhand  offen  lassen.  —  Schliesslich  kann  man  in 
einigen  wenigen  Fällen  deutlich  verschiedene  Farbtöne  gleichzeitig  unterscheiden, 
die,  wenn  auch  mehr  oder  weniger  bräunlich  angehaucht,  ins  Rote,  Blauschwarze, 
Gelbgrüne  oder  Weisse  spielen.  Dass  diese  Gewebe  ursprünglich  vielfarbig  gewesen 
sind,  darüber  herrscht  also  kein  Zweifel,  doch  welche  Farben  es  waren,  lässt  sich  nicht 
genau  sagen. 

Mit  Rücksicht  auf  die  Technik  und  die  Verwendung  können  die  Wollgewebe 
in  zwei  Hauptgruppen  eingeteilt  werden.  Die  eine  Gruppe,  W  (=  Wollstoffe),  um¬ 
fasst  Stoffe  in  eigentlicher  Bedeutung,  entsprechend  unserem  Begriff  Meterware  in 
Leinwand-  oder  Köperbindungen,  deren  eventuelle  Muster  sich  mechanisch  wieder¬ 
holen.  Zu  der  anderen  Gruppe,  M  (=  Mustergewebe),  gehören  Gewebe  bestimmter 
Grösse  mit  darauf  abgestimmtem  Muster,  das  vom  technischen  Standpunkt  aus  nicht 


WOLLSTOFFE  1 9 

regelmässig  sein  muss  und  in  der  Regel  in  einer  Technik  ausgeführt  ist,  die  ein  freie¬ 
res  und  individuelleres  Verfahren  gestattet  als  das  für  Stoffe. 

Das  Garn  ist  in  den  Wollstoffen  in  der  Regel  einfädig,  während  die  Mustergewebe 
häufig  aus  gezwirntem  d.  h.  zweifädigem  Garn  hergestellt  sind.  Bezüglich  der  Be¬ 
zeichnung  der  Spinnrichtung  sei  auf  S.  13  verwiesen. 


DIE  WOLLSTOFFE. 

Bei  Durchsicht  der  mehr  oder  weniger  fragmentarischen  Reste  von  Wollstoffen 
zerfallen  diese  von  selbst  in  5  oder  besser  in  4  Gruppen,  ziemlich  scharf  von  einander 
abgegrenzt. 

Vor  allem  stehen  zwei  Gruppen  einander  gegenüber,  die  sich  ohne  weiters  als 
einheimisches  Erzeugnis  und  Import  etikettieren  lassen.  Auf  der  einen  Seite  einige 
äusserst  grobe  und  primitive  Gewebe  —  ungef.  20  St.,  Typus  W  1 — W  9  —  haupt¬ 
sächlich  zweibindig  und  dem  Aussehen  nach  aus  einer  charakteristischen,  rauhen 
und  ungleichmässig  gesponnenen,  nicht  selten  etwas  verfilzten  Wolle  hergestellt. 
Die  andere  Gruppe,  Typus  W  10 — 21,  die  sehr  reich  vertreten  ist  —  in  den  Birka- 
gräbern  56  Mal  beobachtet  —  besteht  aus  ausserordentlich  feinen  Stoffen,  geschickt 
und  ebenmässiger  gearbeitet,  mit  wechselnden  Bindungen,  drei-  oder  vierbindigen 
Köpervarianten.  Das  Garnmaterial  dieser  Stoffe  ist  auffallend  einheitlich.  Der  Faden 
ist  fest  und  gleichmässig  gesponnen,  ohne  Spur  von  Verfilzung,  wodurch  die  Textur 
des  Gewebes  deutlich  hervortritt.  Der  Feinheitsgrad  dieser  Stoffe  ist  verblüffend 
hoch;  nicht  selten  übertrifft  er  bedeutend  den  der  feinsten  unserer  heutigen  Woll¬ 
stoffe,  z.B.  des  Musselins.  Diese  Gewebe  zeigen  einen  so  hohen  Standard  an  eben¬ 
mässiger  Arbeit,  dass  sie  nur  das  Resultat  einer  im  grossen  Stil  betriebenen  gewerb¬ 
lichen  Erzeugung  sein  können,  die  sicherlich  ausserhalb  skandinavischen  Gebietes 
beheimatet  gewesen  sein  muss.  Auch  der  durch  die  mikroskopische  Untersuchung 
festgestellte  Charakter  des  Wollmaterials  weist  deutlich  auf  Erzeugungsstätten  im 
Ausland  hin. 

Zwischen  diesen  zweifellos  einheitlichen  Gruppen  stehen  weiters  zwei,  die  beide 
wahrscheinlich  sowohl  einheimische  als  auch  importierte  Waren  in  sich  schliessen. 
Die  Verschiedenheiten  innerhalb  dieser  Gruppen  sind  jedoch  allzu  verschwommen, 
die  Besonderheiten  zu  relativ,  als  dass  man  eine  weitere  Unterteilung  wagen  könnte. 

Mit  der  Zahl  III  wollen  wir  eine  Gruppe  von  Ripsgeweben  bezeichnen,  —  d.  h. 
einfachen  zweibindigen  Geweben,  wo  das  eine  Fadensystem  überwiegt  und  wesent¬ 
lich  dichter  ist  als  das  andere.  Die  feinsten  unter  diesen  —  W  22 — 26,  vielleicht 
bis  W  30  —  können  wegen  ihres  ebenmässigen  glatten  Garnes  und  des  Charakters 
der  Wolle  (Beil.  I)  sicher  für  Importware  angesehen  werden,  während  gröberen 
Exemplaren  dieser  Gruppe  diese  und  im  übrigen  auch  andere  mehr  hervorstechende 
Eigenschaften  abgehen. 


20 


DRITTES  KAPITEL 


Gruppe  IV  schliesslich  umfasst  eine  recht  grosse  Anzahl  einfacher  vierbindiger 
Köpergewebe  (W  34 — 45;  ein  St.  dreibindig),  also  ohne  jene  Musterungen,  die  in 
der  Gruppe  II  zu  finden  sind.  So  gut  wie  alle  diese  Köperstoffe  haben  eine  wollige 
und  weiche  Oberfläche,  deren  Charakter  dem  heutigen  „homespun“  und  „tweed“ 
gleichkommt.  Oft  weisen  die  Stoffstücke  deutliche  Walkspuren  auf.  Der  Faden  der 
Kette  und  des  Schusses  ist  in  demselben  Stoff  oft  verschieden  fest  gesponnen. 

Gruppe  I.  Grobe  Stoffe. 

Die  unter  den  Zeichen  W  1 — 9  beschriebenen  Gewebefragmente  sind  von  aller¬ 
einfachster  und  dürftigster  Art,  sowohl  was  die  Qualität  der  Wolle  als  die  Ausführung 
der  Spinn-  und  Webarbeit  betrifft.  An  und  für  sich  hindert  dies  ja  nicht,  dass  solche 
Gewebe  an  irgendeinem  beliebigen  Platz  erzeugt  worden  sein  können,  aber  die  Be¬ 
schaffenheit  der  Wolle  deutet  darauf  hin,  dass  sie  einheimisch  sind. 

Dem  Aussehen  nach  ist  das  Woll-  und  Garnmaterial  recht  einheitlich,  grob  und 
dabei  sowohl  hart  als  auch  spröde  und  ohne  Glanz.  Im  Vergleich  mit  den  feineren 
Wollgeweben,  die  in  derselben  Erde  erhalten  geblieben  sind,  erscheint  die  betreffende 
Wolle  eigentümlicherweise  weniger  wiederstandsfähig  gegen  Vermoderung.  Diese 
groben  Fragmente  sind  samt  und  sonders  sehr  schlecht  erhalten,  das  Garn  hat  seine 
Weichheit  verloren  und  zerfällt  bei  der  geringsten  Berührung  fast  zu  Staub,  während 
andrerseits  die  Stoffe  der  drei  übrigen  Gruppen  verhältnismässig  kräftig  sind.  Im 
feuchten  Zustand  können  die  letzteren  eine  verhältnismässig  kräftige  Beanspruchung 
vertragen.  Teilweise  kann  dies  ja  davon  kommen,  dass  sich  die  letzteren  im  Schutz 
der  grossen  ovalen  Bronzespangen  oft  besser  erhalten  haben.  Die  Beobachtung  trifft 
jedoch  andrerseits  auf  eine  solch  grosse  Zahl  gleichartiger  Fundumstände  zu,  dass 
man  zu  der  Ansicht  kommen  muss,  dass  die  Haltbarkeit  in  hohem  Mass  vom  Woll- 
material  selbst  oder  dessen  Zubereitung  abhängt. 

In  diesem  Punkt  gibt  uns  die  mikrochemische  Untersuchung  keine  Aufklärung. 
Die  Fasern,  die  unter  dem  Mikroskop  hervortreten,  sind  in  den  meisten  Fällen  mehr 
oder  weniger  beschädigt.  Uber  die  Beschaffenheit  der  Wolle,  erhalten  wir  dagegen 
ergiebigere  Auskünfte.  Die  drei  Exemplare  dieser  Gruppe,  die  analysiert  wurden 
(W  1 ,  W  3  und  W  7,  Beil.  I)  sind  alle  im  Grossen  und  Ganzen  aus  ausgesprochen  gro¬ 
ber  Wolle  und  ihre  Epidermisschuppen  kommen  ihrem  Charakter  nach  der  Wolle 
der  sogen,  schwedischen  Landrasse  („svensk  lantras“)  recht  nahe  (Beil.  I).  Irgendeine 
absichtliche  Färbung  konnte  nicht  nachgewiesen  werden,  weshalb  man,  wenigstens 
bis  auf  weiteres,  annehmen  muss,  dass  der  auftretende  stark  rötliche  Ton  von  che¬ 
mischen  Stoffen  in  der  Erde  herrührt. 

Das  Garn  ist  durchwegs  nachlässig  gesponnen.  In  den  meisten  Fällen  kommen 
beide  Spinnrichtungen  vor.  Der  linksgesponnene  Faden  ist  immer  fester  gedreht  und 
wird  also  kräftiger,  weshalb  man  annehmen  muss,  dass  er  die  Kette  geliefert  hat. 
Irgendwelche  Webekanten  sind  in  dieser  Gruppe  nicht  erhalten. 


WOLLSTOFFE 


2  I 


Die  Webetechnik  war  in  5  von  den  7  beschriebenen  Stücken  Leinwandbindung, 
während  die  zwei  besonders  ungleichmässigen  Gewebe  W  6  und  7  zweifellos  drei- 
resp.  vierbindig  sind,  obwohl  nachlässig  und  ungleichmässig  gearbeitet.  Die  Lein¬ 
wandbindung  ist  gleichmässig  abgewogen  und  schütter,  gewöhnlich  3 — 5  Fäden  per 
cm  in  beiden  Richtungen.  In  den  beiden  Köperstoffen  ist  die  Kette  etwas  dichter 
und  zarter.  Mit  Ausnahme  von  W  2  sind  sie  alle  so  leicht  zugeschlagen,  dass  sie 
durchsichtig  sind,  und  es  ist  nicht  zu  sehen,  ob  man,  wie  bei  Gruppe  IV,  die  Gewebe 
absichtlich  gekrimpt  oder  gewalkt  hat,  um  sie  fester  und  dichter  zu  machen.  Gewiss 
ist  die  Oberfläche  an  mehreren  Stellen  sichtlich  verfilzt;  doch  diese  Verfilzung  ist  so 
ungleichmässig,  dass  sie  kaum  ursprünglich  gewesen  sein  kann.  Ob  die  Verfilzung 
nun  entstand,  während  das  Kleidungsstück  in  Gebrauch  stand  oder  aber  erst  nach¬ 
dem  es  unter  die  Erde  gelangt  war,  lässt  sich  nicht  entscheiden. 

W  1.  Grab  834.  Taf.  7:5.  Zweibindiges  Gewebe.  Grob  und  schütter.  Kette  ziemlich  festgesponnen 
mit  Linksdrehung,  4  Fäden  per  cm.  Schuss  sehr  lose  und  ungleichmässig  mit  Rechtsdrehung  gesponnen,  we¬ 
nigstens  doppelt  so  dick  wie  die  Kette,  Fadendichte  3  per  cm.  Die  Wolle  sieht  rauh  und  grob  aus,  aus  der 
mikroskopischen  Untersuchung  erhellt  ausgesprochene  Übereinstimmung  mit  Wolle  des  nordischen  Schafes. 
(Beil.  I.)  Farbe  rotbraun.  Auf  der  einen  Seite  zeigt  das  Stück  (ungef.  5  x8  cm)  eine  klare  zweibindige  Tex¬ 
tur,  auf  der  anderen  Seite  einen  starken  Flor  (stellenweise  ins  Bläuliche  spielend)  —  ob  durch  Einarbeiten  loser 
kurzer  Fäden  oder  durch  Aufkratzen  hervorgerufen,  ist  nicht  mit  Sicherheit  zu  entscheiden. 

W  2.  Grab  904.  Taf.  7 :  3.  Zweibindiges  Gewebe.  Ebenmässig  und  dicht,  aus  grobem  Garn,  das  für 
Kette  und  Schuss  ungefähr  gleich  fest  gesponnen  ist.  Das  eine  Fadensystem,  wahrscheinlich  die  Kette,  links¬ 
gesponnen,  5  Fäden  per  cm.  Das  andere  rechtsgesponnen,  4 — 5  Fäden  per  cm.  Farbe  rotbraun.  Auf  der  einen 
Seite  deutliche  Webetextur,  auf  der  anderen  Seite  fleckenweise  Verfilzung,  wahrscheinlich  nachträglich  ent¬ 
standen. 

W  3.  Grab  943.  Taf.  7:4.  Zweibindiges  Gewebe.  Kette  linksgesponnen,  ziemlich  fest,  6 — 7  Fäden 
per  cm.  Schuss  loser  und  bedeutend  gröber  mit  kaum  bemerkbarer  Rechtsdrehung,  3 — 4  Fäden  per  cm.  Farbe 
hellbraun.  Das  Gewebe  ist  schütter,  sieht  aber  aus,  als  wäre  es  stark  gepresst.  Die  Wolle  hat  keinen  Glanz, 
sieht  sowohl  rauh  als  auch  brüchig  aus,  siehe  Beil.  I. 

W  4.  Grab  739.  Zweibindiges  Gewebe.  Der  Farbe  und  Beschaffenheit  nach  sehr  ähnlich  dem  vorher¬ 
gehenden.  Kette  relativ  fest,  links  gesponnen,  8  Fäden  per  cm.  Schuss  4  per  cm. 

W  5.  Grab  524.  Taf.  7:  2.  Zweibindiges  Gewebe.  Zwei  kleine  Fragmente  in  graubrauner  Farbe,  dem 
vorhergehenden  ähnlich.  Kette  linksgesponnen,  5 — 6  Fäden  per  cm,  Schuss  sehr  lose  mit  schwer  zu  bestim¬ 
mender  Spinnrichtung,  4  Fäden  per  cm.  —  Scheint  an  einer  Stelle  florartig.  Vergleiche  W  8 — 9. 

W  6.  Grab  835.  Dreibindiger  Köper,  äusserst  fragmentarisch.  Kette  ziemlich  fest  linksgesponnen,  ca.  10 
Fäden  per  cm.  Unmöglich,  die  Spinnrichtung  des  Schusses  zu  bestimmen,  4 — 5  Fäden  per  cm.  Farbe  grau¬ 
braun.  Das  Material  gleicht  dem  der  beiden  vorhergehenden. 

W  7.  Grab  517.  Taf.  7:6.  Vierbindiger  Köper.  Schütteres  Gewebe  in  schwarzbrauner  Farbe.  Kette 
ziemlich  fein,  linksgesponnen,  6  Fäden  per  cm.  Schuss  grob  und  lose  rechtsgesponnen,  3 — 4  Fäden  per  cm. 
Siehe  Beil.  I. 


22 


DRITTES  KAPITEL 


W  8.  Grab  955.  Taf.  7:1.  Genopptes  oder  florartiges  Gewebe?  Mehrere  undeutliche  Fragmente,  die 
bei  einer  ringförmigen  Spange  lagen,  aus  grobem  Wollgarn,  in  dem  deutlich  verschiedene  Farbtöne  zu  be¬ 
merken  sind:  hellbraun,  rötlich  und  bläulich.  Auf  der  einen  Seite,  die  der  Spange  zugewendet  lag,  ist  ein  gro¬ 
bes,  schütteres,  aber  verworrenes  Gewebe  in  drei-  oder  vierbindiger  Textur  zu  sehen.  Das  Garn  ist  links¬ 
gesponnen.  Auf  der  andern  Seite  liegen  eine  Menge  Fadenendchen  in  verschiedenen  Richtungen  gepresst. 
Wie  sie  auf  der  Unterlage  befestigt  waren,  lässt  sich  wegen  der  Brüchigkeit  des  Materials  unmöglich  ent¬ 
scheiden.  Es  erinnert  an  das  als  D  1 1  beschriebene  Gewebe.  An  einzelnen  Stellen  ist  zu  sehen,  wie  der 
Schussfaden  von  der  regelmässigen  Bindung  abbiegt  und  hängen  bleibt. 

W  9.  Grab  736.  Genopptes  Gewebe?  Ein  sehr  kleines  Fragment,  ungef.  3x1.5  cm.  Auf  der  einen  Seite 
undeutliche  Leinwandbindung,  auf  der  andern  gleichsam  Locken  aus  losem  Wollgarn  oder  möglicherweise 
nur  ungesponnener  Wolle. 


Gruppe  II.  Gemusterte  Köpergewebe  von  zarter  Qualität. 

Diese  Gruppe  zerfällt  in  zwei  Untergruppen,  je  nachdem  ob  die  Stoffe  drei- 
oder  vierbindig  sind.  Abgesehen  von  diesem  webetechnischen  Merkmal  gibt  es 
noch  andere  Besonderheiten,  die  es  uns  geboten  erscheinen  lassen,  jede  dieser  Grup¬ 
pen  für  sich  zu  beschreiben. 

Die  vierbindigen  Gewebe,  die  in  viel  grösserer  Menge  Vorkommen,  zeigen  wenig 
Variationen.  Der  auf  Taf.  4  abgebildete  Diamant-  oder  Rautenköper  kommt  in 
so  grosser  Menge  vor  —  nur  in  Birka  über  40  Mal  — ,  dass  man  von  Standardware 

sprechen  kann.  Die  Varianten  mit  abweichender  Bindung  sind  sehr  gering.  Un¬ 

ter  den  erhaltenen  dreibindigen  Stoffen  ist  hingegen  keiner  dem  anderen  ganz 
gleich. 

Obwohl  die  Anzahl  der  Fäden  per  cm  in  der  erstgenannten  Sorte  wechseln  kann, 
so  ist  der  Stoff  doch  fast  immer  gleich  dicht  und  fest.  Die  Fadenanzahl  steht  in  einem 
nahezu  konstanten  Verhältnis  zum  Feinheitsgrad  des  Fadens.  Die  dreibindigen 
Stoffe  sind  in  der  Regel  zarter  und  dünner  als  die  ersteren,  weil  das  Fadenmaterial 

noch  feiner  ist.  Obwohl  die  Anzahl  der  Fäden  per  cm  gegen  60  erreichen  kann,  so 

liegen  die  verschiedenen  Fäden  nicht  so  dicht,  dass  sie  nicht  ein  wenig  Licht  durch¬ 
lassen  würden,  was  bei  vierbindigen  Stoffen  beinahe  niemals  vorkommt. 

Sowohl  für  die  Kette  wie  für  den  Schuss  ist  das  Garn  in  der  Regel  von  derselben 
Sorte  und  demselben  Feinheitsgrad:  fest  und  gleichmässig  linksgesponnen,  auf¬ 
fallend  frei  von  Wolligkeit  oder  Neigung  zur  Verfilzung,  ähnlich  dem,  was  wir 
heute  Kammgarn  nennen.  Trotz  des  kleinen  Masstabes  tritt  die  Textur  des  Gewebes 
hierdurch  immer  sehr  klar  hervor. 

Aus  der  Materialuntersuchung  geht  hervor,  dass  die  Wolle  weiss  und  im  Grossen 
und  Ganzen  ausgesprochen  feinhaarig  ist.  Obwohl  der  Feinheitsgrad  bedeutend 
variiert,  so  stimmen  die  beiden  untersuchten  Stücke  mit  zwei  weiteren  Stoffproben 
(W  22  und  W  37)  der  Gruppe  III  und  IV,  sowohl  was  Farbe  und  Qualität  als  auch 
den  Charakter  der  Epidermisschuppen  der  Wollhaare  betrifft,  überein.  Ein  grosser 


WOLLSTOFFE  23 

Teil  des  Materials  scheint  blau  gefärbt  gewesen  zu  sein.  Als  Farbstoff  wurde  Fär¬ 
berwaid  und  Färberwau  nachgewiesen. 

Gemeinsam  für  beide  Sorten  ist  die  Methode,  das  Muster  durch  Drehung  der 
Diagonalrichtung  des  Köpers  zu  bilden.  Das  Muster  ist  auf  dem  Kontrast  zwischen 
rechts-  und  linksaufsteigenden  Diagonalen  aufgebaut.  Dies  erzielt  man  in  erster  Linie 
dadurch,  dass  die  Kettenfäden  in  gewissen  Intervallen  „in  Spitze“  eingezogen  wer¬ 
den;  hierdurch  entsteht  sogen.  Spitzenköper.  Weiter  wird  Abwechslung  in  den 
Mustereffekten  während  des  Webens  selbst  in  der  Weise  hervorgebracht,  dass  die 
Reihenfolge,  in  der  die  Schäfte  gehoben  werden  (was  im  gewöhnlichen  Webstuhl 
durch  Treten  geschieht)  in  Übereinstimmung  mit  der  Litzeneinrichtung  abwechselt. 

Vierbindige  Stoffe. 

Das  Bindungsschema  der  vierbindigen  „Standardstoffe“  ist  unveränderlich,  wie 
aus  Abb.  2  hervorgeht,  nur  die  Dichte  wechselt  etwas.  In  dem  einen  Faden¬ 
system  (das,  wie  sich  gezeigt  hat,  den  Schuss  bildet)  kann  die  Fadenzahl  zwischen 
12  und  20  wechseln,  gewöhnlich  bewegt  sie  sich  jedoch  um  15 — 16.  Das  andere 
Fadensystem  (also  die  Kette),  ist  im  Verhältnis  zum  Schuss  immer  besonders  dicht. 
Die  Fadenzahl  ist  hier  mindestens  2  Mal,  meistens  ungefähr  2  xk  Mal  so  dicht  wie 
im  Schuss.  In  der  feinsten  Qualität  kann  man  ungefähr  55  Fäden  per  cm  zählen. 
Folglich  wird  der  Schuss  beinahe  ganz  durch  die  Kette  verdeckt.  Die  Schussfäden 
liegen  straff  gespannt  und  ziehen  die  Kettenfäden  in  kleine  Wellen. 

Sowohl  für  die  Kette  wie  den  Schuss  ist  das  Garn  von  derselben  Sorte  und  dem¬ 
selben  Feinheitsgrad:  gleichmässig  und  fest  linksgesponnen,  auffallend  frei  vonWol- 
ligkeit  oder  Neigung  zu  Verfilzung.  Trotz  des  kleinen  Masstabes  tritt  die  Textur 
des  Gewebes  hierdurch  immer  erstaunlich  klar  hervor.  Die  Farbe  ist  in  der  Regel 
dunkel,  gewöhnlich  in  einer  grünblauen  Tönung,  die  so  gleichmässig  ist,  dass  sie 
ursprünglich  gewesen  zu  sein  scheint  und  daher  nicht  vom  Grünspan  der  Bronze¬ 
spange  herrührt. 

Technisch  kann  die  Bindung  als  ein  beidrechter,  vierbindiger  Rauten-  oder  ge¬ 
nauer  Diamanten-Köper  bezeichnet  werden.  In  einem  gewöhnlichen  Webstuhl 
würde  man  das  Rautenmuster  teils  dadurch  zustande  bringen,  dass  das  laufende 
Einziehen  der  Litzen  bei  jedem  10.  Faden  umgekehrt  wird  (wodurch  Spitzenköper 
gebildet  wird),  teils  dadurch,  dass  die  Litzenstäbe  nach  10  Schüssen  in  umgekehrter 
Reihenfolge  gehoben  werden.  Ob  letzteres  durch  Treten  oder  auf  andere  Weise 
erreicht  wurde,  das  brauchen  wir  vorderhand  nicht  erörtern.  Wie  aus  dem  Bindungs¬ 
diagramm  hervorgeht,  sind  die  Schäfte  nicht  in  eine  symmetrische  Spitze  eingerichtet, 
wie  es  sonst  bei  Spitzenköper  und  dgl.  öfters  der  Fall  ist.  Die  Einrichtung  ist  viel¬ 
mehr  versetzt,  was  ein  analoges  Verhältnis  für  den  Schuss  nach  sich  zieht;  das  ist 
aber  genau,  was  man  auch  Diamantköper  nennen  kann.  Alle  Kettenfäden  kreuzen 
die  Schussfäden  in  folgender  Reihenfolge:  über  2,  unter  2,  über  2,  unter  2,  über  1, 
unter  1 ;  darauf  nochmals  über  2  und  so  fort  in  derselben  Reihenfolge.  Durch  die 


24 


DRITTES  KAPITEL 


versetzte  Einrichtung  im  Verein  mit  der  Dichte  der  Kette  werden  in  der  Schuss¬ 
richtung  vertiefte  Linien  oder  Rillen  gebildet,  die  dem  Gewebe  ein  charakteristisches 
Aussehen  verleihen. 

In  einem  kleinen  Stoffstück  ohne  Webekanten  festzustellen,  was  Kette  oder 
Schuss  ist,  kann  mitunter  grosse  Schwierigkeiten  bereiten.  Bezüglich  der  hier  be¬ 
schriebenen  Stoffsorte  wäre  man  im  ersten  Augenblick  dazu  geneigt,  die  schütteren 
und  straff  gespannten  Fäden  für  die  Kette  zu  halten  und  die  dicht  liegenden,  um  die 
ersteren  zusammengeschobenen,  für  den  Schuss.  Dies  erscheint  ja  am  natürlichsten. 


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Abb.  2 — 4.  Schema  zu  W  10  mit  Anfangskante,  zu  W  12  und  W II. 


Die  kleinen  Pfeile  zeigen,  dass  die  betreffenden  Buchten 

gibt  die 


in  Wirklichkeit  weiter  nach  unten  gezogen  sind.  Der  grössere  Pfeil 
Kettenrichtung  an. 


Wie  eine  wollene  Kette  mit  einer  Fadendichte  vom  55  bis  60  Fäden  per  cm  praktisch 
hätte  funktionieren  sollen,  kann  man  sich  kaum  vorstellen. 

Glücklicher  Weise  sind  uns  indessen  einige  Webekanten  erhalten,  aus  denen  man 
unbedenklich  den  richtigen  Tatbestand  folgern  kann*  Und  dieser  ist  das  gerade 
Gegenteil  von  dem,  was  man  sich  zuerst  vorgestellt  hat. 

Die  beiden  erhaltenen  Stücke  der  seitlichen  Stoffkante  sind  freilich  klein,  Taf. 
4:  2,  doch  sie  zeigen  ganz  deutlich,  dass  die  Bindung  des  Stoffes  (d.  i.  die  Fadenlage) 
ganz  unverändert  bis  an  die  Aussenkante  verläuft,  wo  der  Schuss  umkehrt.  Ob 
jeder  Faden  regelmässig  im  nächstfolgenden  Fach  wiederkehrt  oder  ob  mehrere 
Schiffchen  abwechselnd  gebraucht  wurden,  lässt  sich  nicht  feststellen,  weil  das  eine 
Stück  so  klein  und  das  andere  zum  grossen  Teil  steif  vor  Rost  ist. 

Ausserdem  wurden  in  zwei  verschiedenen  Gräbern  Stücke  einer  Webekante 
ganz  anderer  Art  gefunden,  Taf.  4:3,  deren  Textur  von  der  des  übrigen  Stoffes 


WOLLSTOFFE 


25 


gänzlich  verschieden  ist.  Die  Richtung  des  Rautenmusters  zeigt,  dass  diese  Webe¬ 
kanten  im  Webstuhl  mit  den  eben  beschriebenen  Seitenkanten  einen  Winkel  gebildet 
haben  müssen.  Die  einzige  Erklärung  kann  daher  nur  die  sein,  dass  wir  es  hier  mit 
der  Anfangskante  zu  tun  haben,  d.  h.  jenem  Teil,  der  an  dem  Warenbaum  befestigt 
war.  Das  abweichende  Aussehen  dieses  Börtchens  erklärt  sich  daraus,  dass  es  zu  dem 
Zwecke  hergestellt  wurde,  um  die  Kette  zu  ordnen,  bevor  sie  eingezogen  wurde. 
Trotz  seiner  technischen  Finesse  und  der  übrigen  Unterschiede  ist  dieses  Verfahren 
analog  den  primitiveren  und  den  oft  auffallenderen  Webekanten,  die  an  verschie¬ 
denen  vorgeschichtlichen  Textilfunden  beobachtet  wurden,  angefangen  bei  den 
Kleidern  der  dänischen  Bronzezeit  über  verschiedene  Textilien  aus  der  Völker¬ 
wanderungszeit  und  der  jüngeren  Eisenzeit  bis  zu  den  lappländischen  „Rana“ 
der  heutigen  Zeit,  ein  Vergleich,  auf  den  wir  später  (S.  29)  noch  zurückkommen 
werden.  Vorerst  sei  unsere  Webekante  beschrieben. 

Abb.  2  gibt  ein  schematisches  Bild  von  der  Lage  der  Fäden.  Die  Webekante 
selbst  bildet  gleichsam  ein  starkes  Band,  dessen  6  Kettenfäden  von  mehrfachem 
Garn  gebildet  werden.  Der  Schuss  des  Bandes  (=  Kette  des  Stoffes)  ist  ersichtlich 
auf  zwei  Schiffchen  oder  Knäuel  verteilt  gewesen,  die  jedes  Mal  gewechselt  wurden, 
sobald  man  an  der  Kante  angelangt  war,  (auf  dem  Bild  oben).  Diese  Fadenbuchten 
binden  einander  und  bilden  gleichsam  eine  Flechte.  In  Wirklichkeit  liegt  diese  nicht 
genau  so,  wie  die  schematische  Zeichnung  zeigt,  sondern  von  der  Kante  entfernt, 
als  ob  die  mit  kleinen  Pfeilen  markierten  Biegungen  über  den  ersten  dicken  Ketten¬ 
faden  heruntergezogen  wären. 

Der  Faden,  der  die  Kette  des  Gewebes  bilden  soll,  wird  in  jedem  Fach  des  Bandes 
doppelt  eingezogen,  vgl.  unten  auf  Abb.  9.  Hierdurch  wird  er  am  Rande  enger 
zusammengeschoben,  sodass  die  Webekante  stärker  und  die  Kette  dichter  wird. 

W  10.  Abb.  2.  Der  Diamantköper  kommt  in  einer  Reihe  von  Gräbern  vor.  Folgende  beschriebene  Stoff¬ 
fragmente  sind  Beispiele  der  verschiedenen  Qualitäten,  von  der  gröbsten  bis  zur  feinsten, 
ä)  Grab  523.  Taf.  4:1.  Dunkelbraun  mit  bläulichem  Unterton.  Fadendichte  per  cm  32X12.1 

b)  Grab  950.  Ungleichmässiges  Fragment  von  nahezu  schwarzer  Farbe.  Fadendichte  per  cm  28x14. 

c)  Grab  597.  Stück  etwa  1  dm2,  blauschwarz.  Fadendichte  per  cm  (36 — 38)xi4- 

d)  Grab  465  A.  Stück  etwa  3x4  cm  mit  seitlicher  Webekante,  stark  mit  Rost  vermischt,  ursprüngliche  Farbe 
allen  Anschein  nach  dunkelblau.  Fadendichte  per  cm  38  Xi6. 

e)  Grab  521.  Taf.  4:  2.  Kleines  Stück  mit  reichlich  2  cm  seitlicher  Webekante.  Braune  Farbe.  Ketten¬ 
dichte  am  grössten  nahe  der  Kante,  40 — 46  per  cm.  Schussdichte  15  Fäden  per  cm. 

f)  Grab  539.  Fadendichte  per  cm  32x16. 

g)  Grab  838.  Taf.  5:6.  Stoffstück  mit  oberer  Webekante,  „Anfangskante“,  7  cm  lang.  Dunkelbraune 
Farbe,  möglicherweise  ursprünglich  schwarz.  Fadendichte  per  cm  40  X  15.  Das  in  Rips  hergestellte  Börtchen 
ist  10  mm  breit,  im  übrigen  wie  W  10  i  (siehe  unten).  Etwa  1/a  cm  innerhalb  des  Börtchens  ist  der  Stoff  zu¬ 
rückgeschlagen,  die  Falte  mit  einer  Reihe  von  Stielstichen  niedergenäht  (St  4)  und  die  Aussenkante  mit  einer 
Wollschnur  verziert. 

1  Die  Ziffern  bezeichnen  die  Fadenanzahl  in  den  beiden  einander  kreuzenden  Fadensystemen,  also  die  Ketten¬ 
dichte  resp.  die  Schussdichte. 


DRITTES  KAPITEL 


26 

h)  Grab  539.  Taf.  7:7.  Kleine  Fragmente,  schwärzliche  Grundfarbe.  Fadendichte  per  cm  40x18. 

i)  Grab  507.  Taf.  4:3.  2  ungefähr  gleiche,  etwa  4  cm  lange  Stoffstücke  mit  umgebogener  oberer 

Webekante.  Dunkle  blauschwarze  Farbe.  Fadendichte  des  Stoffes  per  cm  etwa  55  resp.  20 — 21.  Die  An¬ 
fangskante,  Abb.  2,  ist  8  mm  breit.  Ihre  Kette  besteht  aus  6  vierfachen  Fäden.  Der  Schuss  der  Borte 
(=  Kette  des  Stoffes)  ist  mit  zwei  getrennten  Fäden  eingezogen,  die  regelmässig  an  der  Kante  abwechseln 
und  gleichsam  eine  Schnur  bilden.  Da  der  Schussfaden  um  die  Kettenspanner  (siehe  unten ;  Abb.  9  d  und  e.) 
hin  und  her  gelaufen  ist,  kommt  er  in  demselben  Webfach  hinein  wie  heraus.  Die  Kette  der  Anfangsborte 
wird  ganz  vom  Schuss  verdeckt,  der  also  einen  im  Verhältnis  zum  Stoff  groben  Rips  bildet.  Bezüglich  des 
Materials  siehe  Beil.  I. 

Stoffe  derselben  Sorte  finden  sich  ausserdem  in  38  Gräbern  und  zwar  oft  mehrere  Qualitäten  in  dem¬ 
selben  Grab. 

Neben  dieser  unter  W  io  a — i  beschriebenen  Standardware  gibt  es  drei  Va¬ 
rianten,  die  teilweise  mit  der  vorliegenden  übereinstimmen.  W  1 1  ist  ähnlich  mit 
dem  Unterschied,  dass  der  Bindungsrapport  kleiner  ist,  Abb.  4.  Die  beiden  Spitzen¬ 
köper  sind,  nach  den  oben  beschriebenen  Stoffen  zu  urteilen,  Kettenwaren,  weshalb 
die  Köperwendung  durch  die  Litzenvorrichtung  bewirkt  worden  sein  muss,  ganz 
wie  bei  W  10.  Auch  hier  ist  die  Einrichtung  immer  versetzt.  Das  „Treten“  erfolgt 
aber  immer  in  derselben  Reihenfolge.  Die  beiden  Stoffe  W  12  und  13  (Abb.  3, 
Taf.  4:  4 — 5),  in  denen  die  Kette  wegen  ihres  etwas  gröberen  Garns  dominiert, 
macht  fast  den  Eindruck  eines  Atlasgewebes.  Dies  hat  zur  Folge,  dass  sich  die 
tatsächliche  Fadenläge  sehr  schwer  feststellen  lässt. 

W  11.  Grab  825.  Taf.  4:6.  Abb.  4.  Diamantköper.  Zwei  gut  erhaltene,  beinahe  ovale  Stücke, 
etwa  9 — 12  cm,  mit  einigen  langen  losen  Stichen  zusammengeheftet.  Farbe  grünlich.  Fadendichte  per  cm 
36x16.  Faden  linksgesponnen  und  in  Kette  und  Schuss  von  derselben  Feinheit. 

W 12.  Grab  465  B.  Taf.  4:4.  Beidrechter,  vierbindiger  Spitzenköper.  Der  Bindungsrapport  zeigt 
einen  Köper,  der  bei  jedem  10.  bis  12.  Faden  umkehrt.  Fadendichte  per  cm  etwa  35  resp.  12.  Das  dichtere 
Fadensystem  besteht  aus  einem  etwas  gröberen  Faden  als  das  schüttere.  Der  Faden  ist  linksgesponnen.  Das 
Garn  schiebt  sich  in  der  einen  Köperrichtung  enger  zusammen  als  in  der  anderen,  wodurch  die  Oberfläche 
ein  leicht  gestreiften  Aussehen  erhält. 

W  13.  Grab  602.  Taf.  4:  5.  Beidrechter,  vierbindiger  Spitzenköper.  Ein  kleines  blauschwarzes  Stück, 
etwa  3x3  cm.  Der  Stoff  gleicht  in  Farbe  und  Qualität  mehr  den  zarten  dreibindigen  als  einem  der  übrigen 
vierbindigen  Stoffe.  Er  ist  etwas  durchsichtig.  Der  Faden  ist  sehr  fein  und  glatt.  Fadendichte  per  cm  nur 
40  x  15.  Analog  dem  W  10  ist  das  dichtere  Fadensystem  als  Kette  anzusehen.  Der  Schuss  scheint  hier  wie 
in  dem  obigen  Spitzenköper  etwas  feiner  zu  sein  als  die  Kette.  Doch  Bestimmtes  lässt  sich  hierüber  nicht 
sagen. 

Dreibindige  Stoffe. 

Diese  kommen  nicht  so  reichlich  vor  wie  der  oben  beschriebene  Diamantköper 
und  dessen  Varianten.  Nur  9  Beispiele  wurden  gefunden. 

Stattdessen  sind  sie  viel  zarter.  Das  Garn  ist  in  der  Regel  so  fein  und  ebenmässig 
wie  die  feinste  Nähseide  von  heute.  Bei  einer  Dichte  von  50 — 60  Fäden  per  cm 


WOLLSTOFFE 


27 


kann  der  Stoff  doch  weich  und  ein  wenig  durchsichtig  sein.  Bei  den  feinsten  Exem¬ 
plaren  ist  die  Oberfläche  glatt  und  glänzend  ohne  eine  Spur  von  Wolligkeit.  Die 
Farbe  ist  in  der  Regel  so  dunkelblau,  dass  sie  schwarz  wirkt.  Die  chemische  Unter¬ 
suchung  hat  Färberwaid  als  Farbstoff  nachgewiesen. 


Bis  auf  eine  einzige  Ausnahme  sind  alle  zu  dieser  Gruppe  gehörigen  Stoffe 
als  Rautenköper  zu  bezeichnen.  Wie  aus  den  nebenstehenden  Diagrammen  hervor¬ 
geht,  wechseln  die  Bindungsrapporte  bezüglich  der  Fadenzahl  ein  wenig.  Die  Um- 


Abb.  5 — 6.  Schema  zu  IV  16  und  W  ij. 


Abb.  7 — 8.  Schema  zu  IV  15  und  IV  14. 


kehr  ist  natürlich  immer  symmetrisch  in  einer  Spitze  eingezogen  —  die  Einrichtung 
zu  versetzen,  ist  nämlich  bei  dreibindigem  Köper  nicht  möglich. 

Betrachtet  man  diese  Stoffe  mit  blosssem  Auge,  so  hebt  sich  die  Rautenmusterung 
wenig  ab.  Statt  dessen  erkennt  man  zuerst  ein  kariertes  Muster,  durch  die  verschie¬ 
denen  Schattierungen  des  rechts  und  links  ansteigenden  Köpers  hervorgerufen.1 

Die  Frage,  was  Kette  oder  Schuss  ist,  kann  in  diesen  Fällen  für  sich  allein  nicht 
beantwortet  werden,  weil  nicht  die  geringste  Spur  einer  Webekante  erhalten  ist. 

1  Obzwar  selbstverständlich,  sei  hier  eine  Tatsache  hervorgehoben,  die  bei  Bestimmung  der  Technik  Missverständ¬ 
nisse  zur  Folge  haben  kann.  Dreibindiger  Köper  ist  ja  nie  beidrecht.  Wenn  die  Oberseite  KettenefFekt  zeigt,  erhält  die 
Unterseite  ein  Aussehen,  das  Leinwandbindung  täuschend  ähnlich  ist.  Wenn  das  StofF-Fragment  klein  ist  und  an  einem 
anderen  Gegenstand  sitzt,  so  kann  dies  eine  Quelle  von  bedauerlichen  Missverständnissen  werden. 


28 


DRITTES  KAPITEL 


Obwohl  es  auch  bei  diesen  Stoffen  das  Natürlichste  wäre,  sich  die  Kette  schütter  und 
den  Schuss  dicht  vorzustellen,  so  darf  man  doch  nicht  die  Beweise  für  das  Gegen-- 
teil  ausser  Acht  lassen,  die  die  erhaltenen  Webekanten  der  vierbindigen  Köper^ 
Stoffe  beinhalten.  Trotz  der  Verschiedenheiten  zwischen  den  Hauptteilen  der  beiden 
Gruppen  von  gemusterten  vier-  und  dreibindigen  Geweben  dürfte  kein  Zweifel 
darüber  herrschen,  dass  sie  zu  derselben  Produktion  gehören.  Die  einzelnen  „Zwi¬ 
schenglieder“  zwischen  den  verschiedenen  Gruppen,  z.  B.  W  13  und  W  14  oder 
W  1 9,  stellen  nur  weitere  Beweise  für  die  innere  Zusammengehörigkeit  aller  Grup¬ 
pen  dar.  Da  die  Regel  „Kette  am  dichtesten“  ihre  Giltigkeit  bei  einem  Ripsgewebe, 
das  zufolge  seines  Materiales  auf  dieselbe  Produktion  zurückgeführt  werden  kann, 
erwiesen  hat,  darf  man  sie  wohl  auch  bezüglich  unserer  dreibindigen  Stoffe  als  be¬ 
wiesen  ansehen. 

Der  Faden  ist  in  den  folgenden  8  Stoff-Fragmenten  durchgehend  linksgesponnen 
und  gewöhnlich  von  demselben  Feinheitsgrad  in  Kette  und  Schuss. 

i 

W  14.  Grab  521.  Taf.  5:1,  Abb.  8.  Dreibindiger  Rautenköper.  Verhältnismässig  grobes,  dichtes  Ge¬ 
webe.  Kleine  Fragmente  in  grünem  Farbton  mit  Rost  vermischt.  Fadendichte  per  cm  28 — 30  resp.  15—16. 

W  15.  Grab  71  i  A.  Taf.  5:4,  Abb.  7.  Dreibindiger  Rautenköper.  Kleine  Fragmente  von  dunkel¬ 
brauner  Farbe.  Schütteres  Gewebe.  Fadendichte  per  cm  24x13. 

W  16.  Grab  466.  Taf.  5:  5,  Abb.  5.  Dreibindiger  Rautenköper.  Der  Stoff  ist  noch  weich  und  schmieg¬ 
sam,  ein  wenig  durchsichtig.  Ausführung  ausserordentlich  ebenmässig  und  genau.  Farbe  dunkelblau,  ips 
Grüne  spielend.  Mehrere  Fragmente,  eins  7  X3.5  cm.  Fadendichte  per  cm  50x17. 

W  17.  Grab  838.  Taf.  5:3,  Abb.  6.  Dreibindiger  Rautenköper.  Mehrere  Fragmente  in  dunkler, 
ursprünglich  schwarzer  oder  blauer  Farbe.  Fadendichte  per  cm  52  X  14.  Muster  sehr  undeutlich. 

W 18.  Grab  839.  Taf.  5:2.  Dreibindiger  Rautenköper.  Etliche  fragmentarische  Stücke,  das  grösste 
6x7  cm.  Dichtes,  ebenmässiges  Gewebe  in  dunkler  Farbe,  die  im  nassen  Zustand  vollständig  schwarz  ist. 
Fadendichte  per  cm  36  X  15.  Bindungsrapport  ungefähr  wie  Abb.  8.  —  Ein  sehr  ähnliches  Fragment  in  Grab 
968  gefunden. 

W  19.  Grab  857.  Dreibindiger  Rautenköper.  Ein  verhältnismässig  grober  und  sehr  dichter  Stoff.  Kleine 
Fragmente  stark  mit  Rost  vermischt,  Grundfarbe  scheint  bläulich  zu  sein.  Fadendichte  per  cm  36  X  i2- 
Bindung  wie  W  14. 

W  20.  Grab  660.  Dreibindiger  Rautenköper.  Kleine  Fragmente  in  dunkelbrauner  Farbe.  Fadendichte 
per  cm  55 — 60x17.  Der  vollständige  Bindungsrapport  konnte  wegen  der  Kleinheit  des  Fragmentes  nicht 
rekonstruiert  werden,  er  scheint  jedoch  mit  Abb.  5  übereingestimmt  zu  haben,  obwohl  die  Qualität  feiner 
ist.  Das  Material  wurde  analysiert  (Beil.  I). 

W  21.  Grab  464.  Ungemusterter,  dreibindiger  Köper.  Litzeneinrichtung  ohne  Umkehr.  Das  Fragment 
misst  kaum  4.5 — 2  cm  und  ist  stark  mit  Rost  vermischt.  Grundfarbe  dunkelgrünblau.  Fadendichte  per  cm 
40  X  17*  Der  Schuss  wirkt  etwas  zarter  und  ist  weniger  fest  gesponnen.  Die  Oberseite  zeigt  schwach  hervor- 


WOLLSTOFFE 


29 


tretende  Diagonallinien  in  rechts  aufsteigender  Richtung.  Die  Unterseite  hat  wie  gewöhnlich  Effekt  von 
Lein  wandbindung;  stellenweise  werden  kleine  Erhöhungen  in  derselben  Richtung  wie  die  Diagonallinien  der 
Oberseite  sichtbar.  Das  Gewebe  ist  besonders  fest  und  dicht.  Im  Verhältnis  zu  den  übrigen  Stoffen  derselben 
Gruppe  wirkt  die  Oberfläche  ein  wenig  wollig.  Wegen  der  Kleinheit  des  Fragmentes  und  des  starken  Rost¬ 
gehaltes,  der  die  Fasern  steif  macht,  lässt  sich  nicht  entscheiden,  ob  diese  Steifheit  nicht  auch  durch  Walken 
verursacht  wurde. 

Uber  die  Technik  der  gemusterten  Köperstoffe. 

Wie  sollen  wir  uns  das  praktische  Verfahren  denken,  das  die  Voraussetzung  für 
die  Anwendung  derartiger  Webekanten  sein  muss?  Der  Zusammenhang  sowohl 
mit  älteren  vorgeschichtlichen  Funden  als  auch  noch  lebendem  ethnologischem 
Material  wurde  bereits  hervorgehoben. 

Emelie  von  WalterstorfF  hat  hier  im  weitesten  Umfang  Klarheit  durch  eine  Studie1 
geschaffen,  in  der  sie  die  Herstellung  einer  sogen.  „Rana“  (finnisch)  oder  „Grenne“ 
(norwegisch)  einer  groben  Wolldecke  beschreibt,  die  bei  den  norwegischen  Lappen 
vorkommt,  eine  Methode,  die  in  diesem  Zusammenhang  von  grösstem  Interesse 
ist.  Diese  kommt  an  einem  Webstuhl  mit  hängender  Kette  zur  Anwendung,  der 
nahezu  in  allen  Einzelheiten  dem  von  den  Färöern  und  aus  Norwegen  wohlbekannten 
Gewichtswebstuhl,  dem  sogen.  „Opstagogn“  gleicht.  Zum  „Grennewebstuhl  “  ge¬ 
hört  ein  besonderes  Gerät,  ein  „Scherbock“  —  eigentlich  eine  Kombination  von 
Bandwebstuhl  und  Anzettler,  d.  h.  ein  Gestell  zum  Aufspannen  der  Kette,  —  dessen 
Prinzip  aus  der  schematischen  Zeichnung  Abb.  9  hervorgeht.  Das  Band  wird  mit 
Hilfe  eines  sogen.  Webegitters  gewebt  und  der  Schuss  des  Bandes  an  der  einen 
Seife  zu  langen  Schlaufen  ausgezogen,  die  um  feste  Ständer  gelegt  werden,  deren 
Abstände  der  erforderlichen  Kettenlänge  angepasst  sind.  Sobald  ungefähr  1  dm 
fertig  ist,  werden  die  langen  Schlaufen  losgemacht  und  in  zwei  Bündel  aufgeteilt, 
die  das  Fach  bilden  sollen;  die  Bandkette  wird  weiter  nach  vorn  gezogen.  Sobald 
das  Band  die  Länge  erreicht  hat,  die  der  Breite  der  zu  verfertigenden  Rana  entspricht, 
wird  das  Ganze  von  dem  Gestell  genommen  und  das  Webegitter  herausgezogen.  Das 
Band  oder  die  Franse  wird  dann  zwischen  die  beiden  oberen  Ecken  des  Webstuhles 
aufgehängt  und  an  dem  oberen  Baum  festgeschnürt.  Die  herabhängende  und  auf 
2  Fächer  aufgeteilte  Kette  wird  geordnet  und  mit  Gewichten  versehen.2  —  Die 
fertige  Rana  erhält  also  auf  3  Seiten  Webekanten. 

Das  für  die  späte  lappische  Rana  auf  diese  Weise  hergestellte  Halbfabrikat  zeigt 
eine  auffallende  Übereinstimmung  mit  der  in  Tegle  (Norwegen)  gefundenen,  mit- 

1  E.  von  Walterstorff,  En  vävstol  och  en  varpa,  Fataburen  1928.  Vgl.  auch  Kurt  Hentschel,  Der  germa¬ 
nische  Webstuhl  bei  den  Lappen,  Rundschau  technischer  Arbeit  Nr  24  1937. 

2  Prinzipiell  dasselbe  Verfahren  ist  auf  dem  wichtigen  Bild  im  Utrechtpsalter  (E.  T.  De  Wald,  The  Illustrations  of 
the  Utrecht  Psalter,  Princeton  1935;  abgebildet  bei  A.  Geijer  in  Fornvännen  1937,  S.  247)  zu  beobachten.  Das  Aufscheren 
wird  von  zwei  Frauen  ausgeführt,  was  vielleicht  zur  Erklärung  der  zwei  wechselnden  Fäden  in  unseren  Anfangskanten 
dienen  kann.  Wahrscheinlich  webt  die  sitzende  Frau  das  Band,  während  die  andere  in  Bewegung  ist.  Statt  das  Garn 
um  die  Ständer  des  lappischen  Scherbocks  zu  legen,  spannen  sie  es  zwischen  zwei  Pfähle.  Daneben  sind  zwei  Frauen  an 
einem  senkrechten  Webstuhl  beschäftigt,  der  wahrscheinlich  eben  ein  Gewichtswebstuhl  ist,  obzwar  dies  nicht  mit  Sicher¬ 
heit  zu  erkennen  ist. 


3° 


DRITTES  KAPITEL 


tels  Brettchen  hergestellten  Webekette  (aus  der  römischen  Eisenzeit).  E.  v.  Walters¬ 
dorff  hebt  auch  mit  Recht  hervor,  dass  man  sich  eines  analogen  Verfahrens  bei 
Anfertigung  derjenigen  mit  schmalen,  brettchen gewebten  Kanten  versehenen  Gewe¬ 
ben  bedient  haben  muss,  die  aus  mehreren  prähistorischen  Funden  bekannt  sind. 
Stettiners  und  nach  ihm  Dedekams  Annahme,  dass  eine  solche  Anfangskante  im 
Webstuhl,  den  sie  sich  übrigens  als  einen  geschlossenen  Rahmen  vorstellen,  her¬ 
gestellt  wurde,  erweist  sich  bei  näherem  Nachdenken  als  unnötig  umständlich. 

Ein  kurzer  Überblick  über  das  Vorkommen  solcher  mittels  Bandweberei  ange¬ 
zettelter  Gewebe  dürfte  hier  am  Platz  sein. 

In  den  dänischen  Geweben  aus  der  Bronzezeit1  finden  wir  eine  sehr  einfache  Kante 
aus  Ripsgewebe  mit  doppeltem  Schuss  in  jedem  Fach,  von  der  die  dänischen  Ver- 


llllll 


Abb.  9.  Schema  %um  Bandanxetteln . 

a  Bandkette,  b  Webegitter  oder  dgl.,  c  Bandschuss  =  die  zum  Stoff  zu  verwebende  Kettej  d  u.  e  Pflöcke  zum  Spannen 

der  Gewebekette. 


fasser  annehmen,  dass  sie  mittels  zweilöchriger  Brettchen  hergestellt  wurde.2  Aus 
der  römischen  Eisenzeit  liegen  uns  mancherlei  Beispiele  vor:  Teils  die  von  Stettiner 
veröffentlichten  Moorfunde  mit  ihren  hübschen,  zum  Teil  auch  breiten  Brettchen¬ 
borten,  teils  die  diesen  recht  nahestehenden  norwegischen,  von  Dedekam  beschrie¬ 
benen  Funde,  besonders  der  Teglefund,  sowie  auch  noch  mehrere  bisher  wenig 
bekannte  Funde,  die  kürzlich  zusammen  mit  den  Snartemofunden  von  Hougen 
veröffentlicht  wurden.3 

Schliesslich  seien  noch  einige  Beispiele  aus  den  dürftigen  Moorleichen funden 

1  Vollständig  veröffentlicht  von  H.  C.  Broholm  und  Margrethe  Hald,  Danske  Bronzealdersdragter  (Nordiske 
Fortidsminder  udgivne  af  Det  Kgl.  Oldskriftselskab,  Bd  II,  H.  5 — 6,  Kopenhagen  1935)-  Dasselbe  Material  wird  auch 
in  der  kürzlich  erschienenen  Arbeit  von  K.  Schlabow,  Germanische  Tuchmacher  der  Bronzezeit  (Neumünster  i.  H. 
1937)  behandelt. 

2  Diese  Annahme  hat  viel  Wahrscheinlichkeit  für  sich,  obwohl  sie  nicht  als  bewiesen  angesehen  werden  kann.  Schla¬ 
bow  hat  dementsprechend  eine  Kopie  mittels  Litzenstab  hergestellt.  Natürlich  kann  hierzu  auch  ein  Webegitter  wie  bei 
der  lappischen  Rana  verwendet  worden  sein.  Hingegen  stellt  die  andere,  geflochtene  Borte,  die  alle  3  Verfasser  für  die 
Anfangsborte  halten,  mit  grösster  Bestimmtheit  den  Abschluss  des  Gewebes  dar.  Vgl.  A.  Geijer  in  Fornvännen  1937, 
S.  243,  und  Acta  Archaeologica  1938. 

3  R.  Stettiner,  Brettchenwebereien  in  den  Moorfunden  von  Damendorf,  Daetgen  und  Torsberg,  Mitteilungen  des 
Anthropologischen  Vereins  in  Schleswig-Holstein,  Kiel  191 1.  Hans  Dedekam,  Et  tekstilfund  i  myr  fra  romersk  jernalder, 
Stavanger  Museums  Aarshefte  for  1921 — 24.  Björn  Hougen,  Snartemofunnene,  Studier  i  folkevandringstidens  orna- 
mentikk  og  tekstilhistorie,  Norske  Oldfunn,  Oslo  1935. 


WOLLSTOFFE 


3  1 

erwähnt,  die  von  Hahne1  veröffentlicht  wurden.  Die  Anfangsborten  spielen  hier 
nur  eine  konstruktive  Rolle,  ob  sie  nun  mit  Brettchen  in  Schnurvorrichtung  oder 
als  einfacher  Rips  hergestellt  sind.  Einige  der  Wollstoffe  der  Moorleiche  aus 
Barnuthsfeld  haben,  wenn  sie  auch  bedeutend  gröber  sind  und  die  Bandkette  über¬ 
wiegt,  eine  gewisse  Ähnlichkeit  mit  unseren  Birkastoffen. 

Bekanntlich  hat  sich  die  Tradition  vom  Typus  des  Torsberger  Mantels  mit  de¬ 
korativen  Brettchenborten  auf  4  Seiten  in  Finnland  und  im  Baltikum  während  der 
jüngeren  Eisenzeit  und  heute  noch  in  der  Volkskunst  Lettlands  lebendig  erhalten 
und  weiter  entwickelt.2  Die  Wikingerzeit  Schwedens  und  Norwegens  ist  in  dieser 
Hinsicht  noch  nicht  veröffentlicht,  doch  wird  das  Osebergwerk  interessante  Auf¬ 
schlüsse  hierüber  geben,  das  unser  leider  so  beschädigtes  gleichartiges  Exemplar, 
M  2,  aus  Birka  ergänzen  wird. 

Indessen  gibt  es  in  Schweden  ein  von  E.  v.  Walterstorff  a.  a.  O.  nachgewiesenes 
Beispiel  für  eine  obere  Webekante,  die  lediglich  konstruktive  Bedeutung  hat,  näm¬ 
lich  an  dem  einen  der  bekannten  Bildteppiche  aus  överhogdal,  der  aus  der  Zeit  um 
1100  stammt.  Die  Anfangsborte  mit  ihrem  zweifädigen  Schuss  (=  Kette  des  Gewe¬ 
bes),  der  ganz  die  groben  Kettenfäden  des  Bandes  verdeckt,  hat  eine  auffallende 
Ähnlichkeit  mit  „unserer“  Webekante  Abb.  2.  Es  kann  hinzugefügt  werden,  dass 
man  schon  früher  aus  anderen  Gründen  angenommen  hat,  dass  die  Bildteppiche 
aus  överhogdal  auf  einem  Webstuhl  mit  hängender  Kette  hergestellt  worden 
seien.3 

Die  beiden  Erfindungen,  Bandanzettelung  und  Webstuhl  mit  hängender  Kette, 
gehören  zweifellos  eng  zusammen,  wenn  man  auch  nicht  in  jedem  Fall  behaupten 
kann,  dass  das  eine  das  andere  voraussetzt.  Webstühle  mit  hängender  Kette  finden 
wir  auf  griechischen  Vasenmalereien  und  auf  einer  ungarischen  Graburne  aus  der  Hall¬ 
stattzeit  abgebildet4,  vom  Anzetteln  der  Kette  für  diese  Gewebe  weiss  man  jedoch 
nichts.  Andrerseits  finden  sich  an  den  Schweizer  Pfahlbautextilien  Webekanten, 
die  in  hohem  Masse  an  die  hier  besprochenen  erinnern.5 

Nachdem  man  den  Kettenaufzug  mit  Band  bei  den  feinen  Birkageweben  fest¬ 
gestellt  hat,  verbleibt  doch  die  Frage,  ob  sie  auf  einem  Webstuhl  mit  hängender 
Kette  hergestellt  wurden.  Dieser  Möglichkeit  gegenüber  verhält  man  sich  anfäng¬ 
lich  zweifelnd;  es  lässt  sich  schwerlich  denken,  dass  eine  so  gleichmässige  und  mit 
solcher  Präzision  ausgeführte  Arbeit  anders  zustande  kommen  könnte  als  auf  einem 
gewöhnlichen  Webstuhl  mit  waagerechter  Kette,  Lade  mit  darin  eingefasstem  Weber¬ 
kamm  oder  Rietblatt.  Bei  näherem  Nachdenken  erweist  sich  jedoch  die  letztere 

1  Hans  Hahne,  Vorzeitfunde  aus  Niedersachsen,  Hannover  1915 — 26,  bes.  Taf.  XXXIX — XXXXI. 

2  H.  Appelgren-Kivalo,  Finnische  Trachten  aus  der  jüngeren  Eisenzeit,  Helsingfors  1907.  Tyyni  Vahter,  Der 
späteisenzeitliche  Mantel  im  Ostbaltikum,  Congressus  Secundus  Archaeologorum  Balticorum  Rigae  19. — 23.  VIII.  1930. 
Alma  Birgel-Paecle  in  Latvijas  Säule  1926  und  1927. 

3  Agnes  Branting  und  Andreas  Lindblom,  Medeltida  vävnader  och  broderier  i  Sverige,  I,  S.  11. 

4  Hörnes,  Urgeschichte  der  bildenden  Kunst,  S.  559. 

6  E.  Vogt,  Geflechte  und  Gewebe  der  Steinzeit,  Abb.  82  ff.,  S.  70 — 71.  Vogt  nimmt  auch  an,  dass  schon  hier 
eine  dem  lappischen  Scherbock  ähnliche  Vorrichtung  vorhanden  war. 


32 


DRITTES  KAPITEL 


Behauptung  als  völlig  unhaltbar.  Ein  Rietkamm  für  eine  so  dichte  Kette  ist  über¬ 
haupt  kaum  denkbar  und,  hätte  man  die  Fäden  endlich  eingefädelt,  wären  sie  zweifel¬ 
los  sofort  abgenutzt  und  aufgeribbelt  worden.  Auch  mit  den  technischen  Hilfsmitteln 
der  Gegenwart  wäre  es  sicher  ein  unlösbares  Problem,  einen  genügend  feinen  und 
geschmeidigen  Rietkamm  für  eine  wollene  Kette  mit  einer  Fadendichte  von 
ungefähr  60  Fäden  per  cm  zu  erhalten.  Schon  aus  diesem  Grunde  muss  man  anneh¬ 
men,  dass  die  Stoffe  mit  hängender  Kette  gewebt  wurden.  In  diesem  Falle  wird 
das  Gewebe  mit  dem  sogen.  Webeschwert  im  Fadenfach  fest  geschlagen,  wodurch 
die  Abnutzung  der  Fäden  bedeutend  geringer  wird,  als  wenn  dies  mit  Hilfe  des  im 
Schlagbaum  eingefassten  Kammes  geschieht.  Es  wird  nun  auch  verständlich,  dass 
der  Stoff  gerade  durch  die  ausserordentlich  dichte  Kette  ebenmässig  wird  und  hier¬ 
durch  bis  zu  einem  gewissen  Grade  der  Rietkamm,  ja  vielleicht  sogar  der  Webspanner 
ersetzt  wird. 

Sicher  war  dieser  Webstuhl  keineswegs  so  primitiv,  wie  die  wenigen  bis  auf 
unsere  Zeit  in  Norwegen  und  auf  den  Färöern  erhaltenen  Exemplare  vermuten 
lassen  würden.  Der  von  Olavius1  beschriebene  und  abgebildete  isländische  Web¬ 
stuhl  aus  dem  18.  Jahrhundert  kann  uns  vielleicht  eine  Vorstellung  geben,  wie 
er  ausgesehen  haben  mag.  Er  ist  mit  drei  Schäften,  d.  s.  Litzenstäben,  und  einem 
Trennstab  versehen,  wodurch  (beachte!)  vier  Fächer  gebildet  werden  —  der  Trenn¬ 
stab  erzeugt  nämlich  das  sogen,  natürliche  Fach.  Hieraus  entsteht  eben  das,  was  wir 
heute  „vierschäftig“  (=  vierbindig)  nennen,  entsprechend  den  Einrichtungen  eines 
gewöhnlichen  Webstuhles  mit  horizontaler  Kette  und  Trittschemeln  in  Verbindung 
mit  vier  Litzenstäben.2  Ausserdem  hat  der  Webstuhl  des  Olavius  einen  verstellbaren 
Zeugbaum,  auf  den  der  Stoff  aufgewickelt  werden  kann.  Wahrscheinlich  war  auch 
die  Kette  auf  den  Gewichten  aufgewickelt  oder  daran  befestigt,  sodass  sie  sich  ent¬ 
sprechend  dem  Fortschreiten  der  Arbeit  abwickeln  konnte. 

Der  abgebildete  Webstuhl  konnte  wohl  ohne  Schwierigkeit  auch  für  die  Her¬ 
stellung  von  dreibindigen  wie  zweibindigen  Stoffen  verwendet  werden  —  die  Zahl 
der  Litzenstäbe  musste  lediglich  auf  2  resp.  i  vermindert  werden.  Bevor  der  jetzt 
gebräuchliche  Webstuhltypus  für  Erzeugung  von  feineren  Geweben  allgemein 
Eingang  fand,  muss  der  alte  Opstagogn-Typus  auch  in  einer  verfeinerten  und 
besser  ausgeführten  Gestalt  aufgetreten  sein  können.  Es  ist  ein  häufiger  Irr¬ 
tum,  ein  altertümliches  Gerät  wie  den  Gewichtswebstuhl,  der  sich  zur  Bewältigung 
einer  speziellen,  ziemlich  anspruchlosen  Aufgabe  bis  in  die  Gegenwart  erhalten  hat, 
als  die  vollendete  Auflage  eines  im  übrigen  ausgestorbenen  Typus  zu  betrachten  und 
danach  die  Leistungsfähigkeit  der  Konstruktion  an  und  für  sich  zu  beurteilen.  Wir 

1  O.  Olavius,  Oeconomisk  Rejse  igiennem  Island.  Seite  630,  Taf.  XII. 

2  Die  Bezeichnung  „vierschäftig“  für  ein  auf  einem  derartigen  Webstuhl  hergestelltes  Gewebe  ist  natürlich  inadaequat, 
ebenso  wie  „dreischäftig“  und  „zweischäftig“  in  analogen  Fällen,  doch  sicherlich  würde  es  nur  Unklarheit  und  Verwir¬ 
rung  hervorrufen,  wollte  man  von  den  jetzt  allgemein  gebräuchlichen  Benennungen  abweichen.  Die  hier  angewandte 
Bezeichnung  -bindig  anstatt  -schäftig,  ist  ein  Versuch,  jene  für  unseres  Material  vielleicht  nicht  genau  zutreffenden  Worte 
zu  vermeiden. 


WOLLSTOFFE  3  3 

können  überzeugt  sein,  dass  das  beste  Exemplar  des  Webstuhles  jener  Zeit  kein 
schlechtes  Gerät  war. 

Einen  interessanten  Beweis  für  die  Brauchbarkeit  des  Webstuhles  mit  hängender 
Kette1  geben  die  von  Broholm-Hald2  gemachten  Mitteilungen  einer  alten  Weberin 
von  den  Färöern  ab.  Als  sie  noch  jung  war,  hatte  sie  gelernt,  „vierschäftig“  mit 
nur  drei  Schäften  auf  einem  Webstuhl  mit  hängender  Kette  zu  weben,  was  eine 
beträchtliche  Geschicklichkeit  erfordert  haben  soll.  Es  ist  bemerkenswert,  dass  man 
zur  Zeit,  als  man  mit  horizontaler  Kette  zu  weben  begann,  den  neuen  Webstuhl 
mit  drei  Litzenstäben  und  einem  Trennstab  ausrüstete  statt  einfach  mit  4  Litzen¬ 
stäben! 

In  diesem  Zusammenhang  sei  eine  Beobachtung  berichtet,  die  ich  leider  nicht 
völlig  zu  erklären  vermag.  Die  Regel,  dass  vierbindiger  Spitzenköper  immer  versetzt 
ist,  trifft  nicht  nur  auf  alle  hier  vorkommenden  Stoffe  zu,  sondern  auch,  soweit  ich 
beobachten  konnte,  auf  alle  derartigen  Stoffe  sowohl  aus  der  Völkerwanderungszeit 
wie  auch  aus  der  jüngeren  Eisenzeit.3  In  dem  einzigen  Köpergewebe,  das  uns  aus 
der  Zeit  vor  der  Eisenzeit  bekannt  ist,  dem  Mantel  aus  Gerum4,  hat  diese  Regel 
nur  einige  wenige  Ausnahmen,  die  sicher  als  zufällige  Unregelmässigkeiten,  verur¬ 
sacht  durch  Ausfallen  einzelner  Fäden,  erklärt  werden  können. 

Der  Grund  für  diese  Regel  muss  m.  E.  technischer  Natur  sein.  Beim  Einziehen  der 
Fäden  in  die  Litzen  eines  gewöhnlichen  Webstuhles,  wo  die  Fäden  einzeln  eingezogen 
werden,  wäre  es  aus  ästhetischen  Gründen  das  Natürlichste,  einfach  „in  Spitze 
umzukehren“,  also  ohne  versetzte  Einrichtung,  damit  das  Muster  symmetrisch  wird. 
Wenn  die  Spitzeinrichtung  in  Handgeweben  späterer  Zeiten  versetzt  ist,  so  hat  dies 
oft  Zweckmässigkeitsgründe.  Lediglich  ästhetische  Motive  für  versetzte  Einrichtung 
halte  ich  wegen  der  konsequenten  Einhaltung  der  Regel  für  ausgeschlossen.  Das 
Wesen  des  Verfahrens  muss  ein  Abweichen  von  der  Regel  unmöglich  gemacht  haben. 

Nach  dem  was  bisher  über  die  Webekunst  des  Nordens  erforscht  worden  ist, 
darf  es  wohl  gestattet  sein  anzunehmen,  dass  alle  diese  Stoffe  sowohl  auf  Bändern 
angezettelt  als  auch  auf  einem  Webstuhl  mit  hängender  Kette  gewebt  wurden.5 6 
Mir  kommt  es  wahrscheinlich  vor,  dass  diese  Eigenheit  in  der  Bandanzettelung 
ihren  Grund  hat.  Freilich  wissen  wir  nicht,  wie  diese  bei  vierbindigen  Geweben 
vor  sich  gegangen  ist,  man  kann  aber  annehmen,  dass  die  Kette  bereits  bei  Beginn 

1  Der  von  Olavius  abgebildete  Webstuhl  wurde  bisweilen  von  etlichen  Verfassern  für  eine  Legende  oder  doch  für 
,un verlässlich  angesehen. 

2  Broholm-Hald,  a.  a.  O.,  S.  305. 

3  Dies  Urteil  gründet  sich  teils  auf  direkte  Materialstudien  an  den  Museen  in  Oslo,  Kiel,  Helsingfors,  Riga  u.  s.  w., 
teils  auf  Arbeiten  Hahnes,  Hougens  u.  a.  —  d.  h.  auf  den  Hauptteil  der  erhaltenen  Gewebe  dieser  Art.  Hier  soll  auch 
erwähnt  werden,  dass  dieselbe  Eigenheit  an  einem  der  feinen  Wollstoffe  aus  Palmyra  beobachtet  werden  kann  (Pfister, 
Les  textiles  de  Palmyre;  „L  17“,  Seite  35  und  Taf.  IX:  d),  deren  Bindung  mit  unserem  Typus  W  10  identisch  zu  sein 
scheint;  die  Kettenrichtung  ist  aber  unbekannt.  Über  die  Provenienz  dieses  Gewebes  aus  dem  3.  Jhdt.  weiss  man  nichts. 

4  L.  v.  Post,  E.  v.  Walterstorff,  S.  Lindqvist,  Bronsäldersmanteln  frän  Gerumsberget  i  Västergötland.  Kap. 

III,  Webtechnik,  von  E.  v.  Walterstorff. 

6  Was  den  Gerumsmantel  betrifft,  so  stimme  ich  hier  Broholm-Hald,  a.  a.  O.,  und  nicht  v.  Walterstorff  bei. 


3“ 37823.  Birka  III. 


34 


DRITTES  KAPITEL 


der  Arbeit,  wie  bei  der  Herstellung  der  obenbeschriebenen  zweibindigen  „Rana“, 
auf  die  vier  Fächer  verteilt  wurde.  Hieraus  ergibt  sich,  dass  für  die  Verteilung  der 
Fäden  viel  weniger  Spielraum  verbleibt  als  auf  einem  gewöhnlichen  Webstuhl,  wo  ja 
jeder  Kettenfaden  einzeln  durch  seine  Litze  gefädelt  wird.  Zufriedenstellende  Klar¬ 
heit  hierüber  könnten  wohl  nur  vollständig  durchgeführte  praktische  Experimente 
schaffen. 


Gruppe  III.  Rips  und  andere  Gewebe  in  Leinwandbindung  zarter 

Qualität. 

Diese  Gruppe  ist  in  mancherlei  Hinsicht  heterogen,  doch  sind  die  Verschiedenhei¬ 
ten  oft  sehr  relativ.  Uber  den  Erzeugungsort  lässt  sich  sehr  schwer  etwas  sagen,  doch 
es  scheint,  als  ob  er  in  verschiedenen  Gegenden  zu  suchen  wäre. 

Die  ersten  9  Stoffe  (W  22 — 30)  sind  ziemlich  einheitlich.  Es  sind  lauter  Rips¬ 
gewebe,  nach  zwei  erhaltenen  Webekanten  zu  urteilen,  zweifellos  Kettenrips,  aus 
einer  dichten  Kette  und  einem  im  Verhältnis  dazu  schütteren  Schuss  bestehend, 
dessen  gerade  hegende  Fäden  mehr  oder  wenig  völlig  von  der  Kette  verdeckt  werden. 
Die  Kette  war  augenscheinlich  wenig  straff  gespannt,  sodass  jeder  Kettenfaden  von 
den  Schussfäden  zu  markanten  Wellenlinien  geformt  wurde.  Die  Qualität  kann  als 
zart  bezeichnet  werden,  durchschnittlich  18 — 22  Kettenfäden  per  cm.  Die  Ausfüh¬ 
rung  ist  durchwegs  regelmässig,  auch  unter  Berücksichtigung  einzelner  Ausnahmen 
mit  ungleichmässiger  Kettendichte. 

Die  eine  der  erhaltenen  seitlichen  Webekanten  (W  22)  zeigt,  dass  man  sich  beim 
Einführen  des  Schusses  wenigstens  zweier  Weberschiffchen  oder  Spulen  abwechselnd 
bedient  hat.  Der  Grund  hierzu  war  wahrscheinlich,  dass  man  eine  schmiegsame  und 
ebenmässige  Webekante  erhalten  wollte.  Bei  einer  Kette  von  so  geringer  Faden¬ 
dichte  hätte  begreiflicher  Weise  ein  Schussfaden,  der  im  folgenden  Fach  wieder¬ 
kehrt,  die  Kettenfäden  viel  mehr  zusammengezogen  als  es  hier  der  Fall  ist.  Hier  so¬ 
wohl  wie  bei  W  10  sind  die  Stoffkanten  nicht  besonders  markiert. 

Das  Garn  ist  sowohl  in  der  Kette  als  im  Schuss  linksgesponnen  mit  Ausnahme 
von  ein  paar  Stücken,  wo  der  Schuss  rechtsgesponnen  ist.  Die  Spinnarbeit  ist  auffal¬ 
lend  ebenmässig  und  fest  ausgeführt. 

Dem  Aussehen  nach  stimmt  das  Garn  mit  dem  der  Stoffe  der  Gruppe  II 
überein.  Durch  seine  glatte  und  sich  beinahe  hart  anfühlende  Oberfläche,  die  frei 
von  aller  Wolligkeit  ist  und  nirgends  eine  Tendenz  zur  Verfilzung  zeigt,  gleicht  es 
dem,  was  man  Kammgarn  nennt.1  Am  deutlichsten  kommt  diese  Eigenschaft  in  dem 
dunklen,  glänzenden  W  22-Stoff  zum  Vorschein,  wo  die  Verspinnung  des  Garnes 

1  Kammgarn  wird  aus  Wolle  mit  vorwiegend  Deckhaar  gesponnen,  aus  welcher  zuerst  die  zartgekräuselte  Grund¬ 
wolle  ausgekämmt  wurde.  Die  Kammwolle,  die  man  auf  diese  Weise  erhält,  wird  nicht  mit  der  Karde  (Wollkrätze)  bear¬ 
beitet,  sondern  wie  Flachs  und  ähnliches  Material  sofort  gesponnen. 


WOLLSTOFFE  3  5 

den  Stoff  elastisch  und  dabei  gleichzeitig  federnd  macht,  sodass  es  sich  wie  ein  Gewebe 
aus  Metalldraht  gerne  zusammenrollt. 

Bei  den  übrigen  Exemplaren  ist  diese  Eigenschaft  weniger  ausgeprägt.  Dasselbe 
gilt  von  der  Farbe  und  der  Textur.  Bis  zu  einem  gewissen  Grade  dürfte  dies  darin 
seinen  Grund  haben,  dass  diese  mehr  dem  zerstörenden  Einfluss  der  Feuchtigkeit 
und  chemischer  Stoffe  ausgesetzt  waren.  Die  Farbe  sämtlicher  Stoff-Fragmente 
ist  dunkel,  die  der  meisten  von  ausgesprochen  blauem  Ton. 

Von  den  in  Rede  stehenden  9  Exemplaren  wurde  das  erste  einer  chemisch-tech¬ 
nischen  Materialuntersuchung  unterzogen,  Beil.  I.  Nach  dieser  herrscht  eine  unver¬ 
kennbare  Übereinstimmung,  sowohl  was  den  Charakter  der  Wolle  als  auch  die  ge¬ 
schickt  ausgeführte  Spinnarbeit  betrifft,  mit  zwei  Stoffen  der  Gruppe  II  (W  10  und 
W  20)  sowie  mit  dem  schlichten  Köperstoff  W  37.  Sie  sind  auch  alle  mit  Färberwaid 
blaugefärbt. 

W  22.  Grab  837.  Taf.  6:  1.  Ripsgewebe.  Dunkle  grün-blaue  Farbe.  Der  Stoff  glänzt  noch  und  zeigt 
sehr  deutliche  Textur  ohne  Spur  von  Wolligkeit.  Er  fühlt  sich  glatt,  schmiegsam  und  elastisch  an.  Das  Garn 
beider  Fadensysteme  ist  fest,  mit  Linksdrehung  gesponnen  und  ist  besonders  zart  und  ebenmässig.  Nach  der 
Analyse  sind  die  Wollhaare  weiss  und  der  Beschaffenheit  nach  einheitlich;  Durchmesser  zwischen  17  und  50  fx 
wechselnd.  Die  grünblaue  Farbe  ist,  wie  die  Untersuchung  ergibt,  das  Produkt  einer  gelben  Unterfarbe,  wahr¬ 
scheinlich  aus  Wau  (Reseda  luteola),  und  einer  Blaufärbung,  scheinbar  mittels  Färberwaid  (Isatis  tinctoria). 
Kettendichte  22  Fäden  per  cm,  gegen  die  Webekante  zu  ungefähr  30.  Der  Schuss  8 — 9  Fäden  per  cm.  Die 
Kette  war  lose  gespannt,  jeder  Faden  bildet  markante  Wellenlinien  im  Gegensatz  zu  den  straff  gespannten 
Schussfäden.  Infolge  der  starken  Drehung  des  Garns  erhält  die  Oberfläche  ein  köperähnliches  Aussehen. 

7  bis  8  cm  erhaltener  Webekante  beweisen,  dass  man  für  den  Schuss  wenigstens  2  Spulen  verwendet  hat, 
die  in  der  Regel  abwechselnd  in  jedes  2.  Fach  eingeführt  wurden,  wenn  auch  mit  einzelnen  Unregelmässig¬ 
keiten:  hie  und  da  hat  man  einen  Kettenfaden  an  der  Kante  gelassen,  zuweilen  sind  zwei  Schussfäden  in  dem¬ 
selben  Fach  oder  ein  Schussfaden  überspringt  mehrere  Fächer,  ohne  umzukehren.  Es  sind  mehrere  Teil¬ 
stücke  erhalten  und  in  gutem  Zustand,  eines  davon  hat  augenscheinlich  auf  einer  ovalen  Spange  gelegen. 

W  23.  Grab  837.  Rips.  Dem  vorigen  ziemlich  ähnlich.  Das  Garn  jedoch  weniger  fest  gesponnen,  sodass 
das  Gewebe  dichter  wirkt  als  das  oben  beschriebene.  Nur  ein  kleineres  Stück  erhalten,  stark  mit  Rost  vermischt. 
Fadendichte  per  cm  20 — 22  (Kette)  resp.  9. 

W  24.  Grab  954.  Taf.  6:  7.  Rips.  Gleichmässiger  und  feiner,  beinahe  schwarzer  Stoff.  Garn  links¬ 
gesponnen,  im  Schuss  etwas  loser.  Fadendichte  per  cm  24  XI2. 

W  25.  Grab  1004.  Rips.  Gewebe  undicht  und  etwas  steif,  etwas  ungleichmässig.  Ein  recht  grosses  Stoff¬ 
stück  mit  Naht.  Farbe  ursprünglich  beinahe  blauschwarz.  Fadendichte  per  cm  ca.  18  (Kette)  resp.  11.  Ketten¬ 
garn  links-,  Schussgarn  rechtsgesponnen,  jenes  fest,  dieses  etwas  loser. 

W  26.  Grab  987.  Taf.  6: 3.  Ripsartiges  Gewebe.  Ziemlich  schütteres,  dünnes  Gewebe  von  blauer 
Farbe,  recht  grosse  Stücke  bei  einer  ovalen  Spange.  Garn  linksgesponnen,  in  der  Kette  fest,  im  Schuss  etwas 
loser.  Fadendichte  18 — 20  resp.  12. 

W  27.  Grab  1004.  Rips.  Ein  kleineres  Stück,  ebenmässiges  und  dichtes  Gewebe.  Kettengarn  links,  Schuss¬ 
garn  rechts  und  loser  als  ersteres  gesponnen.  Fadendichte  per  cm  16  X  9. 


36 


DRITTES  KAPITEL 


W  28.  Grab  1090.  Taf.  6:  5.  Rips.  Dichtes  und  gleichmässiges  Gewebe  von  dunkelblauer  Farbe.  Garn 
linksgesponnen,  im  Schuss  etwas  loser.  Fadendichte  per  cm  18x9. 

W  29.  Grab  839.  Rips.  Dichtes  und  gleichmässiges  Gewebe.  Die  Fragmente  sind  jetzt  stark  durch  die 
Bronze  verfärbt,  Grundfarbe  wahrscheinlich  dunkelblau.  Garn  links  gesponnen,  Schussgarn  etwas  feiner. 
Fadendichte  per  cm  20x10. 

W  30.  Grab  973.  Taf.  6:6.  Ripsartiges  Gewebe,  als  Futter  für  einen  Diamantköperstoff  verwendet. 
Das  Stück  hat  eine  7  cm  lange  Webekante,  die  keine  markante  Abgrenzung  zeigt.  Zum  Einziehen  des  Schusses 
scheint  nur  eine  Spule  verwendet  worden  zu  sein.  Garn  linksgesponnen,  Schussgarn  etwas  feiner.  Farbe  braun. 
Fadendichte  per  cm  14  X  11. 

Die  beiden  folgenden  Muster  sind  gröber  als  die  vorhergehenden  und  auch  nach 
anderen  Richtungen  hin  verschieden.  Das  Kettengarn  ist  nicht  nur  etwas  gröber,  son¬ 
dern  auch  dichter,  bis  zu  25  Fäden  per  cm,  weshalb  der  Schuss  nur  sehr  spärlich  ein¬ 
geschlagen  werden  konnte.  Hierdurch  wird  der  Ripscharakter  noch  mehr  verstärkt. 
Die  Textur  hat  eine  auffallende  Ähnlichkeit  mit  dem  Grundgewebe  des  broschierten 
„Krabbasnär-Teppichs“,  von  dem  einige  Fragmente  erhalten  sind,  M  4  etc.  In  dem 
kleineren  der  beiden  nachfolgend  beschriebenen  Fragmente  ist  undeutlich  ein  „Stich“ 
zu  sehen,  der  einem  solchen  Broschierschuss  ähnelt,  aber  viel  zu  undeutlich  ist,  als 
dass  man  das  in  Rede  stehende  Stück  unter  die  gemusterten  Gewebe  einreihen  könnte. 

Das  eine  der  beiden  Fragmente  wurden  chemisch  analysiert.  Die  Wolle  enthält 
Haare  von  sehr  verschiedener  Stärke,  ist  jedoch  vorwiegend  grob.  Der  Charakter 
der  Epidermisschuppen,  soweit  sie  nicht  beschädigt  sind,  lässt  keine  bestimmte  Schaf¬ 
rasse  erkennen. 

W  31.  Grab  739.  Grober  Rips.  Blauschwarze  Tönung.  Kleine  Fragmente.  Kette  ist  links,  Schuss  rechts 
gesponnen,  letzterer  etwas  loser.  Fadendichte  per  cm  25  x6.  Ein  paar  undeutliche  Spuren  von  querlaufenden 
Fäden  können  Reste  eines  broschierten  Musters  sein. 

W  32.  Grab  847.  Taf.  6:4.  Grober  Rips  von  dunkler,  schwarz-  oder  blau-brauner  Farbe.  Garn  links¬ 
gesponnen.  Fadendichte  per  cm  16  X 6.  Ein  Fragment  ca.  3x6  cm,  gefaltet. 

Das  zuletzt  beschriebene  Stück,  W  33,  ist  ein  verhältnismässig  dünnes  Leinwand¬ 
gewebe  mit  gleicher  Fadenzahl  in  beiden  Richtungen.  Aus  dem  Aussehen  des  er¬ 
haltenen  Teiles  kann  man  die  Schlussfolgerung  ziehen,  dass  die  Kette  des  Stoffes  ge¬ 
streift  war  und  zwar  abwechselnd  mit  schmaleren  blauen  und  breiteren  roten  Streifen. 
Das  Garn  ist  im  Verhältnis  zu  dem  in  W  22 — 30  vielleicht  etwas  ungleichmässig, 
die  Ausführung  ist  aber  im  Grossen  und  Ganzen  gut.  Im  Birkamaterial  ist  diese 
Sorte  eine  Einzelerscheinung. 

W  33.  Grab  1090.  Taf.  6:  8.  Gestreifter  zweibindiger  Stoff,  ca.  3  x  6  cm.  Ein  sehr  fragmentarisches 
Stück  mit  einer  kaum  1  cm  breiten  seitlichen  Webekante.  Garn  gleichmässig  gesponnen,  Linksdrehung. 
Fadendichte  per  cm  12x9.  Die  Kette  besteht  aus  ca.  5  mm  breiten  Streifen  abwechselnd  in  bläulicher  und 
rotbrauner  Farbe.  Der  Schuss  ist  rotbraun.  Zwei  zusammengeklebte  Schnüre  aus  gleichem  Material  sind 
möglicherweise  Reste  eines  Brettchenbandes. 


WOLLSTOFFE 


37 


Gruppe  IV .  Schlichte  Stoffe  in  Köperbindung. 


Charakteristisch  für  alle  folgenden  1 2  Stoffsorten  —  vielleicht  mit  Ausnahme  der 
schlecht  erhaltenen  W  38  und  W  40  —  ist  die  ebenmässige,  gewerbsmässige  Ausfüh¬ 
rung,  sowohl  was  die  Spinn-  und  Webarbeit  als  auch  die  Nachbehandlung  betrifft. 
Es  dürfte  nämlich  kaum  ein  Zweifel  darüber  herrschen,  dass  die  meisten  dieser  Stoffe 
einer  Art  Appretur  unterzogen  wurden,  sei  es  dass  es  sich  nur  um  leichte  Anfeuchtung 
und  Pressung  (W  34),  kräftiges  Krimpen  (z.  B.  W  36 — 3  7)  oder  regelrechtes  Walken 
mit  Aufkratzen  im  Verein  mit  Krimpen  und  Pressen  (W  42)  handelt.  Der  letztge¬ 
nannte  Stoff  ist  so  stark  verfilzt,  dass  die  Bindung  beinahe  unkenntlich  geworden  ist; 
der  Stoff  ist  so  dicht  wie  dickes  Sämischleder.  Mit  Ausnahme  des  ersten  Exemplares 
sind  alle  anderen  Stoffe  so  dicht,  dass  sie  nicht  das  geringste  Licht  durchlassen. 


Abb.  10 — 11.  Schema  zu  JV  34 — 39 >  resp.  IV  41. 


Uber  Einzelheiten  dieser  Nachbehandlung  lässt  sich  schwer  etwas  sagen,  doch 
alles  deutet  darauf  hin,  dass  sie  im  Zuge  der  ganzen  Stofferzeugung  vorgenommen 
wurde,  —  sonst  hätte  man  kaum  ein  so  gleichmässiges  Resultat  erzielen  können. 
Dass  die  in  mehreren  Fällen  sehr  starke  Verfilzung  durch  die  Erdfeuchtigkeit  noch 
mehr  erhöht  wurde,  ist  wohl  anzunehmen. 

Die  Bindung  ist  in  der  Regel  ein  gleichmässiger,  vierbindiger  Köper,  der  dadurch, 
dass  das  Garn  der  Kette  und  des  Schusses  verschiedene  Spinnrichtung  zeigt,  gewöhn¬ 
lich  auf  der  einen  Seite  deutlicher  hervortritt,  die  man  demnach  als  Oberseite  zu  be¬ 
trachten  hat.  In  diesem  Fall  scheinen  die  Diagonallinien  immer  nach  rechts  aufzustei¬ 
gen,  vorausgesetzt,  dass  der  Stoff  in  der  Richtung  der  Kette  betrachtet  wird.  W  41 
weist  eine  Variation  der  gewöhnlichen  Köperbindung  auf,  den  versetzten  Köper. 
Die  zweite  Ausnahme,  das  kleine  Fragment  W  40,  in  dreibindigem  Köper,  hat  noch 
andere  abweichende  Eigenschaften,  die  seine  Zugehörigkeit  zu  der  übrigen  Gruppe 
fraglich  erscheinen  lassen. 

Die  Qualität  ist  bei  allen  ziemlich  dieselbe  und  entspricht  in  der  Fadendichte  unge¬ 
fähr  unserem  heutigen  Tweed  oder  Homespun.  Nur  die  zwei  letzten  sind  bedeutend 
feiner,  doch  nie  von  derselben  zarten  Qualität  wie  die  Stoffe  der  Gruppe  II. 

Das  Garn  der  Kette  und  des  Schusses  ist  in  der  Regel  verschiedenartig.  Die  Kette 
besteht  immer  aus  festem,  linksgesponnenem  Garn  und  die  Fadendichte  ist  meistens 


DRITTES  KAPITEL 


38 

etwas  grösser  als  die  des  Schusses.  Dieser  ist  dagegen  immer  loser  und  poröser  und 
zeigt  Rechtsdrehung.  Hierdurch  tritt  der  Diagonalcharakter  auf  der  einen  Seite 
deutlicher  hervor.1 

Das  Wollgarn  hat  ein  ganz  anderes  Aussehen  als  das  Material  der  Gruppen  II 
und  III,  das  wir  versuchsweise  als  Kammgarn  bezeichnet  haben.  Auch  fest  gesponnen 
hat  das  Garn  ein  wolliges  Aussehen,  das  natürlich  noch  weicher  und  „wolliger“ 
wird,  wenn  das  Garn  loser  gesponnen  ist.  An  dem  völlig  ungewalkten  W  35  tritt 
diese  Eigenschaft  besonders  deutlich  hervor.  Bemerkenswert  ist  die  grössere  Halt¬ 
barkeit  des  Materials  gegenüber  den  groben  Geweben  der  Gruppe  I;  in  mehreren 
Fällen  hält  es  noch  eine  relativ  starke  Beanspruchung  aus. 

Die  meisten  Stoffe  dieser  Gruppe  zeigen  eine  Farbentönung,  die  mehr  oder  we¬ 
niger  deutlich  ins  Blaue  spielt,  bisweilen  sehr  dunkel.  Irgend  eine  andere  Farbe 
kann  man  unter  den  erdbraunen  Tönen,  die  sonst  vorherrschen,  nicht  erkennen. 

Zwei  Exemplare  dieser  Gruppe  wurden  einer  mikrochemischen  Untersuchung 
unterzogen  (Beil.  I),  nämlich  W  37  und  W  42.  Im  ersten  Fall  war  das  Ergebnis  die 
Feststellung  eines  Zusammenhanges  mit  der  kontinentalen  Fabrikation,  die  durch 
W  10,  20,  22,  und  37  vertreten  ist.  Im  letzteren  führte  die  Untersuchung  zu  keinem 
positiven  Urteil,  jedoch  erscheint  ein  Zusammenhang  mit  dem  erstgenannten  nicht 
ausgeschlossen:  die  Wolle  ist  nicht  grob  und  der  Charakter  der  Epidermisschuppen 
stimmt  nicht  mit  der  „urschwedischen“  Wolle  der  Gruppe  I  überein.  Die  blaue 
Farbe  rührt  wahrscheinlich  von  Färberwaid  her.  Die  Wollfasern  der  Probe  W  42 
sind  sehr  ungleichmässig  durchgefärbt,  was  darauf  schliessen  lässt,  dass  der  Stoff  im 
Stück  gefärbt  wurde. 

Wahrscheinlich  war  dies  die  Regel.  Ausserdem  trug  die  Prozedur  des  Färbens 
zur  Verfilzung  des  Stoffes  bei.  In  diesem  Zusammenhang  ist  eine  Archivurkunde 
interessant,  wonach  man  im  9.  Jhdt.  aus  einem  französischen  Kloster  —  St.  Riquier  — 
Stoffe  nach  Flandern  zum  Färben  sandte.2  Das  zeigt  deutlich,  dass  hier  die  Färberei 
gewerbsmässig  betrieben  wurde.  Färben  wie  Walken  gehören  ja  zu  jenen  Arbeiten, 
die  sehr  frühzeitig  gewerbsmässig  ausgeführt  wurden,  während  dagegen  das  Weben 
noch  eine  Hausindustrie  war.3 

W  34.  Grab  1014.  Taf.  8:4,  Abb.  10.  Vierbindiger  Köper.  2  Stücke  von  sehr  dunkler,  rein  brauner 
Farbe.  Kette  fest  gesponnen,  Schuss  gröber  und  loser,  jene  links,  dieser  rechts.  Fadendichte  per  cm  11  x8. 
Oberseite  zeigt  sehr  deutliche  Textur  mit  rechts  aufsteigenden  Diagonallinien,  Unterseite  unklar.  Gewebe 
dicht  und  ebenmässig  ohne  Verfilzung. 

W  35.  Grab  602.  Taf.  8:1.  Vierbindiger  Köper.  Ein  kleines  Stück  von  deutlich  dunkelblauer  Farbe. 
Kette  fest,  Schuss  lose  gesponnen,  jene  links,  dieser  rechts,  Fadendichte  per  cm  14  X  10.  Textur  auf  der  einen 

1  Die  Regel,  dass  Ketten-  und  Schussgarn  entgegengesetzte  Spinnrichtung  haben  sollen,  kann  man  heute  noch  bei 
schwedischen  handgewebten  Wollstoffen  beobachten. 

2  Kletler,  a.  a.  O.,  S.  110.  Vgl.  S.  43,  Fussnote  7. 

3  H.  Blümner,  Technologie  der  Griechen  und  Römer  I,  S.  17 1  ff.  und  226. 


WOLLSTOFFE  39 

Seite  deutlicher  mit  nach  rechts  aufsteigenden  Diagonallinien.  Gewebe  ebenmässig,  aber  etwas  schütter,  ohne 
Verfilzung. 

W  36.  Grab  597.  Vierbindiger  Köper.  Einzelne  Stücke,  die  zusammengeballt  gelegen  sind.  Farbe  spielt 
ins  Grünblaue.  Garn  beider  Fadensysteme  linksgesponnen,  Kette  fester  und  feiner  als  Schuss.  Fadendichte 
per  cm  18  x  11.  Ebenmässiges  und  dichtes  Gewebe  ohne  Spur  von  Verfilzung,  gleich  auf  beiden  Seiten. 

W  37.  Grab  515.  Taf.  8:2.  Vierbindiger  Köper.  Einige  Stücke  von  gleichmässiger,  nicht  zu  dunkler, 
blauer  Farbe.  Kette  fest,  Schuss  sehr  lose  gesponnen,  jene  mit  Links-,  dieser  mit  Rechtsdrehung,  Fadendichte 
per  cm  12  X  10 — 12.  Gewebe  ebenmässig  und  dicht.  Textur  nur  auf  der  einen  Seite  deutlich  mit  nach  rechts 
aufsteigenden  Diagonallinien.  Stoff  zweifellos  gewalkt,  auf  der  Unterseite  sehr  stark  verfilzte  Stellen.  Ma¬ 
terial  chemisch  analysiert  (Beil.  I). 

W  38.  Grab  894  A.  Taf.  8:8.  Vierbindiger  Köper.  Ein  kleines  Fragment  von  brauner  Farbe.  Kette 
fest,  Schuss  sehr  lose  gesponnen,  jene  links  gedreht,  dieser  wahrscheinlich  rechts.  Fadendichte  per  cm  14  X7. 

W  39.  Grab  157.  Vierbindiger  Köper.  Kleines  Fragment,  an  einem  Holzstück  angeklebt,  dunkelbraune 
Farbe.  Garn  beider  Fadensysteme  gleich  und  linksgesponnen,  Fadendichte  per  cm  14  X9.  Gleichmässige  und 
deutliche  Textur. 

W40.  Grab  949?  Taf.  8:  7.  Dreibindiger  Köper  mit  Schusseffekt.  Ein  paar  kleine  Fragmente  von  brau¬ 
ner  Farbe.  Kette  links  gesponnen,  ziemlich  fein  und  fast  schwarz.  Schuss  bedeutend  gröber,  rechts  gesponnen 
und  hellbraun.  Textur  nur  auf  der  einen  Seite  deutlich,  wo  der  Schuss  vorwiegt;  nach  rechts  ansteigende  Dia¬ 
gonallinien. 

W41.  Grab  620.  Taf.  8:3,  Abb.  11.  Versetzter,  vierbindiger  Köper.  Ein  zusammengefaltetes,  ziemlich 
grosses  Stück.  Die  Farbe  wechselt  zwischen  braun  und  tiefblaugrün.  Kette  fest,  Schuss  lose  gesponnen  mit 
Links-,  resp.  Rechtsdrehung.  Fadendichte  per  cm  16  X  11.  Gewebe  sehr  dicht,  auf  beiden  Seiten  gleich.  Der 
Stoff  ist  stark  gewalkt,  sodass  die  Bindung  oft  schwer  zu  sehen  ist. 

W  42.  Grab  51 1.  Taf.  8:9.  Sehr  stark  verfilzter  Stoff,  wahrscheinlich  vierbindiger  Köper.  Mehrere 
Stücke  von  dunkler  grünblauer  Farbe.  Beinahe  unmöglich,  die  Bindung  zu  erkennen.  Kette  links  gesponnen 
und  fein,  dichter  als  der  Schuss.  Schussdichte  ca.  10  Fäden  per  cm,  Spinnrichtung  nicht  zu  erkennen. 

W  43.  Grab  510.  Taf.  8:6.  Vierbindiger  Köper.  Schwarzer,  dünner  Stoff,  zusammengeknüllt  gelegen. 
Kette  links-,  Schuss  rechtsgesponnen,  dieser  etwas  loser,  Fadendichte  per  cm  14  X13.  Textur  unklar.  Keine 
Spur  von  Verfilzung.  Der  Stoff  wirkt  im  Vergleich  zu  den  übrigen  dieser  Gruppe  sehr  brüchig,  wahrscheinlich 
eine  Folge  des  schwarzen  Farbstoffes. 

W  44.  Grab  539.  Vierbindiger  Köper.  Ein  ziemlich  grosses  Stück  von  dunkelblauer  Farbe.  Kette  links-, 
Schuss  rechtsgesponnen,  dieser  sehr  lose.  Fadendichte  per  cm  20x12.  Gewebe  sehr  ebenmässig,  auf  der 
Oberseite  rechtsaufsteigende  Diagonallinien.  Der  Stoff  wurde  gewalkt  und  wirkt  noch  sehr  fest  und  stark. 

W  45.  Grab  949?  Taf.  8:5.  Vierbindiger  Köper.  Ein  dunkelblaues  Stück  ähnlich  dem  vorhergehenden. 
Linksgesponnene  Kette,  20 — 22  Fäden  per  cm.  Schuss  lose  gesponnen  mit  Rechtsdrehung  12  Fäden  per  cm. 
Das  Stück  wurde  gewalkt. 


40 


DRITTES  KAPITEL 


ÜBER  DEN  HERKUNFT  DER  FEINEN  WOLLSTOFFE. 

Die  oben  in  der  Gruppe  II  beschriebenen  Stoffsorten  können  im  Grossen 
und  Ganzen  auf  ein  und  dieselbe  Fabrikation  zurückgeführt  werden.  Einige  Exem¬ 
plare  aus  den  beiden  folgenden  Gruppen,  wahrscheinlich  die  feinen  Ripse  W  22 — 
W  30  und  die  mittelstarken  Tweed-Stoffe  W  34 — W  45  dürften  derselben  Erzeu¬ 
gung  angehören.  Die  für  diese  Produktion  charakteristischen  Eigenschaften  können 
folgendermassen  zusammengefasst  werden. 

Gruppe  II  besteht  aus  sehr  feinen,  gemusterten  Kammgarnstoffen  in  3-  oder  4- 
bindigem  Köper.  Von  den  erhaltenen  Anfangskanten  kann  man  mit  Wahrschein¬ 
lichkeit  annehmen,  dass  sie  auf  einem  Webstuhl  mit  hängender  Kette  hergestellt 
wurden.  Diese  Stoffe  kommen  sehr  reichlich  in  Birka  vor.  Reste  davon  wurden  so 
gut  wie  in  allen  Gräbern  gefunden,  wo  Textilien  erhalten  sind,  weshalb  die  Zahl  der 
oben  registrierten  Exemplare  beträchtlich  erhöht  werden  konnte.  Dies  trifft  besonders 
auf  den  sogen.  Standardstoff  zu,  Typus  W  10,  der  dem  Feinheitsgrad  nach  nur  ge¬ 
ringe  Variationen  aufweist  und  ausserdem  auch  von  anderen  Funden  her  bekannt  ist. 

Ausser  in  Björkö  wurden  in  Schweden  bisher  3  Exemplare  davon  gefunden:  in 
Källby,  Skäne  (Lunds  Museum)  und  in  Valsgärde,  Uppland  (Uppsala  Univrs  Saml.), 
beide  in  Gräbern  aus  dem  8.  Jhdt.  sowie  eines  in  einem  Grab  aus  dem  9.  oder  10. 
Jhdt.  in  Sidkälla,  Östergötland.1  In  Norwegen  kommt  er  in  zwei  Funden  aus  der 
Wikingerzeit  vor,  Oseberg  und  Hyrt  in  Voss.2  Schliesslich  sei  ein  mit  unserem 
ganz  identischer  Stoff  aus  einem  alemannischen  Grab  bei  Oberflacht  aus  der  Me¬ 
rowingerzeit3  erwähnt. 

Die  Ripsstoffe  sind  ebenso  wie  die  Stoffe  der  Gruppe  II  aus  feinem  und  glattem 
Garn,  sogen.  Kammgarn,  das  in  der  Kette  und  im  Schuss  fest  mit  Linksdrehung 
gesponnen  ist,  hergestellt.  Auch  hier  ist  die  Kette  bedeutend  dichter  als  der  Schuss. 
Die  meisten  Stoffe  der  Gruppe  IV  zeigen  eine  Kette  aus  festgesponnenem  Garn  mit 
Linksdrehung  und  einen  Schuss  aus  lose  gesponnenem  Garn  mit  Rechtsdrehung.  Be¬ 
sonders  letzteres  ist  wollig  und  verschieden  von  dem  Garn  der  beiden  andern  Gruppen; 
wahrscheinlich  ist  es,  wie  gebräuchlich,  aus  aufgekratzter  Wolle  gesponnen.  Alle  diese 
gröberen  Stoffe  wurden  gewalkt  oder  einer  ähnlichen  Nachbehandlung  unterzogen. 

Die  mikrochemische  Untersuchung  der  Stoffproben  aller  drei  Gruppen  hat  erge¬ 
ben,  dass  das  Wollmaterial  einheitlich  und  von  einem  ganz  anderen  Typus  ist  als  die 
grobe  Wolle  in  den  Stoffen  der  ersten  Gruppe.  Sie  ist  weiss  und  ziemlich  feinhaarig. 
Ein  grosser  Teil  der  Stoffe  war  blau  gefärbt,  wahrscheinlich  mittels  Färberwaid. 

1  Das  letzte  abgebildet  bei  Karlin,  Den  förhistoriska  textilkonsten  i  Norden,  Studier  tillägnade  Oscar  Montelius 
1903,  Abb.  14. 

2  Univ.  Oldsaksamling,  Oslo. 

3  Publ.  von  Walther  Veeck,  Die  Alamannen  in  Württemberg,  Germ.  Denkmäler  der  Völkerwanderungszeit, 
Bd.  1,  Leipzig  1931,  Taf.  7,  S.  21.  Im  Gegensatz  zu  dem  technischen  Gutachten,  das  den  Stoff  wegen  seiner  ausgezeich¬ 
neten  Qualität  für  Importware  hält,  sieht  es  der  Verf.  für  ein  bodenständiges  Erzeugnis  an. 


WOLLSTOFFE 


41 


Sowohl  das  Material  der  Wolle  wie  vor  allem  die  geschickte  und  gleichmässige  — 
um  einen  modernen  Ausdruck  zu  gebrauchen  —  standardisierte  Arbeit,  wofür  alle 
diese  Stoffe  Zeugnis  ablegen,  zwingen  zur  Annahme,  dass  die  betreffenden  Stoffe  aus 
einer  auf  breiter  Grundlage  gewerbsmässig  betriebenen  Produktion  hervorgegangen 
sind,  die  überdies  gesicherte  Bezugsquellen  für  feine  Wolle  zur  Verfügung  hatte. 
Dass  die  Voraussetzungen  hierzu  auf  skandinavischem  Gebiet  völlig  fehlten,  das 
steht  ja  ausser  Zweifel.  Die  Stoffe  müssen,  wie  so  viel  anderes  aus  der  Birkakultur, 
Importware  gewesen  sein  und  es  spricht  viel  dafür,  dass  sie  von  friesischen  Kauf¬ 
leuten  eingeführt  wurden,  deren  ausgedehntes  Tätigkeitsgebiet  auch  Birka  umfasste.1 
Ich  wage  es  sogar,  diese  Stoffe  als  „friesisches  Tuch“  zu  bezeichnen,  diese  berühmte 
und  vielumstrittene,  bisher  aber  noch  nicht  identifizierte  Ware. 

Das  Problem  der  Herkunft  des  sogen,  friesischen  Tuches  ist  von  vielen  Verfassern 
behandelt  worden2,  die  bezüglich  des  Erzeugungsortes  zu  verschiedenen  Schlussfol¬ 
gerungen  gelangt  sind.  Ein  kurzer  Überblick  über  die  wichtigsten  Beiträge  hierzu 
dürfte  deshalb  am  Platze  sein. 

In  seiner,  besonders  für  die  Erkenntnis  der  praktischen  Voraussetzungen  für  die 
Weberei  so  ausserordentlich  aufschlussreichen  Arbeit  kommt  Klumker  zu  dem  Er¬ 
gebnis,  dass  die  Stoffe,  die  die  friesischen  Kaufleute  in  den  Handel  brachten,  haupt¬ 
sächlich  in  England  hergestellt  worden  sein  müssen.  Später  suchte  Wilkens  den 
Beweis  dafür  anzutreten,  dass  die  Friesen  selbst  die  Stoffe  erzeugt  haben,  welche  Hy¬ 
pothese  von  Pirenne  bekämpft  wurde,  der  in  Übereinstimmung  mit  Häpke3  u.  a.  die 
in  Rede  stehende  Erzeugung  nach  Flandern  mit  seinen  Traditionen  aus  der  gallo- 
römischen  Zeit  verlegte.  Kletler  wieder  vertritt  die  Auffassung,  dass  das  sogen,  frie¬ 
sische  Tuch  sehr  wohl  auf  beiden  Seiten  des  Kanals  und  längs  einer  grösseren  Strecke 
an  der  Nordseeküste  hergestellt  worden  sein  konnte.  Schliesslich  sei  Halphen  er¬ 
wähnt,  der  in  seiner  scharfsinnigen  und  äusserst  skeptischen  Kritik  der  quellenmässi- 
gen  Belege  die  Existenz  des  feinen  friesischen  Tuches  geradezu  bezweifelt.  Er  ist 
nämlich  der  Ansicht,  dass  die  Stoffe,  mit  denen  die  Friesen  Handel  getrieben  haben, 
sich  nicht  wesentlich  von  den  gewöhnlichen  groben  Stoffen  unterschieden,  die  über¬ 
all  in  Heimarbeit  hergestellt  wurden.  Alles,  was  feiner  war,  hält  er  für  orientalischen 
Import. 

1  H.  Arbman,  Schweden  und  das  Karolingische  Reich,  Stockholm  1937,  S.  13  ff. 

8  U.  a.  besonders  von  folgenden  Verfassern:  Klumker,  Der  friesische  Tuchhandel  zur  Zeit  Karls  des  Grossen  und 
sein  Verhältnis  zur  Weberei  jener  Zeit,  Jahrbuch  der  Gesellschaft  für  bildende  Kunst  und  vaterländische  Altertümer  zu 
Emden,  XIII,  1 — 2,  1899,  S.  29 — 69.  H.  Wilkens,  Zur  Geschichte  des  niederländischen  Handels  im  Mittelalter,  Han¬ 
sische  Geschichtsblätter  1908.  Pirenne,  Draps  de  Frise  ou  draps  de  Flandre?  Vierteljahrschrift  für  Social-  und  Wirt¬ 
schaftsgeschichte  1909,  S.  308 — 315.  L.  Halphen,  Etudes  critiques  sur  l’histoire  de  Charlemagne,  Paris  1921.  P.  Klet¬ 
ler,  Nord  Westeuropas  Verkehr,  Handel  und  Gewerbe  im  frühen  Mittelalter,  Wien  1924.  E.  Sabbe,  L’importation  des 
tissus  orientaux  en  Europe  occidentale  au  haut  moyen  äge,  Revue  beige  de  philologie  et  d’histoire  1935.  Gerade  vor 
der  Beförderung  dieses  Manuscriptes  zum  Druck  bekam  ich  eine  Abhandlung  von  E.  Kober  in  die  Hand,  Die  Anfänge 
des  deutschen  Wollgewerbes  (in  Abhandl.  z.  mittleren  u.  neueren  Geschichte  8,  herausgeg.  v.  v.  Below,  Finke,  Mei¬ 
necke,  Berlin  1908).  Er  schöpft  im  Wesentlichen  aus  denselben  Quellen  wie  Klumker,  zieht  jedoch  über  die  sozialen 
und  wirtschaftlichen  Verhältnisse  andere  Schlüsse. 

3  Die  Herkunft  der  friesischen  Gewerbe,  Hansische  Geschichtsblätter  1906. 


42 


DRITTES  KAPITEL 


Bemerkenswert  ist  nun,  dass  sämtliche  Verfasser  sozusagen  die  Rechnung  ohne 
den  Wirt  gemacht  haben.  Keiner  scheint  nach  der  materiellen  Unterlage  für  seine 
Theorien  gesucht  zu  haben,  obwohl  man  sich  einige  Spuren  dieser  wichtigen  Han¬ 
delsware  hätte  erwarten  können.  Zwar  ist  ja  von  dem  Textilmaterial  dieser  Zeit 
bisher  nur  sehr  wenig  bekannt.  Es  bleibt  nun  abzuwarten,  ob  in  Zukunft  nicht 
auch  auf  dem  Kontinent  mehrere  Seitenstücke  zu  den  Funden  auf  skandinavischem 
Boden  zum  Vorschein  kommen  werden. 

Prüfen  wir  die  Sammlung  von  Proben,  die  in  Skandinavien  festgestellt  wurde,  so 
muss  man  erkennen,  dass  praktische  Gründe  jede  Möglichkeit  ausschliessen,  dass  diese 
feinen  Stoffe  Erzeugnisse  von  Hausarbeit  im  gewöhnlichen  Sinne  des  Wortes  sein 
können.  Pirenne  hebt  mit  Recht  hervor,  dass  der  Handel  jener  Zeit  hauptsächlich 
Luxuswaren1  umfasst  hat,  und  deswegen  wollte  er  den  in  Friesland  hergestellten, 
nach  seiner  Meinung  sehr  einfachen  Geweben,  nicht  jene  Eigenschaften  Zutrauen, 
die  ihnen  den  Rang  eines  Welthandelsartikels  verleihen  könnten.  Dazu  wäre  etwas 
Vollkommeneres  notwendig.  Man  dürfte  aber  ohne  Übertreibung  behaupten  können, 
dass  unsere  Stoffe  in  dieser  Hinsicht  jeden  Vergleich  aushalten  können.  Pirenne 
deutet  auch  an,  dass  ein  so  bedeutender  Unterschied  in  der  Qualität  nur  in  jenen 
Fällen  denkbar  wäre,  wo  man  sich  das  Erbe  der  römischen  Zivilisation  hatte  zu 
Nutze  machen  können.  Auch  dieses  Urteil  dürfte  mit  dem  Charakter  unseres  „frie¬ 
sischen  Tuches“  vereinbar  sein.  Es  ist  dagegen  die  Frage,  ob  dadurch  das  Erzeu¬ 
gungsgebiet  einzig  auf  Flandern  beschränkt  wird,  wie  Pirenne  behauptet.  Schon  die 
Römer  haben  die  ausgezeichneten  Schafweiden  an  beiden  Küsten  der  Nordsee  aus¬ 
genützt.  Demnach  soll  es  im  4.  Jhdt.  eine  kaiserliche  Weberei  bei  Venta  in  Eng¬ 
land  gegeben  haben  und  in  Flandern  existierte  eine  solche  bereits  zu  Beginn  unserer 
Zeitrechnung.2 

Es  scheint  ganz  natürlich,  dass  im  langen  Verlauf  der  Zeit  mit  ihren  Völkerver¬ 
schiebungen,  die  Nachwirkungen  der  römischen  Kultur  sich  auch  in  einem  bedeu¬ 
tend  grösseren  Gebiet  geltend  gemacht  haben  konnten,  besonders  dann,  wenn  die 
praktischen  Voraussetzungen  hierzu  gegeben  waren:  —  gesicherte  Bezugsquellen  für 
Wolle  und  Nachfrage  nach  fertiger  Ware.  Die  von  Pirenne  angezogene  Mitteilung 
des  Strabo,  dass  die  Römer  eine  besonders  feinwollige  Schafrasse  in  diese  Gebiete 
eingeführt  hätten,  verdient  im  Zusammenhang  mit  dem  bemerkenswert  feinen  Woll- 
material  unserer  Stoffe  der  Beachtung.  Dieses  würde  darauf  hindeuten,  dass  die  Er¬ 
zeugungsstätte  dieser  Stoffe  in  den  kontinentalen  Küstenstrichen  zu  suchen  wäre, 
ebenso  wie  die  Auffassung  Kletlers,  dass  die  Stoffe  des  Festlandes  in  der  Regel  dünner 
und  feiner  waren  als  die  englischen. 

Die  authentischen  Quellenzeugnisse,  die  direkt  friesisches  Tuch  erwähnen,  sind 
in  Wirklichkeit  sehr  gering.  Die  älteste  Mitteilung  verdanken  wir  dem  Skalden  Er- 

1  Luxuswaren  ist  ja  ein  verschwommener  Begriff,  er  muss  aber  relativ  verstanden  werden.  Jedenfalls  müssen  die 
importierten  Waren  andersartig  und  etwas  besser  als  die  bodenständigen  Erzeugnisse  gewesen  sein. 

2  Klumker,  a.  a.  O.,  S.  62. 


WOLLSTOFFE 


43 


moldus  Nigellus,  welcher  erzählt,  dass  friesische  Kaufleute  nach  dem  Eisass  kamen 
und  im  Tauschweg  Bernstein  und  farbiges  Tuch  „vario  fucata  colore“  gegen  Korn, 
Wein  und  Holz  lieferten.1 

Der  Mönch  von  St.  Gallen  erwähnt  diese  Ware  3  Mal  und  man  hat  wohl  keinen 
Anlass,  die  Richtigkeit  seiner  Angaben  zu  bezweifeln,  obwohl  sich  die  Zuverlässigkeit 
des  Verfassers  in  mehreren  anderen  Fällen  als  zweifelhaft  erwiesen  hat.2  Die  älteste 
dieser  Mitteilungen  betrifft  das  Verzeichnis  jener  Geschenke,  die  Karl  der  Grosse 
dem  Kalifen  Harun  al  Raschid  sandte,  u.  a.:  „pallia  Fresonica  alba,  cana,  vermiculata 
vel  saphirina,  quae  in  illis  partibus  rara  et  multum  cara  comperit“.3  Der  beigefügte 
Zusatz  deutet  an,  dass  solche  Waren  im  Orient  nicht  ganz  unbekannt  waren.  Kletler 
ist  der  Ansicht,  dass  sie  von  jüdischen  Händlern  dorthin  gebracht  wurden.  Die  zweite 
Mitteilung  erzählt,  dass  Kaiser  Ludwig  der  Fromme  an  höheren  Feiertagen  an  seine 
Hofbeamten  Kleider  auszuteilen  pflegte:  die  vornehmsten  bekamen  kostbare  aus¬ 
ländische  Kleider  —  „praeciosissima  vestimenta  a  latissimo  imperio  perlata“  — ,  die 
niederen  Beamten  farbige  friesische  Mäntel  —  „saga  Fresonica  omnimodi  coloris“  — , 
während  die  verschiedenen  Diener  gewöhnliche  Woll-  und  Leinenkleider  erhielten 
- — „indumenta  linea  cum  laneis“.4  Das  dritte  Mal  schildert  der  St.  Gallener  Mönch 
eine  neue  Mode,  die  der  Kaiser  missbilligt.  Die  Franken  hatten  ihre  grossen,  grauen, 
weissen  oder  blauen  Kriegsmäntel  zu  Gunsten  kleiner  und  offenbar  eleganterer  Män¬ 
tel  der  römischen  Art,  „virgatis  sagulis“5,  aufgegeben,  welche  Sorten  beide  von  den 
friesischen  Kaufleuten  geliefert  wurden.  Die  Stelle  muss  mit  einem  früheren  Brief 
Karls  des  Grossen  an  den  König  Offa  von  Mercien,  datiert  vom  18.  April  796,  über 
grosse  Lieferungen  von  Mänteln  aus  England  an  das  fränkische  Heer  verglichen  wer¬ 
den.6  Es  ist  offenbar,  dass  solche  Transaktionen  nicht  ungewöhnlich  waren. 

Uber  das  Färben  und  die  Farbstoffe  sind  die  Auskünfte  recht  zahlreich.  Das 
Kloster  in  St.  Riquier  sandte7  Stoffe  zum  Färben  nach  Flandern,  was  ja  beweist,  dass 
im  Stück  gefärbt  wurde  und  nicht  ausschliesslich  im  ungesponnenen  Zustand,  wie 


1  Mon.  Germ.  hist.  Poet.  lat.  II,  S.  83. 

2  Vgl.  van  Halphen  und  Sabbe. 

3  Monachi  Sangallensis  de  gestis  Karoli  M.  Mon.  Germ.  hist.  Script.  II,  S.  752. 

4  Mon.  Germ.  hist.  Script.  II,  S.  762 — 763. 

5  Mon.  Germ.  hist.  Script.  II,  S.  747.  —  Über  die  Übersetzung  Klumkers  und  anderer  Verfasser  des  Wortes 
virgatus  lässt  sich  jedoch  streiten.  Nach  Forcellinis  Lexicon  ist  die  Grundbedeutung  „fleckig  gemustert  wie  Netze,  Rauten 
oder  kleine  Schilder“  und  „fleckig  wie  ein  Tigerfell“  (maculis  et  plagulis  in  modum  retis  et  cancellorum  distinctis,  h.  e. 
scaccati,  alio  nomine  scutulatis  — virgato  corpore  tigrum).  Diese  Bedeutung  dürfte  mit  Georges’  „aus  Ruten  geflochten“ 
vereinbar  sein,  aber  kaum  mit  »gestreift,  bunt».  Es  kann  nicht  geleugnet  werden,  dass  die  erstere  Bedeutung  ausgezeichnet 
zu  Stoffen  mit  Rauten-  oder  sogen.  Gänseaugen-Muster  gleich  unseren  passt,  obwohl  zugegeben  werden  muss,  dass  der 
Begriff  fleckig  doch  wohl  mindestens  zwei  Farben  voraussetzt.  Eine  solche  Bedeutung  passt  aber  für  uns  nicht  und  im 
übrigen  lässt  sie  sich  schwer  auf  hier  mögliche  Gewebe  angewendet  denken.  Dagegen  ist  ja  Vielfarbigkeit  in  Verbin¬ 
dung  mit  Streifigkeit  natürlich.  Die  anderen  Textstellen,  die  friesisches  Tuch  erwähnen,  sagen  indessen  nichts  darüber 
aus,  dass  die  Stoffe  mehrfarbig,  wohl  aber  dass  sie  verschiedenfarbig  waren.  Auch  wenn  das  Wort  virgatus  kein  sicherer 
Grund  ist,  auf  den  man  eine  Annahme  aufbauen  kann,  so  dürfte  es  doch  nicht  unmöglich  sein,  dass  mit  diesem  Worte  ein 
Stoff  von  demselben  Aussehen  wie  unser  Diamantköper  beschrieben  werden  sollte. 

8  Mon.  Germ.  hist.  Ep.  IV,  S.  145.  Vgl.  Klumker,  a.  a.  O.,  S.  61  u.  Kletler,  a.  a.  O.,  S.  109. 

7  Carm.  Centul.  (Miconis  825 — 853)  n.  158,  Mon.  Germ.  hist.  Poet.  lat.  III,  S.  361. 


44 


DRITTES  KAPITEL 


vielmals  behauptet  wurde.  Das  zum  Blaufärben  verwandte  Färberwaid  wuchs  all¬ 
gemein  in  jenen  Gebieten  und  stellte  lange  Zeit  hindurch  ein  wichtiges  Ingredienz 
bei  der  Herstellung  des  flandrisch-französischen  Tuches  und  der  Wirkteppiche  dar. 
Neben  Krapp  dürfte  es  der  am  häufigsten  verwandte  Farbstoff  gewesen  sein,  aber 
offenbar  fehlte  es  auch  nicht  an  der  Möglichkeit,  jene  klare  rote  Farbe  hervorzubringen 
die  von  der  Cochenillelaus  gewonnen  wurde.1  Vgl.  u.  a.  das  „vermiculatus“  des  St. 
Gallener  Mönches.  Es  scheint  als  ob  das  Rotfärben  eine  englische  Gewerbespezialität 
gewesen  wäre.2  In  einer  Markturkunde  für  St.  Denis  aus  dem  Beginn  des  8. 
Jhdts.  werden  Leute  erwähnt,  die  über  das  Meer  kommen,  um  Wein,  Honig  und 
Krapp  zu  kaufen.  Beda  erzählt,  dass  es  an  der  Küste  Britanniens  eine  Schneckenart 
gab,  die  eine  haltbare  und  schöne  scharlachrote  Farbe  lieferte. 

Schliesslich  soll  hier  das  für  unsere  Kenntnis  von  der  Webarbeit  der  Karolinger¬ 
zeit  so  interessante  Verzeichnis  über  das,  was  in  den  kaiserlichen  Genitia  vorrätig  sein 
soll,  zitiert  werden3:  ausser  den  Rohstoffen  und  den  Farbstoffen  linum,  lanam,  waisdo, 
vermiculo,  warentia  werden  die  Geräte  pectinos  laninas  und  cardones  sowie  saponem 
und  unctum  erwähnt.  Pectinos  laninas  soll  nach  Bourquelot4  wörtlich  und  nicht  mit 
Karde  (Wollkratze)  übersetzt  werden,  ein  Gerät,  das  noch  im  14.  Jhdt.  als  schädlich 
für  die  Wolle  in  vielen  Städten  der  Champagne  verboten  war.  Diese  Angabe  darf  wohl 
nicht  zu  eng  interpretiert  werden,  denn  das  Aufkratzen  der  Wolle  ist  sicher  frühzeitig 
vorgekommen.  Die  Angabe  zeigt  aber,  dass  das  Kämmen  der  Wolle  in  diesen  Gebie¬ 
ten  während  des  Mittelalters  allgemein  gebräuchlich  war,  und  ist  daher  sehr  interes¬ 
sant  mit  Rücksicht  auf  die  Tatsache,  dass  der  grössere  Teil  des  Materials  in  den  in 
Birka  erhaltenen  Stoffen  gerade  Kammgarn  ist.  Die  hier  erwähnte  Wollkratze  kann 
sowohl  zum  Aufkratzen  der  Wolle  als  auch  des  fertigen  Gewebes  verwendet  worden 
sein.  Seife  und  öl,  die  schliesslich  genannt  werden,  wurden  zum  Waschen  und  Wal¬ 
ken  des  Gewebes  verwendet.  Die  Nachbehandlung  ist  ja  eine  wichtige  Teilarbeit 
in  der  Herstellung  eines  Wollstoffes;  bei  den  Römern  stellte  sie  ein  besonderes  Ge¬ 
werbe  dar.5 

Nun  erhebt  sich  die  Frage,  wie  diese  ihrem  ganzen  Wesen  nach  offensichtlich 
gewerbsmässige  Webarbeit  praktisch  organisiert  war,  ob  sie  von  Männern  oder  von 
Frauen  ausgeführt  wurde.  Die  meisten  Verfasser  scheinen  nicht  versucht  zu  haben, 
in  dieses  Problem  tiefer  einzudringen.  Pirenne  scheint  sich  eine  stadtähnliche 
Handwerkersiedlung  als  Erzeugungsstätte  gedacht  zu  haben.  Es  lässt  sich  jedoch 
schwer  vorstellen,  dass  freie  Bauern  bereits  im  8.  Jhdt.  jene  feste  und  differenzierte 

1  Diese  konnte  aus  Süd-Frankreich  und  Spanien  sowie  auch  aus  der  Levante  bezogen  werden  (Heyd,  a.  a.  O.,  Ifr 
S.  607). 

2  Kletler,  a.  a.  O.,  S.  ii6. 

3  Cap.  de  villis  c.  43,  Mon.  Germ.  hist.  Cap.  reg.  franc.  I:  32.  Über  dem  Genitium  siehe  unten,  S.  45. 

4  Les  foires  de  Champagne,  I,  1865,  S.  219;  zitiert  nach  Klumker.  Leider  war  mir  die  Arbeit  nicht  zugänglich. 

5  Blümner,  a.  a.  O.,  I,  S.  170 — 190.  Was  nun  die  Frage  des  Färbens  betrifft,  so  sei  bemerkt,  dass  bei  den  erhaltenen 
Birkastoffen  nur  blaue  Farbe  festgestellt  werden  kann,  dagegen  gar  nichts  in  Rot.  Dies  kann  jedoch  ein  Zufall  sein. 
Das  recht  grosse  Stück  aus  Oseberg  hat  eine  hellbraune  Farbe,  die  möglicherweise  rot  oder  weiss  gewesen  sein  kann. 


WOLLSTOFFE 


45 


Organisation  besessen  sowie  die  ererbte  und  individuell  hochentwickelte  Geschick¬ 
lichkeit  hätten  ausnützen  können,  die  die  nötigen  Voraussetzungen  für  die  Erzeugung 
einer  so  erstklassigen  Ware  sind.  Dagegen  dürfte,  wie  Klumker  hervorgehoben  hat, 
die  seit  der  Merowingerzeit  ausgebildete  Grossgut-  und  Fronhofwirtschaft  durch  die 
dort  mögliche  Arbeitsteilung1  wohl  geeignet  gewesen  sein,  die  besten  praktisch¬ 
sozialen  Voraussetzungen  für  eine  derartige  Erzeugung  zu  schaffen. 

Klumker  hat  gerade  mit  Rücksicht  auf  die  Textilproduktion,  vor  allem  auf  die 
Flachsbereitung,  worüber  die  Angaben  am  reichlichsten  vorliegen,  eine  ausführliche 
Schilderung  von  der  Fronhofwirtschaft  gegeben  und  dabei  die  deutliche  Spezialisie¬ 
rung  hervorgehoben,  die  er  als  Ursprung  der  zunftmässigen  Handwerksarbeit  in  den 
Städten  sieht.2  Während  die  hörigen  Hufen  ihre  Arbeit  in  Form  von  stipulierten 
Mengen  von  Stoff,  Zwirn  oder  Flachs  lieferten,  konnte  die  auf  dem  Hofe  ausgeführte 
gewerbliche  Fronarbeit  in  einer  für  das  Arbeitsresultat  vorteilhaften  Weise  speziali¬ 
siert  werden,  wobei  der  Herrschafts-Hof  oft  für  Kost  usw.  sorgte.  Dies  muss  auch  für 
das  Frauenhaus  gegolten  haben,  das  Genitium,  das  wie  eine  richtige  Werkstatt  mit 
verschiedenen  Graden  von  Funktionären  gearbeitet  hat,  deren  Fachkenntnisse  hoch 
geschätzt  waren.  Die  vielen  Volksrechte  erwähnen  oft  die  Vorsteherin  des  Genitiums 
und  immer  sind  höhere  Bussen  für  Verletzung  einer  solchen  Vorsteherin  festgelegt. 
Auf  hohe  Wertschätzung  der  weiblichen  Gewerbearbeit  lässt  auch  eine  Bestimmung 
im  Anhang  der  Lex  Frisionum,  Judicia  Wulemari,  schliessen,  die  hier  angeführt  sei, 
obwohl  sie  sich  nicht  auf  Webarbeit  bezieht.  Darin  werden  „foeminae  fresum  fa- 
cienti“  mit  Harfenspielern  und  Goldschmieden  verglichen.3  Es  gibt  auch  Belege  da¬ 
für,  dass  Frauen  von  dem  einem  in  das  andere  Genitium  übersiedelten  und  edle  Frauen 
auch  ihr  eigenes  Frauenhaus  leiteten  —  „inter  genitiarias  suas  residere“.  Übrigens 

1  Der  Vorteil  wird  von  Kober,  a.  a.  O.,  S.  37,  bezweifelt.  Er  behauptet  dass  die  Werkstattarbeit  in  dem  Genitium 
eher  hemmend  auf  die  Entwicklung  eines  berufmässigen  Gewerbes  wirkte,  da  sie  den  Hufen  einen  Teil  der  Arbeitskräfte 
entzog  (!).  Diese  soziologische  Beurteilung  scheint  mir  aber  nicht  mit  dem  Urteil  über  die  Qualität  der  betreffenden  Leistung 
zusammenfallen  zu  müssen.  Er  sieht  die  Hauptquelle  der  späteren  Gewerblichkeit  in  der  bäuerlichen  Tucherzeugung, 
die  sich  in  Deutschland,  besonders  gerade  in  den  Gegenden  entwickelt  hat,  wo  die  Fronhofwirtschaft  gar  nicht  oder  erst 
spät  Eingang  gefunden  hat.  Es  dürfte  doch  hier  hervorzuheben  sein,  dass  sich  die  Erzeugnisse  dieser  Hausbetriebe,  ge¬ 
mäss  demselben  Verf.  (S.  53)  später,  im  12.  Jhdt.,  der  flandrischen  Erzeugung  unterlegen  erwiesen,  die  über  eine  sehr 
spezialisierte  und  rationalisierte  Organisation  verfügte.  Für  den  Bedarf  des  Fernhandels  muss  man  wohl  mit  dem  Haus- 
fleiss  der  unfreien  Hufner  und  der  Freibauern  wie  auch  mit  einer  höher  qualifizierten  Werkstattarbeit  rechnen. 

2  Der  Fronhof,  „hoba  salica“,  (Fron  =  Pflichtarbeit)  ist  der  vom  Grundherren  in  Eigenwirtschaft  bebaute  Hof 
mit  den  davon  abhängigen  zins-  und  dienstpflichtigen  Gütern,  „hörigen  Hufen“.  Man  unterscheidet  königliche,  geistliche 
und  weltliche  Grundherrschaften.  Eine  solche  kann  aus  einem  Verband  mehrerer  Fronhöfe  bestehen.  Über  den  wirt¬ 
schaftlichen  Charakter  der  Grundherrschaften  sind  die  Meinungen  geteilt.  Von  der  älteren,  „hofrechtlichen“  Theorie 
wird  sie  als  eine  in  sich  abgeschlossene  Wirtschaftseinheit  angesehen,  die  ihren  eigenen  Bedarf  hauptsächlich  selbst  decken 
konnte.  Die  jüngere  Forschung  aber,  vor  allem  durch  A.  Dopsch  vertreten,  hebt  die  grosse  Bedeutung  des  berufsmässigen 
Handels  und  der  Gewerbetätigkeit  besonders  hervor.  Naheliegenden  Fragen  werden  von  Dopsch  ausführlich  erörtert 
(Wirtschaftliche  und  soziale  Grundlagen  der  europäischen  Kulturentwicklung,  II,  S.  383  ff).  —  An  dieser  Stelle  möchte 
ich  Dr.  Jur.  H.  Patzelt  aus  Wien  für  seine  wertvollen  Hinweise  auf  die  einschlägige  wirtschaftsgeschichtliche  Litera¬ 
tur  danken. 

3  Klumker,  a.a.  O.,  S.  67.  Es  haben  sehr  geteilte  Meinungen  über  die  Übersetzung  des  Wortes  „fresum“  ge¬ 
herrscht.  Klumker  ist  der  Ansicht,  dass  es  die  Fransen  bezeichnet,  die  die  Mäntel  abschlossen.  Es  ist  jedoch  fraglich,  ob 
diese  solche  Fransen  hatten.  Hier  sei  statt  dessen  vorgeschlagen,  das  Wort  mit  jener  Art  von  Arbeit  zu  identifizieren,  die 
im  vorliegenden  Buch  unter  Kap.  VIII  und  IX  beschrieben  wird. 


46 


DRITTES  KAPITEL 


erscheint  in  den  Urbaren  des  9. — 13.  Jhdts.  die  Weberei  durchwegs  als  Frauen¬ 
arbeit.1 

Setzt  man  eine  solche  Produktion  mit  alten  Handwerkstraditionen  voraus,  so 
braucht  man  sich  nicht  über  eine  Gleichförmigkeit  zu  wundern,  die  2,  vielleicht  3 
Jahrhunderte  umfasst.  Ein  Teil  der  Birkagräber  reicht  bis  in  die  Mitte  des  10.  Jhdts. 
herauf,  während  die  ältesten  im  Norden  bekannten  Exemplare  desselben  Typs  sich 
aus  der  Mitte  des  8.  Jhdts.  datieren,  also  ungefähr  gleichaltrig  mit  dem  oben  ge¬ 
nannten  deutschem  Fund  sind. 


Nimmt  man  nun  die  Hypothese  auf,  dass  die  feinen  Wollstoffe,  die  durch  den 
friesischen  Handel  in  bedeutenden  Mengen  nach  Skandinavien  gebracht  wurden,  in 
Genitia  gewebt  wurden,  so  muss  man  folgerichtig  die  Voraussetzung  machen,  dass 
die  entsprechenden  Fronhöfe  innerhalb  eines  verhältnismässig  zusammenhängenden 
Gebietes,  das  über  gesicherte  Bezugsquellen  von  Rohstoffen  verfügte,  wahrscheinlich 
also  in  Küstengebieten,  lagen.  Die  verschiedenen  Typen  bezeichnen  vielleicht  ge¬ 
trennte  Werkstätten  —  Genitia  —  oder  Gruppen  derselben.  Nach  dem  oben  Vorge¬ 
brachten  dürfte  m.  E.  Verschiedenes  dafür  sprechen,  dass  wenigstens  ein  Teil  dieser 
Gebiete  auf  dem  Kontinent  gelegen  war,  irgendwo  auf  dem  Küstenstrich  zwischen 
Weser  und  Somme;  doch  ist  eine  nähere  Bestimmung  kaum  möglich. 

Damit  ist  jedoch  keineswegs  gesagt,  dass  gar  kein  „friesisches  Tuch“  in  England 
hergestellt  wurde  oder  dass  die  exklusive  Produktion,  von  der  die  feineren  Birkastoffe 
Zeugnis  ablegen,  dem  Begriff  „pallia  Fresonica“  völlig  entsprechen.  Sicher  hat  diese 
Bezeichnung  eine  viel  weitere  Bedeutung  gehabt,  wahrscheinlich  umfasste  sie  auch 
einfachere  Produkte  und  Erzeugnisse  eines  mehr  häuslichen  Fleisses.  Wir  haben  be¬ 
reits  einen  der  Beweise  dafür  angeführt,  dass  die  friesischen  Kaufleute  mit  englischen 
Waren  gehandelt  haben.  Es  ist  auch  sehr  leicht  möglich,  dass  einige  der  gröberen 
unserer  Birkastoffe  auf  den  britischen  Inseln  hergestellt  worden  waren,  besonders 
gilt  dies  von  dem  stark  verfilzten  Fries,  „vadmal“  (W  42),  an  dem  ein  irisches  Bronze¬ 
kreuz  befestigt  war. 

Die  betriebsamen  friesischen  Kaufleute  arbeiteten  sozusagen  sowohl  en  gros  als 
auch  en  detail.  Sie  machten  ihre  Rundreisen  zu  den  Produzenten  und  deckten  durch 
Einkäufe  auf  den  Fronhöfen  sowohl  ihren  Bedarf  an  Fronarbeit  als  auch  an  Hufner¬ 
arbeit,  welch  letztere  in  der  Regel  von  einfacherer  Art  gewesen  sein  dürfte.  Da  die 
Waren  nachher  in  anderen  Ländern  verkauft  wurden,  ist  es  ganz  natürlich,  dass  sich 
die  Warenbezeichnung  nach  den  Kaufleuten  oder  nach  den  Verschiffungshäfen  rich¬ 
tete.  Derselbe  Sachverhalt  gilt  z.  B.  für  die  im  Mittelalter  oft  verwendete  Bezeich¬ 
nung  französisches  Tuch.2  Hier  seien  auch  jene  friesischen  Lehnwörter  hervorge- 

1  Klumker,  a.  a.  O.,  S.  35. 

2  So  meinte  man  z.  B.  in  Florenz  im  Jahr  1182  mit  panni  franceschi  auch  Wollstoffe  aus  England  und  Flandern 
(Edgcumbe  Staley,  The  Guilds  of  Florence,  London  1906,  S.  106). 


WOLLSTOFFE  47 

hoben  wie  Math ,  Meth ,  faschwed.  klaepe ,  kläde  (Tuch);  dok,  duek ,  faschwed.  düker, 
(Kopftuch,  Schleier);  skredere ,  skräddare  (Schneider),  die  bezeugen,  dass  Stoffe  und 
ähnliche  Waren  aus  Friesland  durch  friesische  Kaufleute  nach  Schweden  importiert 
wurden.1 

1  Elis  Wadstein,  Friesische  Lehnwörter  im  Nordischen.  Skr.  utg.  af  Kungl.  Hum.  Vetenskaps-Samfundet  i  Upp¬ 
sala,  21:  3,  1922. 


IV. 


MUSTERGEWEBE  AUS  WOLLE  UND  FLACHS. 


Die  Überreste  der  beiden  unten  beschriebenen  und  auf  Taf.  9 — 10  abgebildeten 
Gewebe  sind  von  grösstem  Interesse,  nicht  zuletzt  deswegen,  weil  sie  in  un¬ 
serem  Fundmaterial  die  einzigen  erhaltenen  Exemplare  von  wirklich  hoch¬ 
rangigen  Webereien  sind,  deren  nordische  Herkunft  nicht  bezweifelt  werden  kann. 
Ebensowenig  besteht  hierüber  ein  Zweifel  bei  den  broschierten  Geweben,  die  unter 
M  4 — 7  beschrieben  sind.  Obwohl  die  letztgenannten  auch  die  Bezeichnung  „gutes 
Handwerk“  verdienen,  so  können  sie  sich  mit  der  künstlerischen  Ausführung  und 
der  feinen  Qualität  der  beiden  erstgenannten  nicht  messen.  Bezüglich  der  Material¬ 
angaben  sei  auf  S.  8  verwiesen. 

Gobelinartige  Gewebe. 

Die  Technik  muss  als  Wirkerei1  bezeichnet  werden,  ein  Ausdruck,  der  hier  so  zu 
verstehen  ist,  dass  das  immer  verschiedenfarbige  Schussgarn  Stück  für  Stück  in  die 
Kette  eingewirkt  wird  und  diese  ganz  verdeckt.  Technisch  besteht  jedoch  ein  be¬ 
deutender  Unterschied  gegenüber  den  bekannten  Wirkarbeiten  —  den  ägyptischen 
Gewandbesätzen,  den  orientalischen  Kelims,  den  chinesichen  „Kossu“,  den  europäi¬ 
schen  Bildteppichen,  um  nur  einige  Beispiele  zu  nennen.  Sie  alle  haben  im  Grossen 
und  Ganzen  eine  einheitliche  Textur,  der  Schuss  durchläuft  die  Kette  nach  einem  für 
das  ganze  Gewebe  einheitlichen  System,  dem  Schussrips,  wozu  freilich  bei  den  ägyp¬ 
tischen  Textilien  Zusätze  mit  der  sogen,  fliegenden  Nadel  kommen. 

In  den  Birkageweben  sind  dagegen  eine  Menge  verschiedener  Bindungseffekte 
mit  einander  vermischt;  dies  geht  am  deutlichsten  aus  den  schematischen  Zeichnungen 
Abb.  r  2  hervor.  Wenn  die  Ripstextur  hier  vorkommt,  wird  sie  nicht  schlicht  aus¬ 
geführt,  sondern  gleichzeitig  mit  zwei  verschiedenfarbigen  Fäden  mit  einem  Effekt, 
der  an  ein  „wirkliches“  zweifarbiges  Gewebe  erinnert,  z.  B.  den  schwedischen 
„Rosengäng“. 

In  dem  einen  Gewebe  (M  2)  wird  vorzugsweise  eine  Bindung  verwendet,  die, 
schematisch  gesehen,  an  dreibindigen  Schussköper  erinnert,  dem  Gewebe  jedoch  eine 

1  Diese  Bezeichnung  für  die  Technik  z.  B.  der  Gobelin-Teppiche  ist  schon  lange  in  der  kunstgeschichtlichen  und 
kunstgewerblichen  Literatur  allgemein  gebräuchlich.  —  Beachte  aber,  dass  Schlabow  (a.  a.  O.,  S.  14)  mit  dem  Wort 
Wirken  einige  Technikarten  bezeichnet,  die  er  dem  Begriff  Weben  gegenüberstellt. 


MUSTERGEWEBE  AUS  WOLLE  UND  FLACHS 


49 


Abb.  12.  Schema  der  in  M  I  und  M  2  vorkommenden  Arten  von  Wirkerei. 

füllige  und  dichte  Oberfläche  ohne  deutliche  Webetextur  gibt.  Die  für  schmale 
Rhomben  oder  Winkelbänder  verwendete  Fadenlage  c  und  d  ist  als  Variation  des¬ 
selben  Systems  anzusehen. 

Die  von  den  norrländischen  Bildteppichen  her  bekannte  Broschiertechnik  („Snärj- 
vävnad“)1,  für  welche  hier  aus  praktischen  Gründen  die  Bezeichnung  „Soumak“  ge¬ 
wählt  wird,  kommt  oft  in  beiden  Geweben  vor,  vorzugsweise  als  Umrahmung  einer 
grösseren  Fläche  (Abb.  1 2  a,  f).  Eine  Technik,  die  dagegen  seltener  sein  dürfte,  veran¬ 
schaulicht  die  Figur  f,  welche  den  Hauptteil  der  Gewebe  M  i  ausmacht.  Sie  zeigt 
den  Effekt  einer  regelmässigen  Mauer  aus  rechteckigen  Blöcken  en  miniature  — 
5  „Steine“  in  der  Breite  und  io — 11  St.  in  der  Höhe  per  cm.  Gewöhnlich  sind  2 
oder  3,  in  Ausnahmsfällen  ein  oder  mehrere  solche  „Steine“  nebeneinander  in  der¬ 
selben  Farbe  ausgeführt.  Mit  bewundernswerter  Gleichmässigkeit  und  Festigkeit  ge¬ 
arbeitet,  bringt  diese  Technik  eine  äusserst  dekorative  Flächenwirkung  hervor  und 
ausserdem  eine  Formsicherheit,  die  auch  heute  noch  trotz  des  kleinen  Masstabes  und 
trotz  des  verfallenen  Zustandes  des  Gewebes  auffällt.  In  neu¬ 
em  Zustand  mit  frischen  Farben  muss  der  koloristische  Effekt 
prachtvoll  gewesen  sein.  Gerade  die  eigenartige  Textur  mit 
kleinen  Farbenpunkten  lässt  uns  an  die  Perlenstickereien  späte¬ 
rer  Zeiten  oder  ein  Mosaik  mit  regelmässigen  Steinen  denken. 

1  Erik  Salven,  Bonaden  frän  Skog,  Abb.  30 — 32. 

4  —  37823.  Birka  III. 


Abb.  13.  Schema  zu  M  3. 


5° 


VIERTES  KAPITEL 


Im  Begriff  Wirkerei  ist  nun  freilich  enthalten,  dass  der  Eintragfaden  zwischen  die 
Kettenfäden  frei  eingewirkt  oder  eingeflochten  wird.  Doch  in  einer  Reihe  von  Fällen, 
u.  a.  in  der  Tapetenwirkerei  u.  dgl.,  verstand  man  es,  die  Arbeit  durch  eine  Art  von 
Fadentrenner  —  einem  Mechanismus  zur  „Fachbildung“  —  zu  erleichtern,  wodurch 
man  mit  einem  Handgriff  alle  ungeraden  Kettenfäden  für  sich  allein  und  ebenso  alle 
geraden  emporheben  konnte;  jedes  Weberstäbchen  mit  entsprechender  Garnfarbe 
wird  dann  durchgezogen,  ebenfalls  mit  einem  Handgriff,  gleich  rasch,  ob  das 
Weberstäbchen  nun  viele  oder  wenige  Kettenfäden  durchlaufen  soll.  Ein  solcher 
Webstuhl  —  er  kann  sowohl  mit  stehender  als  auch  mit  liegender  Kette  eingerichtet 


Abb .  14.  Muster  Schema  zu  M  I. 

werden  —  bringt  begreiflicher  Weise  einen  bedeutenden  Zeitgewinn  mit  sich,  zwingt 
aber  auch  zur  Beibehaltung  eines  und  desselben  Bindungssystems.  Bei  dem  primitiven 
Flechtrahmen,  wo  die  Kettenfäden  ohne  weiters  über  dem  Rahmen  gespannt  sind 
und  wo  das  Weberstäbchen  eingewirkt  werden  muss  ähnlich  wie  die  Nadel  beim 
gewöhnlichen  Strumpstopfen,  hat  der  ebenmässige  Gang  des  Weberstäbchens  keinen 
praktischen  Vorteil.  Die  Arbeit  geht  ungefähr  gleich  langsam  von  statten,  welches 
System  man  nun  befolgt. 

Dass  die  beiden  Gewebe  M  1  und  2  auf  einem  recht  einfachen  Gerät,  d.  i.  irgend¬ 
einem  Flechtrahmen  angefertigt  wurden,  erscheint  mir  annehmbar,  unter  der  Voraus¬ 
setzung,  dass  die  hier  gegebenen  Beschreibungen  der  Webetechnik  richtig  sind.  Ein 
Mechanismus  zur  Fachbildung  wäre  in  einem  solchen  Fall  nur  hinderlich  gewesen. 
Um  die  Frage  zu  beantworten,  wie  dieser  „Wirkstuhl“  im  einzelnen  ausgesehen  hat, 
dazu  bieten  die  erhaltenen  Stoffreste  in  ihrer  Unvollständigkeit  begreiflicher  Weise  zu 


MUSTERGEWEBE  AUS  WOLLE  UND  FLACHS 


51 


geringe  Anhaltspunkte.  Ein  interessantes  Ding  ist  indessen  die  uns  erhaltene,  in  M  i 
oben  zu  sehende  Brettchenborte,  auf  der  offenbar  die  Kette  aufgehängt  war.  Hier 
haben  wir  also  eine  direkte  Übereinstimmung  mit  einer  Menge  anderen  nordischen 
Textilmaterials  —  von  der  römischen  Eisenzeit  und  der  Völkerwanderungszeit  in 
Norwegen,  Dänemark  und  Schleswig-Holstein  über  die  Wikingerzeit  (Oseberg)  und 
die  jüngste  Eisenzeit  in  Finnland  bis  zu  dem  noch  erhaltenen  volkskundlichen  Mate¬ 
rial  im  Baltikum  und  im  norwegischen  Finnmarken,  das  ja  teilweise  bereits  in  Kap. 
III  berührt  wurde. 

Auch  im  übrigen  stehen  unsere  Gewebe  den  norwegischen  Bildteppichen  aus  der 


Abb.  15.  Musterschema  zu  M  2. 


Wikingerzeit,  sowohl  was  die  Webtechnik  als  auch  den  Stilcharakter  betrifft,  äusserst 
nahe.  Ein  direkter  Vergleich  mit  den  grossen,  relativ  gut  erhaltenen  Stücken  des 
Osebergfundes  mit  ihren  reichen  figuralen  Darstellungen  muss  natürlich  zum  Nach¬ 
teil  der  schwedischen  Fragmente  ausfallen,  bei  denen  sogar  die  geometrischen  Muster 
undeutlich  sind.  Die  übereinstimmenden  Momente  sind  jedoch  so  stark,  dass  man 
nicht  daran  zu  zweifeln  braucht,  dass  alle  beide  Früchte  desselben  Stammes  sind.  Ein 
eingehender  Vergleich  kann  begreiflicher  Weise  nicht  angestellt  werden,  ohne  dem 
grossen  Werk  über  das  norwegische  Textilmaterial  von  Björn  Hougen  vorzugreifen, 
das  eben  vor  seiner  Vollendung  steht.  Dr.  Hougen  war  indessen  so  liebenswürdig, 
mir  Gelegenheit  zu  geben,  die  Osebergtextilien  kennen  zu  lernen  und  immerhin  so 
weit  zu  studieren,  dass  ich  alle  jene  vier  Typen  der  Technik  feststellen  konnte,  die  auf 
unserer  schematischen  Zeichnung  abgebildet  sind  (a,  b,  c  und  f). 

Hier  sei  hervorgehoben,  dass  Hougen  der  Auffassung  ist,  die  norwegischen  Gewebe 
hätten  ausser  dem  noch  sichtbaren  Musterschuss  aus  Wolle  einen  jetzt  vermoderten 
Grundschuss  aus  Leinen  gehabt,  also  ebenso  wie  die  nordschwedischen  Gewebe  des 


52 


VIERTES  KAPITEL 


Mittelalters  aus  överhogdal  und  Skog1,  mit  denen  die  norwegischen  im  übrigen  ja 
nahe  verwandt  sind.  Der  gegenwärtige  Zustand  der  Birka-Fragmente  macht  es  leider 
unmöglich  festzustellen,  ob  es  auch  hier  einen  leinenen  Grundschuss  gegeben  haben 
kann.  Wahrscheinlich  hat  sich  das  Muster  in  M  i  von  einem  jetzt  verwitterten 
leinenen  Hintergrund  abgehoben,  ob  dieser  aber  in  Übereinstimmung  mit  dem  übrigen 
Schuss  eingewirkt  oder  über  die  ganze  Breite  des  Gewebes  eingearbeitet  war,  wage 
ich  nicht  bestimmt  zu  entscheiden.  Die  ausserordentliche  Dichte  der  in  Birka  er¬ 
haltenen  Gewebepartien  aus  Wolle  scheinen  gegen  die  letztere  Annahme  zu  sprechen. 
Sollte  die  Annahme  Hougens  richtig  sein,  so  ist  —  dies  muss  hier  hinzugefügt 
werden  —  die  obenaufgestellte  Annahme  von  einem  Wirkrahmen  unhaltbar.  In  die¬ 
sem  Fall  muss  wohl  der  Webstuhl  mit  mechanischer  Fachbildung  ausgerüstet  gewesen 
sein  und  dann  dürfte  ja  der  Webstuhl  mit  hängender  Kette  die  grösste  Wahrschein¬ 
lichkeit  für  sich  haben. 

Was  die  Muster  in  den  beiden  Birka-Geweben  betrifft,  so  lässt  sich  darüber  leider 
nicht  viel  sagen.  Von  M  i  ist  glücklicher  Weise  so  viel  erhalten,  dass  eine  ziemlich 
wahrscheinliche  Rekonstruktion  hergestellt  werden  konnte,  Abb.  14.  Diese  vermittelt 
den  Eindruck  eines  Flächenmusters  mit  regelmässigen  Wiederholungen:  horizontale 
Reihen  von  wiederkehrenden  Rhomboiden,  die  voneinander  durch  breite,  mit  Orna¬ 
menten  ausgefüllte  Zickzackbänder  getrennt  werden,  hinter  denen  geometrische 
Figuren,  Palmetten  und  Blätter,  vermutet  werden  können. 

Wenn  auch  nicht  gerade  originell,  so  gehört  das  Motiv  doch  nicht  zu  den  gewöhn¬ 
lichsten.  Es  wäre  zu  überlegen,  ob  das  Vorbild  hierzu  nicht  in  jener  Gruppe  von 
Seidenstoffen  mit  halbgeometrischen  Mustern  zu  suchen  wäre,  die  O.  von  Falke2 
ägyptischen  Fabriken  zuschreibt,  die  aber  sicherlich  an  mehreren  Plätzen  hergestellt 
wurden.  Die  in  Streifen  geschnittenen  Seidentücher,  die  in  Oseberg  gefunden  wur¬ 
den,  dürften,  so  scheint  es  mir  nach  flüchtigem  Studium,  zu  dieser  Gattung  —  we¬ 
nigstens  teilweise  —  gehören,  und  in  diesem  Fall  einen  Beweis  dafür  abgeben,  dass 
solche  Stoffe  auch  unsere  nördlichen  Breitegrade  hätten  erreichen  können.  Dass  solche 
Stoffe  auch  nach  Schweden  gekommen  sind  und  dort  eine  einheimische  Erzeugung  in¬ 
spiriert  haben,  ist  mit  Rücksicht  auf  die  Seidenfunde  ja  auch  möglich.  Doch  muss  man 
auch  die  Möglichkeit  offen  lassen,  dass  die  in  Birka  gefundenen  Wolldecken  norwe¬ 
gischen  Ursprungs  sind.  In  diesem  Zusammenhang  sei  auch  hervorgehoben,  dass 
sich  im  Osebergfund  ausser  den  am  meisten  beachteten  Bildteppichen  auch  einige 
Beispiele  derselben  Technik  in  geometrisch-ornamentalem  Muster  finden.  Das  Mus¬ 
ter  des  Eckstückes  M  2  (Abb.  15)  ist  leider  sehr  unvollständig  erhalten.  Der  viel- 

1  G.  J:son  Karlin,  Över-Hogdalstapeten;  Erik  Salven,  a.  a.  O.;  Branting-Lindblom,  Medeltida  vävnader  I. 

Ein  noch  älteres  Beispiel  dieser  allem  Anschein  nach  spezifisch  nordischen  Wirktechnik  wurde  neulich  entdeckt, 

nämlich  in  Valsgärde,  Krsp.  Gamla-Uppsala.  Nur  kleine  Reste  und  zwar  nur  die  wollenen  Schussfäden  sind  erhalten. 
Diese  haben  noch  eine  mit  unserem  Diagramm,  Abb.  12  a  und  d,  ungefähr  ähnliche  Lage.  Der  Grabfund  (Nr.  8) 
kann  nach  Angabe  von  Greta  Arwidsson  in  die  Vendelzeit  datiert  werden. 

2  Kunstgeschichte  der  Seidenweberei,  I,  z.  B.  Abb.  32 — 34. 


MUSTERGEWEBE  AUS  WOLLE  UND  FLACHS 


53 


farbige  Schrägborte  ist  ähnlich  wie  in  M  i  ausgeführt.  Sonst  scheinen  die  Orna¬ 
mente  sich  von  einer  ziemlich  einheitlichen,  roten  Grundfarbe  abgehoben  zu 
haben. 

Die  unter  dem  Signum  M  3  beschriebenen  Textilfragmente  gehören  zu  einer  be¬ 
deutend  gröberen  und  einfacheren  Wirkarbeit,  deren  Vorkommen  uns  im  Norden  zu 
jener  Zeit  gerade  wegen  ihrer  Primitivität  weniger  bemerkenswert  erscheint.  Nicht 
nur  das  Verfahren  beim  Farbenübergang  (Abb.  13),  sondern  auch  der  übrige  Cha¬ 
rakter  erinnert  auffallend  an  jene  schwedische  Gewebeart,  die  als  „Rölakan“  bezeich¬ 
net  wird  und  sich  von  den  ähnlichen  orientalischen  Kelimarbeiten  gerade  durch  die 
Technik  des  Farbenwechsels  unterscheidet,  die  bei  den  nordischen  Geweben  ohne 
offene  Spalten  hergestellt  wird.  Leider  sind  die  uns  erhaltenen  Fragmente  zu  gering, 
als  dass  man  weitere  Schlüsse  über  das  Muster  und  das  Aussehen  des  Gewebes  ziehen 
könnte. 

M  1.  Grab  597.  Taf.  10  und  9:  2.  Fragmente  einer  mehrfarbigen  Wirkarbeit  mit  verschiedenen  Bindungs¬ 
effekten.  Als  die  Untersuchung  begann,  lagen  die  Fragmente  zusammengeklebt  mit  anderen  Wollstoffen 
in  zwei  grösseren  und  einem  kleineren  Klumpen  (ca.  13  X8.5  und  10(14)  X  8  cm).  Der  grösste  wurde  beinahe 
völlig  von  dem  vielfarbigen  Gewebe  verdeckt,  das  mit  der  rechten  Seite  nach  unten,  mit  der  verkehrten  nach 
oben  lag,  wobei  ein  Teil  zurückgeschlagen  war.  Zu  beiden  Seiten  und  auch  innerhalb  des  gefalteten  Teiles, 
zum  grössten  Teil  jedoch  unterhalb,  lag  eine  grauweisse,  klebrige  Schicht,  die  sich  als  Federn  oder  Daunen 
von  Enten  erwies  (Beil.  II).  Darunter  lag  vielfach  zusammengeknüllt,  zuerst  ein  mittelstarkes,  glattes  Köper¬ 
gewebe  (W  36)  und  darunter,  zwei  Mal  zusammengefaltet,  unter  einem  Teil  des  Klumpens  ein  anderer  Köper¬ 
stoff  derselben  Sorte.  Darunter  drei  Stücke  von  Rippenknochen.  —  Die  beiden  anderen  Stücke  lagen  teils 
an  einem  gleichartigen  Stoff,  teils  an  einem  Rautenköper  (W  10).  Die  Konglomerate  wurden  sorgfältig  in 
Wasser  aufgeweicht,  worauf  die  verschiedenen  Schichten  auseinander  genommen  und  die  Daunenschicht 
vorsichtig  entfernt  werden  konnte.  Nur  ein  grösseres  und  ein  paar  kleinere  Stücke  hingen  einigermassen  zu¬ 
sammen.  Die  genaue  Lage  der  vielen  Einzelfragmente  zueinander  konnte  nicht  bestimmt  werden,  teils  weil 
soviel  von  den  dazwischenliegenden  Partien  zu  Grunde  gegangen  war,  teils  weil  sich  Federparti kelchen  in  dem 
Gewebe  vernestelt  hatten,  so  dass  dieses  schwer  zu  erkennen  war,  bevor  es  aus  dem  Konglomerat  losgelöst 
worden  war. 

Die  Kette  besteht  aus  rechtsgezwirntem  derbem  Wollgarn  in  gelbem,  mitunter  graubraunem  Farbenton. 
Kettendichte  9 — 10  Fäden  per  cm.  Der  erhaltene  Schuss  ist  ebenfalls  rechtsgezwirntes  Wollgarn,  jedoch  feiner 
und  weicher.  Jetzt  können  deutlich  die  Farben  Rot,  Dunkelblau  und  Gelbbraun  unterschieden  werden,  von 
dem  letzteren  verschiedene  Nuancen,  wovon  eine  möglicherweise  grün  gewesen  sein  kann.  Ausserdem  deuten 
einzelne  soumakbegrenzte  Partien  von  jetzt  blossgelegten  Kettenfäden  auf  einen  nunmehr  vermoderten  Schuss, 
vermutlich  aus  Leinen,  hin,  das  auch  für  einen  Teil  der  kleineren  Details  verwendet  wurde. 

Die  Technik  ist  aus  der  schematischen  Zeichnung  ersichtlich.  Der  Schuss  verdeckt  völlig  die  Kette. 
Das  Schussgarn  ist  ohne  Hilfe  einer  mechanischen  Fachbildung  eingewirkt.  Die  Flächen  sind  zum  überwiegen¬ 
den  Teil  in  einer  eigentümlichen  Bindung  gearbeitet,  die  wir  oben  mit  einer  Mauerung  verglichen  haben 
(Abb.  12  f).  Der  Schuss  läuft  immer  oberhalb  und  unterhalb  einer  Gruppe  von  je  2  Kettenfäden,  gewöhnlich 
nur  2  bis  3  Gruppen  in  jeder  Farbe  hindurch,  und  geht  mindestens  vier  Mal  in  jeder  „Steinreihe“  hin  und  her. 
Die  nächste  „Steinreihe“  wird  im  Zickzack  versetzt,  wobei  die  Kettenfäden  in  neue  Gruppen  aufgeteilt  wer¬ 
den.  Die  grösseren  Flächen  werden  im  allgemeinen  von  einer  Soumaklinie  aus  dunkelblauem  Garn  umrissen. 

In  den  grossen  Rauten  kommt  eine  andere  Technik  vor.  Die  Fläche  hat  das  Aussehen  eines  gleichmäs- 
sigen  Schussripses,  ist  aber  in  zwei  Farben  gemustert,  wovon  die  eine  helle  Linien  auf  dunklem  Grund  bildet. 
Bei  der  Bildung  der  Oberseite  alternieren  zwei  Schüsse,  wobei  die  für  das  Muster  nicht  verwendeten  Faden- 


54 


VIERTES  KAPITEL 


partien  lose  („flottierend“)  auf  die  Unterseite  zu  liegen  kommen.  Auf  diese  Weise  werden  Linien  in  der  Ket¬ 
tenrichtung  gebildet.  Linien  in  der  Schussrichtung  werden  hingegen  durch  das  Soumakver fahren  gebildet. 

Das  Muster  ist  rein  geometrisch  und  scheint  Wiederholungscharakter  gehabt  zu  haben.  Es  besteht  aus 
grösseren,  rhomboidförmigen  Feldern  mit  einem  schwach  markierten,  rechteckigen  Muster.  Die  Felder 
berühren  einander  in  der  Seitenrichtung,  nicht  aber  in  der  Höhenrichtung,  wo  die  Rauten  schräg  übereinander 
wiederkehren,  sodass  zwischen  jeder  Reihe  eine  breite  Zickzackborte  entsteht,  die  in  „Mauertechnik“  und 
Soumakverfahren  mehrfarbig  gearbeitet  ist.  Diese  Zickzackborte  wird  auf  beiden  Seiten  von  einem  schmalen 
Rahmen  begrenzt  und  zwar  in  2  oder  3  Farben,  die  also  die  Rauten  umrahmen.  Von  den  Winkeln  geht  —  we¬ 
nigstens  bisweilen  —  ein  grosses  Blatt  oder  ein  palmettähnliches  Ornament  aus,  das  von  langen  Rauten, 
möglicherweise  Blätter  darstellend,  umgeben  ist.  Von  der  letzteren  Form  sind  viele  lose  Fragmente  vor¬ 
handen,  die  sämtliche  ebenso  wie  die  Eckenornamente  in  Rot  mit  blauer  Kontur  ausgeführt  sind.  Die  leeren 
Kettenfäden  in  der  Umgebung  lassen  erkennen,  dass  sich  die  Ornamente  ursprünglich  von  einem  gemein¬ 
samen  Hintergrund  abgezeichnet  hatten,  der  jetzt  vermodert  ist,  von  dem  man  aber  mit  grösster  Wahrschein¬ 
lichkeit  annehmen  kann,  dass  er  aus  Leinen  bestanden  hat.  Wie  der  jetzt  verschwundene  Schuss  gearbeitet 
war,  kann  man  nicht  wissen,  es  ist  jedoch  recht  wahrscheinlich,  dass  es  einfacher  Rips  war,  wodurch  die  farbige 
Ornamentik  kräftiger  hervorgetreten  wäre.1 

Von  den  mit  Linienmustern  ausgefüllten  Feldern  scheinen  wenigstens  zwei  roten  Grund  gehabt  zu  haben, 
der  wahrscheinlich  mit  weissem  Flachsgarn  gemustert  war.  Von  dem  Muster  sind  in  der  einen  Richtung  nur  die 
blossgelegten  Kettenfäden  übrig  und  in  der  anderen  Richtung  eine  Reihe  Löcher  von  den  Stichen.  Ein  Feld 
ist  mit  gelbem  Wollgarn  auf  grünem  (?)  Grund  gearbeitet;  diesem  Feld  haben  wir  es,  obwohl  es  sehr  beschädigt 
ist,  zu  verdanken,  dass  wir  die  Technik  feststellen  konnten.  Von  einem  blauen  oder  grünen  Feld  ist  nur  ein 
sehr  kleines  Fragment  übrig,  doch  gerade  dadurch  wird  die  Wiederholung  dieser  Technik  in  der  oberen  Rauten¬ 
reihe  bewiesen. 

M  2.  Grab  739.  Taf.  9:  1  u.  3.  2  grössere  Fragmente  einer  mehrfarbigen  Wirkarbeit  mit  verschiedenen  Bin- 
dungseffekten.  Das  grössere  Stück  ist  an  der  Rückseite  an  einen  Torfklumpen  festgeklebt,  von  dem  es  sich  wegen 
seiner  grossen  Brüchigkeit  nicht  loslösen  lässt.  Sicherlich  stellt  es  die  Ecke  eines  rechteckigen  Mantels  oder 
einer  mit  Bändern  eingefassten  Decke  dar.  Das  Gewebe  ist  nachgedunkelt  und  seine  Oberfläche  stark 
beschädigt,  weshalb  die  Ausgestaltung  des  Musters  nicht  immer  zu  unterscheiden  ist.  Es  treten  jedoch  deutlich 
die  Farben  Rot  (überwiegend,  wahrscheinlich  als  Grundfarbe),  Dunkelblau  oder  Blauschwarz  und  eine  hellere, 
grünliche  Farbe  hervor;  ausserdem  Weiss  bei  kleineren  Details.  Das  Muster  zeigt  Flächencharakter  mit  dia¬ 
gonalen  Streifen  und  Rauten  auf  dem  roten  Hintergrund,  oft  in  einer  detaillierteren  Ausführung,  z.  B.  die 
dunkelblaue  Raute  mit  einem  regelmässigen  Knotenmotiv  in  Weiss.  Die  Komposition  hat  keine  Rücksicht 
auf  die  Ecke  genommen. 

Die  Technik  lässt  sich  am  besten  an  dem  kleineren  Fragment  studieren,  das  von  beiden  Seiten  zu  sehen 
ist.  Die  Kette  besteht  aus  ziemlich  zartem,  rechtsgezwirntem  Wollgarn  in  gelblichem  Farbton;  Dichte  7 — 8 
Fäden  per  cm.  Der  Schuss  ungefähr  von  demselben  Garn  in  3  Farben  sowie  aus  weissem  Leinengarn,  das  jetzt 
hart  und  äusserst  empfindlich  ist.  Der  Schuss  verdeckt  völlig  die  Kette,  ist  nach  verschiedenen  Bindungs¬ 
systemen  eingearbeitet,  wie  aus  den  schematischen  Zeichnungen  hervorgeht.  Die  meisten  Flächen  sind  in 
einer  Art  ausgeführt,  die  an  einen  dreibindigen  Köper  (Abb.  12  b)  erinnert,  d.  h.  der  Schussfaden  geht  über  2 
und  unter  1  Kettenfaden  hindurch,  obwohl  nicht  völlig  regelmässig.  Ein  paar  Male  ist  die  Textur  wie  ein  Rips, 
das  eine  Mal  aber  in  abweichender  Farbe  gemustert,  wobei  die  Ausführung  mit  dem  vorhergehenden  Gewebe 
und  zwar  mit  Abb.  14  e  übereinstimmt.  Die  diagonalen  Linien  zwischen  den  verschiedenen  Figuren  werden 
durch  Soumak  in  abweichender  Farbe  markiert.  Breitere,  schrägverlaufende  Linien  sind  wie  c  und  d  ausge¬ 
führt. 

1  Über  die  Möglichkeit  eines  durchlaufenden  Grundschusses  kann  man  sich,  wie  bereits  hervorgehoben,  in  diesem 
Fall  nicht  mit  Bestimmtheit  äussern.  In  dem  Modellgewebe  (Taf.  38:  8)  wurde  der  leinene  Eintrag  stückweise  ein¬ 
gewirkt. 


MUSTERGEWEBE  AUS  WOLLE  UND  FLACHS 


55 


Die  beiden  Eckborten  sind  Brettchenborten,  aus  Wollgarn  in  drei  Farben  hergestellt.  Das  horizontale 
Band,  das  leider  zerfallen  ist,  wurde  offenbar  durch  Wechseln  der  Brettchen  gemustert;  nur  die  ganzblaue 
Randschnur  zeigt  eine  stets  gleichlaufende  Drehung.  Der  Schuss  dieses  Bandes  besteht  aus  den  Kettenfäden 
des  Gewebes.  Das  Ende  des  Bandes  ist  umgebogen.  Das  andere,  vertikale  Band  ist  schmäler,  sonst  aber  gleich¬ 
artig.  Es  ist  ein  wenig  über  den  Rand  des  Gewebes  gelegt  und  war  vermutlich  angenäht.  Masse:  das  ungefähr 
viereckige  Stück  gegen  7x7  cm;  das  zerfallene  Band  der  Länge  nach  10  cm,  berechnete  Breite  20 — 25  mm. 
Unregelmässiges  Stück,  grösste  Ausdehnung  in  beiden  Fadenrichtungen  5x5  cm. 

M  3.  Grab  825.  Taf.  9:4.  Fragmente  einer  gröberen  Wirkarbeit  wie  schwedisches  Rölakan.  Es  sind 
3  Stücke,  jedes  kaum  4 — 6  cm2  gross;  zwei  waren  mit  einem  Rautenköperstoff  zusammengeklebt. 

Die  Kette  ist  völlig  vermodert  und  hat  nur  einige  unbedeutende  Spuren  in  einem  der  F ragmente  hinter¬ 
lassen,  vermutlich  aus  Flachs.  Von  dem  Gewebe  sind  nur  die  dicht  liegenden  Schussfäden  aus  linksgezwirntem 
Wollgarn,  teils  in  roter,  teils  in  gelber  Farbe  übrig.  Bei  dem  einen  Stück  ist  deutlich  der  Übergang  zwischen 
den  beiden  verschiedenfarbigen  Schüssen  zu  sehen,  in  dem  Diagramm  Abb.  15  verdeutlicht.  Die  Schussdichte 
ist  7 — 8  Fäden  per  cm.  Am  Rand  des  losen  F  ragmentes  ist  derselbe  Faden  Wechsel,  obwohl  undeutlich,  zu  sehen, 
das  dritte  Stück  ist  jedoch  so  beschädigt,  dass  die  Fadenlage  nicht  bestimmt  werden  kann. 


Broschierte  W illgewebe. 

Fünf  Beispiele  von  broschierten  Geweben  sind  vorhanden,  die  ihrem  ganzen  Cha¬ 
rakter  und  der  Zeichnung  nach  dem  schwedischen  „Krabbasnär“  nahe  stehen,  d.  h. 
sie  haben  einen  Hintergrund  in  Leinwandbindung  oder  Rips  und  einen  flottierenden 
Musterschuss,  der  frei  in  das  Gewebe  eingearbeitet  ist. 

Im  Gegensatz  zu  den  jüngeren  nordischen  Geweben  ist  jedoch  das  Grundge¬ 
webe  aus  Kettenrips  hergestellt,  d.  h.  die  Kette  ist  sehr  dicht  und  verdeckt  gänzlich 
den  Schuss.  Wie  bei  den  jüngeren  Geweben  verschiebt  sich  der  Stich  des  Muster¬ 
fadens  jedes  Mal  nach  der  einen  Seite,  wodurch  der  typische  Diagonalcharakter 
entsteht.  Bei  sehr  langen  Stichen  wird  der  flottierende  Faden  in  gewissen  Intervallen 
unter  einen  Kettenfaden  gebunden. 

Das  Mustergarn  ist  immer  bedeutend  gröber  und  andersartig  als  der  Faden  des 
Grundgewebes,  wahrscheinlich  war  es  auch  abweichend  in  der  Farbe.  Einige  sehr 
beschädigte  Überreste  erinnern  an  ein  lanciertes  Gewebe  in  der  Art  des  schwe¬ 
dischen  „Opphämta“.  In  dem  grossen  Stück  M  4  aber  kehrt  der  Musterfaden  bei  der 
Umrisslinie  sogleich  um,  ähnlich  wie  bei  dem  späteren  südschwedischen  Krabbasnär. 

In  dreien  der  erhaltenen  Exemplare,  M  4,  5  und  8,  hebt  sich  das  Muster  aus  gro¬ 
bem,  gezwirntem  Wollgarn,  in  dem  erstgenannten  plus  einem  jetzt  vermoderten  Garn 
—  aus  Leinen?  —  von  einem  relativ  feinen  Wollgrund  ab.  Das  zuletzt  zum  Vorschein 
gekommene  Fragment  M  8  hat  ein  schütteres  Grundgewebe  mit  verschiedener  Farbe 
für  Kette  und  Schuss  gehabt.  Das  kaum  mehr  zusammenhängende  M  6  war  offen¬ 
bar  ein  ziemlich  zartes,  weisses  Leinengewebe  mit  einem  Muster  aus  besonders  gro¬ 
bem,  gezwirntem  Wollgarn  in  dunkler  Farbe.  In  dem  sehr  undeutlichen,  von  beiden 
Seiten  abgebildeten  Fragment  M  7  ist  das  Muster  aus  hellem,  augenscheinlich  ge¬ 
zwirntem  Leinengarn  auf  dunklem  Ripsgrund  ausgeführt. 


56 


VIERTES  KAPITEL 


Gegenstücke  zu  diesen  Geweben  sind  auch  unter  dem  erhaltenen  vorgeschicht¬ 
lichen  Material  Norwegens  zu  finden.  Im  Osebergfund  sind  recht  grosse  Mengen 
von  Wollgeweben  mit  kräftigen,  broschierten  Ornamenten  desselben  Charakters  wie 
M  4  erhalten,  wenn  auch,  soweit  ich  mich  erinnern  kann,  bedeutend  gröber.  —  Unter 
den  erhaltenen  Kleidungsstücken  der  finnischen  Eisenzeit  gibt  es  ebenfalls  ähnliche 
Wollgewebe. 

M  4.  Grab  660.  Taf.  11:  1 — 3.  Fragment  aus  Wollgewebe  mit  broschiertem  Muster,  dem  sogenannten 
Krabbasnär  nahe  verwandt.  Das  Grundgewebe  ist  Kettenrips  aus  ziemlich  dunklem,  linksgesponnenem,  har¬ 
tem  und  glattem  Garn.  Die  Kette  verdeckt  ganz  den  Schuss  und  war  wahrscheinlich  dunkler  als  der  letztere; 
Kettendichte  30,  Schussdichte  6  per  cm.  Die  Musterornamente  waren  einbroschiert  und  bestanden  aus  grobem, 
linksgesponnenem  Garn  mit  wolliger  Oberfläche.  Gut  erhalten  ist  der  Teil  eines  Ornaments,  der  ursprüng¬ 
lich  rot  gewesen  zu  sein  scheint.  Ausserdem  lassen  sich  deutliche  Löcher  von  einem  gleichartigen  Motiv 
unterscheiden,  dessen  Garn  jedoch  völlig  vermodert  ist.  An  der  Schmalseite  des  Stückes  lag,  mit  der  Oberseite 
angeklebt,  ein  Fragment  von  „Sprang“  (D  8). 

Die  Ausmasse  des  beschriebenen  Fragmentes  sind  ungefähr  11x5  cm.  Ein  kleines  rundes  Loch,  auf  der 
Photographie  zu  sehen,  rührt  ganz  bestimmt  von  einer  Wurzelfaser  her,  die  unter  der  Erde  hindurchgewachsen 
ist.  Überdies  wurde  ein  Stück  von  genau  derselben  Sorte  wie  das  Grundgewebe  gefunden,  jedoch  ohne  Spur 
eines  Musters,  in  einem  grösseren  Klumpen,  der  sich  unter  einer  Spange  erhalten  hat.  Ganz  in  der  Nähe  der 
Spange  lag  ein  zarter  Wollstoff  mit  Seidenstreifen  und  wahrscheinlich  direkt  darunter  das  oben  beschriebene 
Ripsgewebe. 

M  5.  Grab  739.  Taf.  11:4.  Kleines  Fragment  eines  Wollgewebes  mit  broschiertem  Muster,  ähnlich 
dem  vorhergehenden.  Das  Grundgewebe  ist  Kettenrips  in  blauschwarzem  Farbton;  Kettendichte  ungefähr  28, 
Schussdichte  6  Fäden  per  cm.  Der  Musterschuss  besteht  aus  grobem,  linksgezwirntem  Garn  in  rötlichem  Ton. 

Masse  2.5  X  1.3  cm.  Das  F ragment  lag  bei  einem  Eisenschlüssel,  der  Rost  erzeugt  hatte,  welcher  jedoch  in 
bedeutendem  Grad  beim  Einweichen  in  Wasser  aufgelöst  wurde. 

M  6.  Grab  735.  Taf.  11:5.  Fragment  eines  broschierten  Gewebes  aus  Leinen  (?)  und  Wolle.  Das  Grund¬ 
gewebe  bestand  mit  grösster  Wahrscheinlichkeit  aus  weissem  Leinen,  jedoch  sind  hiervon  jetzt  nur  kleine  Par¬ 
tien  einer  spröden,  hellen  Masse  mit  undeutlicher  Struktur  eines  Kettenripses  übrig.  Dessen  Fadendichte  war 
sehr  fein,  kann  aber  nicht  festgestellt  werden.  Der  im  Verhältnis  zum  Grundgewebe  sehr  grobe  Muster¬ 
schuss  hat  eine  Dichte  von  ungefähr  7  Fäden  per  cm  gehabt.  Er  besteht  aus  linksgezwirntem  Wollgarn  in  einem 
dunklen,  blaugrünen  Farbton.  Bei  jedem  „Stich“  läuft  der  Musterfaden  ein  bestimmtes  Stück  unter  ein  paar 
Kettenfäden,  so  dass  die  Abbindungspunkte  diagonale  Linien  bilden.  In  dem  kaum  6  cm  langen  F ragment  sind 
die  meisten  Schussfäden  abgeschnitten,  doch  ein  paar  Beispiele  von  Musterfäden,  die  umkehren,  beweisen, 
dass  der  Musterschuss  nur  stückweise  in  das  Gewebe  eingearbeitet  (broschiert)  war. 

M  7.  Grab  943.  Taf.  11:7.  Fragment  eines  broschierten  Gewebes  aus  Wolle  und  Leinen(?).  Das  Grund¬ 
gewebe  ist  dichter  Kettenrips  aus  hartem,  linksgesponnenem  Garn  in  einem  dunklen  blaugrünen  Farbton. 
Kettendichte  24 — 26,  Schussdichte  6  bis  7  Fäden  per  cm.  Der  Musterschuss  ist  hell,  aus  einem  gezwirnten, 
jetzt  jedoch  abgeplatteten  und  spröden  Garn,  das  aus  Leinen  gewesen  sein  dürfte.  Das  Garn  geht  durch  das 
Grundgewebe  in  regelmässigen,  auf  beiden  Seiten  gleich  langen  Stichen  hindurch  und  bildet  so  diagonale 
Linien.  Das  Fragment,  ungefähr  6  X4.5  cm,  war  mit  einem  sehr  groben  Wollstoff  zusammengeklebt. 

M  8.  Grab  968.  Taf.  11:6.  Fragment  eines  broschierten  Gewebes  aus  Wolle.  Das  Grundgewebe  ist 
schüttere  Leinwandbindung,  Kette  und  Schuss  in  verschiedener  Farbe.  Die  Kette  schwarzbraun,  12—14 


MUSTERGEWEBE  AUS  WOLLE  UND  FLACHS 


57 


Fäden  per  cm,  der  Schuss  hellbraun,  9  Fäden  per  cm;  immer  linksgesponnenes  und  sonst  gleiches  Garn.  Die 
Broschierung  ist  aus  zweifädigem,  rechtsgezwirntem  Garn  (jeder  Teil  ungefähr  in  der  Stärke  des  einfachen  Gar¬ 
nes)  in  roter  und  blauer  Farbe  hergestellt.  An  dem  grössten  Stück  (kaum  3x4  cm)  ist  ein  doppelter  diagonaler 
Streifen  in  Gelb  und  senkrecht  dazu  ein  einfacher  roter  Streifen  zu  sehen.  Der  Musterfaden  geht  jedes  Mal 
über  5  Kettenfäden.  Auf  einem  kleineren  Fragment  ist  ein  etwas  breiterer  roter  Streifen  in  der  Richtung  der 
Kette  zu  sehen. 

Die  Fragmente  lagen,  teilsweise  doppelt  zusammengefaltet,  auf  Stücken  von  zartem  dreibindigem  Stoff 
(gleich  W  18)  auf  der  Oberseite  einer  ovalen  Spange.  Darüber  Reste  von  Biberpelz. 

Sehr  beschädigte,  bisweilen  nicht  sicher  bestimmbare  Überreste  von  Geweben  ähnlich  W  4 — 8  wurden  in 
7  weiteren  Gräbern  gefunden. 

% 

Zum  Schluss  sei  auch  auf  eine  Anzahl  Beingeräte  hingewiesen,  die  in  der  Schwar¬ 
zen  Erde  gefunden  wurden.  Taf.  39  zeigt  eine  kleine  Auswahl  davon.  Es  scheint 
mir  kaum  ein  Zweifel  darüber  zu  bestehen,  dass  diese  hauptsächlich  textilen  Zwecken 
gedient  haben,  wenn  auch  einzelne  eine  andere  Verwendung  gefunden  haben  können. 
Die  Nadeln  —  es  sind  wenigstens  ein  paar  hundert  —  sind  nach  Grösse  und  Form 
sehr  verschieden.  Mehrere  haben  einen  flachen,  mehr  oder  weniger  ornamental  aus¬ 
gestalteten  Kopf,  oft  ohne  Öse,  einige  sind  mit  Ritzen  o.  dgl.  schön  verziert,  andere 
wieder  sehen  wie  gewöhnliche,  wenn  auch  sehr  grobe  Nähnadeln  aus.  Sicher  konn¬ 
ten  solche  Nadeln  zu  verschiedenen  Zwecken  verwendet  werden;  unter  anderem  zum 
Herstellen  von  Zierknoten.  Die  längeren,  künstlerisch  ausgestalteten  Nadeln  mit 
oder  ohne  Öse  möchte  ich  gerne  als  Webestäbchen  bezeichnen,  die  jenen  entsprechen, 
die  heute  noch  bei  der  Gobelinweberei  gebraucht  werden.  Auf  solchen  war  das 
Schussgarn  aufgewickelt,  wenn  Gewebe  der  obenbeschriebenen  Art  hergestellt  wur¬ 
den.  Mit  Vorteil  könnten  sie  auch  beim  Einbroschieren  von  Mustern  in  Gewebe  wie 
M  4 — 8  oder  auch  bei  der  Brettchenweberei  verwendet  werden.1  Das  einzelne 
Gerät  mit  kammartigem  Abschluss2  mag  sich  dazu  geeignet  haben,  den  Schuss  in  den 
oben  beschriebenen  Geweben  M  1  und  2  zuzuschlagen. 

1  Bei  der  Veröffentlichung  eines  norrländischen  Fundes  aus  der  Völkerwanderungszeit  hat  E.  Festin  (Brunflofyn- 
det,  Festskrift  tili  E.  Modin,  Jämten  1937)  zum  Vergleich  mit  dem  dazugehörigen  löffelförmigen  Knochengegenstand 
einige  Geräte  (aus  den  17.  und  18.  Jhdt.)  herangezogen,  die  bei  der  Bandweberei  verwendet  wurden.  Obgleich 
verschiedenförmig  ausgestaltet,  sind  sie  alle  sowohl  zum  Aufwickeln  des  Fadens  wie  auch  zum  Zuschlägen  des  Gewebes 
besonders  geeignet  und  erinnern  daher  an  etliche  der  ,, Nadeln“  aus  Birka. 

2  Ebenso  wie  etliche  von  recht  ähnlicher  Form,  aber  in  ärmlicherer  Ausführung,  wie  sie  an  vielen  Stellen,  u.  a.  in 
Sigtuna,  gefunden  wurden. 


V. 


SEIDENSTOFFE 


Fragmente  von  Seidengeweben  kommen  in  ziemlich  grossem  Umfang  —  in 
ungefähr  45  Gräbern  —  vor.  Gewiss  sind  diese  Überreste,  jeder  für  sich  be¬ 
trachtet,  sehr  unscheinbar  und  beschädigt,  sie  reichen  jedoch  dazu  aus,  um 
eine  Musterkarte  von  dem  keineswegs  unbedeutenden  Import  zu  liefern.  Denn  dass 
die  Seidenstoffe  zur  Gänze  Importware  darstellen,  darüber  kann  wohl  kein  Zweifel 
herrschen. 

Der  gewöhnlichste  Seidenstoff,  S  4,  —  man  ist  versucht,  den  Ausdruck  Standard¬ 
qualität  zu  gebrauchen  — ,  ist  der  im  Mittelmeergebiet  zu  jener  Zeit  gewöhnliche 
Typ,  der  als  3-bindiger  Doppelköper  auf  Bindekette  und  musterbildender  Füllkette 
bezeichnet  werden  kann.  Er  kommt  in  feineren  und  gröberen  Qualitäten  vor,  in  mehr 
oder  weniger  ebenmässiger  und  feiner  Ausführung,  ungemustert  oder  mit  Spuren  von 
Musterung,  doch  in  technischer  Hinsicht  so  einheitlich,  dass  man  kaum  daran  zwei¬ 
feln  kann,  dass  diese  Ware  im  Grossen  und  Ganzen  aus  ein  und  demselben  Fabrika¬ 
tionsort  stammt.  Technisch  gesehen,  gehört  auch  der  dünne  gestreifte  Seidenstoff  S  5 
aus  Grab  944  hierher,  obwohl  er  im  ersten  Augenblick  einen  anderen  Eindruck 
macht. 

Die  Köperbindung  ist  aus  Abb.  16  ersichtlich.  Sie  hat  zwei  Kettensysteme.  Auf 
der  Oberseite  gleicht  das  Gewebe  einem  wirklichen  Köper  (dreibindigen  Schussköper); 
die  verkehrte  Seite  ist  anders,  siehe  Taf.  12:  2.  Beim  Mustern  werden  Effekte  durch 
verschiedene  Farben  des  Schussgarnes  erreicht,  welches  sozusagen  den  Platz  tauscht; 
die  Oberfläche  ist  jedoch  immer  einheitlich.  Den  beiden  Ketten  kommt  eine  verschie¬ 
dene  Funktion  zu:  die  Bindekette  bindet  den  Schuss  und  ist  von  der  rechten  Seite 
sichtbar,  während  die  musterbildende  Füllkette  im  Gewebe  und  beim  Wechsel  der 
Schussfäden  als  Stütze  dient.  An  dem  Punkt  oder  auf  der  Linie,  wo  der  Farben¬ 
wechsel  stattfindet,  entsteht  auf  der  Oberseite  eine  Ungleichmässigkeit  oder  Furche, 
die  einzige  Tatsache,  die  uns  noch  über  die  Stoffe,  die  ja  vollständig  ihre  Farben  ver¬ 
loren  haben,  Auskunft  gibt,  dass  sie  gemustert  waren.1 

Das  Material  in  diesen  Köperstoffen  ist  Edelseide,  die  mehr  oder  weniger  völlig 
entbastet,  vom  „Seidenleim“  befreit  worden  ist.  Zum  Unterschied  von  einer  Reihe 

1  Die  Bezeichnung  „Polymita“  bzw.  Rips-  und  Köperpolymita  für  diese  Schussgewebe  wurde  von  Vivi  Sylwan 
eingeführt.  Studier  i  senantik  textilkonst,  Nägra  skaftvävnader,  Rig  1923,  die  ein  von  Plinius  u.  a.  gebrauchtes  Wort 
aufgenommen  hat. 


SEIDENSTOFFE 


59 


anderer  Beispiele  für  dieselben  Stoffe  haben  die  Birkafragmente  mit  Ausnahme  von 
S  5  immer  doppelte  Füllkette:  zwischen  jedem  Bindungsfaden  laufen  immer  2  Füll¬ 
fäden.  Im  Osebergfund  sind  eine  Menge  gleichartige  Streifen  gemusterten  Doppel¬ 
köpers  erhalten,  dort  ist  jedoch  die  Füllkette,  wenigstens  in  vielen  Fällen,  einfach. 

Bei  weitem  nicht  so  oft  wie  Doppelköper,  nur  5 — 6  Mal,  kommt  eine  sehr  gut 
gewebte,  ungemusterte  Taftseide  vor,  deren  Material  sich  bei  der  mikrochemischen 
Untersuchung  als  Rohseide  herausstellte;  die  feinen  Kokonfäden  sind  noch  vom 
Seidenleim  umhüllt.  Obwohl  Rohseide  im  allgemeinen  nicht  so  hoch  geschätzt  ist, 
so  haben  wir  doch  Grund  zur  Annahme,  dass  diese  Stoffsorte  hier  als  eine  Seltenheit 
und  Kostbarkeit  betrachtet  wurde.  Sie  wurde  immer  mit  auffallender  Sparsamkeit 
und  im  Zusammenhang  mit  den  vornehmsten  Zieraten,  als  Hintergrund  für  die 
feinsten  Stickereien  (z.  B.  den  „Goldhirsch“)  oder  in  millimeterschmalen  Streifen  als 


Abb.  16.  Schema  zu  Doppelköper  S  4. 
Links  ungemustert,  rechts  Fadenlage  bei  Farbenwechsel. 


Kanten  an  Goldbändern  verwendet;  in  letzterem  Fall  offenbar  zu  dem  Zweck,  um 
im  Kontrast  mit  dem  Gold  einen  besonderen  Farbeneffekt  hervorzurufen.  Es  ist 
möglich,  dass  diese  hohe  Wertschätzung  seinen  Grund  in  der  Farbe  hat.  Welche 
Farbe  es  war,  darüber  können  wir  uns  leider  nicht  mit  Bestimmtheit  äussern,  weil 
jetzt  alle  chemisch  reaktionsfähigen  Farbstoffe  verschwunden  sind.  Man  ist  zur  An¬ 
nahme  geneigt,  dass  es  eine  Farbe  war,  die  gegen  das  Gold  abstach:  also  rot,  möglicher¬ 
weise  blau  oder  grün,  aber  kaum  gelb,  wie  Ing.  Ljungh  vorschlägt  (Beil.  I).  Die  Er¬ 
fahrung  zeigt  auch,  dass  sich  in  Textilien  vor  allem  rote  Farben  in  Gelb  oder 
Braun  verwandeln. 

Das  Material  in  dem  interessanten  gemusterten  Stoff  (S  3)  stimmt  mit  dem  glatten 
Taft  überein.  Der  Stoff  ist  einfarbig  und  das  Muster  wird  durch  Bindungseffekte 
erzielt.  Das  Grundgewebe  ist  Leinwandbindung,  von  dem  sich  die  geometrischen 
Musterungsformen  dadurch  abheben,  dass  die  Fäden  in  jedem  Fadensystem  —  in 
der  Kette  auf  der  einen  und  im  Schuss  auf  der  anderen  Seite  —  ungebunden  liegen  und 
dadurch  eine  glänzende  Fläche  bilden.  Der  Stoff  hat  also  keine  ausgesprochene  Ober¬ 
oder  Unterseite. 

Verglichen  mit  der  einheitlichen  Textur  der  Köperstoffe,  wo  die  Musterung  durch 
verschiedene  Farben  des  Schusses  erreicht  wird,  begegnet  uns  hier  ein  ganz  anderes 


6o 


FÜNFTES  KAPITEL 


Prinzip,  das  auf  dem  Glanzeffekt  der  flottierenden  Fäden  im  Gegensatz  zur  Ober¬ 
fläche  der  eng  gebundenen  Leinwandbindung  beruht.  Gewebe  dieser  Art  müssen  wir 
wohl  als  Vorstufen  zum  wirklichen  Damast  betrachten.  Voraussetzung  dazu,  dass 
sich  eine  solche  Technik  ausbilden  kann,  ist  die  Möglichkeit  direkten  Bezuges  von 
hochwertigem,  d.  h.  sowohl  starkem  als  auch  glänzendem  Seidenmaterial. 

Obwohl  der  als  S  2  analysierte  Stoff  Leinwandbindung  aufweist  und  aus  Rohseide 
ist,  macht  er  einen  eigenartigen  Eindruck,  der  ihn  auffallend  von  den  übrigen  unter¬ 
scheidet.  Dem  blossen  Auge  zeigt  sich  wenig  Ähnlichkeit  mit  Seidenstoffen  im  all¬ 
gemeinen.  Das  Gewebe  ist  nicht  nur  sehr  dünn,  sondern  glanzlos  und  glatt  wie 


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Abb.  iy.  Ergänzung  des  Musters  S  J. 


dünnes  Seidenpapier,  eine  Beschaffenheit,  die  ihren  Grund  in  einer  Art  künstlicher 
Pressung  oder  Appretur  haben  muss.  Es  ist  bemerkenswert,  dass  diese  Behandlung 
durch  die  Feuchtigkeit,  der  es  durch  Jahrhunderte  ausgesetzt  war,  nicht  unwirksam 
gemacht  wurde. 

Die  Untersuchung  der  Seide  S  3  brachte  noch  eine  interessante  Überraschung. 
Unter  der  Lupe  kamen  kleine,  an  der  Oberfläche  haftende  Goldspuren  zum  Vor¬ 
schein;  sie  müssen  unbedingt  von  irgendeiner  auf  dem  Stoff  gemalten  oder  ge¬ 
druckten  Musterung  herrühren.  Von  der  Silberborte,  unter  der  der  Stoff  angenäht 
war,  konnte  die  Goldfarbe  nicht  stammen  und  übrigens  zeigten  sich  die  Flecken 
vom  Wasser  völlig  unberührt. 

S  1  a.  Grab  824.  Xaf.  13:  3.  Taftseide.  Sehr  ebenmässige  und  enge  Leinwandbindung.  Dieselbe  Zahl 
—  28  St.  per  cm  —  und  dieselbe  Sorte  Fäden  in  beiden  Richtungen.  Laut  Materialuntersuchung  (siehe 


SEIDENSTOFFE 


6l 


Beil.  I)  ist  der  Seidenfaden  sehr  ebenmässig  und  besteht  aus  nahezu  150  Kokonfäden,  die  nur  leicht  zusammen¬ 
gedreht  sind.  Die  Seide  ist  nicht  entbastet  —  d.  h.  die  Kokonfäden  besitzen  noch  den  schützenden  Seidenleim 
(Serizin).  Die  Tatsache,  dass  die  Kokonfäden  nicht  zusammengesponnen  zu  werden  brauchten,  deutet  im 
Verein  mit  der  Ebenmässigkeit  des  Materials  auf  eine  bemerkenswerte  Geschicklichkeit  in  der  Behandlung 
und  der  Sortierung  der  Seide  hin.  In  der  Analyse  wird  die  Annahme  ausgesprochen,  dass  die  ursprüngliche 
Farbe  gelb  gewesen  sei  — eine  Ansicht,  der  die  Verfasserin  doch  kaum  beistimmen  kann.  Der  eben  beschriebene 
Seidentaft  findet  sich  in  Form  einer  2 — 3  mm  breiten  Kante  rings  um  ein  ungefähr  1  dm  langes  Stück  Band 
mit  Goldschuss  (B  22). 

In  den  Gräbern  731  und  750  hat  der  Taft  eine  ähnliche  Verwendung  gefunden.  Er  bildet  auch  den  Hin¬ 
tergrund  zu  den  beiden  Stickereien  St  16  (dem  „Goldhirsch“)  und  St  26. 

S  1  b.  Grab  731.  Am  Kettchenansatz  an  der  Rückseite  einer  kleinen  runden  Silberspange  mit  Filigran¬ 
verzierung  schwedischer  Erzeugung  ist  ein  kleiner  „Riemen“  aus  feiner  hellbrauner  Taftseide  angenäht.  Der 
Stoff  ist  mehrfach  gefaltet  und  mit  engen  Stichen  aus  Seide  zusammengenäht.  Für  die  Befestigung  an  der  Me¬ 
tallöse  wurde  dieselbe  Sorte  Seidenfaden  verwendet. 

S  2.  Grab  660.  Taf.  13:  2.  Dünnes,  relativ  schütteres  zweibindiges  Gewebe.  In  dem  einen  Fadensystem 
19  Fäden  per  cm,  in  dem  anderen,  welches  ungleichmässig  ist,  26 — 28  per  cm.  Welches  von  beiden  die  Kette 
gebildet  hat,  ist  ungewiss,  doch  ist  es  vermutlich  das  weniger  dichte  und  regelmässigere. 

Der  Faden  ist  glanzlos  und  bei  gewöhnlicher  Untersuchung  mit  normaler  Lupe  gleicht  er  nicht  Seide.  Die 
kleinen  Stoff-Fragmente  sind  dünn  und  flach  und  sehr  brüchig;  dem  Aussehen  nach  gleichen  sie  eher  dünnem 
Seidenpapier  als  einem  Gewebe.  Die  chemische  Analyse  (Beil.  I)  ergab  jedoch,  dass  das  Material  Rohseide 
ist.  Jeder  Faden  im  Gewebe  besteht  aus  einer  ungleichen  Anzahl  Kokonfäden,  welche  zusammengeklebt 
und  ohne  weitere  Zwirnung  verwebt  wurden.  Für  das  eigentümliche  Aussehen  des  Gewebes  gibt  die  Analyse 
keine  Erklärung.  Man  muss  jedoch  annehmen,  dass  es  irgendeiner  künstlichen  Pressung  oder  Appretur  unter¬ 
worfen  worden  war,  welche  Behandlung  merkwürdiger  Weise  eine  Jahrhunderte  lange  Durchnässung  nicht 
hatte  unwirksam  machen  können. 

Oben  beschriebene  Stoff-Fragmente  wurden  zusammen  mit  Seidenstreifen  (S  4)  gefunden  und  lagen 
teilweise  mehrfach  gefaltet. 

S  3.  Grab  944.  Taf.  13:4  u.  Abb.  17.  Dünne  Seide,  gemustert  mittels  Bindungseffekten.  Der  Muster¬ 
rapport  ist  nirgends  zur  Gänze  erhalten,  er  kann  jedoch  mit  grösster  Wahrscheinlichkeit  rekonstruiert  werden, 
wie  aus  Abb.  17  hervorgeht;  abwechselnde  kleine  Quadrate  und  grössere  stufenförmig  begrenzte  Vierecke, 
die  mit  kleinen  Punkten  oder  Sternen  ausgefüllt  sind.  Der  Grund  besteht  aus  ziemlich  gleichmässig  abge¬ 
wogener  Leinwandbindung.  Das  Muster  wird  dadurch  gebildet,  dass  die  Fäden  (auf  der  einen  Seite  die  des 
Schusses,  auf  der  anderen  die  der  Kette)  3,  5  oder  7  quer  gestellte  Fäden  überspringen  und  ungebunden  („flot¬ 
tierend“)  darüber  liegen.  Der  Übergang  von  dem  einen  zum  andern  Bindungssystem  erzeugt  natürlich  für 
das  Muster  diagonale  Linien.  Wie  oben  hervorgehoben  wurde,  ist  diese  Technik  auf  dem  Unterschied  im  Effekt 
der  matten  Oberfläche  der  Leinwandbindung  und  dem  Glanz  der  flottierenden  Fäden  aufgebaut;  dies  gilt  vor 
allem  dann,  wenn  das  Gewebe  dicht  ist.  Vgl.  Taf.  38:  6 — 7. 

Bei  einem  so  durchsichtigen  Gewebe  wie  dem  vorliegenden  wird  ein  weiterer  Effekt  erzeugt,  der  am 
meisten  in  der  Aufnahme  des  alten  Stoffes  ins  Auge  fällt.  Die  flottierenden  Fäden  haben  die  Tendenz,  sich  zu¬ 
sammenzuschieben  und  gleichzeitig  die  quergehenden  Fäden  zusammenzupressen,  hierdurch  entstehen  Par¬ 
tien,  die  im  Verhältnis  zur  Grundbildung  teils  dicht,  teils  durchbrochen  sind,  was  bis  zu  einem  gewissen  Grad 
an  sogen.  Gazebindung  erinnert. 

Der  Stoff  hat  keine  ausgesprochene  Ober-  oder  Unterseite,  wenn  auch  das  Muster  je  nachdem  wie  Kette 
und  Schuss  zu  einander  abgewogen  sind,  möglicherweise  auf  der  einen  Seite  deutlicher  hervortritt.  Ein  anderer 
damit  zusammenhängender  Unterschied  ist  der,  dass  das  Muster  in  unserem  Fall  dadurch  hergestellt  wird, 


62 


FÜNFTES  KAPITEL 


dass  die  Fadenlage  mit  jedem  Kettenfaden  geändert  wird,  während  in  den  Palmyrastoffen  (siehe  S.  54)  jeder 
zweite  Kettenfaden  durchgehend  gebunden  wird,  also  wie  das  Grundgewebe  in  Leinwandbindung. 

Die  Fadendichte  ist  in  der  einen  Richtung  46,  in  der  anderen  54  Fäden  per  cm.  Welches  von  beiden 
Fadensystemen  die  Kette  gebildet  hat,  kann  man  jetzt  unmöglich  mit  Gewissheit  feststellen,  aber  es  besteht  die 
grösste  Wahrscheinlichkeit,  dass  das  dichtere  der  Schuss  ist.  Dieses  bildet  auch  das  Muster  auf  jener  Seite,  die, 
nach  der  Naht  und  der  Placierung  der  Silberborte  zu  urteilen,  als  Oberseite  betrachtet  wurde  und  das  Muster 
auch  am  deutlichsten  zeigt. 

Die  mikrochemische  Untersuchung  (Beil.  I)  hat  erwiesen,  dass  das  Material  Rohseide  ist.  Ausserdem 
hat  man  an  dem  einen  Fadensystem  —  wahrscheinlich  dem  Schuss  —  einen  schwachblauen  Farbton  erkennen 
können,  von  dem  man  annehmen  kann,  dass  er  von  Indigo  herrührt.  Das  Gewebe  wäre  also  zweifarbig  gewe¬ 
sen,  wodurch  das  Muster  deutlicher  hervorgetreten  wäre.  Das  ist  jedoch  etwas  unsicher,  da  man  sich  wohl 
vorstellen  kann,  dass  das  Blau  vom  Kupfer  in  der  Silberlegierung  herrührt.  Nunmehr  ist  die  Farbe  indessen 
ziemlich  dunkelbraun,  irgend  ein  Farben-  oder  Nuanceunterschied  kann  weder  mit  blossem  Auge  noch  bei  ge¬ 
wöhnlicher  Vergrösserung  (2  bis  3  Mal)  bemerkt  werden. 

Die  Form  der  erhaltenen  Fragmente  ist  offenbar  durch  konservierenden  chemischen  Niederschlag  des 
Silberfadens  verursacht,  der  darauf  genäht  war.  Beachte  die  Löcher,  die  die  Stiche  hinterlassen  haben!  Erst 
nachdem  man  nämlich  das  Silber  abgehoben  und  den  Stoff  durchleuchtet  hatte,  wurde  das  Muster  entdeckt; 
denn  nur  von  einer  Seite  beleuchtet,  war  die  Musterung  schwer  zu  erkennen. 

Das  Silbergitter  verdeckte  eine  Naht,  sauber  ausgeführt,  beiderseitig  gefältelt  und  abgesteppt,  wie  eine  sogen. 
Kappnaht.  Die  Form  dieser  beiden  so  zusammengefügten  Stoffteile  war  geschweift,  der  eine  ganz  wenig,  der 
andere  mehr.  An  dem  einen  Ende,  —  wo  das  Gitter  schmäler  wird  und  wahrscheinlich  aufhört  —  ist  der 
Stoff  gerade  geschnitten  (die  Fäden  verlaufen  parallel  bzw.  senkrecht  zur  Naht),  während  er  weiter  oben 
allmählich  schräg  über  den  Faden  geschnitten  ist.  Weiter  ist  der  Stoff  um  das  schmale  Ende  der  Tresse  herum¬ 
gelegt,  die  also  von  dem  Stoff  eingesäumt  gewesen  zu  sein  scheint.  Kann  das  Ganze  eine  Art  Mütze  darge¬ 
stellt  haben,  mit  einer  Naht  quer  über  dem  Scheitel  und  an  den  Ohren  in  Falten  gelegt? 

Eine  für  das  blosse  Auge  schwer  erkennbare  Eigentümlichkeit  bilden  die  unter  der  Lupe  hier  und  da  auf 
dem  Stoff  sichtbaren  kleinen  Flecken  aus  Goldfarbe.  Der  Goldstaub  liegt  klar  auf  der  Oberfläche  und  muss 
durch  Bemalung  oder  möglicherweise  durch  Bedrucken  mit  Hilfe  irgend  eines  Bindemittels  aufgetragen  wor¬ 
den  sein.  Die  Fragmente  sind  indessen  viel  zu  klein  für  eine  chemische  Untersuchung,  die  über  das  Verfahren 
Aufschluss  geben  könnte. 

S4a — d.  Taf.  12  und  16.  Zweischüssiger  Seidenköper.  Die  Bindung  geht  aus  dem  Schema  hervor.  Die 
Bindekette  bindet  mit  jedem  3.  Faden  den  Schuss,  wodurch  die  Oberseite  das  Aussehen  eines  dreibindigen 
Schussköpers  erhält.  Nur  jeder  zweite  Schussfaden  ist  auf  der  Oberseite  sichtbar,  während  der  vorhergehende 
nur  auf  der  Unterseite  sichtbar  wird.  Beim  Farbenwechsel  vertauschen  die  beiden  Schussfäden  sozusagen 
den  Platz,  wie  aus  der  rechten  Figur  hervorgeht.  Zwei  Fäden  derselben  Farbe  liegen  —  wie  ersichtlich  — 
beim  Farbenwechsel  dicht  nebeneinander,  was  darauf  hindeutet,  dass  dasselbe  Schiffchen  sofort  zurück¬ 
geschleudert  wurde,  bevor  man  es  mit  der  anderen  Farbe  ergriff.  Die  wirkliche  Fadenlage  ist  bei  glatten 
Geweben  natürlich  dieselbe,  obgleich  ich  den  verdeckten  Schuss  auf  der  linken  Zeichnung  zwischen  jeden 
sichtbaren  Schuss  eingezeichnet  habe. 

Nur  Unterbrechungen  in  der  Textur,  manchmal  im  Verein  mit  Wechsel  der  braunen  Nuancen  lassen 
uns  aus  diesen  Stoffresten  ahnen,  dass  der  Stoff  ursprünglich  in  mehreren  Farben  gemustert  war.1 

Das  Fadenmaterial  ist  in  sämtlichen  Stücken  ziemlich  einheitlich.  Die  Kette  ist  im  Verhältnis  zum 
Schuss  aus  zartem  und  festem  Faden,  nicht  allzu  scharf  linksgesponnen.  Das  Schussgarn  ist  immer  gröber 

1  Es  ist  leicht  einzusehen,  dass  die  Birkafragmente  viel  zu  unklar  sind,  um  einer  entscheidenden  Untersuchung  des 
Fadensystems  als  Grundlage  dienen  zu  können.  Dem  Diagramm  Abb.  16  liegt  die  blau-rote  Adlerseide  im  St.  Knuts 
Schrein  der  Domkirche  von  Odense  zu  Grunde  (veröffentlicht  von  A.  Geijer  in  Aarböger  1935),  welcher  Stoff  im  übrigen 
der  Struktur  nach  mit  den  Birkastoffen  übereinstimmt. 


SEIDENSTOFFE 


63 


als  das  Kettengarn  und  auch  in  demselben  Stoff  kann  es  recht  sehr  in  der  Stärke  variieren  und  es  ist  so  lose 
gesponnen,  dass  die  Drehungsrichtung  nicht  beobachtet  werden  kann.  Der  Schuss  ist  ja  dichter;  in  der  Regel 
kann  man  beim  Schuss  gut  doppelt  soviel  Bindungspunkte  zählen  wie  bei  der  Kette.  Da  die  eine  Hälfte  der 
Schussfäden  immer  die  andere  verdeckt,  entspricht  die  Anzahl  der  auf  der  Oberseite  sichtbaren  Bindungs¬ 
punkte  der  doppelten  Anzahl  von  Schussfäden. 

Die  oben  beschriebene  Gattung  von  Seidenköper  ist  in  mehr  oder  weniger  feinen  Qualitäten  vorhanden, 
wovon  folgende  vier  Beispiele  verschiedene  Grade  aufweisen. 

S  4  a.  Grab  735.  Taf.  15.  Das  grösste  unter  dem  Birkamaterial  erhaltene  Seidenstück,  ungefähr  19x12 
cm.  An  wenigen  Stellen  können  Unterbrechungen  in  der  Bindung  unterschieden  werden,  ein  Zeichen,  dass 
das  Gewebe  irgendein  Muster  gehabt  hat.  Das  Gewebe  ist,  sowohl  was  die  Ausführung  als  auch  das  Material 
betrifft,  sehr  ungleich  und  grob.  An  der  Kette  kann  man  10 — 12  mindestens,  manches  Mal  14  Bindungs¬ 
fäden  per  cm  zählen.  Der  Schuss  hat  ungefähr  30  Bindungspunkte  per  cm,  entsprechend  einer  Schussdichte 
von  ungefähr  60  Fäden  per  cm. 

S  4  b.  Grab  944.  Schuss  sehr  ungleich,  mitunter  dicke  Klümpchen.  Undeutliche  Spuren  von  Musterung. 
In  der  Kette  12 — 14  Bindungsfäden  per  cm. 

S4C.  Grab  524.  Gleichmässiges  Gewebe,  mittelfeine  Qualität.  Gleichmässige  Kette  mit  15  Bindungs¬ 
fäden  per  cm.  Der  Schuss  weniger  dicht  als  gewöhnlich:  ca.  23 — 24  Bindungspunkte  per  cm.  Andeutung 
einer  Unregelmässigkeit  in  der  Struktur,  die  möglicherweise  auf  einen  Farbenwechsel  deuten  kann,  doch 
jetzt  ist  kein  Nuanceunterschied  bemerkbar.  Das  Material  wurde  untersucht  (Beil.  I)  und  als  edle  Seide  be¬ 
stimmt,  die  offenbar  entbastet  wurde.  Verfasserin  stellt  sich  zweifelnd  zu  der  Annahme  des  Untersuchungs¬ 
attestes  über  die  ursprüngliche  Farbe  des  Seidenstoffes  (gelb  ?). 

S4d.  Grab  944.  Feinste  Qualität  mit  deutlichem  Farbenwechsel.  In  der  Kette  16 — 17  Bindungsfäden 
per  cm.  Der  Schuss  zählt  42  Bindungspunkte  per  cm.  Das  Gewebe  ist  äusserst  ebenmässig,  die  Seide  unge¬ 
wöhnlich  glänzend.  Der  Farben  Wechsel  wird  deutlich  durch  zwei  braune  Nuancen  gekennzeichnet.  Das 
Fragment  ist  jedoch  zu  klein,  um  Angaben  über  den  Charakter  des  Musters  machen  zu  können. 

S  5.  Grab  944.  Taf.  13:  1.  Dünne,  gestreifte  Köperseide  mit  deutlichem  Muster.  Bindung  dieselbe  wie 
die  übrigen  hier  oben  beschriebenen,  ausgenommen,  dass  die  Füllkette  einfach  ist.  Sowohl  Kette  als  Schuss 
sind  viel  schütterer,  weshalb  die  Textur  verworren  wirkt.  Die  Kette  besteht  aus  feinen,  scharf  gesponnenen 
Seidenfäden,  wovon  32  auf  1  cm  gehen  (=16  Bindungsfäden).  Der  Schuss  ist  besonders  in  den  Musterpartien 
grob  und  so  gut  wie  ungesponnen.  Die  Zahl  der  Schussfäden  per  cm  wechselt  sehr.  Im  breitesten  Teil  des 
Fragments  ist  deutlich  ein  13  mm  breites  Band  zu  unterscheiden,  von  dem  sich  zwei  gleiche  Figuren  abzeichnen, 
deren  genaue  Form  jedoch  nicht  mit  Bestimmtheit  ausgenommen  werden  kann  —  der  grössere  Teil  besteht 
aus  3  parallelen  Stäben,  welche  möglicherweise  an  dem  einen  Ende  so  verbunden  sind,  dass  sie  eine  vereinfachte 
Palmette  oder  dgl.  bilden.  Diese  Musterborte  verläuft  in  einer  Einfassung  von  schmaleren  Streifen  mit  sehr  zar¬ 
tem  Schuss,  der  das  Gewebe  dünner  und  weniger  glänzend  macht.  Hierauf  folgt  wieder  ein  breiter  Streifen 
mit  dickem  und  glänzendem  Schuss,  in  dem  wir  jedoch  keinerlei  Musterung  bemerken  können.  Nach  einem 
nochmaligen  schmalen,  dünnen  Streifen  folgt  eine  dichte  Partie,  wo  dunklere  Flecken  möglicherweise  irgend¬ 
ein  Muster  andeuten. 

Das  Fragment  besteht  aus  einem  unregelmässigen,  schräg  geschnittenen  Stück  ungefähr  in  der  Grösse 
3  Xio  cm,  das  am  einen  Ende  einen  5  mm  breiten  Saum  in  der  Längsrichtung  des  Stoffes  trägt,  im  übrigen 
aber  an  den  Rändern  ausgefranst  ist.  Es  macht  den  Eindruck,  als  wäre  es  stark  gefältelt  gewesen.  Ausserdem 
ist  ein  kleines  Stück  von  ca.  3  cm  Länge  vorhanden,  hauptsächlich  aus  einem  sehr  schmalen  Saum  bestehend* 
der  mit  einem  recht  groben  Seidenfaden  ausgeführt  ist.  Nach  dem  Format  zu  urteilen,  ist  die  Seide  offenbar 


64 


FÜNFTES  KAPITEL 


ein  selbständiges  Kleidungsstück  gewesen,  —  es  war  also  nicht  wie  die  meisten  übrigen  hier  vorkommenden 
Seiden  an  einem  anderen  Stoff  als  Verzierungen  angenäht. 


Dass  Seide  eine  kostbare  Ware  war,  geht  daraus  hervor,  dass  sie,  wie  es  scheint, 
hauptsächlich  in  kleinen  Mengen,  in  Form  von  schmalen  Streifen  oder  kleineren 
Stücken,  auf  anderem  Stoff  als  Verzierungen  aufgenäht,  verwendet  wurde.  Siehe 
weiter  Kap.  XII,  wo  die  Kleidertracht  besonders  erörtert  wird.  Für  diesen  Zweck  ge¬ 
langte  vor  allem  Köperseide  zur  Anwendung,  seltener  und  dann  sparsam  Taft. 

In  einem  einzigen  Fall  ist  uns  ein  so  grosses  Stück  Köperstoff  erhalten,  dass  man 
begründeter  Weise  ein  grösseres  Kleidungsstück  aus  Seide  vermuten  könnte.  Die 
beiden  Fragmente  aus  dünnen  gemusterten  Seidenstoffen  S  3  und  S  5,  können  ja 
ganze  Kleidungsstücke  gebildet  haben,  vielleicht  eine  Kopfbedeckung.  Darauf  deu¬ 
tet  die  Naht  auf  S  3  hin,  die  von  der  Silberborte  verdeckt  war. 

Das  Seidenmaterial  konnte  in  sämtlichen  untersuchten  Fällen  als  Edelseide  fest¬ 
gestellt  werden,  d.  h.  vom  Maulbeerspinner  (Bombyx  mori)  stammend.  Doch  die  Zu¬ 
richtung,  der  die  Seiden  unterworfen  wurde,  war  nicht  immer  dieselbe.  Bei  den  häu¬ 
figsten  Sorten,  den  Köperseiden,  ist  der  Kokonfaden  deutlich  entbastet,  d.  h.  mehr 
oder  weniger  vollständig  vom  Seidenleim  befreit,  der  den  Faden  anfänglich  umgibt, 
ein  Verfahren,  das  noch  immer  befolgt  wird,  wenn  man  die  beste  Qualität  mit  mög¬ 
lichst  starkem  Glanz  erzielen  will.  Von  derselben  Qualität  ist  jene  Seide,  die  für 
die  Brettchenbänder  verwendet  wurde. 

In  den  dünnen,  taftartigen  Seidensorten  sowie  den  feinen  mit  Bindungseffekten 
gemusterten,  S  1,  S  2  und  S  3,  ist  dagegen  der  Kokonfaden  nicht  entbastet,  er  ist 
mit  andern  Worten  Rohseide,  doch  im  allgemeinen  von  sehr  feiner  Qualität.  Die 
Tatsache,  dass  man  sich  nicht  die  Mühe  gemacht  hat,  die  Kokonfäden  zusammenzu¬ 
spinnen,  sondern  sie  einfach  (mit  Hilfe  des  Seidenleims)  zusammenkleben  liess,  deutet 
darauf  hin,  dass  das  Gewebe  an  dem  Platz,  wo  die  Seide  gehaspelt  worden  war,  auch 
hergestellt  wurde;  denn  einen  längeren  Transport  hätte  die  ungesponnene  Seide  kaum 
überstehen  können,  soweit  sie  nämlich  zur  Kette  hätte  taugen  sollen.  Für  den  Schuss 
stellt  man  hingegen  nicht  so  hohe  Anforderungen  an  die  Ebenmässigkeit  und  Stärke 
des  Fadens.  Rohseide  hat  ja  im  allgemeinen  einen  geringeren  Glanz  als  die  entbastete 
Seide  und  wird  daher,  obwohl  sie  sehr  stark  ist,  als  weniger  wertvoll  geschätzt  als  die 
entbastete.  Die  ausserordentlich  feinen  und  wohlgearbeiteten  Taftqualitäten  und  vor 
allem  die  gemusterte  Seide  deuten  darauf  hin,  dass  man  das  beste  und  feinste  Material 
verwendete,  das  an  dem  Ort,  wo  die  Seiden  erzeugt  wurden,  zu  Gebote  stand.  Um 
recht  dünne  Gewebe  zustande  zu  bringen,  ist  dieser  Faden  wohl  geradezu  als  ideal 
anzusehen,  obwohl  er  begreiflicher  Weise  bei  dem  Arbeiter  grosse  Geschicklichkeit 
und  Übung  voraussetzt.  Dies  zum  Vergleich  mit  den  westlicheren  Köperstoffen,  die 
zum  grössten  Teil  aus  Schuss  bestehen  und  deren  Kette  oft  gezwirnt  ist.1 


1  Um  eventuelle  Einwendungen  zu  widerlegen,  dürfte  es  am  Platze  sein,  in  diesem  Zusammenhang  Folgendes  hinzu¬ 
zufügen.  Die  Methode,  die  Kokonseide  nicht  zu  entbasten,  braucht  an  und  für  sich  kein  primitives  Verfahren  bedeuten. 


SEIDENSTOFFE 


65 


Uber  die  Qualität  der  Seide  sei  hier  noch  an  Hand  sonstiger  Birkafunde,  in  denen 
Seide  vorkommt,  berichtet,  nämlich  der  Bänder.  In  den  Brettchenbändern  ist  der 
Faden  aus  gewöhnlicher  entbasteter  Haspelseide,  welche  sorgfältig  gesponnen  und 
gezwirnt  ist.  Durch  die  Analyse  des  einzigartigen  breiten  Bandes  B  1  wurde  noch 
eine  Gattung  von  Seidengespinst  nachgewiesen.  Die  Kettenseide  ist  auch  hier  ent- 
bastet,  während  das  grobe,  mehrfarbige  Seidengarn,  das  für  das  Muster  verwendet 
wurde,  aus  einem  Material  besteht,  das  man  jetzt  Floretteseide  nennt,  d.  h.  nicht  ent- 
bastete  Abfallsseide.  Solche  Seide  lässt  sich  nicht  aufhaspeln  und  kann  daher  nicht 
anders  als  durch  Kardieren  und  Spinnen  auf  ungefähr  dieselbe  Art  wie  Wolle  verar¬ 
beitet  werden.  Die  Tatsache,  dass  die  Qualität  des  Kokonfadens  durchgehend  ziem¬ 
lich  grob  ist,  deutet  darauf  hin,  dass  nur  die  äusseren  Schichten  —  also  was  beim  Has¬ 
peln  abfällt  —  kardiert  wurden. 

Die  mengenmässig  überwiegende  Gruppe,  charakterisiert  durch  entbastete  Seide 
und  Doppelköper,  ist  entschieden  westlicher  als  die  anderen  Stoffe.  Die  Köpertechnik 
ist  zu  jener  Zeit  vor  allem  den  Mittelmeerländern,  sogar  Persien  eigen.1  Da  jedoch 
von  den  Formen  der  Muster  nichts  erhalten  ist,  so  ist  es  unmöglich,  sich  über  den  Er¬ 
zeugungsort  zu  äussern.  Es  ist  möglich,  dass  eine  genaue  systematische  Untersuchung 
rücksichtlich  der  technischen  Varianten,  die  unter  dem  reich  erhaltenen  Material  Vor¬ 
kommen,  in  dieser  Richtung  einen  Ertrag  liefern  würde.  Eine  solche  technische  Ver¬ 
schiedenheit  —  einfache  Füllkette  zum  Unterschied  von  unserer  doppelten  —  be¬ 
züglich  des  mit  Birka  ungefähr  gleichzeitigen  Osebergfundes  wurde  oben  hervor¬ 
gehoben.  Dieselbe  Verschiedenheit  wurde  gegenüber  den  im  dänischen  Heiligen¬ 
schrein  erhaltenen  Seidenstoffen  festgestellt,  wovon  der  eine  in  das  11.  Jahrhundert 
datiert  werden  kann  und  der  andere  wahrscheinlich  wesentlich  älter  ist.2  Auf  jeden 
Fall  deutet  die  einheitliche  Qualität  in  unseren  Köperseiden  —  wenigstens  in  dem 
Typus  S  4  —  darauf  hin,  dass  sie  aus  demselben  Erzeugungsgebiet  stammen.  Wahr¬ 
scheinlich  war  es  byzantinisch,  heraufgelangt  sind  die  Waren  wohl  über  Russland. 
Die  russischen  Chronisten  berichten  oft  über  Einkäufe  von  byzantinischen  Seiden¬ 
waren.  IbnFoszlan  erzählt,  dass  die  Goldbrokate,  die  er  bei  den  Russen  und  Wolga¬ 
bulgaren  sah,  aus  dem  byzantinischen  Reich  gekommen  seien,  und  die  russischen 
Chronisten  erwähnen  oft  Einkäufe  von  dorther.  Bezeichnend  für  die  Popularität  der 
byzantinischen  Seidenstoffe  ist  der  Vorbehalt  in  einem  Vertrag  mit  dem  Fürsten  Igor, 
wonach  die  russisch-skandinavischen  Kaufleute  nicht  die  kostbarsten  Gewebe  sollten 
kaufen  dürfen.3 

Die  Seide  in  den  Brettchenbändern  kann  —  soweit  diese,  was  wir  für  wahrschein- 


Aus  Pfisters  Untersuchungen  (siehe  unten)  geht  z.  B.  hervor,  dass  man  das  Entbasten  zusammen  mit  allfälligem  Färben 
nur  aufschob,  bis  das  Gewebe  fertig  war.  Dann  wurden  ja  an  die  Stärke  des  einzelnen  Fadens  nicht  mehr  so  grosse  An¬ 
sprüche  gestellt  wie  in  dem  Stadium,  da  sich  der  Faden  auf  dem  Webstuhl  befindet.  Dazu  kam,  das  die  beiden  mit  Serizin 
zusammengeklebten  Kokonfäden  natürlich  bedeutend  stärker  waren  als  der  entbastete  einfache  Kokonfaden. 

1  O.  v.  Falke,  Kunstgeschichte  der  Seidenweberei,  z.  B.  Abb.  103,  140,  143,  211,  241. 

2  Agnes  Geijer,  Sidenvävnaderna  i  Helige  Knuts  helgonskrin  i  Odense  domkyrka,  Aarböger  1935. 

3  W.  Heyd,  Histoire  du  commerce  du  Levant,  I,  S.  64  u.  72. 

5  —  37823.  Birka  III. 


66 


FÜNFTES  KAPITEL 


lieh  halten  (vgl.  S.  90  ff.)  im  Norden  erzeugt  wurden  — ebenso  gut  über  den  östlichen 
Weg  wie  über  westlichere  Gebiete  durch  den  Handel  mit  der  Rheingegend  hierher¬ 
gelangt  sein.1  Sicherlich  war  der  Import  von  orientalischen  Seidenwaren  nach  dem 
karolingischen  Reich  keineswegs  unbedeutend.2 3 

Verglichen  mit  den  früher  beschriebenen  Stoffen  besteht  die  zweite  Gruppe 
aus  Seltenheiten:  es  gibt  nur  5  oder  6  Beispiele.  Schon  das  Material,  die  äus- 
serst  zarte,  so  gut  wie  ungesponnene  Seide,  gibt  Grund  zur  Annahme,  dass  die 
fertigen  Stoffe  aus  dem  fernen  Osten  stammen.  Zu  jenem  Zeitpunkt  hatten  ja  die 
Chinesen  praktisch  noch  die  Oberhand  in  der  Seidenzucht.  In  dieselbe  Richtung 
weisen  auch  Technik  und  Muster  des  einzigen  dekorierten  Stoffes  dieser  Gruppe, 
nämlich  S  3. 

Aus  den  Bildern  geht  hervor,  dass  er  in  Muster  und  Technik  ziemlich  genau  mit 
einigen  der  chinesischen  Seiden  aus  der  Han-Periode  übereinstimmt,  die  Stein  bei 
Lou-Lan  im  chinesischen  Turkestan  angetroffen  hat  Taf.  38:  6 — j.z  Die  ungefähr 
gleichaltrigen,  flordünnen  Seidenstoffe,  die  von  Kozlows  Expedition  zu  den  Noin- 
Ula  Bergen  in  der  Nordmongolei  aufgefunden  wurden,  sind  auch  von  demselben 
Typ.4  Dasselbe  gilt  auch  für  einige,  in  griechischen  Gräbern  auf  der  Krim  gefundene 
und  in  das  3.  vorchristliche  Jahrhundert  zu  datierende  Fragmente,  welche  also  dem 
frühesten  chinesischen  Import  zuzurechnen  sein  dürften.5  Die  schönen,  grossgemuster¬ 
ten  Chinaseiden,  die  in  Palmyra  aufgefunden  und  von  Pfister  auf  so  vorbildliche  Weise 
veröffentlicht  wurden6,  sind  auf  die  Zeit  vor  273  n.  Chr.,  in  welchem  Jahr  die  Stadt 
verlassen  wurde,  zu  datieren.  Die  letztgenannten  repräsentieren  ein  weiter  fortge¬ 
schrittenes  Stadium  desselben  technischen  Prinzips,  doch  ist  die  Qualität  des  Seiden¬ 
gespinstes  offenbar  ganz  dieselbe  wie  in  unserem  kleinen  Fragment. 

In  einem  Aufsatz,  wo  eine  bisher  als  abendländisch  angesehene  zweifarbige  Seide 
als  chinesisch  nachgewiesen  wurde,  hat  Vivi  Sylwan  mit  Recht  die  Möglichkeit  her¬ 
vorgehoben,  dass  die  europäischen  Kirchenschätze  aus  dem  frühen  Mittelalter  auch 
Seidengewebe  chinesischen  Ursprungs  bergen.7  Obwohl  also  die  Möglichkeit  be¬ 
steht,  dass  Seidenstoffe  ähnlich  dem  S  3  durch  den  westeuropäischen  Handel  nach 

1  H.  Arbman,  a.  a.  O.,  Kap.  I. 

2  Siehe  z.  B.  Franqois  L.  Ganshof,  Note  sur  un  passage  de  la  vie  de  Saint  Geraud  d’Aurillac,  Melanges  Iorga  1933. 
E.  Sabbe,  L’importation  des  tissus  orientaux  en  Europe  occidentale  au  haut  moyen  äge.  Revue  beige  de  philologie  et 
d’histoire  1935. 

3  Sir  Aurel  Stein,  Innermost  Asia,  Oxford  1928.  Die  hier  Taf.  38  gezeigten  Aufnahmen  hat  mir  Fräulein  Sylwan 
freundlichst  zur  Verfügung  gestellt. 

4  VeröfF.  auf  Russisch  von  der  Akademie  der  Wissenschaften  in  Leningrad  1925,  sowie  von  Camilla  Trever,  Ex- 
cavations  in  Northern  Mongolia,  Leningrad  1932,  Taf.  21. 

5  Compte-rendu  de  la  commission  imp.  archdol.  1878 — 1879,  Taf.  V,  3. 

6  R.  Pfister,  Textiles  de  Palmyre,  Paris  1934. 

7  Vivi  Sylwan,  Eine  chinesische  Seide  mit  spätgriechischem  Muster  aus  dem  5.  und  6.  Jahrhundert.  Mit  web- 
technischer  Untersuchung  von  Kurt  Hentschel.  Ostasiatische  Zeitschrift,  Neue  Folge  XI,  Heft  1.  Vgl.  z.  B.  W.  F. 
Volbach,  Spätantike  und  frühmittelalterliche  Stoffe,  Katalog  des  Römisch-Germanischen  Zentralmuseums  Nr.  10,  Taf. 
7,  Kat.  Nr.  276. 


SEIDENSTOFFE 


67 


dem  Norden  gelangt  sind,  hat  es  doch  wohl  mehr  Wahrscheinlichkeit  für  sich,  dass 
dieser  aus  dem  Osten  hierher  gekommen  ist.  Gewisse  in  Birka  gefundene  Bronzebe¬ 
schläge  deuten  u.  a.  daraufhin,  dass  die  Schweden  Verbindungen  mit  dem  Khazaren- 
reich  unterhielten.  Durch  ihre  Beziehungen  zu  den  südlich  vom  Kaspischen  Meer 
wohnenden  Arabern  haben  die  Khazaren  sicherlich  mit  Leichtigheit  von  den  trans¬ 
asiatischen  Karawanen  Waren  erhalten  können. 


VI. 


DIE  VERSCHIEDENEN  ARTEN  VON  GOLD-  UND 

SILBERFÄDEN. 

In  dem  erhaltenen  Textilmaterial  befinden  sich  bedeutende  Mengen  von  Gold- 
und  Silberfäden.  Diese  Metallfäden  sind  zur  Gänze  aus  echter  Ware  erzeugt,  also 
nicht  aus  vergoldetem  Silber  oder  dem  noch  billigeren  sogen.  Häutchengold, 
das  während  des  Mittelalters  allgemein  verwendet  wurde.  Das  Gold,  das  von  den 
chemischen  Stoffen  der  Erde  nicht  angegriffen  wird  und  daher  unverändert  geblie¬ 
ben  ist,  kann  etwas  ins  Rötliche  spielen,  wahrscheinlich  infolge  des  Kupfergehaltes, 
der  jedoch,  nach  der  überwiegend  blassgelben  Farbe  zu  urteilen,  gering  ist.  Uber 
die  chemische  Qualität  des  Silbers  lässt  sich  schwer  etwas  sagen,  weil  es  im  allgemeinen 
stark  zersetzt  ist.  In  einem  Fall  liegt  möglicherweise  Weissgold  vor. 

Für  die  zahlreichen  Beschreibungen  hat  es  sich  als  notwendig  erwiesen,  kurze 
technische  Bezeichnungen  einzuführen,  auch  wenn  sie  ein  wenig  gesucht  erscheinen 
können.  Nachstehend  folgt  eine  Beschreibung  der  drei  verschiedenen  Typen,  die 
Vorkommen: 

i.  Drahtgold  oder  Drahtsilber:  ein  massiver,  im  Querschnitt  runder  Draht,  der 
durch  Ziehen  hergestellt  ist.  Es  kann  in  der  Stärke  recht  beträchtlich  variieren. 

2.  Spiralgold  oder  Spiralsilber  besteht  aus  einem  derartigen  Draht,  der  in  dichten 
gleichmässigen  Windungen  um  eine  textile  Seele  gewunden  ist,  die  jetzt  aber  meist 
vermodert  ist.  Diese  Seele  ist  nur  in  etlichen  sehr  stark  korrodierten  Stücken  mit 
Silber  erhalten  und  konnte  als  Seide  bestimmt  werden;  vermutlich  wurde  aber  überall 
Seide  als  Stütze  für  die  Spirale  verwendet. 

3.  Mit  Gesponnenem  Gold  oder  Silber  bezeichnen  wir  den  seit  dem  späteren  Mittelalter 
am  häufigsten  vorkommenden  Typ  von  Metallfaden,  der  aus  einem  schmalen  flachen, 
um  ein  textiles  Gespinst  gewickelten  Streifen  aus  Goldblech  (sogen.  Lahn)  besteht. 
Von  diesem  Kernfaden  ist  nichts  erhalten,  es  ist  jedoch  wahrscheinlich,  dass  er  hier 
ebenso  wie  beim  Spiralfaden  aus  Seide  bestand.  Der  gesponnene  Faden  ist  in  unse¬ 
rem  Material  im  Vergleich  zu  den  beiden  anderen  Typen  sehr  selten;  nur  drei  Mal 
kommt  er  vor. 

Es  sei  hinzugefügt,  dass  im  Birkamaterial  nicht  das  geringste  Beispiel  ungespon- 
nenen  Lahns  (d.  h.  eine  flache  Goldlamelle)  zu  finden  ist,  wohl  aber  mehr  oder  we¬ 
niger  unregelmässige  Blättchen  aus  Gold-  und  Silberblech,  die  bisweilen  in  Sticke¬ 
reien  eingenäht  Vorkommen. 


DIE  VERSCHIEDENEN  ARTEN  VON  GOLD-  UND  SILBERFADEN 


69 


Der  Draht  wurde  ohne  Zweifel  „gezogen“,  d.  h.  kurze  stabförmige  Stücke  (Bar¬ 
ren)  wurden  abwechselnd  mit  Wärme  und  Handkraft  bearbeitet  und  so  zu  immer 
länger  und  dünner  werdenden  Fäden  ausgedehnt.  Wir  kommen  später  auf  die  Art 
der  Herstellung  zurück.  Dass  die  Länge  dieser  Drähte  keineswegs  unbegrenzt  war, 
besonders  wenn  der  Draht  grob  war,  beweisen  die  häufigen  Anstückelungen,  die  an  den 
Borten  aus  sehr  grobem  Golddraht,  P  4,  5  und  7,  zu  beobachten  sind.  Die  Arbeit  ist 
jedoch  ganz  ausgezeichnet  und  ebenmässig. 

Sowohl  an  den  Posamenten  und  Stickereien  sowie  an  den  Brettchenbändern  kann 
man  oft  deutlich  bemerken,  wie  das  fertige  Stück  zum  Abschluss  mit  einem  harten 
Werkzeug  geglättet  wurde,  um  dadurch  den  Metallglanz  zu  erhöhen. 

Die  verschiedenen  Qualitäten  haben  in  der  Regel  eine  eigene  zweckdienliche 
Verwendung  gefunden.  Stickereien  wurden  meistens  mit  dem  glatten  und  zähen 
Draht  ausgeführt.  Für  Posamenten  wurde  der  dekorative,  aber  ungeschmeidige  Spi¬ 
raldraht  verwendet,  mit  einigen  Ausnahmen,  die  aus  grobem  Golddraht  verfertigt 
sind.  Als  Schuss  für  die  Brettchenbänder  eignete  sich  wiederum  am  besten  der  ge¬ 
schmeidige  Golddraht.  Der  gesponnene  Faden  kommt  nur  in  ein  paar  Stickereien 
(St  1)  und  in  einem  Band  vor  sowie  in  einem  anderen,  kleineren  Fragment. 

Nach  diesen  praktischen  Bemerkungen  bezüglich  des  hier  speziell  behandelten 
Materials  dürfte  es,  bevor  wir  weiter  fortfahren,  am  Platze  sein,  eine  Übersicht 
über  die  verschiedenen  Arten  der  Goldfäden  und  ihre  allgemeine  Verbreitung  zu 
geben. 

Im  Altertum  und  im  frühen  Mittelalter  war  der  Goldfaden  oft  in  Stoffen  einge¬ 
webt  oder  eingestickt  zu  finden  —  die  literarischen  Quellen  legen  hierfür  reiches 
Zeugnis  ab1  — ,  doch  leider  ist  in  dieser  Richtung  äusserst  wenig  vollständig  erhalten. 
Ein  wesentlicher  Grund  für  diesen  Sachverhalt  war  die  Gewohnheit,  Gegenstände, 
für  die  man  keine  Verwendung  mehr  hatte,  zu  verbrennen,  wodurch  man  das  kost¬ 
bare  Metall  wiedergewann  und  neuerlich  verwenden  konnte.  Gegen  Ausgang  des 
Mittelalters  wurde  der  echte  Goldfaden  immer  mehr  durch  billigere  Ersatzmittel 
ersetzt  (durch  vergoldete  Silber-  oder  Kupferlahne  oder  schmale  Streifen  aus  Leder 
oder  Darmhaut,  sogen.  Häutchengold),  wovon  verschiedene  Sorten  unter  einer  Menge 
Bezeichnungen  in  den  Handel  kamen.  Textilien  aus  derartigen  Fäden  sind  in  gros¬ 
sem  Umfang  erhalten.2 

Der  gebräuchlichste  Goldfaden  besteht  aus  schmalen  Lamellen  aus  echtem  Blatt¬ 
gold,  sogen.  Lahnen,  die  um  einen  Faden  aus  Seide  oder  Leinen  gewickelt,  d.  h. 
gesponnen  sind.  Seltener  kommt  der  Goldlahn  flach,  d.  h.  ungesponnen  vor,  aber 
dann  nur  als  Schuss  eines  Gewebes.  Die  Erzeugung  von  Blattgold  steht  ausführlich 

1  Vgl.  u.  a.  Kletler,  Girke,  Sabbe,  a.  a.  O. 

2  Es  scheint  in  der  Fachliteratur  eine  gewisse  Verwirrung  darüber  zu  herrschen,  was  mit  den  verschiedenen  Bezeich¬ 
nungen  in  den  Urkunden  gemeint  ist.  In  einem  Aufsatz  über  weibliche  Handarbeit  im  Mittelalter  mit  besonderer  Berück¬ 
sichtigung  der  nordischen  Volkslieder  gibt  uns  Sofus  Larsen  (Kvindelig  Haandarbejde  i  Middelalderen,  Aarböger  1915, 
S.  36  ff.)  eine  wohl  dokumentierte  und  klare  Darstellung,  die  mit  den  erhaltenen  Funden  gut  übereinzustimmen  scheint. 


70 


SECHSTES  KAPITEL 


in  einem  Manuskript  aus  dem  8.  Jahrhundert  in  barbarischem  Latein  beschrieben.1 
Der  Inhalt  ist  in  Kürze  folgender:  Hämmere  eine  lange  schmale  Goldplatte  der  Länge 
nach,  schneide  sie  in  Streifen  und  leg  diese  aufeinander;  erhitze  sie  dann  mit  Holz¬ 
kohle,  strecke  sie  mit  der  Zange  und  hämmere  sie  wieder.  Hierauf  werden  die  Mittel 
zum  Erzielen  von  Glanz  genannt  sowie  angegeben,  in  wieviele  Lamellen  jedes  Blatt 
geschnitten  werden  soll.  Ungefähr  dasselbe  Rezept  gibt  Theophilus  in  seiner  Sche- 
dula  für  die  Erzeugung  von  Blattgold. 

Dieses  trifft  zweifellos  gerade  auf  den  oft  erwähnten  Faden  aus  geschlagenem 
Gold,  aurum  verberatum  oder  battutum,  in  gesponnenem  Zustand  auch  filatum  ge¬ 
nannt  zu.  Verschiedene  Funde  bezeugen,  dass  im  römischen  Reich  diese  Sorte  ver¬ 
wendet  wurde,  ebenso  wie  im  Merowingerreich  und  bei  den  Angelsachsen.  Derar¬ 
tiges  gesponnenes  Gold  wurde  auch  auf  der  Krim  in  einem  Grab  aus  dem  3.  vorchr. 
Jhdt.  gefunden.  In  grober  Qualität  kommt  es  bisweilen  in  spätantiken  ägyptischen 
Geweben  aus  Wolle  und  Flachs  vor.2  In  seinen  Kommentaren  zu  Theophilus’  Re¬ 
zept  für  geschlagenes  Gold  erwähnt  W.  Theobald3,  dass  derartiges  Gold  in  Ägypten 
unter  der  V.  Dynastie  vorkam.  Eine  Beschreibung  eines  solchen  ungesponnenen 
Fadens  für  Gewebe  im  Exodus,  Kap.  39,3,  deutet  darauf  hin,  dass  die  Methode 
in  Asien  frühzeitig  bekannt  war.  Sicherlich  meinen  auch  die  nordischen  Volkslieder 
solches  Gold,  wenn  sie  davon  singen,  dass  man  „Gold  auf  der  Spindel  spinnt“. 

Die  Vorgeschichte  des  gezogenen  Goldes  —  wenigstens  was  seine  Verwendung 
für  Textilien  betrifft  —  scheint  in  Dunkel  gehüllt.  Von  den  beiden  abendländischen 
Funden,  die  Larsen  erwähnt4  ist  die  Datierung  des  einen  sehr  unsicher  —  wahrschein¬ 
lich  ist  der  betreffende  Goldfaden  viel  jünger  —  während  der  andere,  das  apokry- 
phische  Hochzeitshemd  Wilhelms  des  Eroberers,  jetzt  verschwunden  ist.  Abgesehen 
von  den  in  der  vorliegenden  Arbeit  behandelten  Funden  der  Wikingerzeit  kenne 
ich  keinen  einzigen  westeuropäischen  Fund  von  Golddraht5,  wodurch  von  Falkes 

1  In  Bibliotheca  capituli  canonicorum  Lucensium.  Arm.  I.  Col.  L.  Muratori,  Antiquitates  italicae,  II,  S.  374. 
Vgl.  Larsen,  a.  a.  O.,  S.  41  ff. 

2  Zur  Ergänzung  des  eben  Dargelegten  mögen  folgende  von  der  Verfasserin  oder  H.  Arbman  verzeichnete  Beispiele 
angeführt  werden:  Im  Museum  zu  Leyden  eine  beträchtliche  Menge  sehr  fein  gesponnenen  Goldes  aus  einem  römischen 
Grab.  —  Im  westlichen  Grabhügel  von  Alt-Uppsala  aus  der  Mitte  des  6.  Jhdts.  wurden  Fragmente  von  ungesponnenem 
Goldlahn  gefunden,  welche  anscheinend  in  einem  Band  eingewebt  gewesen  waren  (Sune  Lindqvist,  Uppsala  högar  och 
Ottarshögen,  Stockholm  1936,  Abb.  99).  —  In  den  Museen  von  Strassburg  (Odilienburg),  Worms  (Wohnsheim;  vgl. 
Werner,  Münzdatierte  Grabfunde,  Taf.  34:4)  und  Mainz  Funde  aus  Gräbern  der  Merowingerzeit.  Laut  direkter 
Mitteilung  seitens  Dr.  Werners  ist  gezogenes  drahtförmiges  Gold  im  Rheingebiet  zur  Merowingerzeit  unbekannt.  — 
Ein  verworrenes  Büschel  Goldlahn  ist  in  einem  Fund  aus  der  Wikingerzeit  aus  Hönsi  in  Norwegen  (Prov.  Sogn  und 
Fjordane)  erhalten,  aufbewahrt  im  Museum  von  Bergen.  —  Vom  frühen  Mittelalter  bis  zu  jener  Zeit,  da  man  ganz  zu 
billigeren  Ersatzmitteln  überging,  konnte  die  Verfasserin  noch  viele  Belege  für  gesponnenes  echtes  Gold  feststellen. 

3  W.  Theobald,  Technik  des  Kunsthandwerks  im  zehnten  Jahrhundert.  Des  Theophilus  presbyter  Diversarum 
artium  schedula. 

4  A.  a.  O.,  S.  57  f. 

5  v.  Falke,  Kunstgeschichte  der  Seidenweberei,  II,  S.  23,  Fussnote  1. 

Die  Verfasserin  hat  an  den  betreffenden  Stellen  eine  grössere  Zahl  fürstlicher  und  bischöflicher  Grabgewänder 
u.  a.  Textilien  studiert,  besonders  aus  der  Periode  850 — 1 100,  und  dabei  keine  Probe  von  Draht  gefunden.  Die  Britischen 
Inseln  habe  ich  leider  in  dieser  Hinsicht  nicht  untersuchen  können.  Die  Literatur  gibt  aber  keinen  Anlass,  die  Richtigkeit 
meiner  oben  dargelegten  Auffassung  zu  bezweifeln.  Eines  der  Taplow  Gräber  z.  B.  enthält  einen  mit  plattem  Goldlahn 


DIE  VERSCHIEDENEN  ARTEN  VON  GOLD-  UND  SILBERFÄDEN  71 

Auffassung  nur  bestätigt  wird,  dass  diese  Technik  im  Abendland  erst  seit  unge¬ 
fähr  1500  in  Gebrauch  stand. 

Sehr  interessante  Auskünfte  über  die  Verbreitung  von  aurum  et  argentum  trac- 
titium  im  Westen  geben  die  päpstlichen  Inventare  aus  dem  Jahre  1295.1  Nach  den 
ausführlichen  Beschreibungen  kommt  es  gerade  in  solchen  Seidenstoffen  vor,  die, 
nach  den  Motiven  zu  urteilen,  byzantinische  Fabrikate  sind.  Ein  Mal  findet  es  sich 
in  einem  Dorsale  mit  armenischen  Buchstaben.  Manches  deutet  darauf  hin,  dass  die 
Verwendung  von  Drahtgold  für  Gewebe  eine  spezielle  byzantinische  Erfindung  ist. 
Larsen  ist  der  Ansicht,  dass  die  Technik  in  Syrien,  dem  wichtigsten  Land  des  byzan¬ 
tinischen  Reiches  für  Seidenweberei,  schon  vor  der  arabischen  Invasion  bekannt  war. 


Abb.  18.  Lappische  Frau  zieht  Zinndraht . 
Nach  Scheffer,  Histoire  de  la  Laponie,  Paris  1778. 


Indessen  kann  man  in  diesem  Zusammenhang  nicht  an  der  Tatsache  Vorbeigehen,  dass 
die  Technik  der  Metallzieherei  selbst  bedeutend  älter  ist  und  weiter  verbreitet  war  — 
in  den  antiken  Goldschmiedearbeiten  ist  sie  ja  ziemlich  gebräuchlich.  Die  Gold¬ 
schmiede  haben  also  schon  früh  Draht  erzeugt.  Dies  auch  für  Gewebe  zu  verwenden, 
muss  aber  wohl  eine  Erfindung  der  Byzantiner  gewesen  sein,  was  vielleicht  mit  der 
Verbesserung  der  Qualität  zusammenhängt. 

Leider  gibt  es  keine  ausführlichen  Angaben  über  die  Technik  selbst;  die  Beschrei¬ 
bung  von  Theophilus  betrifft  ein  Werkzeug,  das  Drahtzieheisen,  leider  ohne  jede 
Gebrauchsanweisung.  Sie  sei  hier  in  Kürze  wiedergegeben:  „Zwei  Eisen  von  drei 
Finger  Breite,  oben  und  unten  verjüngt,  durchwegs  flach  und  mit  drei  oder  vier  Rei¬ 
hen  von  Löchern,  durch  die  die  Drähte  gezogen  werden  sollten.“  Theobald  scheint  es 
in  seinem  Kommentar  als  selbstverständlich  anzunehmen,  dass  man  sich  nebst  dem 
Drahtzieheisen  komplizierterer  Werkzeuge  bedient  hätte,  eine  Annahme,  die  uns 

durchzogenen  Wollstoff.  Siehe  Suse  Pfeilstücker,  Spätantikes  und  germanisches  Kunstgut  in  der  frühangelsächsischen 
Kunst,  Berlin  1936,  S.  231. 

1  Larsen,  a.  a.  O.,  S.  59. 


7  2 


SECHSTES  KAPITEL 


aber  weniger  selbstverständlich  erscheint,  wenn  wir  das  primitive  Verfahren  der 
Lappen  beim  Ziehen  von  Zinndraht  in  Betracht  ziehen.  Dieses  ist  heute  noch  das¬ 
selbe  wie  wenigstens  im  17.  und  18.  Jhdt.  und  wie  es  von  Joh.  Schefferus  beschrieben 
wurde.1 

Das  auf  Schefferus’  Bild,  Abb.  18,  dargestellte  Werkzeug  hätte  ebenso  gut  als 
Illustration  zur  Beschreibung  des  Theophilus  dienen  können.  Könnte  hier  vielleicht 
ein  Zusammenhang  bestehen?  Jedenfalls  scheint  es  nicht  unbegründet,  hier  einen  Teil 
von  Schefferus’  Beschreibung  anzuführen:  „Sie  haben  ein  Stück  Horn,  in  dem  mehrere 
Löcher  sind,  die  einen  kleiner  und  die  anderen  grösser;  dann  wird  hier  ein  ellenlanges 
Stück  Zinn  eingezogen,  mit  den  Zähnen  nacheinander  durch  immer  kleinere  Löcher 
gezogen  und  dadurch  verkleinert,  bis  es  die  Dimensionen  eines  Drahtes  erhalten  hat. 
Unmittelbar  nachher,  während  der  Draht  noch  weich  ist,  wird  er  um  einen  aus  Sehnen 
verfertigten  Faden  gewickelt,  sodass  dieser  ganz  verdeckt  wird,  was  mit  Hilfe  einer 
Spindel  geschieht.“  Die  Lappen  verwenden  nämlich  zum  Nähen  u.  dgl.  einen  Faden, 
den  sie  aus  Renntiersehnen  hersteilen.  Der  dekorative  Zinndraht,  der  übrigens 
ganz  dem  Spiralfaden  aus  Birka  gleicht,  obwohl  er  gröber  ist,  verwenden  die  Lap¬ 
pen  in  den  Applikationsstickereien,  womit  sie  die  Kleider  und  das  Geschirr  der 
Renntiere  verzieren. 

In  der  nordischen  Goldschmiedekunst  ist  die  Technik  der  Metallzieherei  in  der 
früheren  Eisenzeit  nachweisbar  und  eine  Menge  Funde  fertiger  Schmuckstücke  wie 
auch  von  Halbfabrikaten  —  Knäuel  einfachen  und  gezwirnten  Silberdrahtes  —  be¬ 
weisen,  dass  sie  während  der  Wikingerzeit  fleissig  angewendet  wurde.2  Einzelne 
Silberschmuckstücke  aus  den  Birkagräbern  lassen  erkennen,  dass  diese  Technik  be¬ 
sonders  bei  den  an  dem  Handelsplatz  tätigen  Handwerkern  in  Gebrauch  stand. 
Nach  den  ausgegrabenen  Resten  einer  Silber-  und  Bronzeschmiede  aus  dem  11. 
Jhdt.  zu  urteilen,  scheint  dasselbe  auch  in  Sigtuna,  der  Nachfolgerin  Birkas  als  Han¬ 
delsstadt,  der  Fall  gewesen  zu  sein.3  Ob  die  dabei  gefundenen,  unregelmässigen, 
mit  Löchern  versehenen  Scheiben  aus  Eichhorn  wirklich  zum  Drahtziehen  ver¬ 
wendet  wurden,  erscheint  mir  ungewiss,  obwohl  nicht  unwahrscheinlich. 

Es  ist  schwer,  eine  bessere  Erklärung  dafür  zu  finden,  wo  die  Lappen  diese  unge¬ 
wöhnliche  und  gar  nicht  selbstverständliche  Technik  gelernt  haben  könnten,  als 
die,  dass  sie  diese  Kenntnis  bei  den  Handelsleuten  aus  Birka  erwarben,  die  ja  einen 
bedeutenden  Pelzhandel  mit  der  weiter  im  Norden  lebenden  Jägerbevölkerung  be¬ 
trieben.  Es  gibt  ja  noch  mehrere  andere  für  die  Lappen  charakteristische  Züge,  die 
die  Verwandtschaft  mit  der  Wikingerkultur  an  den  Tag  legen,  u.  a.  die  Ornamentik 
der  Horn-  und  Beinarbeiten.  Es  ist  nicht  unwahrscheinlich,  dass  auch  ihre  Klei- 

1  Lapponia,  lat.  Ausg.  1673,  franz.  Ausg.  1778.  Bezüglich  dieser  und  anderer  Angaben  zitiert  S.  oft  ältere  For¬ 
scher,  bes.  Bureus. 

2  Z.  B.  Funde  von  Sturkö,  Blekinge,  und  Glemminge,  Skäne,  (S.  H.  M.,  Inv.  Nr.  8770,  14452)  und  von  Kinsta, 
Öland  (S.  H.  M.,  Inv.  Nr.  128).  Im  letzteren  ist  der  Silberfaden  so  zart  und  weich,  dass  man  sich  sehr  wohl  vorstellen 
kann,  dass  er  für  dieselbe  Sorte  Bänder  wie  die  Birkabänder  verwendet  wurde. 

3  Erik  Floderus,  Nägra  brons-  och  silversmedfynd  frän  det  äldsta  Sigtuna,  Fornvännen  1928,  S.  89  if. 


DIE  VERSCHIEDENEN  ARTEN  VON  GOLD-  UND  SILBERFÄDEN 


73 


düng  —  z.  B.  die  sogen.  Silberkragen  mit  ihren  aufgenähten  flachen  oder  lose 
herabhängenden  Silberzieraten  —  von  einem  derartigen  Kleiderluxus  beeinflusst 
worden  sind,  von  dem  uns  die  Birkagräber  eine  schwache  Vorstellung  geben. 
Wahrscheinlich  hat  die  einzige  Form  von  Weberei,  die  die  Lappen  nach  Schefferus 
u.  a.  Quellen  seit  alters  betreiben,  nämlich  die  Brettchenweberei,  auch  denselben 
Ursprung. 

Gegenstände  aus  reinem  Zinn  waren  zur  Zeit  der  Wikinger  wenig  gebräuchlich, 
einige  wenige  wurden  jedoch  in  Birka  gefunden.  Die  beiden  einzigen  vorgeschicht¬ 
lichen  Beispiele  von  wirklichem  Zinndraht,  die  bisher  in  Schweden  gefunden  wurden, 
sind  jüngeren  Datums,  aus  dem  11.  Jahrhundert  oder  noch  später.  Das  eine  findet 
sich  in  dem  berühmten  Werkstattsfund  vom  Furen-See  in  Smäland,  das  andere  stammt 
aus  dem  nördlichsten  Schweden,  aus  Graträsk  bei  Piteä.1  Im  8.  Jahrhundert  aber 
war  Belag  aus  Zinn  auf  Schmuckstücke  nicht  selten  zu  finden  und  ausserdem  kam  ja 
Zinn  in  Bronze  vor.  Man  kann  sich  daher  recht  gut  vorstellen,  dass  die  Lappen  auch 
das  Metall  aus  Birka  bezogen  haben.  Es  sei  hinzugefügt,  dass  das  lappische  Wort 
für  Zinn  ein  nordisches  Lehnwort  ist,  das  nach  Ansicht  der  Sprachforscher  vor  der 
Wikingerzeit  ebenso  wie  mehrere  andere  Worte,  die  sich  auf  die  Kleidung  beziehen, 
übernommen  wurden.2 


Es  ist  nun  die  Frage,  ob  die  ungewöhnliche  Technik  der  Metallzieherei,  die  an 
den  Birkafunden  zu  beobachten  ist,  den  Schluss  zulässt,  dass  sämtliche  aus  diesem 
Material  verfertigten  Arbeiten,  Stickereien,  Posamenten  und  Brettchenbänder,  in  dem¬ 
selben  Gebiet  erzeugt  wurden.  M.  E.  ist  dies  nicht  notwendig.  Zweifellos  ist  die  Tech¬ 
nik  an  und  für  sich  orientalisch  und  es  ist  nicht  unwahrscheinlich,  dass  ein  Teil  der 
Gegenstände  im  fertigen  Zustand  importiert  wurde.  Dagegen  lässt  sich  von  einer 
Reihe  anderer  Dinge,  vor  allem  den  geflochteten  Golddiademen  usw.,  P  4 — 8  u.  1 6, 
mit  ihrem  dicken  Draht  kaum  anderes  annehmen,  als  dass  sie  einheimisch  sind.  Ihr 
nordischer  Ursprung  dürfte  weiters  auch  Wahrscheinlichkeit  durch  ähnliche  Funde 
im  Skopinntull-Grab  bei  Adelsö  sowie  durch  zwei  norwegische  Funde  gewinnen.  Die 
russischen  Funde  von  offenbar  ganz  ähnlichen  Dingen  brauchen  einer  solchen  Auf¬ 
fassung  nicht  zu  widersprechen.3 

Einen  Einwand  gegen  die  Annahme  einheimischer  Erzeugung  stellt  unleugbar 
das  Material  selbst,  das  Gold,  dar.  Zu  jener  Zeit  war  ja  dieses  im  Norden  recht  selten 
und  es  erscheint  merkwürdig,  dass  die  Goldschmiede,  wenn  sie  reichliche  Vorräte 
an  diesem  Metall  besessen  hätten,  es  zum  Drahtziehen  und  nicht  für  ganze 
Stücke  verwendet  hätten.  Doch  dasselbe  Argument  gilt,  soviel  ich  weiss,  auch  für 

1  Beide  in  S.  H.  M.,  Stockholm.  Vgl.  Nils  Keyland,  Senträdsspinning,  tenndragning  och  bältsmyckegjutning 
hos  lapparna  i  norra  Jämtland,  Fataburen  1920,  S.  148 — 149. 

2  Vgl.  K.  B.  Wiklund,  Om  lapparnas  mössor,  in  Svenska  kulturbilder  Bd.  6,  und  Sigrid  Drake,  Västerbottenlap- 
parna  under  förra  hälften  av  1800-talet. 

3  Vgl.  unten,  S.  105,  Fussnote  1  und  2. 


74 


SECHSTES  KAPITEL 


weite  Teile  von  Russland.  Irgend  einen  schwerwiegenden  Einwand  stellt  dies  also 
nicht  dar. 

Für  die  Annahme  einheimischer  Erzeugung  spricht  jedoch  die  grosse  Menge 
textiler  Schmuckstücke  —  Posamenten,  Stickereien  und  Brettchenbänder  — ,  die 
mit  Silber-  und  Golddraht  verarbeitet  worden  sind.  Überreste  solcher  Erzeugnisse 
waren  in  9 1  der  untersuchten  Birkagräber  vorhanden.  So  viel  kann  kaum  importiert 
worden  sein. 


VII. 


BÄNDER. 

Rin  broschiertes  Band  —  ein  echtes  Gewebe. 

Im  Vergleich  zu  der  grossen  Menge  von  Brettchenbändern  nimmt  das  auf 
Taf.  16  abgebildete  und  als  B  i  ausführlich  beschriebene  Band  einen  beson¬ 
deren  Platz  für  sich  ein.  Es  ist  nicht  nur  innerhalb  des  Birkamaterials  einzig 
in  seiner  Art,  sondern  es  dürfte  auch  kaum  anderswo  ein  Gegenstück  haben. 

Leider  ist  sein  jetziger  Zustand  viel  zu  schlecht,  um  von  seinem  ursprünglichen 
Aussehen  eine  genaue  Vorstellung  geben  zu  können.  Nach  Zusammenstellung  der 
an  den  einzelnen  Fragmenten  gemachten  Untersuchungen  konnte  indessen  ein  Modell, 
Taf.  25:  5,  rekonstruiert  werden,  das,  schematisch  gesehen,  richtig  sein  dürfte,  wenn 
es  sich  auch  denken  lässt,  dass  die  Einzelheiten  anders  ausgesehen  haben. 

Es  war  ohne  Zweifel  eine  hübsche  und  prachtvolle  Arbeit.  Von  einem  silbernen 
Hintergrund,  innerhalb  des  Randes  mit  roten  Seidenstreifen  verziert,  hob  sich  ein  geo¬ 
metrisches  Muster  aus  dicker  Seide  in  mindestens  3  verschiedenen  Farben  ab:  rot, 
blau  (?)  sowie  gelb  oder  grün  (vielleicht  beides).  Im  Vergleich  mit  den  Brettchen¬ 
bändern  ist  dieses  Band  ungewöhnlich  breit,  beinahe  einen  halben  Dezimeter,  und 
auffallend  geschmeidig.  Eigentümlich  ist  die  Materialmischung:  Wolle  und  Seide 
für  die  Kette,  fein  gesponnener  Silberfaden  für  den  Grundschuss  und  grobe  Seide 
für  das  broschierte  Muster.  Wahrscheinlich  wurde  das  Band  auf  irgend  einem  Band¬ 
stuhl  oder  einem  ähnlichen  Webapparat  mit  Schäften  hergestellt.  Das  Grundgewebe 
ist  Köper;  auf  den  sehr  fragmentarischen  Überresten,  an  denen  noch  Fäden  der  wol¬ 
lenen  Kette  vorhanden  sind,  ist  es  unmöglich,  die  Fadenzahl  genau  festzustellen. 
Die  mehrfarbige  Broschierung  erinnert  stark  an  das  Verfahren  bei  den  schwedischen 
Krabbasnär-Geweben.  Die  Broschierung  folgt  der  Textur  des  Köpers,  so  dass 
die  farbigen  Flächen  einen  dunklen  Umriss  erhalten,  eine  technische  Eigentümlich¬ 
keit  von  guter  ästhetischer  Wirkung. 

B  1.  Grab  963.  Taf.  16  u.  25:  5.  Fragment  eines  gewebten  Bandes  mit  broschiertem  Muster.  Der  grösste 
Teil  des  Materials  ist  jetzt  zu  Grunde  gegangen.  Das  Ganze  lag  mit  Erde,  Kies,  einem  Stück  Bernstein, 
einem  Holzstück  und  unbedeutenden  Überresten  von  Seide  zusammengeballt  und  verfitzt.  Durch  sorgfältige 
Behandlung  in  einem  Wasserbad  glückte  es,  zusammenhängende  Stücke  herauszulösen  und  auszubreiten, 
sodass  die  Technik  und  bis  zu  einem  gewissen  Grade  auch  das  Muster  rekonstruiert  werden  konnten. 

Die  Kette  bestand  hauptsächlich  aus  dunklem  Wollgarn,  von  dem  aber  Reste  nur  an  einer  Stelle  erhalten 


76 


SIEBENTES  KAPITEL 


sind,  teils  aus  noch  erhaltener,  ursprünglich  roter  Seide,  die  ca.  5  mm  innerhalb  des  Bandes  einen  Streifen  aus  vier 
Fäden  bildete.  Der  Schuss  war  ein  ziemlich  dünner  gesponnener  Silberfaden,  von  dem  jetzt  kaum  mehr  als 
die  hellbraune  Seidenseele  mit  einzelnen  anhaftenden  Resten  des  Silberlahns  erhalten  ist.  Die  verhältnismässig 
groben  Broschierfäden  sind  aus  Abfallseide,  sogen.  Florettseide  gesponnen,  deren  Kokonfäden  von  einer  starken 
Seidenbasthülle  mit  starker  Ritzenbildung  umgeben  sind  (Beil.  I).  Die  Farben  dieses  Garns  sind  teilweise 
deutlich  rot,  wahrscheinlich  mit  Krapp  gefärbt,  teilweise  dunkelblau  (?)  sowie  gelbbraun,  letztere  kann  ur¬ 
sprünglich  gelb  oder  grün  gewesen  sein. 

Die  Bindung  des  Grundgewebes  ist  ein  5-  oder  6-bindiger  Köper,  in  einer  Spitze  eingerichtet,  mit  Schuss¬ 
effekt  —  also  in  Silber  —  für  die  wollene  Kette  und  Ketteneffekt  für  die  rote  Seidekette.  Die  Kettendichte 
war  etwa  14 — 16  Fäden  per  cm.  Die  Broschierung  ist  in  der  Regel  den  diagonalen  Linien  des  Grund¬ 
gewebes  gefolgt,  sodass  die  dunklen  Fäden  der  Kette  das  farbige  Muster  konturierten.  Die  Formen  des  Musters 
ähneln  dem  schwedischen  Krabbasnär,  doch  ist  die  Technik  nicht  ganz  dieselbe:  der  Faden  wird  immer  in 
derselben  Richtung  herum  geführt,  wie  z.  B.  beim  Flachstich,  sodass  die  einbroschierte  Figur  auf  der  Un¬ 
terseite  des  Gewebes  ähnlich  aussieht. 

Eine  genauere  Vorstellung  vom  Aussehen  des  Musters  kann  man  sich  infolge  der  weit  vorgeschrittenen 
Zerstörung  unmöglich  machen.  Das  Grundgewebe  ist  ja  beinahe  vollständig  verschwunden,  wodurch  die  Mus¬ 
terfäden  aus  ihrer  ursprünglichen  Lage  geraten  sind  und  sich  verfitzt  haben.  Die  Figuren  waren  jedoch  sicher 
durchgängig  geometrisch;  die  grösste  und  am  besten  erhaltene  Partie  deutet  eine  gleichförmige  Wiederholung 
von  Rauten  an,  die  einander  überschneiden. 

Die  Breite  des  Bandes  dürfte  45  mm  gewesen  sein.  Die  erhaltenen  Fragmente  machen  eine  Gesamtlänge 
von  70  cm  aus.  Im  Grabplan  Stolpes  ist  die  Lage  des  Bandes  unter  dem  Kopf  der  Frau  etwas  seitlich  ange¬ 
geben. 


Brettchenbänder. 

Unter  dem  in  den  Birkagräbern  erhaltenen  Textilmaterial  nehmen  die  mit  Brett¬ 
chen  gewebten  Bänder  mengenmässig  den  breitesten  Raum  ein.  Von  den  ungefähr 
170  Gräbern,  in  denen  man  überhaupt  Spuren  von  Textilien  gefunden  hat,  enthielten 
beinahe  60  Stück  derartige  Bänder. 

Die  erhaltenen  Brettchenborten  aus  Birka  sind  lauter  reine  Zierbänder.  Da  übri¬ 
gens  der  Grabinhalt  so  weitgehend  zerstört  ist,  war  es  nur  in  sehr  geringem  Grade 
möglich  festzustellen,  wie  die  Bänder  angebracht  waren.  Was  wir  darüber  wissen, 
soll  in  einem  besonderen  Kapitel  zusammengefasst  werden.  Doch  so  viel  ist  klar,  dass 
sie  als  Garnierung,  auf  Seiden-  oder  Wollstoffen  aufgenäht  oder  angenäht,  angebracht 
waren.  Ausser  diesen  Zierborten  muss  es  wohl  auch  einfachere  Bänder  mit  rein  prak¬ 
tischen  Funktionen  gegeben  haben,  doch  diese  waren  vermutlich  aus  weniger  kost¬ 
barem  und  vergänglicherem  Material.  Die  einzigen  nachweisbaren  Reste  eines  solchen 
Bandes  sind  unscheinbare  und  sehr  beschädigte  Reste  aus  Wolle.  Das  Material  der 
erhaltenen  Bänder  besteht  teils  aus  einem  Grundgewebe  aus  lauter  Seide  oder  Seide 
vermischt  mit  einem  jetzt  vermoderten  Faden,  wahrscheinlich  aus  Flachs,  teils  aus 
Gold-  und  Silberdraht  als  Effektschuss.  Von  den  Goldborten  ist  nur  der  Goldschuss 
erhalten,  während  das  Silber  dank  seiner  Oxydierung  (vgl.  oben)  die  Seide  vor  der 
Vermoderung  bewahrt  hat. 

Die  Technik  der  Brettchenweberei  hat  ja,  nach  einer  ansehnlichen  Reihe  vorge- 


BÄNDER 


77 


schichtlicher  Funde  zu  urteilen,  in  der  primitiven  Textilarbeit  eine  hervorragende 
Rolle  gespielt  und  sich  das  Mittelalter  hindurch  bis  auf  unsere  Zeit  erhalten.  In 
Anbetracht  der  ausserordentlich  grossen  Variationsmöglichkeiten  dieser  Technik, 
worauf  wir  später  zurückkommen  werden,  ist  es  auffallend,  wie  einheitlich  dieses 
Birkamaterial  ist.  Trotz  wechselnden  Musters  sind  doch  alle  Bänder  faktisch  auf 
ganz  ähnliche  Art  hergestellt. 

Die  Brettchenweberei  dürfte  heutzutage  dank  einer  Reihe  von  Arbeiten1  so  be¬ 
kannt  sein,  dass  sich  eine  ausführliche  Behandlung  der  Technik  mit  allen  ihren  Mög¬ 
lichkeiten  erübrigen  dürfte.  Tatsache  ist,  dass  man  mit  diesen  einfachen  Geräten 
unter  Benützung  des  geeigneten  Garnmaterials  die  verschiedensten  Arbeiten  zustande¬ 
bringen  kann.  Die  Bücher  von  Margarethe  Lehmann-Filhes  wie  von  Margrethe 
Haid  geben  genaue  diesbezügliche  Beschreibungen.  Um  indessen  Missverständnisse 
in  der  Terminologie  zu  vermeiden,  folgt  hier  eine  kurze  Beschreibung  der  Herstellung 
von  solchen  Brettchenbändern  wie  wir  sie  in  den  Birkagräbern  vorfinden. 

Im  allgemeinen  bestehen  die  Webebrettchen  aus  kleinen  quadratischen  Platten 
aus  Bein,  Holz  oder  anderem  Material,  die  in  jeder  Ecke  mit  einem  Loch  zum  Durch¬ 
ziehen  eines  Fadens  versehen  sind.  Dreht  man  ein  solches  Brettchen  mit  seinen  4 
Fäden,  dann  entsteht  eine  Schnur.  Ein  Band  besteht  aus  einer  Anzahl  solcher  Schnüre, 
die  also  der  Kette  eines  gewöhnlichen  Gewebes  entsprechen.  Die  Zahl  der  Schnüre 
setzt  immer  dieselbe  Anzahl  Brettchen  voraus.  Durch  das  Fach,  das  dadurch  gebil¬ 
det  wird,  dass  die  Brettchen  jedes  Mal  eine  Viertel-Drehung  machen,  wird  der  Schuss 
hindurchgezogen,  der  in  der  Regel  völlig  von  der  Kette  verdeckt  wird.  Bei  der  Her¬ 
stellung  eines  Bandes  legt  man  die  Brettchen  nebeneinander  und  dreht  sie  alle  gleich¬ 
zeitig.  Laufen  alle  Fäden  ganz  gleichmässig  durch  die  Löcher,  so  erhalten  auch  die 
Schnüre  dieselbe  Drehungsrichtung,  sie  laufen  „nach  einander“.  Wird  aber  jedes 
zweite  Brettchen  „verkehrt“  gelegt,  d.  h.  so  dass  die  Fäden  in  der  entgegengesetzten 
Reihenfolge  die  Löcher  durchlaufen,  so  erreicht  man,  dass  die  betreffenden  Schnüre 
die  entgegengesetzte  Drehungsrichtung  erhalten:  die  ganze  Oberfläche  besteht  dann 
aus  „paarweise“  gegeneinander  gedrehten  Strängen.  Die  Schnurrichtung  ändert 
sich  je  nachdem,  ob  die  Brettchen  zu  der  fertigen  Borte  hin  oder  von  ihr  weg  gedreht 
werden.  Während  des  Webens  kann  man  in  bestimmten  Abständen  die  Drehung 
aller  Brettchen  wechseln,  teils  um  damit  einen  bestimmten  Mustereffekt  zu  erzielen, 
teils  auch,  um  zu  vermeiden,  dass  die  freie  Kette  sich  allzu  stark  zusammendreht  oder 
verwirrt.  Durch  sehr  häufigen  Wechsel  der  Drehrichtung  wird  der  „Schnureffekt“ 
verwischt.  Man  kann  z.  B.  Leinwandbindung  erhalten;  unter  den  Birkabändern 
kommt  diese  jedoch  nicht  vor. 

1  Margarethe  Lehmann-Filhes,  Über  Brettchenweberei,  Berlin  1901.  R.  Stettiner,  Brettchenweberei  in  den 
Moorfunden  von  Damendorf,  Daetgen  und  Torsberg,  Mitteil.  d.  Anthropologischen  Vereins  Schleswig-Holstein,  Kiel 
1911.  Hans  Dedekam,  Et  tekstilfund  i  myr  fra  romersk  jernalder,  Stavanger  Mus.  Aarsh.  1921 — 24,  und  To  tekstilfund 
fra  folkevandringstiden,  Bergens  Mus.  Aarbok  1924 — 25.  Margrethe  Hald,  Brikvaevning,  Kopenhagen  1932,  und 
Brikvaevning  i  danske  Oldtidsfund,  Aarböger  1930,  u.  a. 


78  SIEBENTES  KAPITEL 

Beschreibung  der  Birkatechnik. 

Sämtliche  Birkabänder  können  —  vielleicht  mit  Ausnahme  von  B  24  —  als  vier- 
fädige  Brettchenbänder  mit  Schnurvorrichtung  bezeichnet  werden,  doch  in  einer 
technischen  Ausgestaltung,  die  diese  Erzeugnisse  auf  eine  höhere  Entwicklungsstufe 
als  die  sonst  gewohnte  stellt.  Während  in  der  allgemein  üblichen  vierfädigen  Brett¬ 
chenweberei  das  Muster  durch  die  verschiedenen  Farben  der  Fäden  und  die  nach 
einem  bestimmten  System  geordnete  Schnurvorrichtung  erzeugt  wird,  verwendete 
diese  Weberin  zur  Bildung  des  Musters  einen  besonderen  Schuss,  der  —  mit  einer  Aus¬ 
nahme  —  ganz  auf  der  Oberfläche  des  Bandes  liegt  und  diese  zum  grössten  Teil 
verdeckt.  Das  Muster  wird  durch  den  Gegensatz  zwischen  der  glänzenden  Fläche, 
die  von  den  goldenen  oder  silbernen  Metalldrähten  gebildet  wird,  und  den  verschie¬ 
denen  „Stichen“  und  Schnurlinien  erzielt,  die  einen  Teil  des  eigentlichen  Brettchen¬ 
bandes  darstellen.  Dadurch  entsteht  ein  ausgesprochener  Unterschied  zwischen  Ober¬ 
und  Unterseite.  In  einem  einzigen  uns  erhaltenen  Band,  B  25  (Taf.  6:  9),  läuft  der 
Musterschuss  innerhalb  einer  begrenzten  Form  hin  und  zurück,  also  genau  wie  bei 
der  Broschierung  eines  gewöhnlichen  Gewebes.  In  den  übrigen  Fällen  wäre  man 
vielleicht  versucht,  das  Wort  „Lancierung“  zu  gebrauchen. 

Das  Verfahren  war  ungefähr  das  folgende: 

Nachdem  man  das  Fach  in  Ordnung  gebracht  und  den  Grundschuss  eingezogen 
hat,  hebt  man  die  beiden  oberen  Fäden  bestimmter  Brettchen  in  die  Höhe  und 
zieht  den  Muster-  oder  EfFektfaden  darunter  durch.  Darauf  werden  sämtliche 
Brettchen  um  ein  Viertel  gedreht,  worauf  die  beiden  Schüsse  wieder  durchgezogen 
werden  usw.  Das  notwendige  „Zuschlägen“  des  Faches,  das  dem  Gewebe  Festigkeit 
verleiht,  kann  möglicherweise  mit  einem  Stäbchen  oder  einem  kammähnlichen  Werk¬ 
zeug  ausgeführt  worden  sein.1  Die  wirksamste  Methode  aber,  die  hier  wahrscheinlich 
zur  Anwendung  gelangte,  ist  noch  einfacher:  die  beiden  Fadengruppen,  die  das  Fach 
bilden,  werden  durch  einen  kräftigen  Handgriff  gleichzeitig  nach  oben  und  unten 
getrennt. 

Sind  alle  vier  Fäden  der  Brettchen  aus  demselben  Material,  braucht  man  sie  alle 
ohne  Rücksicht  auf  das  Muster  nur  in  derselben  Richtung  zu  drehen.  Dies  war 
z.  B.  mit  B  21  sicher  der  Fall.  Ist  dagegen  ein  Teil  der  Fäden  aus  einem  Material,  das 
nicht  sichtbar  werden  soll,  dann  muss  man  darauf  bedacht  sein,  dass  die  Seidenfäden 
zum  Vorschein  kommen,  je  nachdem  wie  es  das  Muster  verlangt.  Dies  erreicht  man 
am  besten  dadurch,  dass  man  zuerst  die  Fäden  nach  einem  bestimmten  System  durch 
die  Löcher  zieht  und  sodann  sämtliche  Brettchen  eine  bestimmte  Zahl  von  Malen 
abwechselnd  hin  und  zurück  dreht,  wie  es  deutlich  aus  dem  neugewebten  Bande 
Taf.  25:  3  und  17:  1  hervorgeht.  Die  zwei  Farben  der  Kette  sollen  die  beiden 
verschiedenen  Materiale  der  Fäden  vorstellen. 

Hierbei  ist  jedoch  zu  bemerken,  dass  die  längsverlaufenden  Randschnüre  nicht, 

1  Sowohl  unter  dem  Birkamaterial  wie  auch  in  vielen  anderen  Funden  aus  dem  frühesten  Mittelalter  sind  solche 
Geräte  häufig  zu  finden.  Vgl.  Taf.  39. 


BÄNDER 


79 


wie  man  erwarten  sollte,  jedes  Mal  ihre  Schnurrichtung  wechseln,  sobald  sich  das 
Muster  „umdreht“,  sondern  recht  lange  in  derselben  Richtung  weiterlaufen.  Also 
müssen  hier  die  Randbrettchen  für  sich  und  die  mittleren  Musterbrettchen  für  sich 
gedreht  worden  sein. 

Hier  ergibt  sich  die  Frage,  ob  man  nicht  ein  anderes  Gerät  zur  Hilfe  heranzog. 
Die  primitivste  und  wohl  auch  gebräuchlichste  Art,  das  Brettchengewebe  zu  befesti¬ 
gen,  —  teils  an  einem  festen  Gestell,  teils  am  Gürtel  oder  dgl.  des  Webenden  —  er¬ 
fordert,  dass  man  länger  bei  der  Arbeit  sitzen  bleibt  und  bei  allfälligen  Pausen  die 
Arbeit  sorgfältig  befestigt,  so  dass  Fäden  und  Brettchen  nicht  in  Unordnung  geraten 
und  sich  verheddern.  Es  wäre  jedoch  recht  schwierig,  die  ganze  Brettchenreihe  in 
mehreren  —  mindestens  drei  —  Etappen  zu  drehen,  wie  es  bei  den  Birkabändern 
Regel  gewesen  zu  sein  scheint.  Wahrscheinlich  hatte  man,  um  die  Hände  frei  zu 
bekommen,  irgend  eine  Art  Gestell,  das  jedes  Brettchenbündel  in  der  richtigen  Lage 
festhalten  konnte.1  Eine  derartige  Vorrichtung  zur  Stützung  muss  beim  Weben 
eine  grosse  Hilfe  gewesen  sein,  besonders  beim  Einziehen  des  doppelten  Schusses. 
In  noch  höherem  Grad  ist  dies  der  Fall,  wenn  man,  um  bestimmter  Musterdetails 
willen  gezwungen  ist,  mit  einzelnen  Brettchen  eine  oder  mehrere  Vierteldrehungen 
vorzunehmen. 

B  26  (Taf.  25:  1)  unterscheidet  sich  von  allen  anderen  Birkabändern  dadurch, 
dass  beide  Seiten  fast  gleich  sind.  Die  beiden  Schüsse  liegen  hier  niemals  in  dem¬ 
selben  Fach.  Der  unsichtbare  Grundschuss  läuft  wie  gewöhnlich  durch  alle  Brett¬ 
chenschnüre,  die  nur  in  einer  Richtung  gedreht  sind.  Der  Effektschuss  dagegen 
läuft  zwischen,  also  über  und  unter  den  ganzen  Brettchenschnüren.  Dadurch  dass 
der  Silberdraht  steif  ist,  wird  das  schlichte  Brettchengewebe  aufgebogen,  sodass  es 
sich  von  der  silbernen  Fläche  reliefartig  abhebt.  Die  Musterfiguren  treten  also  auf 
beiden  Seiten  umgekehrt  kongruent  hervor. 

Material  Verwendung. 

Das  Material  für  die  Kette  des  Grundgewebes  war  ganz  oder  teilweise  Seide. 
Der  Seidenfaden  ist  in  jenen  Fällen,  wo  eine  Untersuchung  möglich  war,  immer 
rechtsgezwirnt.  Wenn  alle  vier  Fäden  des  Brettchens  aus  Seide  sind,  dann  erhält  die 
Unterseite  das  Aussehen  von  dicht  nebeneinanderliegenden  Schnüren,  z.  B.  Nr.  20 
oder  21.  Indessen  ist  es  offenbar,  dass  man,  um  das  teure  Seidenmaterial  zu  sparen, 
es  teilweise  gegen  billigeres  ausgetauscht  hat,  soweit  es  verwendet  werden  konnte, 
ohne  auf  der  Oberseite  sichtbar  zu  werden.  Beispiele  einer  solchen  Unterseite  sind 
auf  Taf.  20  zu  sehen.  Die  Fläche  ist  hier  unregelmässig  und  locker.  Was  jetzt  wie 
Löcher  aussieht,  war  sicher  von  Anfang  an  mit  einem  jetzt  vermoderten  Faden, 

1  Ein  solch  einfaches  Gestell  beobachtete  die  Verfasserin  in  dem  lettischen  Museum  in  Riga,  Ethnologische  Ab¬ 
teilung.  Vgl.  auch  Abb.  7  bei  Lehmann-Filhes,  a.  a.  O.,  die  ein  kaukasisches  Brettchenwebegestell  im  Gebrauch  zeigt. 
Die  von  der  Verfasserin  durchgeführten  Rekonstruktionen  der  Birkabänder  wurden  mit  Hilfe  eines  ähnlichen  Gestells, 
hergestellt. 


So 


SIEBENTES  KAPITEL 


höchstwahrscheinlich  aus  Flachs,  ausgefüllt,  ein  Material,  das  sich  als  wenig  wider¬ 
standsfähig  gegen  Verwitterung  erwiesen  hat.  In  einem  Teil  der  am  besten  erhaltenen 
Bänder  ist  von  dem  Flachsfaden  eine  kaum  zu  unterscheidende  dunkle,  verschwom¬ 
mene  Masse  zurückgeblieben.  Damit  dies  weniger  schöne  Garn  nicht  auf  der  Ober¬ 
seite  sichtbar  wird,  war  man  bisweilen  genötigt,  in  den  Musterpartien  die  Schnurrich¬ 
tung  zu  wechseln  oder  auch  mit  einzelnen  Brettchen  noch  eine  oder  ein  paar  Viertel¬ 
drehungen  mehr  zu  machen  als  mit  den  anderen  Brettchen,  je  nachdem  das  Muster 
es  erfordert.  Andererseits  ist  das  Muster  durch  das  Hervortreten  der  Seidenfäden  be¬ 
dingt.  In  dem  neugewebten  Modell  (Taf.  25:3)  sind  in  den  Brettchen  je  zwei  rote 
und  zwei  blaue  Fäden  eingefädelt  und  so  geordnet,  dass  eine  Reihe  Keile  nachein¬ 
ander  gebildet  wird;  wechselt  man  nun  die  Drehung  der  Brettchen,  so  kommen  die 
Keile  in  die  entgegengesetzte  Richtung  zu  liegen.  In  dem  einen  Teil  der  Probe 
wurde  bei  jeder  Drehung  der  Goldschuss  in  jede  Brettchenschnur  eingeführt,  deren 
beide  obere  Fäden  rot  waren  (=  Seide).  An  einigen  Bändern  mit  besonders  deutlich 
markierten  Mustern  (B  6  u.  7,  Taf.  17:  1)  kann  man  erkennen,  dass  die  Seidenfäden 
auf  der  Unterseite  gerade  dort  gesammelt  sind,  wo  der  Metalldraht  ungebunden 
auf  der  Oberseite  liegt. 

In  die  Brettchen  der  Randborten  waren  entweder  Seide  oder  Ersatzfäden  einge¬ 
fädelt,  niemals  beide  Sorten  gleichzeitig.  Die  Schnüre,  die  ständig  den  Schuss  bin¬ 
den,  also  auf  der  Oberseite  die  längsverlaufenden  Linien  bilden,  müssen  zur  Gänze 
aus  Seide  bestehen,  während  die  dazwischenliegenden,  auf  der  Oberseite  unsicht¬ 
baren  Schnüre  ohne  weiters  aus  dem  billigem  Faden  sein  können.  Diese  sind  jetzt 
verschwunden,  wodurch  das  Band  einen  durchbrochenen  Eindruck  macht  (Taf.  17:  1). 

Der  Grundschuss,  von  Anfang  an  so  gut  wie  unsichtbar,  war  manchmal  aus  Seide, 
in  der  Regel  jedoch  aus  Flachs. 

Der  Effektschuss  ist  in  der  Regel  aus  Gold-  oder  Silberdraht,  welcher  stets  doppelt 
eingezogen  wird.  Nur  in  zwei  Fällen  wurde  gesponnener  Faden  verwendet.  In  dem 
einen  Fall  handelt  es  sich  um  ein  Silberband,  fleckenartig  broschiert  (B  25),  in  dem 
anderen  um  ein  ganz  goldenes  Band,  von  dessen  Schuss  eine  ansehnliche  Menge  er¬ 
halten  ist.  In  diesen  beiden  Fällen  wurde  der  Musterfaden  nur  einfach  durchgezogen. 
Möglicherweise  hat  dies  darin  seinen  Grund,  dass  es  sich  mit  einem  doppelten  gespon¬ 
nenen  Faden,  der  ja  empfindlicher  ist,  schwer  arbeiten  lässt. 

Der  Golddraht  wechselt  recht  sehr  in  Stärke  und  in  Farbe,  letztere  sogar  in  Bän¬ 
dern  desselben  Grabes,  die  dieselbe  Breite  und  den  gleichen  Mustertyp  aufweisen. 
In  vielen  Fällen,  da  solche  Goldbandfragmente  genügend  vorsichtig  aus  der  Erde 
herausgenommen  wurden,  hängen  sie  noch  immer  in  ihrer  ursprünglichen  Lage 
zusammen,  oft  in  einer  Länge  von  mehreren  cm,  auf  denen  man  noch  immer  mehr  oder 
weniger  deutlich  die  Musterung  unterscheiden  kann,  die  sich  durch  die  Kettenfäden 
abgedrückt  hat.  Eine  interessante  Einzelheit  ist  hier  zu  beobachten;  jene  Partien, 
wo  der  Golddraht  ursprünglich  ungebunden  gelegen  hat,  sind  oft  deutlich  geglättet 
und  glänzend.  Auch  hier  hat  man,  wie  bei  Stickereien  und  Knoten,  den  Goldglanz 


BÄNDER 


8l 


noch  verstärken  wollen,  indem  man  zum  Abschluss  der  Arbeit  die  Borte  mit  einem 
Hammer  oder  einem  anderen  harten  Werkzeug  behandelte. 

Uber  die  Beschaffenheit  des  Silberdrahtes  lässt  sich  wegen  der  Oxydierung  schwe¬ 
rer  etwas  sagen.  Im  Vergleich  zum  Gold  scheint  er  im  allgemeinen  etwas  stärker  ge¬ 
wesen  zu  sein,  was  wohl  seinen  Grund  darin  hat,  dass  das  Gold  geschmeidiger  und 
leichter  zu  verarbeiten  ist.  Die  Zahl  der  Schussfäden  per  cm  ist  nämlich  bei  Ver¬ 
wendung  von  Golddraht  grösser  als  bei  Silberdraht,  wenn  die  Kette  und  die  sonstigen 
Verhältnisse  gleich  sind,  d.  h.  in  jenen  Borten,  wo  man  abwechselnd  Gold  und  Silber 
verwendet  hat,  B  22.  Der  Goldschuss  der  reingoldenen  Bänder  ist  ja  jetzt  so  dehnbar, 
dass  man  keine  sichere  Ziffer  festzustellen  vermag,  die  Golddrähte  scheinen  jedoch  im 
allgemeinen  dichter  zu  liegen  als  die  Silberdrähte. 

Vielfärbigkeit. 

Indessen  kommen  auch  bei  Ganzseidenbändern,  beispielsweise  bei  Taf.  18:  3 
oder  20:  2,  Unebenheiten  auf  der  Unterseite  und  deutlicher  Wechsel  in  der  Dreh¬ 
richtung  vor  —  also  individuell  gedrehte  Brettchen.  Infolge  der  Brüchigkeit  des  Ma¬ 
terials  ist  es  leider  unmöglich,  die  Drehungen  der  Brettchen  einwandfrei  klarzulegen. 
Bisweilen,  aber  nicht  immer,  markieren  die  Unregelmässigkeiten  Linien,  die  im  Muster 
wieder  zu  finden  sind.  Ich  kann  keine  andere  Erklärung  dafür  finden,  als  die,  dass 
die  Fäden  von  verschiedener  Farbe  waren  und  dass  man  deswegen  ungefähr  nach 
derselben  Methode  gearbeitet  hat  wie  bei  den  mit  Flachs  vermischten  Bändern. 
Doch  müssen  in  diesem  Falle  begreiflicher  Weise  die  beiden  Farben  auf  der  Ober¬ 
seite  zu  sehen  gewesen  sein,  und  zwar  je  nach  der  Figur.  Da  jedoch  jetzt  keine  Spur 
mehr  von  einem  Farbenunterschied  zu  finden  ist,  war  diese  Erklärung  für  mich  nur 
eine  Hypothese,  bis  ich  in  Wien  das  auf  Taf.  24  abgebildete,  kunstvolle  Band  zu 
Gesicht  bekam.  Dank  seines  unversehrten  Zustandes  stellt  es  einen  wichtigen  Beitrag 
zum  Problem  der  Technik  der  Birkabänder  und  ihres  ursprünglichen  Aussehens  dar. 

Es  wird  unter  anderen  mittelalterlichen  Bändern  im  Museum  für  Kunst  und  In¬ 
dustrie,  Wien,  aufbewahrt.  Dank  des  freundlichen  Entgegenkommens  Dr.  Gargers 
konnte  ich  in  die  genaue  Beschreibung  des  Museums  über  die  Technik  Einblick  neh¬ 
men,  ebenso  wie  ich  die  Erlaubnis  erhielt,  die  ausgezeichneten  photografischen 
Aufnahmen,  die  im  Museum  für  mich  gemacht  wurden,  zu  veröffentlichen:  Das  be¬ 
treffende  Band  wurde  mit  73  vierlöchrigen  Brettchen  hergestellt,  in  die  rote  und  blau¬ 
schwarze  Seide  eingefädelt  war.  An  den  Randborten  ist  die  übliche  Schnurvorrich¬ 
tung  zu  sehen,  in  der  Hauptbahn  aber  kommt  ein  Doppelgewebe  zur  Anwendung,  also 
eben  jene  Technik,  die  unten  unter  Typus  II  A  beschrieben  wird.  Hierzu  kommt  ein 
goldener  Effektschuss  (echter  Goldlahn  um  einen  roten  Seidenkern  gesponnen),  der 
von  den  roten  Kettenfäden  gebunden  wird.  Die  Ornamente  sind  auf  der  Oberseite 
vorwiegend  rot  und  teilweise  schwarz,  auf  der  Unterseite  sind  die  Farben  umgekehrt. 
Der  unsichtbare  Grundschuss  ist  aus  gelbroter  Seide.  Leider  fehlt  jede  Angabe, 
woher  das  Band  gekommen  ist;  wahrscheinlich  stammt  es  aus  einem  Kirchenschatz. 

6 — 37823.  Birka  III. 


82 


SIEBENTES  KAPITEL 


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Abb .  ig.  Muster  der  Brettchenbänder, 
a  B  5,  b  B  9,  c  B  14,  d  B  16,  e  B  17,  f  B  2,  g  B  7,  h  B  13,  i  B  12 


BÄNDER 


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Abb.  20.  Muster  der  Brettchenbänder . 


a  B  6,  b  B  22,  c  B  20,  d  B  19,  e  B  21 


SIEBENTES  KAPITEL 


84 

Muster. 

Die  Anordnung  der  Muster  ist  bei  der  Mehrzahl  der  Bänder  auffallend  einheitlich: 
in  der  Mitte  eine  Musterpartie  diagonalen  Charakters,  die  von  schlichten  Randborten 
umrahmt  ist.  Diese  bestehen  aus  einer  oder  mehreren  Brettchenschnüren,  die  den 
Musterschuss  binden,  und  dazwischen  oft  eine  breitere  Partie,  wo  der  Metallschuss 
frei  liegt  und  die  Unterlage  verdeckt,  die  meist  aus  der  einfacheren  Garnsorte  verfer¬ 
tigt  ist.  Die  Musterung  ist  mehr  oder  weniger  reich  und  die  Zahl  der  Brettchen  wech¬ 
selt,  die  Randborten  sind  fast  immer  ähnlich  und  fehlen  nur  in  einzelnen  Fällen. 

Die  Muster  sind  im  allgemeinen,  wie  aus  den  Abbildungen  19 — 20  hervorgeht, 
diagonal  gezeichnet,  was  sich  von  selbst  aus  der  Technik  ergibt.  Die  gebräuchlichsten 
Motive  sind  Hakenkreuze  in  verschiedenen  Gestaltungen  (bald  vollständig,  bald 
schräg  abgeschnitten,  oft  mit  dem  charakteristischen  „Tierkopf “-Abschuss1),  Rauten, 
einfachen  Sternen  und  Winkeln.  Eine  kleinere  Gruppe  unter  den  Goldbändern 
zeigt  Wiederholungsmuster,  bes.  mit  Flechtmotiven,  Abb.  20  b.  Alle  diese  Muster 
sind  auffallend  gleichmässig  ausgeführt.  Webefehler  kommen  selten  vor  und  die 
Ähnlichkeit  der  Motive  ist  gross.  Man  kann  hier  bis  zu  einem  gewissen  Grade  von 
einer  Standardisierung  sprechen.  Die  augenscheinlichen  Verschiedenheiten  sind 
meistens  eine  Folge  der  Qualität  des  Materials  und  hängen  auch  von  dem  Grad 
der  Zerstörung  ab. 

Einige  wenige  Bänder,  B  19 — 21,  zeigen  Muster  eines  wesentlich  abweichenden 
Typus.  Im  B  20,  das  mit  seinen  drei  verschiedenen  Flächeneffekten  und  doppelten 
Randborten  in  künstlerischer  Hinsicht  weiter  fortgeschritten  wirkt,  haben  wir  es 
sicher  mit  zoomorphen  Formen,  wenn  auch  stark  verzerrten,  zu  tun.  Auf  dem  B  19 
scheinen  Tierköpfe  irgend  einer  Gattung  aus  der  tulpenartigen  Blume  emporzustei¬ 
gen,  die  zwischen  den  langen  Reihen  von  S-Figuren  herauswächst.  Das  kleine  Frag¬ 
ment,  wonach  das  untere  Ornament  gezeichnet  wurde,  ist  zu  sehr  beschädigt,  um  eine 
genaue  Rekonstruktion  zu  ermöglichen,  es  ist  aber  klar,  dass  das  Muster  nicht  dem 
der  Brettchenweberei  geläufigen  Mustervorrat  entnommen  wurde. 

Verglichen  mit  der  Hauptgruppe  der  Bänder,  zeigt  die  Ausführung  dieser  zwei 
etwas  Ungleichmässiges  und  Tastendes,  dieselbe  Form  wird  oft  in  anderer  Weise 
verwendet.  Das  Muster  ist  scheinbar  für  diesen  Zweck  nicht  fertig  —  als  Vorbild 
oder  in  der  Fantasie  des  Arbeitenden  —  Vorgelegen,  sondern  offenbar  wurde  es  von 
einem  Gegenstand  einer  anderen  Art  übertragen.  B  21  ist  dagegen  trotz  seines  or- 
ginellen  Musters  ausserordentlich  klar  und  gleichmässig  ausgeführt.  Hinzugefügt  sei, 
dass  alle  diese  Bänder  mit  ganzseidener  Kette  hergestellt  sind,  wobei  man  also  nicht 
dieselben  technischen  Rücksichten  wie  bei  den  gemischten  Bändern  zu  nehmen 
braucht. 

Sämtliche  einigermassen  erhaltenen  Bänder  werden  im  Folgenden  einzeln  be¬ 
schrieben.  Manche  lassen  sich  ja  wegen  ihres  zerstörten  Zustandes  nicht  analysieren. 

1  Ob  hier  schon  ein  gewolltes  Tierbildnis  vorliegt  oder  ob  es  eine  rein  geometrische  Fortbildung  des  Hakenkreuzes 
ist,  sei  dahingestellt. 


BÄNDER 


85 


Die  als  B  2 — 17  bezeichneten  Bänder  mit  ihren  mehr  oder  weniger  standardisier¬ 
ten  Mustern  bilden  eine  ziemlich  einheitliche  Gruppe,  deren  auffallendste  Unter¬ 
schiede  von  der  Verschiedenheit  des  Materials  herrühren.  In  dieselbe  Gruppe  dürften 
die  Goldbänder  B  22 — 23  einzureihen  sein.  Da  aber  von  diesen  nur  der  Effektschuss 
übrig  ist,  sind  ausführliche  Beschreibungen  aller  dieser  Reste  wenig  ergiebig.  Sie 
werden  daher  als  B  23  in  Kürze  beschrieben  werden.  Die  als  B  18 — 21  bezeich¬ 
neten  Bänder  stimmen  in  der  Technik  mit  der  grossen  Gruppe  überein,  in  den  Mus¬ 
tern  weichen  sie  jedoch  davon  ab.  Die  drei  letzten  Bänder  dagegen,  B  24 — 26  sowie 
das  zum  Vergleich  herangezogene  Band  aus  Gotland,  B  27,  repräsentieren,  jedes  für 
sich,  eine  Variation  der  Brettchentechnik.1 

B  2  a.  Grab  824.  Taf.  19:  1  und  Abb.  19  f.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  9 
ganzseidene  Br.2  Unterseite  dicht  und  unregelmässig.  Am  Rande  waren  2  ganzseidene  Schnüre  und  dazwischen 
2  oder  3  jetzt  vermoderte.  Im  Ganzen  17 — 19  Br.  Schussdichte  15  per  cm.  Breite  12  mm.  2  Stücke  von  12 
bzw.  19  cm.  Am  Rand  ist  ein  Seidenfragment  (S4)  angenäht,  aus  dem  auch  ein  querverlaufender  Streifen 
hergestellt  ist,  der  das  eine  Ende  der  beiden  Borten  mit  daran  sitzender  Seide  umschliesst. 

B  2  b.  Grab  824.  Taf.  19:1.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  9  ganzseidene  Br., 
ziemlich  grob.  Am  Rande  waren  4  bis  5  Br.,  von  denen  nur  die  innerste  aus  Seide  übrig  ist;  infolgedessen  bildet 
jetzt  der  Silberschuss  am  Rande  eine  Reihe  dichtgedrängter  Ösen.  Insgesamt  17  oder  19  Br.  Unterseite  dicht, 
aber  unregelmässig.  Schussdichte  14  bis  15  per  cm.  Breite  13  mm.  Länge  9  cm  sowie  kleine  Fragmente. 

Im  Muster  usw.  sehr  ähnlich  dem  vorhergehenden.  Vielleicht  ist  es  dasselbe  Band,  obwohl  es  so  ver¬ 
schieden  wirkt  —  teils  wegen  der  starken  Zersetzung  im  ersteren  Band,  teils  deswegen,  weil  die  Randschnur 
in  dem  letzteren  verschwunden  ist. 

B  3.  Grab  903.  Taf.  20:  3.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Hauptpartie  9  Br.,  halb  aus  seidenem, 
halb  aus  jetzt  vermodertem  Garn.  Am  Rand  3  Br.,  davon  zwei  Seiden-  und  dazwischen  eine  oder  zwei  Flachs¬ 
schnüre.  Hiervon  sind  noch  deutliche  Reste  zu  erkennen.  Insgesamt  15  Br.  Unterseite  locker,  Drehung  in 
verschiedener  Richtung.  Die  Fäden,  die  den  Broschierschuss  binden,  sind  unregelmässig  und  dünn,  sodass  das 
Muster  sich  undeutlich  abhebt.  Schussdichte  16  per  cm.  Breite  11  mm.  Länge  je  14,  7,  8  und  9  cm  sowie 
kleinere  Fragmente. 

B4.  Grab  569.  Taf.  17:3.  Schmales  Brettchenband.  In  der  Musterpartie  n(?)  Br.  Auf  der  Ober¬ 
seite  sind  nur  einzelne  Stiche  zu  sehen,  auf  der  Unterseite  sind  die  Fäden  dicht  und  gleichmässig  zusammen¬ 
gedrückt,  wechselnde  Schnurrichtung.  Ausserhalb  der  noch  erhaltenen  Randschnur  bildet  der  Silberschuss 
eine  Reihe  von  Ösen,  die  früher  eine  jetzt  fehlende  Schnur  auf  jeder  Seite  bedeckte.  Breite  6  V  2  mm.  Länge 
7  +  2  +  2  cm. 

1  Bezüglich  der  Beschreibungen  dürfte  Folgendes  zu  bemerken  sein.  Die  technische  Analyse  gründet  sich  gezwun- 
genermassen  hauptsächlich  auf  Beobachtungen  der  Oberfläche  der  Bänder,  welche  Beobachtungen  sodann  mit  Versuchs¬ 
modellen  aus  neuem  Material  verglichen  wurden.  Sämtliche  Bänder  sind  ihrer  Struktur  nach  äusserst  fest  und  dicht  und 
nur  das  am  besten  erhaltene  Textilmaterial,  die  Seide,  liess  sich  in  Ausnahmsfällen  ein  wenig  auseinandernehmen;  der 
Silberdraht  ist,  soweit  er  nicht  völlig  zersetzt  ist,  ausserordentlich  zerbrechlich  und  der  Leinenfaden  ist  ja  völlig  zerstört. 
In  jenen  Fällen,  wo  alle  Brettchenschnüre  ursprünglich  aus  Flachsfäden  bestanden,  ist  daher  die  hier  angegebene  Anzahl 
der  Brettchen  nicht  genau.  Die  Berechnung  gründet  sich  auf  die  Grösse  des  vorhandenen  Zwischenraumes  und  auf  die 
Voraussetzung,  dass  der  Flachsfaden  dieselbe  Stärke  wie  der  Seidenfaden  hat;  letzteres  ist  ja  recht  ungewiss,  hat  aber  kaum 
grössere  Bedeutung. 

2  Die  in  der  folgenden  Katalogabteilung  häufig  vorkommende  Abkürzung  Br.  ist  als  Brettchen  (-schnüre)  zu  lesen. 


86 


SIEBENTES  KAPITEL 


B  5.  Grab  977.  Taf.  20:1,  Abb.  19  a.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  9  halb¬ 
seidene  Br,  am  Rande  6  (?),  wovon  vier  vollständig  sind.  Zusammen  21  Br.  Unterseite  locker  und  ungleich- 
massig.  Den  Musterstichen  der  Kette  auf  der  Oberseite  entsprechen  leere  Stellen,  wo  in  Ausnahmsfällen  die 
Reste  des  Flachsfadens,  eine  dunkle  diffuse  Masse,  erhalten  sind.  Der  Silberdraht  kehrt  innerhalb  der  äussersten 
Brettchenschnüre  um,  weshalb  sich  diese  von  dem  übrigen  Band  losgelöst  haben.  Schussdichte  12  Fäden  per 
cm.  Breite  12  mm,  Länge  9  cm. 

B  6.  Grab  965.  Taf.  17:  1  u.  22:  1,  Abb.  20  a.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  13 
halbseidene  Br.  Am  Rand  4 — 5  Br.,  davon  2  vollständige.  Im  Ganzen  mindestens  21  Br.  Unterseite  locker; 
den  Musterstichen  auf  der  Oberseite  entsprechen  auf  der  anderen  Seite  leere  Stellen,  die  früher  von  den  jetzt 
vermoderten  Flachsfäden  ausgefüllt  waren.  Die  vier  sichtbaren  Randschnüre  ändern  ihre  Schnurrichtung  un¬ 
abhängig  von  dem  Muster,  in  Abständen,  meistens  zwischen  6  und  13  cm  wechselnd,  gewöhnlich,  aber  nicht 
immer,  alle  gleichzeitig.  Schussdichte  16  cm.  Breite  11  mm.  2  Stücke  zu  je  43  cm. 

B  7.  Grab  965.  Taf.  17: 1,  22:  1  und  Abb.  19  g.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartieg  Br., 
am  Rande  4  Br.,  wovon  2  vollständige,  zusammen  17  Br.  Schussdichte  per  cm  12  Fäden.  Breite  9  mm.  2 
Stücke  je  6 — 7  cm  lang.  Die  beiden  Borten  B  6  und  B  7  sind  auch  mit  Seide  zusammengenäht  und  bilden 
zusammen  ein  Paar.  Siehe  unten  im  Grabregister. 

B  8.  Grab  977.  Taf.  19:3.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  7  Br.  mit  gemischter 
Kette.  Die  Linien  des  Musters  sind  teilweise  auf  der  Unterseite  zu  erkennen.  Die  Ränder  bestehen  aus  2 
vollständigen  Br.  und  dazwischen  ist  Platz  für  2  jetzt  vermoderte.  Insgesamt  also  15  Br.  Breite  8  mm.  Länge 
17  cm. 

B  9.  Grab  855.  Taf.  19:2,  Abb.  19  b.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  15  halb¬ 
seidene  Br.  Am  Rand  wahrscheinlich  4  Br.,  davon  2  mit  Seide,  insgesamt  wahrscheinlich  24  Br.  Unterseite 
locker  und  ohne  bestimmte  Textur.  Schussdichte  per  cm  15  Fäden.  Breite  12  mm.  Längen  7  +  8  cm  sowie 
kleine  Fragmente. 

Bio.  Grab  1076.  Taf.  23:5.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  11  Br.,  die  Hälfte 
davon  aus  sehr  feinen  Seidenfäden.  Am  Rande  wahrscheinlich  4  Br.,  davon  2  vollständige.  Im  Ganzen  19 
Br.  (?).  Die  Unterseite  locker  mit  unregelmässigen  dichten  Partien,  die  dem  Muster  entsprechen.  Schuss¬ 
dichte  14  per  cm.  Breite  10  mm.  6  Stücke  zu  je  6 — 8  cm  sowie  kleinere  Fragmente,  alle  schlecht  erhalten. 

B  11.  Grab  943.  Taf.  23:3.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  19  Br.,  ganzseiden. 
Die  Ränder  gut  erhalten,  von  üblichem  Aussehen.  Insgesamt  wahrscheinlich  27  Br.  Der  musterbildende 
Kettenfaden  hebt  sich  auf  der  Oberseite  schütter  und  undeutlich  ab.  Die  Unterseite  ist  dicht  und  ebenmässig 
mit  dichter  nacheinander  geordneten  Schnüren,  der  Grundschuss  aus  Seide.  Schussdichte  15  Fäden  per  cm, 
Breite  13  mm.  Einige  kleine  Fragmente  in  schlecht  erhaltenem  Zustand,  etwa  3 — 4  cm  lang. 

B  12.  Grab  735.  Taf.  18:  4,  Abb.  19  i.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  9  Br. 
Am  Rande  6  (?)  Br.,  davon  die  innere  und  die  3  äusseren  aus  Seide.  Insgesamt  21  Br.  Schussdichte  18  per  cm. 
Breite  1 1  mm.  Wie  B  13  ist  auch  dieses  Band  an  einem  Seidenstoff  angenäht,  weshalb  die  Unterseite  nicht  sicht¬ 
bar  ist.  Möglicherweise  hat  man  die  beiden  Muster  abwechselnd  auf  derselben  Kette  gewebt. 

B  13.  Grab  735.  Taf.  19:  4  und  Abb.  19  h.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  9, 
am  Rand  6(?)  Br.,  davon  die  innere  und  die  3  äusseren  ganz  aus  Seide.  Schussdichte  18  per  cm.  Breite  11  mm. 


BÄNDER  87 

Die  Borte  ist  auf  einer  Seide  aufgenäht,  weshalb  die  Unterseite  unsichtbar  ist.  Nur  ein  kleiner  Teil  des  Musters 
kann  bestimmt  unterschieden  werden.  Siehe  im  übrigen  B  12. 

B  14.  Grab  845.  Taf.  23:4,  Abb.  19  c.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  13  Br. 
ganz  aus  Seide;  am  Rand  8(?)  Br.  (von  der  Mitte  aus  gerechnet  1  vollständige,  2  fehlende  und  5  vollständige 
Schnüre  nacheinander  geordnet.  Zusammen  29  Br.  Alle  erhaltenen  Brettchenschnüre  ganz  aus  Seide.  Die 
Unterseite  ist  dicht,  die  Richtung  der  Schnüre  verschiebt  sich  aber  dem  Augenschein  nach  unregelmässig, 
wahrscheinlich  aber  in  einem  bestimmten  Zusammenhang  mit  dem  Muster.  Über  das  System  lässt  sich  jedoch 
unmöglich  Klarheit  gewinnen,  da  grosse  Partien  sehr  stark  abgenützt  sind.  Grundschuss  aus  Seide.  18  Muster¬ 
schüsse  per  cm.  Die  Borte  ist  besonders  fest  und  gut  gewebt.  Breite  15 — 16  mm.  Länge  6  cm  und  kleinere 
F  ragmente. 

B  15.  Grab  823.  Taf.  20:  2.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  15  ganzseidene  Br. 
Am  Rande  4 — 5,  davon  2  vollständige.  Zusammen  mindestens  24  Br.  Die  Unterseite  dicht  mit  unregelmässi¬ 
gen  Drehungen.  Schussdichte  13  Fäden  per  cm.  Breite  17  mm.  Länge  6  cm  und  3  1/2  cm.  Fragmente  der 
Borte  an  dem  Schädel  angeklebt. 

B  16.  Grab  861.  Taf.  17:2,  Abb.  19  d.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  15  ganz¬ 
seidene  Br.,  am  Rand  4  (?),  davon  2  vollständige.  Die  Unterseite  dicht  und  unregelmässig.  Umkehr  der  Schnur¬ 
drehung  kommt  oft  vor.  Schussdichte  16  Fäden  per  cm.  Vollständige  Breite  17  mm.  2  zusammenhängende 
Stücke,  zusammen  mindestens  20  cm. 

B  17.  Grab  735.  Taf.  23:  1,  Abb.  19  e.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  17  ganz¬ 
seidene,  am  Rande  6(?)  Br.,  davon  zwei  ganz  aus  Seide.  Dazwischen  und  am  äussersten  Rande  waren  ursprüng¬ 
lich  noch  zwei  Schnüre.  Im  Ganzen  mindestens  29  Br.  Der  Silberschuss  kehrt  gerade  an  der  äussersten  Sei¬ 
denschnur  um,  während  sich  der  Grundschuss  aus  Seide  über  die  ganze  Breite  der  Borte  erstreckt.  Die  Unter¬ 
seite  ist  dicht  und  unregelmässig,  Umkehren  der  Schnurdrehung  kommt  vor.  Schussdichte  17 — 18  per  cm. 
Breite  15  mm.  Länge  16  cm,  unvollständig. 

B  18.  Grab  735.  Taf.  21:2.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  8  ganzseidene  Br. 
Am  Rande  3  Br.,  wovon  das  mittlere  wahrscheinlich  mit  Flachs,  die  beiden  übrigen  mit  Seide  durchzogen 
wurden.  Im  Ganzen  14  Br.  Die  Unterseite  dicht  und  ebenmässig,  in  der  Regel  nur  eine  Schnurrichtung. 
Schussdichte  15  per  cm.  Breite  7  mm.  Längen  zu  13  u.  7  cm,  eingesetzt  zwischen  grossen  Stücken  aus  Köper¬ 
seide.  Vgl.  auch  Taf.  14. 

B  19.  Grab  965.  Taf.  22:  3 — 4,  Abb.  20  d.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  Musterpartie  14  ganz¬ 
seidene  Br.,  die  Seidenfäden  von  unregelmässiger  Stärke.  Am  jedem  Rande  4 — 5  Br.,  davon  die  beiden  äusser¬ 
sten  aus  Seide.  Im  Ganzen  22 — 24  Br.  Die  Unterseite  dicht  und  ebenmässig,  in  der  Regel  mit  gleichgerichteten 
Drehungen  ausgeführt.  Das  Muster,  dessen  Motiv  sich  von  allen  anderen  Birkabändern  unterscheidet,  er¬ 
weist  sich  bei  näherem  Studium  als  ziemlich  unregelmässig  gearbeitet.  Dasselbe  Motiv  ist  oft  verschieden 
durchgeführt  und  bisweilen  sind  nicht  sämtliche  Brettchenschnüre  in  das  Muster  aufgekommen.  Ein  Vergleich 
mit  dem  regelmässig  wiederkehrenden  Standardmotiv  der  anderen  Borten  lässt  vermuten,  dass  das  Muster  in 
diesem  Fall  einem  anderen  Gebiet  entnommen  ist  und  hier  vielleicht  zum  ersten  Mal  für  diese  Technik  ver¬ 
sucht  wurde.  Schussdichte  16  per  cm.  Breite  11  mm.  Längen  11,8  und  6  cm  sowie  kleine  Fragmente. 

B  20.  Grab  735.  Taf.  18:  1 — 3,  Abb.  20  c.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  In  der  eigentlichen  Muster¬ 
partie  16  ganzseidene  Br.  Jeder  Rand  besteht  aus  2  Partien,  die  durch  längsverlaufende  Brettchenschnüre  von 


88 


SIEBENTES  KAPITEL 


einander  abgegrenzt  sind.  Die  Innenborten  sind  gemustert  und  bestehen  aus  4  vollständigen  Br.  Der  äussere 
Rand  war  schlicht  und  bestand  wahrscheinlich  aus  3  oder  4  leinenen  Br.,  die  jetzt  vermodert  sind.  Insgesamt 
34  oder  36  Br.  Die  Unterseite  ist  dicht,  in  der  Regel  mit  der  gleichen  Schnurrichtung,  doch  mit  Uneben- 
mässigkeiten,  die  darauf  deuten,  dass  die  Brettchen  mitunter  während  der  Arbeit  den  Platz  gewechselt  haben. 
Diejenige  Schnur,  die  die  Musterpartie  abgrenzt,  ist  auf  der  Unterseite  durch  eine  Vertiefung  markiert.  Dieses 
unter  den  Birkabändern  einzigartige  Muster  arbeitet  mit  3  Flächeneffekten:  glattes  Silber  mit  einzelnen  Sei¬ 
denstichen,  fleckige  Silberfläche,  sowie  eine  dichte  Seidenfläche,  die  mit  stückweise  verlaufenden  Brett¬ 
chenschnüren  ausgefüllt  ist.  Die  Ausführung  weist  einzelne  Unregelmässigkeiten  oder  Fehler  auf,  die  wie 
bei  Nr.  19  erkennen  lassen,  dass  das  Muster  mehr  oder  weniger  direkt  einer  anderen  Gattung  entnommen  und 
für  diese  Technik  adaptiert  wurde. 

Unter  den  5  grössten  (doch  ziemlich  stark  beschädigten)  Fragmenten  finden  sich  3  Stellen,  die  wahrschein¬ 
lich  Anfang  oder  Ende  des  Gewebes  darstellten;  das  Brettchenband  ist  hier  ganz  schlicht,  ohne  Effektschuss 
oder  Muster.  Unmittelbar  neben  einer  solchen  Stelle  wurde  in  einer  Länge  von  ungefähr  2  cm  Seide  statt 
Silber  als  Effektschuss  verwendet.  Schussdichte  14  per  cm.  Breite  17  mm.  Längen  ungefähr  17,  15,  12,  n 
und  5  cm  sowie  kleinere  Fragmente. 

B  21.  Grab  943.  Taf.  22:  2,  Abb.  20  e.  Brettchenband  mit  Silberschuss.  Reiches  Muster  ohne  Borte. 
17  ganzseidene  Br.  nacheinander  geordnet.  Sämtliche  Brettchen  wurden  gleichzeitig  gedreht,  sodass  die  Unter¬ 
seite  völlig  glatt  und  ebenmässig  wurde;  nur  an  einer  Stelle  wurde  die  Drehrichtung  gewechselt.  Das  Muster 
konnte  also  ganz  frei  ohne  Rücksicht  auf  das  Grundgewebe  eingearbeitet  werden.  Der  Effektschuss  verläuft 
über  die  ganze  Breite.  Schussdichte  18  per  cm.  Breite  10  mm.  Länge  25  cm.  Sehr  ebenmässig  und  gut  gear¬ 
beitet,  was  besonder  bei  Vergleich  mit  den  übrigen  separat  gemusterten  Borten  auffällt. 

B  22.  Grab  824.  Taf.  23:2,  Abb.  20  b.  Brettchenband  abwechselnd  mit  Gold-  und  Silberschuss  in  Par¬ 
tien  zu  6 — 15  cm.  Die  Musterpartie  hat  17  vollständige  Br.,  die  verschiedene  Flechtenmuster  bilden.  Am 
Rande  ursprünglich  6(?)  Br.,  davon  4  erhalten.  Zusammen  mindestens  29  Br.  Die  Schüsse  20 — 25  per  cm, 
das  Gold  am  dichtesten.  Die  Unterseite  dicht,  etwas  unregelmässig.  Die  Schnüre  haben  dieselbe  Drehungs¬ 
richtung.  Breite  12  mm,  Länge  9.5  cm. 

Der  Metallschuss  deckt  nur  8  cm  der  Länge  des  Bandes.  An  beiden  Enden  ist  ein  Stück  des  Brettchen¬ 
bandes  zu  sehen.  Das  Ganze,  möglicherweise  jedoch  nicht  die  eine  Längsseite,  ist  mit  einem  schmalen  Taft¬ 
streifen  eingefasst  (S  1).  Das  Aussehen  der  Unterseite  macht  es  wahrscheinlich,  dass  das  ganze  Stück  ursprüng¬ 
lich  an  irgendeinem  jetzt  verschwundenen  Stoff  angenäht  war.  Fragmente  gleichen  Aussehens  haben  wahr¬ 
scheinlich  hiezu  ein  Gegenstück  gebildet. 

B  22  b.  Grab  731.  Fragmente  eines  Brettchenbandes  abwechselnd  mit  Gold-  und  Silberschuss,  ganz  gleich 
wie  B  22. 

B  22  c.  Grab  750.  Fragmente  eines  Brettchenbandes  abwechselnd  mit  Gold-  und  Silberschuss,  sehr  ähnlich 
B  22.  Sehr  beschädigt  und  nicht  auseinanderzunehmen. 

B  23.  Grab  750.  Effektschuss  eines  Brettchenbandes  aus  Golddraht  mit  deutlich  sichtbaren  Vertiefungen, 
die  die  Seidenkette  hinterlassen  hat.  Das  eigentlich  Brettchenband,  vermutlich  aus  Seide,  ist  ganz  verfault. 
An  mehreren  Stellen,  wo  die  Goldfäden  des  Broschierschusses  ursprünglich  bloss  lagen,  ist  der  Draht  wie  mit 
einem  harten  Werkzeug  abgeplattet  und  von  starkem  Glanz.  Der  Typus  ist  der  übliche  mit  schlichten  Rand¬ 
borten,  die  das  Muster  einfassen.  Das  Muster  ähnelt  B  22.  Verschiedenheiten  der  Farbe  und  des  Feinheits¬ 
grades  des  Golddrahtes  sowie  der  Breite  des  Schusses  beweisen,  dass  mindestens  vier  etwas  verschiedene  Bänder 
da  waren.  ■ 


BÄNDER 


89 


Gesamtgewicht  ungefähr  38  Gramm.1  1)  Breite  9 — 11  mm.  Die  auf  Taf.  21 :  1  abgebildeten  zusammen¬ 
gehörigen  Stücke  wiegen  15.88  gr  und  dürften  für  ein  ungefähr  70  cm  langes  Band  ausreichen.  2)  Breite 
10  mm.  Länge  30 — 32  cm.  Gewicht  7.82  gr.  3)  Breiten — 12  mm.  Länge  22  cm.  Gewicht  3.42  gr.  4)  Breite 
8 — 9  mm.  Länge  22  cm.  Gewicht  3.42  gr. 

Das  Gold  in  den  drei  letzten  Bändern  rötlich  sowie  steifer  und  mehr  federnd  als  in  dem  ersten. 

B  23  b.  Grab  524.  Schuss  aus  Golddraht,  von  demselben  Aussehen  wie  B  23,  also  etwas  variierend  sowohl 
der  Breite,  als  auch  dem  Muster  und  der  Goldfarbe  nach.  Einige  zusammenhängende  Stücke.  Gewicht  17.53 
gr.  Länge  ca.  100  cm. 

B  23  c.  Grab  643.  Taf.  21 :  3.  Schuss  aus  Golddraht  von  üblicher  Qualität.  Breite  8  mm.  Muster  sehr 
undeutlich,  ohne  Randborte.  Länge  20 — 22  cm.  Ein  kleines  Fragment  wie  B  2  mit  Randborte,  10  mm  breit. 
Gewicht  2.58  gr. 

B  23  d.  Grab  735.  Schuss  aus  Golddraht.  Übliche  feine  Qualität.  Breite  6  mm.  Muster  deutlich,  ohne 
Randborte,  7  cm,  zusammenhängend.  Gewicht  0.61  gr. 

B  23  e.  Grab  791.  Schuss  aus  Golddraht.  Übliche  Qualität  in  stark  rötlichem  Ton.  Breite  ca.  11  mm. 
Länge  6  cm.  Gewicht  1.20  gr. 

B  23  f.  Grab  844.  Schuss  aus  Golddraht.  Übliche  Qualität,  rötlich  und  federnd.  Der  Faden  wurde  un¬ 
regelmässig  eingezogen,  so  dass  die  Breite  zwischen  13  und  15  mm  variiert.  Länge  ungefähr  22  cm.  Gewicht 

4-57  gr* 

B  23  g.  Grab  551.  Schuss  aus  Golddraht.  Ungewöhnlich  schmales  Band,  3  1/a  mm  breit.  Keine  Rand¬ 
borten,  nur  ein  fortlaufendes  Zackenmuster.  Ein  Fragment  zeigt,  dass  der  Goldschuss  nicht  das  ganze  Band 
deckte,  sondern  mit  einem  symmetrischen  Keil  angefangen  hat.  Gewicht  0.66  gr.  Länge  10 — 12  cm. 

B  23  h.  Grab  561.  Schuss  aus  Golddraht.  Ungewöhnlich  grober  und  harter  Draht,  ohne  deutliche  Spuren 
eines  Musters,  aber  mit  deutlichen  Anzeichen  von  Glätten  oder  Hämmern.  Breite  6 — 7  mm.  Gewicht  3.38 
gr.  Länge  20 — 25  cm. 

B  23  i.  Grab  561.  Gesponnener  Goldschuss  eines  Brettchenbandes.  Der  Faden  lag  einzeln  im  Fach  (im 
Gegensatz  zu  den  andern  Bändern,  wo  immer  zwei  Metalldrähte  zusammen  eingezogen  wurden).  Die  Fäden 
sind  in  der  Regel  auseinander  gefallen,  sodass  sie  eine  lose  Masse  bilden,  die  ein  grobes  Probierglas  ausfüllt. 
Hie  und  da  hängen  noch  8 — 10  Schüsse  zusammen.  Der  Qualität  nach  macht  die  Masse  einen  einheitlichen 
Eindruck  und  zeigt  Spuren,  dass  das  Band  nach  dem  Weben  geglättet  wurde.  Die  Breite  wechselt  zwischen 
8 — 10  mm.  Gewicht  7.36  gr.  Die  Länge  lässt  sich  unmöglich  berechnen,  muss  jedoch  im  Verhältnis  zum 
Gewicht  viel  grösser  gewesen  sein  als  dort,  wo  der  Schuss  aus  massivem  Draht  war. 

B  24.  Grab  571.  Taf.  17:4.  Brettchenband  mit  Effektschuss  aus  Silberdraht  und  im  übrigen  Ganzseide. 
Die  Musterpartie  zeigt  auf  der  Oberseite  5  Stiche,  vermutlich  5  Br.  entsprechend.  Die  Brettchen  scheinen 
jedoch  keine  volle  Drehung  gemacht  zu  haben,  denn  die  Musterfäden  der  Oberseite  liegen  in  der  Regel  pa¬ 
rallel  (nicht  um  einander  gewunden).  Auf  der  Unterseite  liegen  die  Fäden  dicht  zusammengeschoben,  aber 
wenig  gebunden,  sodass  dies  Band  im  Vergleich  mit  den  übrigen  sehr  dick  ist.  Die  genaue  Fadenlage  lässt 
sich  wegen  der  Brüchigkeit  des  Materials  nicht  mehr  feststellen.  Die  aufgetrennten  Fäden  in  der  Mittelpartie 
scheinen  etwa  20  zu  sein,  was  ja  gerade  mit  der  oben  angegebenen  Zahl  der  Brettchen  übereinstimmt.  Der 

1  Das  Gewicht  ist  genau  angegeben,  die  Längenmasse  nur  ungefähr  errechnet. 


9o 


SIEBENTES  KAPITEL 


Rand  besteht  aus  3  vollständigen  Brettchenschnüren  mit  paarweise  Schnurrichtung.  Der  Silberschuss  kehrt 
schon  bei  der  inneren  Schnur  um.  Die  Gesamtzahl  der  Brettchen  wahrscheinlich  11.  Schussdichte  18  per  cm. 
Breite  6  mm.  Längen  18,  14  und  7  cm,  teilweise  sehr  aufgeribbelt.  Wahrscheinlich  wurden  die  Brettchen 
der  Mittelpartie  für  sich  gedreht,  z.  B.  jedes  Mal  eine  halbe  Drehung  hin  und  her,  während  die  Randbrettchen 
immer  in  derselbe  Richtung  gedreht  wurden. 

B  25.  Grab  962.  Taf.  6:9.  Brettchenband  mit  silberner  Broschierung.  Mindestens  15  ganzseidene  Br. 
in  hellbrauner  Farbe.  Paarweise  Schnurrichtung  auf  beiden  Seiten  des  mittleren  Stranges.  Der  Musterschuss 
ist  ein  Zwirn  (d.  h.  der  Silberlahn  ist  über  eine  Seidenseele  gesponnen)  und  einzeln  durch  das  Webfach  gezo¬ 
gen.  Im  Gegensatz  zu  den  übrigen  Bändern  geht  der  Metallschuss  nicht  über  dieselbe  Breite,  sondern  kehrt 
je  nach  der  Kontur  des  rautenförmigen  Ornamentes  um.  Die  Technik  ist  also  —  wie  aus  dem  Aussehen  der 
Unterseite  hervorgeht  —  genau  dieselbe,  die  man  bei  gewebten  Stoffen  Broschierung  nennt.  Der  seidene  Grund¬ 
schuss  ist  in  der  Mitte,  wo  die  Brettchenschnüre  auseinandergezogen  sind,  zur  Gänze  sichtbar.  Schussdichte 
23  per  cm.  Ursprüngliche  Breite  unbekannt,  da  das  Seidenband  nur  bis  zum  Silberfaden  erhalten  ist.  Daher 
kommt  der  jetzige  zackige  Umriss  des  Bandes.  Länge  7  cm. 

B  26.  Grab  825.  Taf.  25:1 — 2.  Brettchenband  mit  Effektschuss  aus  Silberdraht,  ohne  ausgesprochene 
Ober-  und  Unterseite.  Alle  Br.,  26(?)  Stück,  ganzseiden,  wurden  nacheinander  in  derselben  Richtung  gedreht 
und  mit  einem  unsichtbaren  Schuss  zusammengewebt.  Der  Silberschuss  geht  niemals  durch  ein  Fach  des 
eigentlichen  Brettchengewebes  hindurch,  sondern  über,  zwischen  und  unter  die  ganzen  Schnüre.  Hierdurch 
wird  das  seidene  Gewebe  aufgebogen  und  bildet  auf  beiden  Seiten  über  der  Silberfläche  ein  Relief.  Dadurch 
wird  die  Musterwirkung  auf  den  beiden  Seiten  umgekehrt,  was  ja  aus  der  beiderseitigen  Aufnahme  hervorgeht. 
Schussdichte  14  per  cm.  Breite  unsicher,  mindestens  13  mm.  Zwei  Stücke  ungefähr  3  cm  lang,  sowie  sehr 
kleine  Fragmente,  alles  mit  Rost  vermischt. 

B  27.  S.  H.  M.  Inv.  Nr.  15448:  2,  Gotland.  Taf.  19:  5.  Brettchenband  aus  zartem  Wollgarn  in  graugrüner 
Farbe,  ob  durch  Grünspan  oder  absichtlich  gefärbt,  lässt  sich  jetzt  nicht  mehr  feststellen.  Das  Band  hat  ein 
Zickzackmuster  mit  Reliefwirkung,  das  durch  individuelle  Drehung  der  Brettchen  erzielt  wurde.  Nur 
ein  Schuss.  In  der  Musterpartie  waren  8  oder  9  Br.  Insgesamt  also  12 — 13  Br.  Da  das  Garn  bei  Berührung 
mit  einer  Nadel  oder  dgl.  stark  zerfiel,  war  es  unmöglich  die  Technik  genau  zu  bestimmen.  Breite  8  mm. 
Länge  ungefähr  11  cm. 

B  28.  Grab  983.  Kleines  Fragment  eines  wollenen  Brettchenbandes,  kaum  2x1  cm  und  äusserst  brüchig. 
Material  dunkles,  relativ  zartes  Wollgarn.  Am  Rand  kann  man  deutlich  eine  dichte  vierfädige  Brettchenschnur 
mit  fester  Schnurrichtung  erkennen.  Die  übrigen  3  oder  4  Schnüre  sind  loser,  bestehen  aus  weniger  Fäden 
und  sind  nach  verschiedenen  Richtungen  gedreht.  Vom  Schuss  keine  Spur.  Möglicherweise  B  27  ähnlich 
gewesen. 


DIE  HERKUNFT  DER  BRETTCHENBÄNDER. 

Wohin  soll  man  nun  diese  Brettchenbanderzeugung  verlegen?  Ist  sie  einheimisch 
oder  haben  wir  es  mit  Importware  zu  tun?  Beides  zugleich  ist  nämlich  kaum  denkbar, 
weil  der  Bestand  so  weitgehend  einheitlich  ist,  dass  eine  scharfe  Abgrenzung  nicht 
möglich  ist.1  Auch  die  von  der  Hauptmasse  abweichenden  Exemplare  —  B  24 — 26  — 

1  Von  den  vereinzelt  dastehenden  Wollbändern,  B  27 — 28,  sehe  ich  bei  dieser  Erörterung  ab. 


BÄNDER 


91 

sind  im  Grossen  und  Ganzen  so  ähnlich  den  übrigen,  dass  man  keinen  Grund  hat  anzu¬ 
nehmen,  dass  sie  irgendwoanders  erzeugt  worden  sein  sollten  als  die  übrigen  Bänder. 

Geht  man  davon  aus,  dass  alle  diese  Bänder  importiert  worden  sind,  so  sollten  wohl 
auch  irgendwoanders  erhaltene  Exemplare  genau  derselben  Gattung  zu  finden  sein, 
die  uns  einen  Fingerzeig  für  den  Erzeugungsort  geben  könnten.  Dies  ist  aber,  soweit 
ich  weiss,  kaum  der  Fall. 

Nun  sind  viele  Belege  für  die  verschiedenen  Gattungen  der  Brettchenweberei 
aus  allen  Zeiten  sowohl  in  den  skandinavischen  Ländern  wie  auch  im  übrigen  Europa 
bekannt.  In  Asien  kommt  ja  die  Technik  recht  oft  vor,  wie  aus  der  bekannten  Arbeit 
von  Lehmann-Filhes  hervorgeht,  aber  leider  liegt  keine  systematische  Untersuchung 
vor  und  von  vorgeschichtlichen  Funden  weiss  man  kaum  etwas.  Eine  Ausnahme 
davon  machen  einige  von  Sir  Aurel  Stein  gefundene  Borten  aus  Miran  in  Ostturkestan, 
ins  8. — 9.  Jhdt.  datiert,  worunter  die  eine  eine  auffallende  Ähnlichkeit  mit  der  2 — 3 
Jahrhunderte  älteren  norwegischen  Figurenborte  aus  „Snartemo  II“  zeigt1;  mit  un¬ 
seren  Bändern  hat  sie  aber  keine  Ähnlichkeit.  Man  sollte  nun  glauben,  dass  die  Erde 
Russlands  interessantes  Vergleichsmaterial  birgt;  in  der  Literatur,  die  mir  zugänglich 
war,  konnte  ich  doch  nichts  dergleichen  finden.  Woraus  man  jedoch  nicht  schliessen 
darf,  dass  bei  gründlichen  Untersuchungen  nicht  noch  etwas  zu  finden  wäre. 

Buchillustrationen  und  literarische  Quellen2  belehren  uns,  dass  Borten  und  beson¬ 
ders  solche  mit  Goldeffekten  an  Kleidern  der  karolingischen  Zeit  recht  reichlich  vor¬ 
kamen;  doch  werden  über  Technik  und  Muster  keine  Angaben  gemacht  und  gerade 
aus  dieser  Zeit  scheinen  kaum  einige  Bänder  auf  kontinentalem  Gebiet  bekannt  zu 
sein.  Ebenso  vereinzelt  ist  die  interessante  Mitteilung,  dass  es  im  Kaiserlichen  Palast 
zu  Byzanz  eine  Bandweberei  gegeben  hat,  die  Goldborten  für  Festkleider  herstellte.3 
In  dem  zugänglichen  Vergleichsmaterial  sind  merkwürdiger  Weise  die  grössten 
Ähnlichkeiten  mit  kontinentalen  Bändern  späteren  Datums  zu  finden;  das  gilt  sowohl 
für  das  Material  als  auch  für  die  Technik. 

Die  vielen  vorgeschichtlichen,  meistens  älteren  Funde  im  Norden  inkl.  Schleswig- 
Holstein  und  Baltikum  zeigen  dagegen  beim  ersten  Studium  wenig  direkte  Ähnlich¬ 
keit  mit  den  Birkabändern.  Die  grösste  Verschiedenheit  liegt  freilich  darin,  dass  alle 
diese,  zweifellos  einheimischen  Brettchenbänder  aus  Wolle  sind;  aus  dieser  Verschie¬ 
denheit  jedoch  zu  weitgehende  Schlüsse  zu  ziehen,  davor  muss  man  sich  hüten.  Das 
Aussehen  der  Bänder  hängt  ja  in  hohem  Grade  hiervon  ab.  Das  Seidenmaterial 
kann  wohl  eingeführt  worden  sein.  Ausserdem  eignet  es  sich  mehr  für  die  eine  als 
für  die  andere  technische  Variante.  In  technischer  Hinsicht  gehören  aber  die  älteren 
nordischen  Brettchenbänder  zu  sehr  verschiedenen  Gattungen  und  weisen  unter 
einander  so  kunstvolle  Variationen  auf,  dass  man  sich  sehr  gut  einen  Teil  als  Vorsta¬ 
dium  der  Birka-Erzeugung  vorstellen  kann. 


1  Björn  Hougen,  Snartemofunnene,  Taf.  XIII,  und  Abb.  173  bei  V.  Sylwan,  Fornvännen  1926. 

2  Einen  ausführlichen  Bericht  gibt  Girke,  Die  Tracht  der  Germanen  in  der  vor-  und  frühgeschichtlichen  Zeit. 

3  Ebersolt,  Les  arts  somptuaires  de  Byzance,  S.  5. 


92 

Technischer  Überblick. 


SIEBENTES  KAPITEL 


Um  die  folgende  Erörterung  zu  verdeutlichen,  dürfte  es  hier  am  Platze  sein, 
einen  Überblick  über  das  hieher  gehörige  Vergleichsmaterial  vom  technischen  Ge¬ 
sichtspunkt  aus  zu  geben. 

Gruppe  I.  Die  gebräuchlichste  und  sicher  ursprünglichste  Technik  hat  gleich- 
mässige  Schnurvorrichtung,  durch  regelmässige  Vierteldrehungen  zwischen  jedem 
Schuss  erzielt.  Hiervon  gibt  es  zwei  Variationen: 

A.  Alle  Brettchen  sind  ganz  gleich  eingefädelt,  wodurch  die  Drehung  der 
Schnüre  gleich  (nach  einander)  wird  und  das  Gewebe  eine  ebenmässige,  diagonale 
Textur  erhält. 

B.  In  jedem  zweiten  Brettchen  werden  die  Fäden  in  anderer  Richtung  als  in 
den  danebenliegenden  Brettchen  eingefädelt,  wodurch  die  Schnüre  paarweise  ge¬ 
dreht  werden:  die  Oberfläche  erhält  so  eine  flechtenähnliche  oder  tricot-artige  Textur. 

Die  Möglichkeiten  zum  Variieren  des  Musters  sind  hier  ziemlich  begrenzt.  Nur 
der  Länge  nach  verlaufende  Streifen  und  äusserst  einfache  geometrische  Muster  in 
verschiedenen  Farben  können  erreicht  werden.  Grössere  Variationsmöglichkeiten 
kann  man  durch  Verwendung  eines  besonderen  Effektschusses  erhalten,  der  entweder 
über  die  ganze  Breite  des  Bandes  verläuft  oder  stellenweise  durchgezogen  wird  — 
also  der  Lancierung  bzw.  Broschierung  des  gewöhnlichen  Gewebes  entspricht.  (Bis¬ 
weilen  können  Lancierung  und  Broschierung  zugleich  Vorkommen.) 

Gruppe  II.  Ohne  Verwendung  eines  besonderen  Schusses  können  indessen 
reichere  Muster  durch  individuelle  Drehungen  der  Brettchen  erzielt  werden  —  ein 
viel  komplizierteres  Verfahren.  Auch  hier  sind  zwei  Typen  zu  unterscheiden. 

A.  Die  Brettchen  werden  zweifarbig  eingefädelt,  zwei  Fäden  von  jeder  Farbe. 
Sie  werden  regelmässig  mit  Vierteldrehungen  bewegt,  abwechselnd  zwei  Mal  hin 
und  zwei  Mal  zurück.  Durch  halbe  oder  grössere  Drehungen  erreicht  man  Wechsel 
der  Farben.  Resultat  ist  eine  Art  Doppelgewebe  mit  reziproken  Farbeneffekten. 
Die  Fläche  erhält  eine  diagonale  Textur,  die  im  Anschluss  an  die  Konturen  des 
Mustesr  wechselt.  Diese  Texturveränderungen  ermöglichen  es,  das  Muster  zu  unter¬ 
scheiden,  auch  dann  wenn  keine  Farbe  mehr  da  ist.  Vgl.  Taf.  24:4. 

B.  Durch  die  4  Löcher  der  Brettchen  werden  Fäden  von  ebensoviel  Farben  ge¬ 
fädelt.  Indem  man  nun  die  Brettchen  ganz  individuell  dreht  oder  sie  zwischen  zwei 
Schüssen  still  stehen  lässt,  lassen  sich  beträchtliche  Variationsmöglichkeiten  zur  Bil¬ 
dung  von  Mustern  gewinnen. 

Der  einfache  Typus  I  A  und  vor  allem  B  scheint  in  der  römischen  Eisenzeit  der 
vorherrschende  gewesen  zu  sein:  z.  B.  der  Torsberger  Mantel,  ähnliche  Stücke  aus 
Gjejte  und  Blindheim  in  Norwegen1  sowie  das  einzige  schwedische  Beispiel  aus  dieser 

1  Stettiner  und  Hougen,  a.  a.  O.,  Taf.  X:  4  und  XII:  2. 


BÄNDER 


93 


Zeit,  das  kleine  Fragment  aus  Öremölla  in  S.  H.  M.,  Stockholm.1  Ausserdem  kommt 
er  ja  noch  lange  nachher  vor  und  zwar  sowohl  als  konstruktive  Webekante  während 
der  ganzen  Eisenzeit  als  auch  als  einzelne  Borte  in  unserer  Volkskunst  bis  in  die  heu¬ 
tigen  Zeiten. 

Der  eine  Typus  der  anderen  Gruppe,  II  A,  ist  in  erster  Linie  durch  die  mit  Fi¬ 
guren  verzierte  Borte  vertreten,  die  den  Ärmel  des  Torsbergfundes  einfasst.  Die 
drei  übrigen  bekannten  Beispiele  stammen  aus  der  norwegischen  Völkerwanderungs¬ 
zeit:  Evebö  und  Snartemo  II  sowie  das  kleine  Fragment  aus  Seetrang.2  Uber  den 
Typus  II  B  wurde  vor  kurzem  von  Hougen  durch  seine  Veröffentlichung  der  pracht¬ 
vollen,  vierfarbigen  Borte  aus  Snartemo  V  und  des  beinahe  gleichen  Stückes  aus 
övre  Berge  Klarheit  geschaffen.3  Im  übrigen  dürfte  diese  schwierige  und  heikle 
Technik  relativ  unbekannt  sein.  Möglicherweise  kommt  eine  einfachere  Form  hier¬ 
von  in  Lettland  vor:  in  einem  späteisenzeitlichen  Grabfunde  und  vor  allem  in  einer 
Reihe  von  Bauernarbeiten. 

Die  Brettchenweberei  scheint  übrigens  im  ganzen  ostbaltischen  Gebiet  allgemein 
gebräuchlich  gewesen  zu  sein  —  sicher  schon  vom  1 1 .  Jhdt.  an  bis  herauf  auf  die 
heutige  Zeit.1  Zur  Gruppe  II  A  gehören  offenbar  die  von  Appelgren-Kivalo5  ab¬ 
gebildeten  Bänder  aus  einem  Frauengrab  in  Pernio  im  Regierungsbezirk  Abo  aus 
dem  12.  Jhdt.  Die  Oberfläche  scheint  die  diagonale  Textur  aufzuweisen.  Dasein¬ 
fache  Muster  aus  Vierecken  wurde  wahrscheinlich  ebenso  wie  Typus  II  A  verfertigt 
und  nicht,  wie  der  Verfasser  annimmt,  „durch  Handpressung“  hervorgerufen. 

Um  die  Liste  der  aus  der  nordischen  Eisenzeit  bekannten  Brettchenbänder  zu  ver¬ 
vollständigen,  sollen  hier  noch  zwei  Beispiele  erwähnt  werden.  Erstens  das  hier 
als  Nr.  B  27  (Taf.  19:  5)  veröffentlichte  Band  aus  Gotland  und  zweitens  ein  zum  dä¬ 
nischen  Mammenfund  gehöriges,  abgebildet  von  Margrete  Haid.6  Beide  sind  aus 
Wolle.  In  keinem  der  beiden  Fälle  konnte  eine  vollständige  technische  Analyse 
durchgeführt  werden,  aber  soviel  ist  klar,  dass  die  einfachen  Muster,  die  jetzt  nur 
noch  durch  den  Wechsel  der  Textur  hervortreten,  durch  individuelle  Drehung  der 
Brettchen  erzielt  wurden. 


Die  Möglichkeiten  zu  reichhaltigerer  Musterung  mittels  Broschierung  oder  be¬ 
sonderen  Effektschusses,  die  ja  für  die  Birkabänder  charakteristisch  sind,  kamen  vor 
allem  im  späterem  Mittelalter  zur  Verwendung.  Solche  Bänder  finden  sich  oft  auf 
liturgischen  Gewändern  und  in  fürstlichen  und  bischöflichen  Gräbern  des  12. — 14. 

1  Die  Verf.  vorbereitet  eine  Veröffentlichung  darüber  in  Fornvännen. 

2  Die  beiden  ersteren  veröffentlicht  von  Dedekam,  To  textilfund  fra  folkevandringstiden.  Vgl.  Hougen,  a.  a.  O., 
Taf.  XVII:  4  und  Taf.  XIII:  2  sowie  Taf.  X:  6. 

3  Hougen,  a.  a.  O.,  Taf.  XVII:  4,  XIII:  2  und  X:  6. 

4  Tyyni  Vahter,  Der  späteisenzeitliche  Mantel  im  Ostbalticum,  Congressus  Secundus  Archeologorum  Balticorum 
Rigae  19. — 23. VIII.  1930,  und  H.  Kurrik,  Brettchenweberei  in  Estland,  Eesti  rahva  muuseumi  aastaraamat  VII. 

5  Finnische  Trachten  aus  der  jüngeren  Eisenzeit,  Helsingfors  1907;  Taf.  VIII  und  XII. 

6  Brikvaevning  i  danske  Oldtidsfund,  Abb.  n,  b  u.  c.  Aarböger  1930. 


94 


SIEBENTES  KAPITEL 


Jhdts.  Einige  der  bekanntesten  Fundstätten  sind  Sens,  Canterbury,  Lund,  Speyer 
und  Worms.1  In  Braunschweig  wurde  im  Grabe  der  Herzogin  Mathilde,  Gemahlin 
Heinrichs  des  Löwen,  gest.  1189,  ein  sehr  gut  erhaltenes,  schmales  Band  aus  roter 
Seide  mit  gesponnenem  Gold  gefunden.  Ausser  zahlreichen  deutschen  Paramenten 
aus  dem  14.  Jhdt.2  mögen  auch  folgende  Stücke  erwähnt  werden:  S.  Regnoberts 
Ornat  im  Dom  von  Bayeux  und  in  Schweden  einzelne  Bänder  aus  der  Clemens- 
Kirche  in  Visby  und  aus  der  Klosterkirche  in  Alvastra  aus  dem  13  Jhdt.3  (Taf.  24: 
1 — 2).  In  schwedischen  Kirchen  sind  mehrere  mit  Brettchenbändern  verzierte,  spät¬ 
mittelalterliche  Textilien  erhalten,  die  wahrscheinlich  alle  einheimisch  sind.  Dass  die 
Technik  im  Kloster  zu  Vadstena  in  Gebrauch  stand,  wird  durch  ein  erhaltenes  Beispiel 
bewiesen.4  In  den  jüngeren  dieser  Bänder,  z.  B.  dem  Alvastraband,  kommen  nebst 
dem  die  ganze  Obserseite  verdeckenden  Goldschuss  stellenweise  Broschierungen  in 
Farben  vor  —  meiner  Meinung  nach  eine  Vereinfachung  der  älteren  Methode  des 
Farbenwechsels,  gemäss  Typ  II.  Ältere  Bänder  dieses  Typs  sind  selten,  weshalb  hier 
ein  Bericht  der  mir  bekannten  Beispiele  folgt. 

Beim  ersten  Anblick  ist  ein  Goldband  des  dänischen  wikingerzeitlichen  Fundes 
von  Mammen  mit  den  Birkabändern  identisch.  Es  besteht  aber  ein  Unterschied: 
das  Gold  ist  gesponnen.5 6  Dieselbe  Sorte  findet  sich  in  dem  äusserst  wichtigen  Band, 
dessen  gewebte  Inschrift  erzählt,  dass  es  die  Königin  Hemma,  die  Gemahlin  Lud¬ 
wigs  des  Deutschen,  dem  Bischof  Witgarius  von  Augsburg  (858 — 887)  schenkte.® 
Zusammen  mit  diesem  „Gürtel“  wurde  auch  ein  Band  aus  einheitlich  roter  Seide 
mit  ähnlicher  Inschrift  erhalten,  das  mittels  Brettchen  nach  Typus  II  A  ohne  Bro- 
schierung  hergestellt  wurde.  Auf  den  berühmten  Bamberger  Kleidern,  die  vom  König 
Heinrich  II.  und  seiner  Königin  Kunigunde  stammen,  sind  Bänder,  die  mir  nahezu 
völlig  mit  dem  Wiener  Band  (Taf.  24)  übereinzustimmen  schienen,  d.  i.  dem 
Typus  II  A  mit  Broschierung.  Dieselbe  Sorte  mit  etwas  abweichendem  Muster  er¬ 
kannte  ich  unter  den  Überresten  der  Grabgewänder  des  Bischofs  Aribo  von  Mainz 
(gestorben  1031)  wieder.7 


1  W.  H.  St.  John  Hope,  Vetusta  monumenta,  Vol.  VII.  E.  Chartraire,  Insignes  episcopaux  et  fragments  de  vete- 
ments  liturgiques.  Rydbeck-Fürst-Brantinc,  Ärkebiskop  Andreas  Sunessons  grav  i  Lunds  domkyrka. 

2  Marie  Schuette,  Gestickte  Bildteppiche  und  Decken  des  Mittelalters. 

3  Veröffentlicht  von  der  Verfasserin  in  Fornvännen  1928.  Die  dort  gegebene  Beschreibung  des  Alvastrabandes  ist 
fehlerhaft.  Das  Band  ist  sicher  zur  Gänze  mittels  Brettchen  hergestellt;  seine  schüttere  Beschaffenheit  muss  sich  daraus 
erklären,  dass  ebenso  wie  in  den  Birkabändern  ein  Teil  der  Kettenfäden  aus  Flachs  war  und  ebenso  wie  der  Schuss  ver¬ 
modert  ist. 

4  Branting-Lindblom,  Medeltida  vävnader  och  broderier  i  Sverige,  Bd.  1,  Stockholm  1928,  Taf.  76. 

6  Worsaae,  Mammenfundet,  Aarböger  1869.  —  Vivi  Sylwan  hat  in  Fornvännen  1926,  S.  242  angenommen,  dass 
dieses  Band  zu  der  berühmten  Palermoerzeugung  gehört,  eine  Anschauung,  die  ich  infolge  der  unten,  Fussnote  7, 
dargelegten  Gründe  nicht  teilen  kann. 

6  Veröffentlicht  von  Joseph  Braun,  Die  liturgische  Gewandung,  S.  110,  Abb.  49 — 50.  Jetzt  ist  es  im  Maximi¬ 
lianmuseum  von  Augsburg  aufbewahrt. 

7  Wegen  der  Übereinstimmung  des  Musters  mit  den  Palermoborten  teilt  Dr.  Garger  das  Wiener  Band  derselben  Er¬ 
zeugung  zu.  (Mündliche  Äusserung,  vgl.  oben  S.  81  und  Th.  Kutschmann,  Meisterwerke  sarazenisch-normannischer 
Kunst  in  Sizilien  und  Unteritalien,  Berlin  1900.)  Ich  möchte  aber  eher  glauben,  dass  diese  Brettchenborte  —  sowie  z.  B. 
die  Bamberger  Stücke  —  eine  anderswo  hergestellte  Nachbildung  der  berühmten  Palermoborten  ist,  die  ja  wirklich  gewebt 


BÄNDER 


95 


Indessen  kommen  andere  broschierte  Brettchenborten  bedeutend  früher  vor  — 
in  der  norwegischen  Völkerwanderungszeit.  Es  ist  dies  die  von  Dedekam  veröffent¬ 
lichte  Borte  aus  Evebö  mit  Fabeltieren  in  rechteckigen  Feldern  sowie  das  ganzbro¬ 
schierte  Band  aus  Snartemo  V.1  Aber  die  hier  auftretende,  sehr  eigentümliche 
Broschierungstechnik  hat  weniger  Ähnlichkeit  mit  anderen  Brettchenwebereien  als 
mit  jenen  Wirktechnikarten,  die  auf  den  norwegischen  und  schwedischen  Bildwe¬ 
bereien  der  Wikingerzeit  gebräuchlich  sind  (Vgl.  S.  49.)  Dagegen  ist  die  breite 
Borte  aus  Helgeland3  wie  eine  gewöhnliche  Broschierung  hergestellt  —  dass  die 
Ornamente,  wie  es  der  Verfasser  für  möglich  hält,  mit  der  Nadel  auf  das  fertige  Band 
gestickt  wurden,  halte  ich  nicht  für  wahrscheinlich.  Nahezu  dieselbe  Broschierungs¬ 
technik,  mit  Bronzedraht  ausgeführt,  habe  ich  im  lettischen  Nationalmuseum  von 
Riga  an  einer  mit  Brettchen  gewebten  Borte  einer  Decke  aus  Dundaga  in  Kurland 
vorgefunden,  die  aus  der  jüngeren  Eisenzeit  stammt. 

Aus  dem  hier  gegebenen  kurzen  Überblick  dürfte  deutlich  hervorgehen,  dass  die 
nordische  Brettchenwebekunst  bereits  frühzeitig  eine  hohe  Entwicklungsstufe  er¬ 
reicht  hatte  und  die  meisten,  auch  die  schwierigsten  technischen  Varianten  be¬ 
herrschte. 

Literarische  Quellen,  Muster  und  Material. 

Die  Nachrichten,  die  man  in  den  isländischen  Sagas,  den  Volksliedern  und  der 
übrigen  alten  Literatur  finden  kann,  sind  zahlreich  und  interessant,  doch  in  welchem 
Mass  sie  als  Erkenntnisquellen  für  das  Schweden  der  Wikingerzeit  und  besonders 
für  Birka  verwendet  werden  können,  ist  begreiflicher  Weise  schwer  zu  bestimmen. 
Uber  die  wichtigsten  sei  hier  jedoch  berichtet.  Hiebei  stütze  ich  mich  auf  Hj.  Falk 
und  besonders  auf  Sofus  Larsen.3 

sind.  Eine  ausgezeichnete  Rekonstruktion  der  verwickelten  Technik  einer  solchen  Borte,  die  ich  im  Wiener  Museum 
studieren  konnte,  hat  meine  diesbezügliche  Auffassung  verstärkt.  Es  kommt  mir  unwahrscheinlich  vor,  dass  man  sich 
innerhalb  desselben  Gebietes  zur  Erreichung  desselben  Zweckes  und  desselben  Effektes  zweier  so  grundverschiedener  Tech¬ 
nikarten  bedient  hätte.  Man  hat  nämlich  nicht  nur  das  Muster,  sondern  auch  das  köperartige  Aussehen  der  Goldfläche 
kopiert.  Alles  ist  aber  so  geschickt  gemacht,  dass  es  an  einem  Ort  mit  hochentwickelter  gewerbsmässiger  Kunstfertigkeit 
erzeugt  worden  sein  muss. 

Gargers  Annahme  würde  voraussetzen,  dass  die  Brettchenweberei  in  den  Werkstätten  von  Palermo  üblich  war. 
Diese  Auffassung  wird  von  Vivi  Sylwan  geteilt  (Fornvännen  1926),  die  sich  hiebei  auf  Äusserungen  von  Plinius  und  Ibn- 
Dsjubeir  stützt.  Die  Stelle  bei  Plinius  lautet: ,,. . .  plurimis  vero  liciis  texere  quae  polymita  appellant,  Alexandria  instituit, 
scutulis  dividere  Gallia“,  übersetzt:  „Alexandria  führte  das  Weben  mit  sehr  viel  Litzen  ein,  die  Polymita  genannt  werden, 
Gallien  das  Weben,  wo  mit  kleinen  Schildern  geteilt  wird.“  Die  Notiz  bezieht  sich  auf  das  ganze  römische  Reich  und  meint 
offenbar  zwei  verschiedene  Webarten,  von  denen  die  letztere,  die  Brettchenweberei  für  eine  Spezialität  Galliens  angesehen 
wurde  —  eine  ausserordentlich  interessante  Angabe,  wenn  man  gleichzeitig  bedenkt,  wie  reichlich  dieselbe  Technik  auf 
nordischem  Boden  vorkommt.  Als  eine  Antwort  auf  die  Frage,  wo  die  Brettchenweberei  ursprünglich  beheimatet  war, 
wagt  man  diese  Angabe  jedoch  nicht  aufzufassen.  Dagegen  dürfte  die  um  mehr  als  1100  Jahre  jüngere  Mitteilung  des- 
arabischen  Geografen,  dass  fränkische  Mädchen  in  den  Werkstätten  von  Palermo  beschäftigt  waren,  kaum  als  Beweis  für 
die  Verwendung  der  Technik  in  Palermo  angesehen  werden  und  irgend  ein  anderer  schwerwiegender  Grund  für  diese  An¬ 
nahme  dürfte  kaum  zu  finden  sein. 

1  Hougen,  a.  a.  O.,  Taf.  XVI,  Abb.  183. 

2  Hougen,  Helgelandsfundet,  Stavanger  Museums  Ärshefte  1930 — 1932,  und  Snartemofunnene,  S.  83. 

3  Hj.  Falk,  Altwestnordische  Kleiderkunde,  Kristiania  1919,  S.  32 — 35,  und  Sofus  Larsen,  Kvindeligt  Haandar- 
bejde  i  Middelalderen  med  saerligt  Hensyn  til  Folkeviserne,  Aarböger  1915. 


96 


SIEBENTES  KAPITEL 


Es  ist  auffallend,  wie  oft  in  den  Sagas  sowohl  als  auch  insbesonders  in  den  Volks¬ 
liedern  von  Arbeit  mit  Gold  gesprochen  wird  —  man  spinnt,  zwirnt,  wirkt,  webt 
und  säumt  mit  Gold.  Das  isländische  Wort  für  Schmuckband  heisst  hlad  und  deren 
Beschreibung  u.  s.  w.  stimmt  oft  mit  den  unsrigen.  Solche  Bänder  aus  Gold,  aber 
auch  aus  Seide  und  Silber,  werden  sehr  oft  als  Besatz  für  Kleider  oder  als  Kopfbän¬ 
der  für  Frauen  wie  für  Männer  erwähnt.  Die  Angabe  der  Orkneyinga  Saga,  Kap. 
80,  dass  solche  Stirnbänder  für  die  fränkischen  Mädchen  charakteristisch  waren  er¬ 
scheint  daher  etwas  widerspruchsvoll.  Es  sei  denn,  dass  sie  diese  Mode  eingeführt 
hätten?  Vergleiche  Gudrunarkvida:  hünskar  meyjar  I  pcers  hlada  spjoldum  I  ok  gara 
gulljagrt ;  hunnische  d.  h.  hier  fränkische  Mädchen  machen  Goldbänder  mit  Brett¬ 
chen. 

Sowohl  importierte  wie  auch  einheimische  Bänder  hat  es  offenbar  gegeben.  Da¬ 
rauf  deutet  der  mehrere  Male  gebrauchte  Ausdruck  norrmt  hlad,  d.  i.  nordisches  Band, 
hin.  Doch  worin  der  Unterschied  lag,  lässt  sich  jetzt  unmöglich  sagen.  Die  Bezeich¬ 
nung  „grüner  Seidenmantel  mit  nordischem  Band“  deutet  auf  jeden  Fall  darauf  hin, 
dass  das  hlad  einheimischer  Erzeugung  gewesen  sein  mochte.  Unwahrscheinlich 
ist  jedenfalls  Falks  Annahme,  dass  die  importierten  Borten  nicht  mittels  Brettchen, 
sondern  auf  einem  sogen.  Webegitter  hergestellt  worden  sein  sollten.1 

Bezüglich  des  Erzeugungsortes  der  Birka-Bänder  können  aus  dem  Voran  ge¬ 
gangenen  zum  mindesten  folgende  Schlüsse  gezogen  werden.2  Wenn  man  im  Island 
der  Saga-Zeit  Brettchenbänder  aus  Gold  und  Seide  herstellen  konnte,  liegt  die  An¬ 
nahme  nahe,  dass  man  ein  oder  auch  ein  paar  Jahrhunderte  früher  in  Schweden  und 
besonders  in  Birka  mit  seinem  hochentwickelten  Handwerk  und  seinen  lebhaften 
Aussenhandelsverbindungen  hierzu  imstande  war.  Die  älteren  norwegischen  und  die 
übrigen  nordischen  Funde  bestärken  uns  in  unserer  Überzeugung  von  dem  hohen 
Stand,  den  dieser  Zweig  des  textilen  Kunstgewerbes  auf  unserem  Boden  erreicht  hatte. 

Die  Mustermotive  wurden  bisher  nicht  behandelt,  da  sie  nur  wenig  zur  Klärung 
des  vorliegenden  Problemes  beitragen.  Die  rein  geometrischen  Formen,  wie  sie  hier 
am  gebräuchlichsten  sind,  Abb.  19  a — i,  20  a,  b,  e,  mit' einfachen  oder  zu  „Tierköpfen“ 
oder  dgl.  ausgestalteten  Hakenkreuzen,  mit  kreuzförmigen  Sternen,  Winkeln  usw. 
sind  im  Grossen  und  Ganzen  identisch  mit  der  textilen  Ornamentik,  die  ihre  Blütezeit 
am  Kontinent  während  des  12.  bis  14.  Jhdts.  hatte  und  deren  Nachwirkungen  bis 
auf  die  heutige  Zeit  in  der  Volkskunst  zu  erkennen  sind.  Als  Beispiele  für  diesen 
sogen,  germanischen  Stil3  seien  hier  nur  folgende  erwähnt:  Goldborten  wie  die  aus 
Sens,  die  Stickereien  des  Gösser  Ornats  und  die  etwa  zeitgenössischen  schwedischen 

1  Offenbar  hat  Falk  (a.  a.  O.,  S.  34)  die  von  Lehmann-Filhes  (a.  a.  O.,  S.  15 — 16)  gegebenen  Berichte  über  die 
damals  (1901)  noch  sehr  wenig  bekannte  deutsche  Brettchenweberei  nicht  beachtet. 

2  Es  gibt  also  sichere  Beweise  dafür,  dass  die  Brettchentechnik  in  Gallien  zur  Zeit  des  Plinius  in  Gebrauch  stand, 
wahrscheinlich  auch  früher,  ferner  dass  die  verfeinerten  und  komplizierten  Varianten  derselben  auf  westnordischem  Ge¬ 
biete  seit  dem  4.  Jhdt.  und  im  Ostbaltikum  mindestens  seit  dem  1 1.  Jhdt.  bekannt  sind. 

8  O.  v.  Falke.  Kunstgeschichte  der  Seidenweberei  II,  S.  44. 


BÄNDER 


97 


Hohlgewebe,  norwegische  Weissstickereien  der  Volkskunst  und  schwedische  Bauern¬ 
bänder  aus  Dalarna,  Mantelborten  der  ostbaltischen  Volkstrachten  sowie  die  bro¬ 
schierten  Krabbasnär-Gewebe  aus  Schweden  und  Norwegen.1 

Das  einförmige  Flechtband-Motiv  Abb.  20  b  ist  viel  zu  einfach,  um  als  Vergleich 
dienen  zu  können.  Indessen  möge  hervorgehoben  werden,  dass  das  charakteristische 
Teilen  des  Musters  durch  Querstreifen,  wie  es  auf  dem  Teppich  aus  Skog  und  auf 
gewissen  Bändern  aus  Leksand  vorkommt,  wozu  Salven  britische  Parallelen  gefunden 
hat,  bei  den  Birkabändern  ganz  unbekannt  ist.2 

Den  Birkabändern  vielleicht  am  nächsten  stehen  in  Zeit  und  Raum  die  ostbaltischen 
Mäntel  aus  dem  Ende  der  Eisenzeit.  Die  in  dem  Wollstoff  mittels  schmalen  Bronze¬ 
streifen  oder  Blättchen  eingearbeiteten  Streuornamente  sind  gerade  solche  mehr  oder 
weniger  reich  ausgebildete  Svastiken  oder  andere  komplizierte  Kreuzformen,  die  so¬ 
wohl  an  die  Ornamente  der  Birkabänder  wie  auch  an  die  Goldknoten,  Taf.  28:  8, 
erinnern.  Diese  ostbaltischen  Mäntel  sind  aber  jünger  als  die  Birkazeit  (sie  stammen 
im  allgemeinen  aus  dem  11.  bis  13.  Jhdt.).  Es  ist  auch  nicht  unwahrscheinlich,  dass 
sie  als  Nachklang  der  Birkakultur  zu  betrachten  sind. 

Frühere  nordische  Beispiele  für  diese  Hakenkreuzornamentik  finden  wir  in 
norwegischen  Funden  der  Völkerwanderungszeit:  den  Borten  aus  O'vre  Berge,  Snarte- 
mo  und  Helgeland,  deren  Muster  aber  auch  andere  Motive  enthalten.3  Auch  auf 
den  fragmentarischen,  broschierten  Wollgeweben,  die  sowohl  in  Oseberg  wie  in  Birka 
gefunden  wurden  (vgl.  S.  56),  scheint  ungefähr  dieselbe  Ornamentik  verwendet 
worden  zu  sein.  Schliesslich  sei  auch  auf  das  schon  erwähnte  Goldband  aus  dem 
dänischen  Mammenfund  hingewiesen,  das  den  Birkabändern  auch  technisch  sehr 
nahe  steht. 

Nicht-geometrische  Muster  wie  Abb.  20  c  und  d  gehören  auch  bei  anderen  gemus¬ 
terten  Bändern  zu  den  Ausnahmen.  Es  gibt  jedoch  Beispiele,  die  einen  intimen  Zu¬ 
sammenhang  mit  dem  kontinentalen  geometrischen  Stil  aus  dem  12.  und  13.  Jhdt. 
verraten:  es  ist  dies  der  „Gürtel  des  Hl.  Edmund“  in  Sens  und  die  Stola  aus  Arlon, 
beides  Brettchengewebe  mit  ein  broschiertem  Ornament.4  Ein  Goldband  aus  dem  lei¬ 
der  zerstörten  Fund  aus  Rolvsöy  scheint  im  Muster  Pflanzencharakter  gehabt  zu  ha¬ 
ben,  so  wie  einzelne  Bänder,  die  in  den  französischen  Bischofsgräbern  gefunden  wur¬ 
den.5 

Die  Frage  ist  nun,  ob  diese  über  Zeit  und  Raum  weit  verstreuten  und  vereinzelten 
Exemplare  als  Exponenten  einer  während  der  Völkerwanderungszeit  allgemein 

1  Dreger,  Der  Gösser  Ornat.  Vivi  Sylwan,  Kap.  II  über  schwedische  Hohlgewebe  bei  Branting-Lindblom,  I, 
Taf.  11 — 14,  oder  Salven,  Bonaden  frän  Skog,  Abb.  ioo — 104.  Dedekam,  Hvitsöm  fra  Nordmör,  Abb.  4,  83 — 114. 
Emelie  v.  Walterstorff,  Swedish  Textiles,  Abb.  82,  126 — 146,  194.  Kurrik,  a.  a.  O. 

2  Erik  Salven,  Bonaden  frän  Skog,  Stockholm  1923,  Abb.  90,  93,  97. 

3  Hougen,  Snartemofunnene,  Abb.  XIV  und  XVIII,  und  Helgelandsfundet. 

4  Chartraire,  Inventaire  du  Tresor  etc.,  Nr.  1 19,  und  Branting-Lindblom,  a.  a.  O.,  I,  Abb.  25.  J.  Braun,  a.  a.  O., 
Abb.  265. 

5  A.  W.  Brögger,  Rolvsöyaetten,  Bergens  Museums  Aarbok  1920 — 21,  Abb.  16,  und  Chartraire,  Insignes  episco- 
paux  etc.,  Abb.  8,  10  und  23. 

7  —  37823.  Birka  III. 


98 


SIEBENTES  KAPITEL 


gebräuchlichen  Ornamentik  aufzufassen  sind,  die  sich  durch  das  Mittelalter  bis  zur 
textilen  Volkskunst  des  19.  Jhdts.  erhalten  hat.  Wie  verhält  sich  hierzu  die  oben  ange¬ 
führte  kontinentale  Form  dieser  Ornamentik?  Ob  die  Motive  nun  gewandert  sein 
mögen  oder  ob  sich  in  der  Vorzeit  das  Verbreitungsgebiet  weiter  nach  Süden  erstreckt 
haben  mag,  so  erscheinen  beide  Varianten  Zweige  desselben  Baumes  zu  sein.  Auf 
jeden  Fall  muss  man  wohl  die  in  Nordskandinavien  aus  dem  frühen  Mittelalter  er¬ 
haltenen  Hohlgewebe  für  bodenständiger  halten  als  man  es  bisher  getan  hat,  obwohl 
sie  naturgemäss  auch  Spuren  fremder  Einflüsse  tragen.1 

In  dieser  ganzen  Auseinandersetzung  muss  man  jedoch  bedenken,  welch  heikles 
Beginnen  es  ist,  in  diesen  Fall  bestimmte  Schlüsse  zu  ziehen.  Diese  geometrische 
Ornamentik  ist  im  höchsten  Grad  bedingt,  ja,  bisweilen  geradezu  durch  die  textile 
Technik  selbst  geschaffen,  sodass  bestimmte  Ähnlichkeiten  nicht  notwendiger  Weise 
einen  direkten  genetischen  Zusammenhang  erweisen.  Aus  demselben  Grund  ist  ein 
Vergleich  mit  Gegenständen  aus  einem  anderen  Material,  z.  B.  mit  Bronze  wenig 
erfolgversprechend. 


Noch  ein  Gesichtspunkt  für  die  Lokalisierung  der  Erzeugung  bleibt  zu  berück¬ 
sichtigen:  das  Material.  Der  Import  des  Seidenfadens  auf  dem  einen  oder  den 
anderen  Weg  dürfte  ja  keine  Schwierigkeiten  verursacht  haben.  Dasselbe  gilt  offen¬ 
sichtlich  für  den  Gold-  und  Silberdraht.  Nun  ist  aber  die  Sache  die,  dass  er  bis  auf 
einige  unbedeutende  Ausnahmen  von  ganz  anderer  Qualität  ist  als  der,  der  sonst  so¬ 
wohl  zur  selben  Zeit  als  auch  später  vorkommt.  Der  massive  runde  Draht  (aurum 
tractitium),  glatt  oder  in  Spiralen  gewunden,  tritt  so  gut  wie  niemals  in  Westeuropa 
vor  der  Renaissance  auf.  Die  Methode  der  Drahtzieherei  war  im  byzantinischen 
Reich  zu  Hause,  während  die  Römer  gehämmertes  Gold  (aurum  batutum)  hatten, 
aus  den  schmalen  Lamellen  geschnitten  und  um  einen  Seidenfaden  gesponnen  wurden. 
(Vgl.  S.  69  ff.)  Aber  nicht  nur  die  Borten,  sondern  fast  alle  in  der  Birka-Erde  ge¬ 
fundenen  Textilgegenstände  aus  Gold  oder  Silber,  sowohl  Posamenten  als  auch  Sticke¬ 
reien,  sind  aus  Draht  hergestellt.  Es  ist  wenig  wahrscheinlich,  dass  dies  alles  importiert 
worden  sein  sollte.  Ein  Teil  davon  war  wohl  einheimische  Arbeit.  Andrerseits  neigt 
man  ja  zu  der  Ansicht,  dass  ein  Teil  der  Posamenten  und  Stickereien  im  fertigen 
Zustand  aus  dem  Südosten  importiert  wurde.  Die  Kunst  der  Drahtzieherei  hat  man 
jedenfalls  in  derselben  Gegend  erworben,  von  wo  die  fertigen  Schmuckstücke  be¬ 
zogen  wurden.  Diese  Frage  wird  aber  an  anderer  Stelle  eingehender  erörtert.  So¬ 
viel  kann  man  mit  ziemlicher  Sicherheit  behaupten,  dass  in  Schweden  die  Möglich¬ 
keit  bestand,  sich  das  für  die  Brettchenweberei  notwendige  Rohmaterial,  sowohl 
Seiden-  und  Leinengespinst  als  auch  Gold-  und  Silberdraht,  zu  beschaffen. 

1  Vgl.  Vivi  Sylwan,  a.  a.  O.  bei  Branting-Lindblom. 


VIII. 


POSAMENTIERARBEITEN. 


Sinnreiche  Knoten  und  Flechtarbeiten,  für  sich  allein  oder  mit  einander  in 
Kombination,  bisweilen  in  Verbindung  mit  einer  Technik,  bei  der  die  Nadel 
verwendet  wird,  kommen  unter  den  Birkatextilien  reichlich  vor. 

Technisch  ist  diese  Arbeit  ja  nicht  genau  dasselbe,  was  man  in  späterer  Zeit  unter 
dem  Wort  Posamente  (franz.  passement)  versteht.  Da  sie  aber  dem  allgemeinen 
Charakter  nach  mit  jüngeren  Erzeugnissen  dieser  Art  übereinstimmt,  dürfte  es  nicht 
unberechtigt  sein,  dieselbe  Bezeichnung  zu  verwenden. 

Die  Posamentierarbeiten  aus  den  Birkagräbern  bestehen  nun  in  technischer  Hin¬ 
sicht  teils  aus  fortlaufenden  Flechten  mit  verschiedener  Zahl  von  Flechtparten  (siehe 
Abb.  21  a — d),  die  in  der  Regel  frei  „geschlagen“  und  dann  zugezogen  werden,  teils 
auch  aus  dekorativen  Knoten,  die  ja  auch  eher  eine  Art  von  Flechten  als  richtige  zum 
Festbinden  bestimmte  Knoten  sind,  die,  straff  zugezogen,  keine  praktische  Funk¬ 
tion  ausüben  können.  Die  Zierknoten  werden  mittels  eines  oder  zweier  Parten  herge¬ 
stellt,  die  in  Buchten  gelegt  und  dann  der  Reihe  nach  in  einander  eingefädelt  oder 
eingewirkt  werden.  In  einzelnen  Fällen  ist  es  zweifelhaft,  welche  von  beiden  Be¬ 
zeichnungen,  Flechte  oder  Knoten,  die  richtigere  ist. 

Wahrscheinlich  hat  man  sowohl  bei  der  Herstellung  von  Flechten  wie  auch  von 
Knoten  den  Faden  auf  eine  Art  von  Stäben  aufgewickelt  gehabt,  die  zweckent¬ 
sprechender  Weise  so  geschmeidig  gestaltet  gewesen  sein  müssen,  dass  sie  sich  zum 
Wirken  eigneten.  Man  kann  sich  ganz  gut  vorstellen,  dass  die  schönen  Beinnadeln 
von  unterschiedlichen  Formen,  die  man  in  der  Erde  von  Björkö  gefunden  hat  (Taf. 
39),  gerade  für  diesen  Zweck  verwendet  wurden.  Weiter  lässt  sich  annehmen,  dass 
man  in  einzelnen  Fällen  eine  feste  Unterlage  als  Stütze  gehabt  hat,  um  die  „Schläge“ 
fixieren  zu  können,  —  gewissermassen  ein  sehr  einfaches  Gegenstück  zu  den  Klöppel¬ 
kissen  späterer  Zeiten  mit  ihren  Stecknadeln.  Auf  jeden  Fall  ist  die  Ähnlichkeit 
zwischen  den  Flechtborten  P  1 — 7  (Taf.  27)  und  den  einfachsten  Klöppelarbeiten 
auffallend,  obwohl  es  aus  anderen  Gründen  unrichtig  wäre,  diese  Bezeichnung  hier 
anzuwenden.  Bei  allen  „Ausläufern“  werden  nämlich  die  Fäden  hin  und  her  gezogen 
und  nicht  wie  beim  Klöppeln  mit  den  freien  Parten  geschlagen.  Die  Zierknoten 
sind  immer  flach  und  nach  demselben  System  hergestellt,  die  Parten  sind  also  regel¬ 
mässig  über-  und  untereinander  geflochten.  Der  Form  nach  sind  sie  oft  quadratische 


IOO 


ACHTES  KAPITEL 


Oft  kommen  Zusammenstellungen  der  beiden  kleinsten  Knoten  vor  (e  und  g  in 
Abb.  2 1 ). 

Das  Material  in  den  erhaltenen  Posamentierarbeiten  ist  entweder  glattes  Draht¬ 
gold,  oft  recht  grob,  oder  —  seltener  —  Spiralgold  und  nur  in  Ausnahmsfällen  ge¬ 
sponnenes  Gold.  Das  Silber  kommt  dagegen  fast  nur  als  Spiralfaden  vor  (über  das 


Abb.  21.  Vor  kommende  Arten  von  Flechten  und  "Lier  knoten. 

Material  siehe  S.  68),  im  übrigen  in  einer  bemerkenswert  ebenmässigen  Ausführung. 
Ein  einzelnes  Beispiel  wurde  gefunden,  wo  der  Spiralfaden  durch  einen  aus  zwei 
Drähten  gezwirnten  Faden  ersetzt  war.  An  etlichen  Posamenten,  die  aus  Draht  her¬ 
gestellt  sind,  kann  man  —  gleich  wie  an  einem  Teil  der  Stickereien  und  Bänder  — 
deutlich  erkennen,  dass  das  fertige  Erzeugnis  mit  etwas  Hartem,  einem  Hammer  oder 
dgl.,  bearbeitet  wurde,  wodurch  das  Gold  einen  stärkeren  Glanz  erhielt  (P  4  u.  8). 

In  den  meisten  Fällen  ist  der  Faden  doppelt,  d.  h.  jeder  Part  besteht  aus  zwei 
parallel  laufenden  Fäden,  wodurch  die  Flechte,  bzw.  der  Knoten  flacher  und  daher 


POSAMENTIERARBEITEN 


IOI 


dekorativer  wird.  Doch  kommt  bisweilen  sowohl  ein  einfacher  als  auch  ein  drei¬ 
facher  Faden  vor.  Ausserdem  sei  bemerkt,  dass  in  manchen  Fällen  der  Schein  trügt. 
So  ist  der  kleine  Gleitring  P  24  (Taf.  28:  9),  der  dem  Augenschein  nach  wie  eine  drei¬ 
fache  Flechte  mit  drei  Fäden  in  jedem  Part  aussieht,  nicht  im  eigentlichen  Sinne 
geflochten,  wozu  9  Fäden  nötig  gewesen  wären,  sondern  aus  einem  einzigen  zusam¬ 
menhängenden  Faden  gewirkt,  der  9  Mal  rund  herum  geführt  wurde.  Der  Ring 
weist  daher  nur  die  zwei  (zusammengefügten)  Fadenenden  auf,  was  ästhetisch  ge¬ 
sehen  ein  grosser  Vorteil  war.  Diese  Herstellungsart  war  bei  derartigen  Ringen  die 
Regel.  Besonders  schwierig  war  es  ja  mit  dem  Spiraldraht  einen  gefälligen  Abschluss 
zu  machen.  Man  hat  daher  auch  in  anderen  Fällen  (die  Borten  P  13 — 1 5)  getrachtet, 
solche  so  weit  wie  möglich  zu  vermeiden,  indem  man  derart  arbeitete,  dass  man  den 
Faden  zwei  oder  drei  Mal  hin  und  her  gehen  liess,  statt  die  ganze  Breite  der  Flechte 
auf  ein  Mal  fertigzustellen,  was  ja  sonst  das  natürlichste  und  leichteste  wäre. 

Mit  Rücksicht  auf  Form  und  Mass  können  die  Posamenten  in  5  Gruppen  einge¬ 
teilt  werden: 

1)  Fortlaufende  Borten  oder  Schnüre,  die  an  irgend  einem  Stoff  angebracht 
waren;  2)  Randbörtchen,  die  am  Saum  des  betreffenden  Kleidungsstücks  an  genäht 
waren;  3)  Dekorative  Zierknoten,  die  wie  Paillette  u.  dgl.  einem  Stoff  angenäht  wa¬ 
ren;  4)  Zierate  als  Abschluss  an  den  aus  Seiden  genähten,  ziemlich  schmalen  Riemen; 
5)  Gleitknoten,  die  wahrscheinlich  solche  Bänder  oder  Schnüre  aus  Seide  oder  ande¬ 
rem  Garn  verziert  haben. 

P  1.  Grab  798.  Taf.  26:  2.  Flechtenschnur,  flache  Flechtung  aus  5  Parten,  ungefähr  wie  Abb.  21  b  u.  c. 
Feiner  Spiralsilberdraht,  einer  in  jedem  Part.  Breite  2  mm,  grösstes  Stück  7  cm,  im  übrigen  kleine  Fragmente. 
Lag  mit  P  2  beisammen,  mit  dem  es  teilweise  zusammengeklebt  war,  neben  dem  Fragment  einer  unbestimm¬ 
baren  Stoffunterlage.  Das  Silber  ist  stark  oxydiert,  sodass  stellenweise  nur  der  Seidenkern  übrig  geblieben  ist. 

P  2.  Grab  798.  Taf.  26:  1.  Flechtenschnur  aus  sechs  Parten  in  flacher  Flechtung,  Abb.  21  c.  Feiner  Spiral¬ 
silberdraht,  doppelt,  d.  h.  zwei  in  jedem  Part.  Breite  ca.  4  mm.  Fragmente  von  2 — 3  cm  Länge  und  dar¬ 
unter.  Siehe  vorhergehende  Nummer. 

P  3.  Grab  886.  Taf.  26:3.  Flechtenschnur,  hergestellt  aus  5  Parten  wie  aus  Abb.  21  d  hervorgeht.  Ziemlich 
grober  Spiralsilberdraht,  einfach.  Breite  2  1/i  mm.  Erhalten  sind  5  Teilstücke  zu  6 — 12  cm  sowie  kleinere  Frag¬ 
mente. 

P  4.  Grab  644.  Taf.  27:4.  Flechtenschnur,  bestehend  aus  einer  vierfachen  Flechte  mit  einfachen  Aus¬ 
läufern.  Grober  Golddraht,  doppelt.  An  vier  Stellen  ist  der  Draht  derartig  angestückelt,  dass  die  Enden  zwei 
bis  drei  Mal  miteinander  verschlungen  wurden.  Die  Flechtenschnur  ist  kunstlos  durch  Umbiegen  der  Flechte 
abgeschlossen.  Die  Flechte  trägt  hier  und  da  deutliche  Merkmale  von  Schlägen  oder  Reibung,  wodurch  der 
Glanz  des  Goldes  erhöht  wurde.  Breite  1.3 — 1.5  mm,  Länge  (vollständig)  26  cm. 

P  5.  Grab  542.  Taf.  27 :  3.  Flechtenborte,  bestehend  aus  einer  vierfachen  Flechte  mit  einfachen  Aus¬ 
läufern  gleich  den  vorhergehenden,  am  Anfang  jedoch  auch  ein  paar  kreuzförmige  Ausläufer.  Doppelter 
Golddraht,  an  vier  Stellen  wie  der  vorhergehende  angestückelt.  Sorgfältig  mit  einigen  besonderen  Verschling- 


102 


ACHTES  KAPITEL 


ungen  abgeschlossen.  Ebenfalls  nachträglich  abgeplattet.  Breite  mit  den  Ausläufern  8  bzw.  9  mm,  Länge 
(vollständig)  27  cm. 

P  6.  Grab  710.  Taf.  27:5.  Flechtenborte,  bestehend  aus  einer  vierfachen  Flechte  mit  einfachen  Aus¬ 
läufern,  sowie  1  Paar  kreuzförmigen  Ausläufern  am  Anfang.  Silberdraht,  doppelt.  Die  Borte  ist  mit  groben 
Stichen  (Seide)  an  einer  schütteren,  dünnen  Seide  angenäht,  die  teilweise  gerade  liegt,  teilweise  eine  schräg 
verlaufende  Naht  hat.  Breite  1.3 — 2.5  mm.  Drei  Fragmente  von  8.5  (mit  der  Seide  10)  cm,  bzw.  5  und 
4.5  cm  Länge. 

P  7.  Grab  524.  Taf.  27:  2.  Flechtenborte  bestehend  aus  einer  vierfachen  Flechte  mit  abwechselnd  2  Paar 
einfachen  und  1  Paar  kreuzförmigen  Ausläufern.  Doppelter  Golddraht,  an  vier  Stellen  gestückelt.  Der  Anfang 
ist  in  Schlingentechnik  (St  15  etc.)  in  Form  eines  Ringes  und  eines  Stabes  gearbeitet,  wovon  man  unmittelbar 
zum  Flechten  übergegangen  ist.  Breite  bzw.  0.9  und  2.3  cm.  Länge  (vollständig)  28  cm. 

P  8.  Grab  736.  Taf.  27:  1.  Borte,  bestehend  aus  22  St.  kreuzförmigen  Knötchen,  zusammenhängd  mit  3 — 5 
mm  Abstand  geflochten.  Feiner  Golddraht,  doppelt.  Die  Knoten  sind  offenbar  mit  dem  Hammer  bearbeitet 
worden.  Die  ursprüngliche  Länge  lässt  sich  nicht  bestimmen.  An  einer  Stelle  ist  das  Verbindungsglied  ge¬ 
brochen.  Breite  8  mm,  Gesamtlänge  23  cm. 

P  9.  Grab  643.  Taf.  28:5.  Einfache  Borte  aus  kleinen  dreieckigen  Zierknötchen,  Abb.  21  c.  Dop¬ 
pelter  Spiralsilberfaden.  Grösste  Breite  8  mm.  Unabgeschlossen.  Dieselbe  kommt  auch  in  Grab  832  vor. 

P  10  a.  Grab  520.  Taf.  26:4.  Knötchenborte,  bestehend  aus  achterförmigen  Zierknoten  (Abb.  21  g)  anein¬ 
ander  geknüpft.  Doppelter  Spiralsilberfaden,  der  Seidenkern  teilweise  erhalten.  Breite  7  mm.  Gesamtlänge 
ca.  90  cm. 

P  10  b.  Grab  957.  Taf.  27:6.  Knötchenborte  gleich  der  vorhergehenden,  jedoch  mit  schütter  verteilten 
Knoten.  An  dem  einen  Ende,  wahrscheinlich  dem  Anfang  der  Arbeit,  ein  dreizipfliger  Knoten,  gleich  P  23. 
Länge  24  cm,  scheint  vollständig  zu  sein. 

P  10  c.  Grab  832.  Taf.  26:5.  Knötchenborten  gleich  den  beiden  vorhergehenden.  Zusammengeknüllt 
in  Erdklumpen  und  stark  oxydiert. 

Kommt  ausserdem  in  den  Gräbern  427,  524  (vgl.  St  28)  und  976  vor. 

P  11  a.  Grab  944.  Taf.  29:  2  u.  30:  2.  Knötchenborte,  bestehend  aus  abwechselnd  2  St.  dreieckigen  Zierkno¬ 
ten  und  1  achterförmigen  Zierknoten,  welch  letzterer  die  beiden  Parten  verbindet.  Dort  wo  die  Borte  schmäler 
wird,  nur  achterförmige  Knoten.  Spiralsilberfaden,  sehr  angegriffen  und  oxydiert.  Alle  Borten  haben  eine  Un¬ 
terlage  aus  grober  Seide  (S  4),  welche  zum  grössten  Teil  gerade  zugeschnittene,  dem  Augenschein  nach  ur¬ 
sprüngliche  Kanten  hat.  Erhalten  sind  teils  die  auf  Taf.  29  abgebildeten  4  Borten,  jetzt  auseinander  gewickelt 
und  aufmontiert,  teils  ein  Erdklumpen,  der  mindestens  noch  ein  derartiges  Stoffstück  enthält  sowie  Spuren  einer 
Stickerei  aus  Seide  auf  einem  schütteren,  dünnen  Stoff  als  Einfassung.  Siehe  St  2.  Die  Breite  der  Knötchen¬ 
borte  ungefähr  1.3  cm.  Die  festgenähten  Borten  23,  18,  14  und  8  cm,  zwei  an  dem  einen  Ende  schmäler 
werdend. 

P  11  b.  Grab  944.  Taf.  29:1.  Knötchenborte  gleich  den  vorhergehenden.  Der  Silberfaden  ist  hier  besser 
erhalten,  was  möglicherweise  auf  einer  anderen  Lage  im  Grabe  beruhen  kann.  Sie  wird  nach  dem  einen  Ende 
zu  schmäler,  wobei  man  zuerst  2  Mal  die  dreieckigen  Zierknoten  gegen  ebensolche  aus  einfachen  Fäden  aus¬ 
getauscht  und  dann  nur  achterförmige  Knoten  geschlagen  hat.  Die  Borte  ruhte  auf  einem  dünnen  mit  Bindungs- 


POSAMENTIERARBEITEN  1 03 

effekten  gemusterten  Seidenstoff  (S  2),  an  dem  sie  angenäht  war.  Breite  1.2  mm.  Länge  ca.  21  cm  (nicht  ganz 
zusammenhängend). 

P  12.  Grab  524.  Taf.  35:5.  Randborte,  bestehend  aus  einer  Reihe  von  Schlingen  oder  Halbschlägen 
hintereinander,  die  durch  einen  durchlaufenden,  geraden  Part  mit  einander  verbunden  werden  (Abb.  21 :  h). 
Doppelter  Spiralsilberfaden,  recht  grob.  Breite  11  mm,  Länge  3  cm.  Das  Gitter  ist  mit  feinen  Stichen  am 
Saum  eines  Seidenstoffes  angenäht.  Dieselbe  Borte  kommt  auch  in  den  Gräbern  832  (bei  dem  „Goldhirsch“) 
und  1040  (Taf.  28:4)  vor,  alle  aus  Spiralsilber. 

P  13.  Grab  944(?).  Taf.  35:2.  Randborte  aus  zwei  Reihen  von  Schlingen  bestehend,  die  einander  fest- 
halten,  Abb.  21  f.  Ursprünglich  hat  man  mit  einem  Part  die  Knoten  geschlagen,  die  links  auf  dem  Bilde  sind. 
Mit  beiden  Parten  hat  man  dann  nach  rechts  fortgesetzt  und  abgeschlossen.  Doppelter  Spiralfaden.  Die  Rand¬ 
borte  ist  mit  engen  Stichen  nach  beiden  Richtungen  am  Saum  eines  doppelt  gefalteten  Seidenstoffes  (S  4)  an¬ 
genäht.  Breite  ohne  den  daranhängenden  Seidenstoff  8  mm,  Länge  98  mm. 

P  14.  Grab  524.  Taf.  35:  3.  Zwei  Stück  gleich  grosse,  abgepasste  Randborten  aus  doppelten  Spiralsilber¬ 
faden.  Die  Technik  ähnelt  der  vorhergehenden,  P  13,  ist  jedoch  reicher,  da  doppelt  so  viele  Parten  in  der  Breite 
enthalten  sind,  wodurch  eine  feste  Flechtpartie  am  oberen  Rand  gebildet  wird.  Die  Arbeit  an  beiden  Stücken 
wurde  rechts  auf  dem  Bild  angefangen  und  derselbe  Part  ist  hernach  noch  mehrere  Male  hin  und  her  gegangen. 
An  ein  paar  der  Bortenspitzen  hängen  lose  kleine,  runde  Knoten.  Breite  10  mm,  Länge  4.2  bzw.  4.5  cm.  Ver¬ 
mutlich  stellen  die  beiden  Randborten  Abschlusszierate  eines  Knüpfbandes  irgendwelcher  Art  dar.  Doch  ist 
jetzt  keine  Spur  hiervon  vorhanden. 

P  15.  Grab  944  (?).  Taf.  28:3.  Randborte,  bestehend  aus  einer  Reihe  von  Halbschlägen  hintereinander, 
die  durch  einen  gerade  liegenden  Part  festgehalten  werden,  gleich  P  12  (Abb.  21  h),  ausserdem  jedoch  so, 
dass  die  beiden  Fäden  des  Parts  bei  jedem  zweiten  Halbschlag  je  eine  Schlinge  bilden,  die  eine  in  die  andere 
eingefädelt  (gleich  P  13,  Abb.  21  f),  sodass  eine  kleine  flache  Spitze  gebildet  wird.  Breite  12  mm,  Länge 
5  bzw.  8  cm.  Fragment  von  Köperseide  längs  des  oberen  Randes.  Daneben  lag  ein  gewöhnliches  Brett¬ 
chenband  mit  Silberschuss  (ungefähr  gleich  B  13),  doppelt  zusammengenäht,  so  dass  es  dieselbe  Länge  wie  die 
Randborte  erhalten  hat.  Die  beiden  Stücke  haben  vermutlich  ein  Paar  gebildet  als  Abschluss  eines  Knüpf¬ 
bandes  oder  etwas  Ähnliches. 

P  16.  Grab  524.  Taf.  28:7.  Vier  Stück  Zierknoten  hergestellt  aus  doppeltem  Golddraht,  ähnlich  wie 
P  7  a)  Ein  gleicharmiges  einfaches  Kreuz.  8x9  mm.  b)  Ein  Stäbchen  mit  3  Paar  einfachen  Ausläufern. 
9  X24  mm.  c)  2  Stück  gleicharmige  Kreuze  mit  1  Paar  Ausläufern  an  jedem  Arm,  22  X23  bzw.  21  X2i  mm. 

P  17.  Grab  561.  Taf.  28:8.  2  Stück  viereckiger  Zierknoten  aus  doppeltem  Spiralgoldfaden  hergestellt. 
8x8  mm. 

P  18.  Grab  832.  Taf.  28:  14.  Viereckiger  Zierknoten,  ungewöhnlich  gross,  hergestellt  aus  grobem 
doppeltem  Spiralsilberfaden.  War  vermutlich  an  irgendeinem  jetzt  vermoderten  Stoff  gleich  P  16  und  17 
befestigt,  bevor  er  an  dem  Holzgriff  eines  Messers  anklebte.  19  X20  mm. 

P  19.  Grab  1125.  Taf.  28:  1.  Abschlusszierate,  aus  einem  grossen  viereckigen  Zierknoten  bestehend, 
von  dem  die  eine  Ecke  in  einem  genähten  Seidenriemen  verschwindet.  Doppelter  Spiralsilberfaden.  19  X  22  mm. 

P  20.  Grab  520.  Taf.  28:  2.  Abschlusszierate,  ein  Paar,  jeder  der  beiden  aus  zwei  viereckigen  Zierknoten 
bestehend,  die  durch  einen  kleinen,  runden  Knoten  zusammen  gehalten  werden.  Doppelter  Spiralsilberfaden. 
15  X26  mm.  Hat  vermutlich  den  Abschluss  eines  genähten  Knüpfbandes  aus  Seide  gebildet. 


104 


ACHTES  KAPITEL 


P21.  Grab  524.  Taf.  35:4.  Abschlusszierat,  aus  einem  dreieckigen  Zierknoten  bestehend,  der  in  einem 
genähten  Seidenriemen  eingenäht  ist  (ca.  1.2  mm  br.).  Die  Anstückelung  ist  durch  einen  geflochtenen  Ring 
(wie  P  24)  verdeckt.  Doppelter  Spiralsilberfaden. 

P  22.  Grab  524.  Taf.  35:1.  Ein  Paar  Abschlusszierate  aus  doppeltem  Spiralsilberfaden.  Der  Knoten 
ist  flach  in  Form  von  Spitzen  geflochten,  der  Randborte  P  13  gleichend.  Das  Fadenende  ist  in  einen  schmalen 
genähten  Riemen  aus  Seide  eingearbeitet  (S  4).  Die  Anstückelung  durch  einen  Ring  wie  P  24  verdeckt.  Masse: 
18  (23)  X18  mm.  2  Stücke  ganz  gleich. 

Ein  Exemplar  desselben  Knotens  kommt  in  Grab  561  vor. 

P  23.  Grab  561.  Taf.  28:9.  Ein  Paar  Gleitknoten  aus  Spiralgoldfaden.  Der  Knoten  ist  aus  einem  ein¬ 
zigen  Faden  hergestellt,  der  6  Mal  herumläuft  und  den  Effekt  einer  dreifachen  Flechte  mit  2  Fäden  in  jedem 
Part  hervorruft.  Masse:  8x8x4  mm.  Der  eine  unbeschädigt,  der  andere  ganz  zerfallen. 

P  24.  Grab  327.  Taf.  28:13.  Gleitknoten  aus  Spiralsilberfaden.  Hergestellt  wie  der  vorhergehende, 
jedoch  mit  dem  Effekt  von  3  Fäden  in  jedem  Part.  Masse:  11x8  x6  mm. 

P  25.  Grab  138.  Taf.  28:11.  Gleitknoten,  hergestellt  aus  doppelgezwirntem  Silberdraht,  mehrmals 
gewickelt,  sodass  derselbe  Effekt  wie  bei  mehrfachen  Parten  entsteht. 

Ein  derartiger  Knoten  kommt  in  Grab  138  vor. 

P  26.  Grab  989.  Taf.  28:  10.  Abschlussknoten  ebenso  ausgeführt  wie  P  23  am  Ende  einer  aus  4  Fäden 
bestehenden  Schnur.  Silberspiralfaden.  Masse:  ca.  4  X5  mm  exklusive  der  Schnur. 

Der  Knoten  P  23,  ebenfalls  in  Spiralsilber  ausgeführt,  kommt  in  den  Gräbern  976  und  181  vor.  Rings 
um  den  Ansatz  von  mehreren  Gehängen  und  Abschlusszieraten  finden  sich  gleichartig  ausgeführte  Ringe 
(P  21 — 22,  St  22).  Aus  einem  Brandgrab  aus  Krsp.  Aringsas,  Smäland  (S.  H.  M.  Inv.  Nr.  19803:  5)  stammt 
ein  Endknoten  gleich  P  26  und  ein  Gleitknoten  gleich  P  24,  beide  aus  Silberdraht. 

P  27.  Grab  557.  Taf.  33:6.  Abb.  22.  3  Stücke  von  einem  Ornament  aus  Goldfaden,  die  vermutlich 
um  irgendeinen  spulenförmigen  Körper  befestigt  waren,  wie  die  Zeichnung  zeigt.  Das  Material  ist  ge¬ 
sponnener  Goldfaden,  woraus  gewöhnliche,  dreifache  Flechten  mit  doppelten  Parten  gemacht  wurden.  Daraus 
wurden  2  gleich  grosse,  halbflache  Ringe  gebildet  sowie  ein  grösserer  Ring,  wo  die  Flechte  in  doppelten  Schlingen 
gelegt  wurde,  die  einander  überkreuzen.  Die  Stückelung  ist  recht  einfach.  Der  Durchmesser  der  kleinen 
Ringe  9  mm.  Der  grössere  ist  verbeult  und  an  der  Stückelung  gelockert,  weshalb  die  Masse  kaum  bestimmt 
werden  können. 


Betrachtet  man  die  oben  beschriebenen  Arbeiten  vom  Standpunkt  der  Qualität, 
so  können  zwei  Gruppen  unterschieden  werden.  In  der  einen  besteht  das  Material 
aus  grobem  glattem  Draht,  überwiegend  aus  Gold;  in  der  anderen  aus  Spiraldraht, 
in  der  Regel  aus  Silber.  Diese  beiden  Gruppen  fallen  im  Grossen  und  Ganzen  mit 
der  Gruppierung  nach  der  Technik  zusammen.  Zu  der  ersteren  gehören  die  relativ 
einfachen,  kreuzförmig  geflochtenen  Diademe  und  Verzierungsknoten,  P  4 — 8  und 
16,  während  alle  komplizierteren  Knotenkombinationen  aus  Spiraldraht  hergestellt 
sind. 


POSAMENTIERARBEITEN 


IQ5 

Es  scheint  die  Annahme  nahe  zu  liegen,  dass  die  beiden  Arten  verschiedene  Er¬ 
zeugungen  darstellen,  vielleicht  einheimische  Erzeugung  und  Import.  Auf  Grund 
der  Qualität  ist  man  bereit,  die  erstere  Gattung  für  einheimisch  zu  halten,  eine  Ver¬ 
mutung,  die  durch  andere  nordische  Funde  bestätigt  wird,  durch  den  von  Adelsö  und 
zwei  norwegische  Funde.1  Der  einzige  russische  Fund,  der  uns  bekannt  ist,  braucht 
eine  solche  Möglichkeit  nicht  auszuschliessen.2 

Zu  der  anderen  Gruppe  sind  dagegen  keine  Gegenstücke  bekannt,  weder  im 
Norden  noch  irgendwoanders.  Doch  ist  ein  schwerwiegendes  Beweisstück  dafür 
vorhanden,  dass  auch  diese  Art  in  Birka  erzeugt  wurde,  nämlich  der  Spiraldraht. 


Abb.  22.  Diagramm  zu  P  2J. 

Der  Leser  sei  sowohl  auf  das  vorhergehende  wie  auf  das  folgende  Kapitel  verwiesen, 
wo  diese  Frage  ausführlich  behandelt  wird,  woraus  aber  auch  hervorgeht,  dass  man 
von  der  Fadensorte  keinen  bestimmten  Schluss  auf  den  Erzeugungsort  ziehen  kann. 
Es  darf  hier  aber  hinzugefügt  werden,  dass  Posamenten  der  oben  beschriebenen 
Typen  in  mehr  als  40  Gräbern  konstatiert  wurden  und  hiervon  der  Hauptteil  aus 
Spiraldraht  hergestellt  wurde. 

1  Der  Adelsöfund  besteht  aus  3  Goldkreuzen  gleich  P  16,  aber  viel  kleiner,  nur  ca.  10  mm;  siehe  Hanna  Rydh,  För- 
historiska  undersökningar  pä  Adelsö,  Abb.  295.  Der  eine  norwegische  Fund,  ein  fragmentarisches  Diadem  gleich  P  4, 
ist  aus  Vangsnes,  prov.  Sogn  och  Fjordane,  und  wird  im  Museum  von  Bergen  aufbewahrt.  Das  andere  ist  zu  Grunde 
gegangen;  es  gehörte  zu  dem  1864  entdeckten  Rolvsöyfund,  der  aber  leider  unvollständig  gesammelt  wurde.  Im  Jahr 
1867  beobachtete  Rygh  einige  Goldfäden,  dem  Aussehen  nach  wie  Fransen,  und  kleine  Knäuel  von  Goldfäden.  Siehe 
A.  W.  Brögger,  Rolvsöyaetten,  in  Bergens  Museums  Aarbok  1920 — 21,  S.  23. 

2  Ein  Fund  von  Bjelvretschenskaja  in  Kuban  (Atchet  Archeol.  Komm.  1896,  Abb.  21 1),  ausgestellt  in  der  Eremitage 
1935,  enthält  zirka  dreissig  kleine  Kreuze  ungefähr  gleich  P  16. 


! 


IX. 

STICKEREIEN. 

Wenn  man  unter  Näherei  oder  Stickerei  eine  Arbeit  mit  Nadel  und  Zwirn 
auf  einer  Stoffunterlage  versteht,  dann  sind  diese  Bezeichnungen  nur  für 
einen  Teil  der  unten  beschriebenen  Gegenstände  verwendbar,  die  Form 
und  Charakter  nach  bisweilen  am  ehesten  Goldschmiedearbeiten  gleichen.  Oft  ha¬ 
ben  Nadel  und  Faden  den  darunterliegenden  Stoff  äusserst  wenig  berührt,  in  ge¬ 
wissen  Fällen  überhaupt  gar  nicht.  In  dieser  Hinsicht  haben  wir  es  mit  einer 
Übereinstimmung  mit  Nadelspitzen1  zu  tun,  was  in  sämtlichen  hier  vorliegenden 
Fällen  die  Berechtigung  dazu  geben  dürfte,  von  Stickerei  zu  sprechen. 

Ausserdem  ist  es  ungewiss,  in  welchem  Ausmass  Nadeln  für  die  hier  in  Rede 
stehenden  Arbeitsarten  verwendet  wurden.  In  diesem  Zusammenhang  erhebt  sich 
die  Frage,  wo  diese  Stickereien  hergestellt  wurden,  eine  Frage,  die  wir  erst  später 
behandeln  werden.  Dass  man  in  Birka  Nähnadeln  und  sogar  sehr  feine  verwendet 
hat,  das  beweisen  die  ziemlich  feinen  Nadelbehälter,  die  man  unter  dem  Inhalt  der 
weiblichen  Gräber  sehr  oft  findet;  siehe  Taf.  34  u.  39.  Von  einem  Teil  der  unten 
beschriebenen  Arbeiten  kann  man  sicher  sagen,  dass  es  technisch  unmöglich  ist,  sie 
ohne  Nähnadel  auszuführen.  Doch  in  einer  Reihe  anderer  Fälle,  besonders  dort,  wo 
die  Stoffunterlage  fehlt,  scheint  es,  als  ob  man  ebenso  gut,  wenn  nicht  sogar  besser, 
direkt  mit  dem  steifen  Metallfaden  und  einem  zangenähnlichen  Instrument  hätte 
arbeiten  können.  Wie  geschaffen  für  diesen  Zweck  scheinen  die  netten  kleinen 
Pincetten  zu  sein,  welche  oft  nebst  Schere  und  Nadelbehälter  zur  weiblichen  Grab¬ 
ausstattung  gehörten;  Taf.  39.  In  einer  Reihe  von  Fällen  hat  man  sich  wohl  beider 
Methoden  abwechselnd  bedient. 

Die  meisten  der  noch  erhaltenen  Birka-Stickereien  sind  aus  Gold-  und  Silber¬ 
draht  hergestellt,  der  sich  dank  seiner  Biegsamkeit  und  Stärke  begreiflicherweise 
am  besten  hiezu  eignete.  Der  verhältnismässig  grobe  und  rauhe  Spiraldraht  konnte, 
wie  oben  hervorgehoben  wurde,  unmöglich  zum  Nähen  verwendet  werden2  und 
auch  der  gesponnene  Gold-  und  Silberfaden,  den  wir  nur  zwei  Mal  in  den  Birka- 
stickereien  vorfinden,  dürfte  gerade  bei  Anwendung  dieser  Technikarten  schwer 
zu  verarbeiten  gewesen  sein. 

1  D.  i.  die  technische  Bezeichnung  für  genähte  Spitzen  im  Gegensatz  zu  Klöppelspitzen  u.  a. 

2  Man  beachte,  dass  die  Lappen,  wenn  sie  für  ihre  Stickereien  Spiraldraht  aus  Zinn  verwenden,  diesen  Draht  mit 
einem  gewöhnlichen  Faden  auf  den  Stoff  festnähen. 


STICKEREIEN 


107 


Es  ist  bemerkenswert,  dass  der  Gold-  und  Silberfaden  der  Birkatextilien  von 
ausserordentlich  guter  Qualität  ist,  die  sich  besonders  für  diese  Stickereien  eignet. 
Mehrere  der  hier  vertretenen  Näharbeiten,  z.  B.  der  Schlingenstich,  verlangen  von 
dem  Faden  sowohl  einen  gewissen  Grad  von  Steife  als  auch  Biegsamkeit  und  Stärke. 

Auch  in  ästhetischer  Hinsicht  hängt  die  Technik  so  innig  mit  dem  Material  zu¬ 
sammen,  dass  sie,  in  einem  anderen  ausgeführt,  oft  ihren  Charakter  verändert,  wenn 
nicht  völlig  verliert.  Praktische  Versuche,  Nachahmungen  in  Schlingenstich  her¬ 
zustellen,  haben  dies  deutlich  gezeigt.  Metallfäden,  wie  sie  heutzutage  gewöhnlich 
für  Stickereien  verwendet  werden,  wurden  sofort  aufgerauht.  Der  gezogene  Silber¬ 
draht  aber,  der  jetzt  im  Handel  vorkommt  und  für  Posamentierarbeiten  verwendet 
wird,  war  viel  zu  spröd,  um  die  unvermeidlichen  Biegungen  im  Verlauf  der  Arbeit 
auszuhalten;  bei  geringster  Spannung  brach  er  ab.1  Zum  Schluss  wurde  ein  Ver¬ 
such  mit  einem  sehr  scharf  gezwirnten  und  möglichst  glatten  Flachsfaden  gemacht. 
Dieser  war  wohl  genügend  stark,  das  gewünschte  Aussehen  wurde  jedoch  nicht  er¬ 
reicht;  die  Verschlingungen  behielten  nicht  vollständig  ihre  Form,  Taf.  25;  6 — 7. 

Nur  einige  wenige  Exemplare  von  Stickereien  aus  Seide  sind  erhalten  geblieben, 
doch  darf  man  wohl  annehmen,  dass  dieses  Material  häufig  für  dieselben  Zwecke 
verwendet  wurde  wie  die  widerstandsfähigeren  Fäden  aus  Gold  und  Silber. 

Als  weiterer  Ziereffekt  kommen  neben  dem  Metallfaden  häufig  Gold-  und  Silber¬ 
blechstücke  sowie  kleine  Scheiben  aus  Glimmer,  sogen.  Katzengold,  vor,  die  auf 
verschiedene  Weise  mittels  des  Metallfadens  befestigt  sind.  In  einem  Fall  finden 
wir  eine  Einfassung  von  Steinen,  die  aber  leider  durch  die  Verwitterung  jetzt  stark 
beschädigt  sind.  In  einem  anderen  Fall  wurde  ein  ähnlicher  Effekt  durch  vergoldetes 
Leder  erzielt.  In  diesem  Zusammenhang  findet  man  die  wirkungsvolle  Kombina¬ 
tion  von  Nähen  und  Flechten,  die  später  beschrieben  werden  soll,  St  25 — 29. 

Die  Methoden  der  Birkastickereien,  bisher  zum  grössten  Teil  unbekannt  oder 
nicht  beachtet,  festzustellen  war  eine  recht  mühevolle  und  heikle  Arbeit,  teils  weil 
die  erhalten  gebliebenen  Fragmente  so  ausserordentlich  empfindlich  sind,  dass  die 
Fäden  nicht  die  geringste  Erschütterung  vertragen,  teils  weil  der  eine  Teil,  näm¬ 
lich  die  Unterlage,  meistens  zu  Grunde  gegangen  ist,  sodass  man  immer  mit  unbe¬ 
kannten  Grössen  operieren  musste. 

Es  sind  drei  verschiedene  Technikarten  zu  unterscheiden:  der  wohlbekannte  Stiel¬ 
stich,  der  Ösenstich  mit  seinen  vielen  Varianten  und  der  grosse  Handfertigkeit  ver¬ 
langende  Schlingenstich,  der,  vielfach  verwendet,  in  wechselnder  Gestalt  auftreten 
kann.  Da  genaue  technische  Bezeichnungen  sowohl  die  Beschreibung  als  die  Dis¬ 
kussion  in  hohem  Grad  erleichtern,  haben  wir  es  gewagt,  die  beiden  Wörter 
„Ösenstich“  und  „Schlingenstich“  neu  zu  prägen  und  einzuführen,  um  damit  jene 
bisher  praktisch  unbekannten  Näharten  zu  bezeichnen,  die  unter  den  Birkastickereien 
die  grösste  Rolle  spielen. 

1  Nach  der  Erklärung  von  Ziseleur  Färngren  kommt  dies  daher,  dass  dieser  Draht  kalt  gezogen  ist;  Metall,  das  warm 
gezogen  wird,  wird  geschmeidiger  und  weicher. 


io8 


NEUNTES  KAPITEL 


Stielstich. 

Dies  ist  eine  wohlbekannte  und  immer  noch  gebräuchliche  Technik,  weshalb 
sich  hier  eine  ausführliche  Beschreibung  erübrigen  dürfte. 

Die  Diagramme  Abb.  23  zeigen  teils  —  unten  links  —  die  Lage  des  Fadens  im 
Verhältnis  zu  dem  jetzt  verschwundenen  Stoff,  teils  zwei  Varianten  der  fraglichen 
Technik.  Zu  beachten  sind  die  verhältnissmässig  sehr  kurzen  Stiche  in  der  Stoffunter- 
lage,  was  sicher  durch  den  Wunsch  hervorgerufen  wurde,  mit  dem  kostbaren  Faden 
einen  möglichst  grossen  Effekt  zu  erzielen. 

Für  Goldstickereien  wurde  diese  Stichart  besonders  verwendet,  um  Flächen  zu 
füllen;  entweder  arbeitete  man  in  Spiralen  oder  Kreisen  oder  auch  in  parallelen,  hin- 
und  herlaufenden  Linien,  wobei  der  Faden  regelmässig  abwechselnd  rechts  oder 


links  von  der  Nadel  gelegt  wurde.  Um  den  Goldglanz  zu  verstärken,  hat  man  die 
Stickerei  nachher  mit  einem  harten  Werkzeug  bearbeitet. 

Ob  auch  einzelne  Linien  in  Stielstich  auf  den  beiden  erhaltenen  Goldstickereien 
vorgekommen  sind,  kann  man  jetzt  nicht  entscheiden.  Es  scheint  aber  nicht  der  Fall 
gewesen  zu  sein,  jedenfalls  nicht  in  grösserem  Ausmass.  Stielstich-Linien  aus  Seide 
und  Wolle  kommen  dagegen  vor.  Dass  auf  St  3  die  Ausführung  etwas  von  dem  ge¬ 
wöhnlichen  Stielstich  abweicht,  dürfte  kein  Grund  sein,  um  von  einer  besonderen 
Technik  zu  sprechen.  Der  Gold-  und  Silberfaden  ist  in  beiden  erhaltenen  Exempla¬ 
ren  gesponnen. 

St  1  a.  Grab  750.  Taf.  30:  1.  Eine  Menge  kleiner  Fragmente  einer  Stielsticharbeit:  teils  mehrere  Stiche 
in  ihrer  ursprünglichen  Lage,  teils  einzelne  Fäden  mit  verbliebenen  kleinen  Ösen,  die  sich  in  der  Unterlage  ver¬ 
bargen.  Sowohl  linksseitige  wie  rechtsseitige  Stiche.  Der  Faden  gesponnen,  hauptsächlich  Gold,  die  Farbe 
wechselt  etwas  je  nach  der  Zusammensetzung  der  Legierung,  nur  etwas  Silber.  Die  Ornamente  scheinen 
hauptsächlich  aus  Flächen  in  wechselnden  Formen  bestanden  zu  haben,  die  dicht  mit  Stielstichen  ausgefüllt 
waren:  entweder  regelmässig  gemäss  Schema  a  hin  und  her  genäht  oder  in  Spiralen  (Schema  b)  oder  auch  we¬ 
niger  ebenmässig  genäht.  Um  den  Glanz  des  Goldes  noch  zu  erhöhen,  wurde  die  fertige  Arbeit  mit  einem 
Hammer  oder  dgl.  bearbeitet.  Der  Stoff  ist  jetzt  ganz  verschwunden.  Die  Goldreste  lagen,  seitdem  sie  aus¬ 
gegraben  worden  waren,  in  einer  Menge  kleiner  Lehmklumpen  eingebettet,  an  denen  die  ursprünglichen 
Schichten  unmöglich  zu  erkennen  waren.  Sobald  die  Lehmklumpen  vorsichtig  im  Wasser  aufgelöst  wurden. 


STICKEREIEN 


IO9 


kamen  jedoch  einige  zusammenhängende  Partien  von  Stichen  zum  Vorschein.  Über  die  Beschaffenheit  des 
Musters  lässt  sich  kaum  etwas  sagen,  nur  soviel,  dass  die  Formen  nicht  geometrisch  gewesen  sind,  da  die  erhal¬ 
tenen  Ornamentreste  von  runder  oder  unregelmässiger  Kontur  sind.  Damit  zusammen  lag  etwas  Gold  von 
einem  Brettchenband  und  ein  Stückchen  Goldschnur,  aus  zwei  gesponnenen  Goldfäden  gezwirnt. 

St  1  b.  Grab  731.  Taf.  30:3.  Stielstich,  mehrere  kleine  Fragmente  von  genau  derselben  Art  wie  obige, 
doch  geringere  Mengen.  Nur  Goldfaden.  Lag  in  Lehmklumpen  beisammen  mit  dem  Goldschuss  eines  Brett¬ 
chenbandes  sowie  mit  zwei  kleinen  Goldornamenten  St  19. 

St  2.  Grab  944.  Taf.  30:2.  Stielsticharbeit  in  Seide  auf  jetzt  vermodertem  Stoff.  Der  Seidenfaden  lose 
gezwirnt  mit  Links- (?)drehung.  Im  allgemeinen  sind  die  Stiche  so  geführt,  dass  der  Faden  links  von  der 
Nadel  liegt,  in  der  Unterlage  sind  die  Stiche  klein.  Der  Stoff  lässt  sich  nicht  vom  Erdklumpen  loslösen.  Seine 
Textur  ist  aber  recht  deutlich,  nachdem  die  darüber  liegenden  Erdschichten  vorsichtig  entfernt  wurden.  Es 
ist  ein  zartes  Leinwandgewebe  mit  ungefähr  derselben  Fadendichte  in  Kette  und  Schuss,  nur  etwa  15  per  cm. 
Die  Stielstichlinien  laufen  ziemlich  parallel,  wenn  auch  etwas  unregelmässig  und  häufen  sich  nahe  dem  Rande 
des  Seidenstreifens,  auf  der  die  Silberborte  liegt.  Es  scheint  so,  als  ob  letztere  in  dem  dünnen  Stoff  eingefasst 


Abb.  24.  Musterschema  zu  St  3. 


gewesen  wäre.  Das  Ganze  war  zu  einem  flachen  Klumpen  zusammengeknüllt,  auf  dessen  Rückseite  Reste  von 
Erde  und  Holz  klebten.  An  einigen  Stellen  kommen  gewöhnliche  silberne  Brettchenbänder  zum  Vorschein. 

St  3.  Grab  735.  Taf.  21 :  2.  Konturstickerei  mit  Seidenfaden  auf  S  4.  Das  Muster  (Abb.  24),  das  eine 
stufenförmige  Linie  beschreibt,  folgt  dem  Rande  des  Gegenstandes.  Die  Stiche  sind  spärlich  und  etwas  quer 
gehalten.  —  Auf  einem  kleinen  Fragment  läuft  eine  Naht,  die  in  einen  wirklichen  Schlitz  übergeht,  dessen 
einer  Teil  unter  den  anderen  gelegt  ist.  Der  Rand  des  Schlitzes  ist  mit  Stichen  verziert. 

St  4.  Grab  838.  Taf.  5:6.  Stielstich  in  Wolle.  Längs  der  Anfangskante  eines  Diamantköpers,  W  10  g, 
ist  ein  ca.  15  mm  breiter  Streifen  zurückgeschlagen  und  mit  einer  geraden  Linie  von  Stielstichen  aus  gezwirn¬ 
tem  Wollgarn  (Rechtsdrehung)  angenäht.  —  Die  Naht  geht  durch  beide  Stofflagen  hindurch  und  besteht  aus 
ungewöhnlich  langen  (6 — 7  mm)  Stichen  auf  der  Oberseite  und  fast  unsichtbaren  Stichen  auf  der  anderen 
Seite. 


Ösen  stich. 

Die  Bezeichnung  Ösenstich  wurde  hier  für  eine  Gruppe  nahe  verwandter  Stick¬ 
arten  gewählt,  deren  Ausführung  aus  Abb.  25  hervorgeht.  Sie  ist  sowohl  für  Linien 
wie  für  Flächen  verwendbar. 

Eine  Linie,  nach  dem  Schema  a  ausgeführt,  gleicht  auf  der  Oberseite  beinahe 
völlig  dem  gewöhnlichen  Kettenstich.  Die  Unterseite  ist  jedoch  anders:  da  hat  der 
Ösenstich  querlaufende  Stiche,  während  der  Kettenstich  längsverlaufende  hat.  Die 
Ausführung  ist  auch  ganz  anders,  was  durch  die  beiden  Figuren  a  und  b  veranschau- 


I  IO 


NEUNTES  KAPITEL 


licht  wird,  die  zwei  verschiedene  Arbeitsstadien  festhalten.  Man  beachte,  dass  die 
Nadel  für  jeden  einzelnen  Stich  zwei  verschiedene  Lagen  einnehmen  muss  —  zum 
Unterschied  vom  Kettenstich  mit  nur  einer  Nadellage.  Abb.  b  zeigt  auch,  dass  diese 
Technik  zum  Zusammennähen  zweier  Stoffkanten  zu  gebrauchen  ist.  Ein  Vergleich 


Abb.  25.  Ösenstich  in  verschiedenen  Varianten. 
Schema  a  von  Vorder-  und  Rückseite  gesehen. 


der  Figuren  a,  e  und  f  zeigt,  wie  man  durch  tieferes  Einstecken  der  Nadel  in  die  schon 
fertige  Stichreihe  oder  Kette  diese  voller  und  breiter  machen  kann. 

Abb.  25  d  und  f  zeigen  Details  der  Verzierung  eines  kugelförmigen  Anhängers  oder 
dgl.  Dadurch  dass  man  ringsherum  immer  in  derselben  Richtung  arbeitet,  entsteht 
eine  gitterförmige  Hülle  um  die  Kugel.  Abb.  c  und  e  sind  Zwischenformen,  die, 
bortenförmig  verwendet,  ungefähr  denselben  Effekt  wie  parallele  Streifen  von  a- 
Stichen  hervorrufen. 


STICKERIEN 


I  I  r 


Eine  weitere  Entwicklung  des  Verfahrens  nach  Schema  e  zeigt  Abb.  26,  die 
die  Technik  der  auf  Taf.  32  abgebildeten  Borten  St  16  darstellt.  Wie  man  sieht,  wird 
die  Arbeit  in  zwei  Etappen  ausgeführt:  die  dunkel  gezeichneten  Fäden  wurden  erst 
zwischen  die  Ketten  eingenäht,  nachdem  man  ein  der  Figur  e  ähnliches  Erzeugnis 
fertiggestellt  hatte.  Keine  dieser  Borten  wurde  jedoch  in  der  Erde  von  Björkö  gefun¬ 
den  —  eine  stammt  aus  Smäland,  die  5  übrigen  wahrscheinlich  alle  aus  Gotland. 

Die  oben  beschriebene  Technik  war  lange  Zeit  gänzlich  unbekannt  oder  zum 
mindesten  unbeachtet  geblieben;  sie  ist  in  keiner  der  technischen  Beschreibungen 
über  Stickereien  zu  finden.  In  einer  ausgezeichneten  Arbeit  über  praecolumbische 
Textilien1  wird  unter  dem  Namen  „point  boucle“  eine  Nähart  beschrieben,  die  in 
technischer  Hinsicht  mit  dem  übereinstimmt,  was  wir  hier  Ösenstich  nennen.  Bei 
Verwendung  von  vielfarbigem  Wollgarn  hingegen,  mit  dem  gleichmässige,  dichte 
Stiche  genäht  werden,  hat  diese  Technik  einen  ganz  anderen  Effekt:  die  Fläche  sieht 
wie  gestrickt  aus,  weshalb  diese  Arbeiten  lange  Zeit  unter  dieser  falschen  Bezeichnung 
bekannt  waren.2 

St  5.  Grab  624.  Taf.  32:1.  Borte  in  Ösenstich  nach  Schema  a.  Feiner  Silberdraht  auf  der  gewöhnlichen 
Köperseide.  5  Reihen  nebeneinander  und  äusserst  ebenmässig  ausgeführt.  Die  Fäden  selten  gestückelt.  An 
einer  Stelle  ist  ein  wenig  von  der  Stoffunterlage  mit  den  Stichreihen  in  ihrer  ursprünglichen  Lage  erhalten.  Im 
übrigen  gehen  sie  aus  einander  und  verdrehen  sich.  Breite  der  Silberborte  6.5  mm.  Die  Länge  der  ganzen  Borte 
34  cm.  Die  übrigen  mehr  oder  weniger  zusammenhängenden  Fragmente  scheinen  eine  ebenso  lange  Borte 
gebildet  zu  haben. 

St  6.  Grab  886.  Taf.  32:  2  u.  31:  1.  Borte  in  Ösenstich  wie  Schema  a  mit  grobem  Silberdraht  auf  Seide 
genäht  (S4?).  7  Reihen  nebeneinander.  Jetzt  mehrere  ungleich  grosse  Stücke.  Das  längste  ist  in  dem  einen 
Ende  scharf  gefaltet.  Silber  teilweise  stark  oxydiert,  weshalb  der  Seidenstoff  erhalten  geblieben  ist.  Vollständige 
Breite  10  mm.  Stücke  von  22,  22,  11,  7,  6  und  5  cm  Länge  sowie  einige  kleine  Fragmente. 

St  7.  Grab  573.  Taf.  32:  3  u.  31 :  2.  Borte  in  Ösenstich  wie  Schema  e  mit  Silberdraht  ohne  Zweifel  auf 
einem  jetzt  verschwundenen  Stoff  ausgeführt,  der  ausserdem  wahrscheinlieh  mit  einer  besonderen  Verstärkung 
versehen  war.  Die  Arbeit  ging  spiralartig  vor  sich,  wobei  lange  Fäden  über  die  Unterseite  gespannt  wurden. 
Sehr  gleichmässige  Ausführung.  Breite  5  mm.  Länge  insgesamt  ca.  26  cm;  3  Stücke  zu  12.5,  8  und  5.5  cm. 

St  8.  Grab  735.  Taf.  36:  5.  Borte  in  Ösenstich,  Schema  a,  feiner  Silberdraht  auf  Köperseide.  Das  Muster 
besteht  aus  einer  regelmässigen,  stufenförmigen  Linie.  Längs  der  einen  Kante,  ursprünglich  der  inneren,  ist 
der  Stoff  nur  umgeschlagen;  er  war  wahrscheinlich  auf  einem  anderen  Stoff  aufgenäht.  Die  Aussenkante  war 
mit  einer  vierfachen  Flechte  aus  Spiralsilber  verziert.  Auf  der  Unterseite  ist  hier  ein  schmaler,  2  bis  4  mm 
breiter  Streifen  aus  Taft,  in  dem  mehrere  Stiche  zu  sehen  sind,  die  teils  durch  die  gestickte  Borte  hindurchgehen,, 
teils  Heftstiche  an  einem  jetzt  verschwundenen  Futterstoff  sind,  teils  an  der  Kante  eine  dünne  Schnur  aus 
Wolle  (oder  Seide)  befestigt  haben,  wovon  jetzt  noch  ein  kleines  Fragment  übrig  ist.  Die  Borte  ist  wenig- 

1  R.  d’Harcourt,  Les  textiles  anciens  du  Perou  et  leurs  techniques,  Paris  1934. 

2  Fritz  Ikle  war  der  erste,  der  auf  diesen  Irrtum  hinwies  und  gleichzeitig  hervorhob,  dass  die  Nähart  auch  auf 
Neu  Guinea  vorkommt.  (Über  altperuanische  Stickereien  des  Trocadero,  Paris,  Mitt.  der  Ostschweizerischen  geo¬ 
grafisch  commerciellen  Gesellschaft  in  St.  Gallen  1930.)  —  Ikle  hat  den  Namen  Flechtstich  gewählt,  eine  Bezeichnung, 
die  mir  aber  etwas  irreführend  erscheint. 


I  I  2 


NEUNTES  KAPITEL 


stens  an  dem  einen  Ende  vollständig.  Länge  ungefähr  15  cm.  Breite  1.5  cm.  —  Ausserdem  sind  noch  7  bis 
8  Fragmente  derselben  Borte  vorhanden,  wo  die  Seide  mehr  zerfallen  ist  als  der  Silberfaden.  Zusammen  sind 
sie  ungefähr  ebenso  lang  wie  die  unversehrt  gebliebene  Borte. 

St  9.  Grab  514.  Taf.  33:  1.  Zwei  Endstücke  einer  Schärpe  oder  dgl.,  aus  Stoffstreifen  regelmässig  ge¬ 
flochten.  Die  Streifen  sind  nur  zirka  4  mm  breit.  An  beiden  Rändern  sind  sie  mit  einer  silbernen  Ösenstich¬ 
linie  (Schema  a)  bestickt.  Hie  und  da  wurden  beide  Stichreihen  gleichzeitig  ausgeführt,  Schema  c.  In  der 
Regel  hat  man  die  Naht  dort  unterbrochen,  wo  die  Stickerei  von  einem  quer  darüber  liegenden  Streifen  verdeckt 

on 

Abb.  26.  Diagramm  der  bestickten  Stoffstreifen ,  woraus  St  9  geflochten  ist. 

wurde.  Auch  für  die  Aussenkanten  und  Ecken  sind  die  Streifen  im  voraus  genau  abgepasst,  siehe  Abb.  26. 
Das  Ganze  ist  auf  beiden  Seiten  sichtbar.  Die  ursprünglichen  Masse  sind  unsicher,  weil  nur  noch  eine  zweifel¬ 
los  ursprüngliche  Ecke  vorhanden  ist.  Die  beiden  Stücke  sind  in  der  Struktur  etwas  verschieden:  in  dem  klei¬ 
neren  scheinen  die  Streifen  etwas  schmaler  zu  sein,  liegen  aber  weniger  dicht,  der  Silberfaden  ist  hier  weniger 
zersetzt,  vermutlich  weil  die  Lage  im  Grab  etwas  anders  war.  Die  jetzigen  Masse  sind  3.8  x  2.9  cm,  resp.  3.7  X 
2.6  cm. 


Abb .  27.  St  lOy  die  silb  erbe  stickt  en,  seidenen  Vierecken  und  deren  Z  usammenfügung. 


St  10.  Grab  1151.  Taf.  33:  2  u.  Abb.  27.  4  Anhänger  aus  Seidenstoff  mit  Silberstickerei.  Jeder  besteht 
aus  4  seidenen  Quadraten  (S  4),  die  mit  Ösenstichen  aus  Silberdraht  verziert  sind,  Schema  a.  Zwei  geometrisch 
geformte  Flechtenmotive  wechseln  ab,  vgl.  Zeichnung.  Diese  beiden  Stücke  sind  an  den  Rändern  mit  densel¬ 
ben  Stichen  (Schema  b)  aneinandergefügt.  Die  scharf  markierten  Ecken  und  Ränder  zeigen,  dass  man  die 
Stoffstücke  beim  Zusammennähen  irgendwie  versteift  hatte,  z.  B.  mit  Rinde  oder  Leder.  An  der  einen  Spitze 
des  Anhängers,  wo  die  4  Quadrate  zusammenstossen,  sind  drei  Kugeln  befestigt,  jede  aus  einem  zirka  3  mm 
breiten,  mit  Ösenstichen  geschmückten  Seidenstreifen  (wie  St  9)  geflochten.  An  der  entgegengesetzten  Spitze 
ist  der  Stiel  des  Anhängers,  ein  aus  mehrmals  zusammengelegter  Seide  genähtes  Band. 

Masse:  die  Diagonale  des  Quadrates  19  mm,  Durchmesser  der  Kugeln  9 — 10  mm,  Länge  des  ganzen 
Anhängers  ohne  Stiel  26  mm.  Nur  ein  Anhänger  ist  völlig  unversehrt,  abgesehen  davon,  dass  die  Stickerei 
teilweise  abgefallen  ist.  An  zwei  anderen  haben  sich  die  Kugeln  zum  Teil  losgelöst  und  der  vierte  ist  gänzlich 
zerfallen.  Dazu  gehören  noch:  3  Stücke  einer  8  mm  breiten  Seidenborte,  mit  3  Reihen  Ösenstichen  (Schema  a) 
bestickt;  1  Stück  eines  Stoffriemchens  (S4),  11  mm  breit  mit  einer  Naht  in  der  Mitte;  Fragmente  von  Knoten 
aus  Spiralsilber. 

St  11.  Grab  366.  Taf.  31:  7 — 9.  3  Fragmente,  möglicherweise  die  Hülle  eines  Anhängers  oder  dgl.,  aus 
grobem  Silberdraht,  Ösenstich,  Schema  d.  Die  Arbeit  geht  von  zwei  gezwirnten  Fäden  aus,  wo  sie  äugen- 


STICKERIEN 


1  1  3 


scheinlich  enger  war.  Auch  die  letzten  Reihen  sind  enger.  Wahrscheinlich  hat  das  kleine  silberne  Gitter  eine 
Kugel  als  Unterlage  gehabt,  die  vielleicht  den  oberen  Teil  einer  Troddel  oder  dgl.  gebildet  hat.  Die  „Höhe“ 
im  ausgestreckten  Zustand  ungefähr  15  mm,  sämtliche  Stücke  jedoch  so  krumm,  dass  exakte  Messungen  nicht 
möglich  sind. 

St  12.  Grab  581.  Taf.  31:  3.  Hülle  einer  Kugel  oder  dgl.  aus  Silberdraht  in  Ösenstich,  Schema  f,  wobei 
die  Nadel  tiefer  als  üblich  in  die  Ösenreihe  einsticht.  Mittelstarker  Draht.  Fragment  halbkugelförmig,  nach 
dem  Ausgraben  jedoch  etwas  flachgedrückt.  Es  wurde  offenbar  auf  einer  Unterlage  gearbeitet.  Man  hat  in 
der  Mitte  begonnen,  wobei  die  Arbeit  an  einem  kleinen  Drahtring  befestigt  war,  der  jetzt  zerbrochen  ist,  und 
dann  in  einer  Spirale  weiter  gearbeitet.  Durchmesser  16 — 18  mm. 


Abb.  28.  Schema  zu  St  15. 


St  13.  Grab  559.  Taf.  31:4 — 5.  Hüllen  für  zwei  Anhänger  oder  Kugeln  aus  Silberdraht  in  Ösenstich, 
Schema  e  u.  f.  Die  eine,  so  gut  wie  unversehrt,  hatte  ursprünglich  die  Formen  eines  niedrigen  Zylinders  mit 
flachem  Boden.  Die  Arbeit  hat  mit  einem  Ring  (=  Durchmesser  des  Zylinders)  aus  doppeltem  gezwirntem  Draht 
begonnen,  von  dem  sieben  Ösenreihen  ausgehen,  die  am  unteren  Ende  des  Zylinders  zusammenlaufen.  Masse: 
Durchmesser  12  mm.  Höhe  ca.  5  mm.  Die  andere  Hülle,  ziemlich  fragmentarisch,  ist  flach  sphärisch.  Auch 
hier  hat  die  Arbeit  mit  einem  Ring  aus  doppeltem  Draht  begonnen,  von  dem  5  Ösenreihen  ausgehen  und  in 
der  Mitte  zusammenlaufen.  Grösste  Ausdehnung  10x12  mm,  Abstand  von  der  Mitte  zum  Ring  8  mm. 
Ausserdem  einige  Fragmente  von  Ringen,  gleich  jenen,  die  als  Stütze  für  den  Ösenstich  gedient  haben.  Einige 
sind  mit  einander  durch  eine  Naht  verbunden,  die  wir  im  Folgenden  als  Schlingenstich  kennen  lernen  wer¬ 
den.  Möglicherweise  waren  diese  Drähte  um  eine  Art  von  Gerippen  gewickelt,  die  im  übrigen  mit  einem 
ösenstichgitter  umkleidet  wurden. 

St  14.  Grab  557.  Taf.  31:13.  Spulenförmiger  Anhänger  aus  ungewöhnlich  starkem  Silberdraht,  der 
seltsamer  Weise  nicht  zersetzt  ist.  Ösenstich  verfahren  Schema  d.  —  Der  Anfang  wurde  mit  einem  Ring  des 
Drahtes  gemacht,  der  ungefähr  in  der  Mitte  der  unteren  Hälfte  des  Anhängers  befestigt  wurde.  Man  hat 
in  einer  Spirale  mit  8  Ösenreihen  nach  oben  gearbeitet,  die  schliesslich  in  einem  Punkt  —  der  oberen  Spitze  des 
Anhängers  —  zusammenlaufen,  die  ursprünglich  wohl  einen  Stiel  aus  demselben  Material  trug.  Der  untere 
Teil  des  Anhängers  wurde  von  demselben  Ring  aus  hergestellt  wie  der  obere  Teil  und  endet  wie  diese  in  einer 
Spitze  —  man  beachte,  dass  die  „Ketten“  hier  in  entgegengesetzter  Richtung  verlaufen.  —  Der  obere  Teil, 
dessen  Stiel  ganz  fehlt,  wurde  schon  frühzeitig  beschädigt,  indem  er  mit  einem  groben  Silberring  durchstochen 

fl  —  37823*  Birka  III. 


NEUNTES  KAPITEL 


”4 

wurde,  ganz  ähnlich  wie  viele  andere  metallene  Hängestücke  aus  Birka.  Es  scheint  als  ob  dies  Stück  ebenso 
wie  einige  oben  beschriebene  Goldarbeiten  im  fertigen  Zustande  an  der  Oberfläche  bearbeitet  worden  wäre, 
um  einen  stärkeren  Glanz  zu  erzielen.  Höhe  ohne  Ring  19  mm,  Durchm.  9  mm. 

St  15  a.  Stenkyrka ,  Gotl.  (Museum  Visby).  Taf.  32:  6.  Borte  aus  Silberdraht,  ziemlich  fein.  Ösenstich  wie  St  6, 
doch  liegen  die  4  ,, Ketten“  schütterer.  Hernach  wurden  zwischen  den  Ketten  Zick-zackstiche  gemacht,  die 
je  zwei  der  parallelen  Fäden  zusammenbinden.  Siehe  Abb.  28,  wo  die  nachträglich  eingenähten  Fäden  dunkel 
bezeichnet  sind.  Der  Ösenstich  ist  ersichtlich  oben  auf  dem  Bild  begonnen  und  dann  genau  wie  St  7  fort¬ 
geführt  worden.  Die  losen  verwirrten  Fäden  auf  der  Unterseite  lassen  vermuten,  dass  die  Stickerei  auf  irgend 
einem  Stoff  —  es  ist  anzunehmen  Seide  — ,  der  also  durch  das  Gitter  sichtbar  war,  ausgeführt  wurde.  Auf 
keinen  Fall  kann  sie  den  Eindruck  einer  Durchbrucharbeit  gemacht  haben,  wie  ihn  jetzt  die  Abbildungen  er¬ 
wecken,  wo  aber  der  Effekt  durch  die  losen  Fäden  auf  der  Unterseite  beeinträchtigt  wird.  Da  die  Arbeit  eine 
starke  Neigung,  sich  der  Breite  nach  zusammenzuziehen,  gehabt  haben  muss,  dürfte  man  wohl  den  Stoff  auf 
irgendeine  Weise  gespannt  haben,  vielleicht  dadurch,  dass  man  etwas  Steifes  unterlegt  hat,  das  nach  Beendigung 
der  Arbeit  entfernt  wurde.  Breite  ca.  12  mm,  Länge  ca.  11  cm.  Die  Borte  nur  am  Anfangsende  vollständig. 
—  Die  Stickerei  wurde  mit  anderen  auf  die  zweite  Hälfte  des  10.  Jahrhunderts  datierten  Gegenständen  in 
einem  beschädigten  Grab  gefunden. 

St  15  b.  (S.  H.  M.,  ohne  Fundangaben.)  Taf.  32:4.  Borte  aus  Silberdraht  genau  wie  die  aus  Stenkyrka, 
nur  etwas  dichter  gearbeitet.  Auch  hier  fehlt  jede  Spur  einer  Stoffunterlage.  Breite  1 1  mm.  Drei  Stücke  von 
je  13  cm  (beide  Enden  abgeschlossen),  26  cm  (ohne  Abschluss)  und  8  cm  (zerrissen). 

St  15  c.  Krsp.  Tonnöy  Smdland  (S.  H.  M.  Inv.  Nr.  2203.)  Taf.  32:  5.  Borte  wie  die  vorigen,  jedoch  mit  6 
Ketten  statt  mit  4.  Breite  12  mm,  Länge  9  1/2  cm.  Eingeliefert  1855  von  N.  G.  Bruzelius. 

St  15  d.  Broa  in  Hallay  Gotland.  (S.  H.  M.  Inv.  Nr.  19326:  2.)  Borte  wie  obige,  jedoch  nur  3  Ketten. 
Breite  7  mm,  Länge  (wahrscheinlich  die  ursprüngliche)  28  cm  und  ein  Fragment  ä  11  cm.  Lag  zusammen 
mit  einer  Hufeisen fibel. 

St  15  e.  Umgebung  von  Ptsby,  Gotland.  (S.  H.  M.  Inv.  Nr.  3910.)  Borte  genau  wie  obige,  Fragmente  zu  8 
und  3  cm  Länge. 

St  15  f.  Visy  Krsp.  Västkindey  Gotland.  Borte  wie  15  a.1  Gefunden  in  einem  Grabe  zusammen  mit  einem 
Kamm  u.  a.  unmittelbar  neben  einem  Bildstein. 


Schlingenstich . 

Die  Bezeichnung  „Schlingenstich“  wurde  für  jene  Technik  gewählt,  in  der  die 
auf  Taf.  36  u.  a.  abgebildeten  Gegenstände  hergestellt  wurden.  Er  kommt  in  den 
verschiedensten  Variationen  und  Verwendungsarten  vor,  wofür  die  Zeichnungen  auf 
Abb.  29  die  wichtigsten  Beispiele  zeigen. 

Beim  Schlingenstich  arbeitet  man  mit  2  parallelen  Fäden,  die  ständig  umeinander 
gezwirnt  oder  geschlungen  werden,  von  welchen  jedoch  nur  der  eine  eine  praktische 
Funktion  ausübt,  d.  h.  bindet,  während  der  andere  lediglich  den  ersten  begleitet. 

1  Abgeb.  bei  F.  Nordin,  De  gottländska  bildstenarnas  utvecklingsformer,  1903,  S.  152. 


STICKERIEN  I  I  5 

Der  bindende  Faden  dürfte  in  der  Regel  in  einer  Nadel  eingefädelt  gewesen  sein. 
Die  Technik  ermöglicht  ganz  nach  Bedarf  fast  unzählige  Variationen. 

Abb.  29  a  und  c  zeigt  die  Ausführung  einer  Figur  auf  Stoffunterlage  wie  z.  B. 
St  16.  Bei  der  ersten  Stichreihe  längs  des  Aussenrandes  der  Figur  greift  die  Nadel 
abwechselnd  erst  um  den  Begleitfaden  und  macht  dann  einen  feinen  Stich  in  den  Stoff; 
bei  der  nächsten  Stichreihe  greift  die  Nadel  statt  dessen  um  die  Fäden  der  vorher¬ 
gehenden  Stichreihe;  auf  diese  Weise  wird  die  Arbeit  fortgeführt,  bis  die  Stichreihen 
einander  von  beiden  Seiten  begegnen,  um  dann  mit  Stichen  von  beiden  Seiten  ver¬ 
schlungen  zu  werden. 


jlbb.  2g.  Schema  zum  Schlingenstich. 
Der  aktive  Faden  ist  schwarz  gezeichnet. 


Eine  andere  Art,  die  Figur  fertig  zu  stellen,  die  ebenfalls  zur  Anwendung  kommt, 
wenn  sich  die  Form  der  Figur  hierzu  eignet,  ist  die,  die  Stichreihen  allmählich  immer 
enger  werden  zu  lassen  und  so  die  Fläche  nicht  völlig  auszufüllen.  Dadurch  wird  eine 
Öffnung  gebildet,  in  die  —  zwischen  Seide  und  Stickerei  —  Scheibchen  aus  Glimmer 
eingelegt  werden,  die  der  Stickerei  einen  neuen  Effekt  verleihen.  Beim  „Goldhirsch“, 
St  16,  wurde  wieder  eine  andere  Art,  die  Arbeit  abzuschliessen,  angewendet,  wie  aus 
der  ausführlichen  Beschreibung  hervorgeht. 

Durch  andauerndes  entsprechendes  Strecken  des  „Bindefadens“  wurde  erreicht, 
dass  die  beiden  Fäden  schliesslich  wirklich  zusammengezwirnt  aufliegen  und  nicht 
(wie  es  leicht  der  Fall  ist,  wenn  man  diesen  Stich  mit  einem  weichen  Faden  ausführt), 
so,  dass  der  bindende  Faden  loser  um  den  mehr  gestreckten  Begleitfaden  zu  liegen 


NEUNTES  KAPITEL 


1 16 

kommt.  Diese  Arbeit  lässt  sich  ohne  den  ausgezeichneten  Metalldraht,  den  man  da¬ 
mals  zur  Verfügung  hatte,  kaum  ausführen. 

Die  derart  zusammengezwirnten  und  verschlungenen  Fäden  bilden  also  eine  zu¬ 
sammenhängende  Fläche,  welche  nur  am  Aussenrand  mit  dem  Stoff  vereinigt  ist. 
Hiedurch  geht  so  gut  wie  gar  nichts  von  dem  Effekt  des  kostbaren  Goldmaterials 
verloren.  Dies  ist  auch  auf  der  Rückseite  des  kopierten  Goldhirsches  genau  zu  sehen 
(Taf.  25).  Da  diese  Kopie  leider  mit  gewöhnlichen  Textilfäden  ausgeführt  werden 
musste  —  wie  erwähnt  war  kein  brauchbarer  Metallfaden  aufzutreiben  —  konnte  das 
charakteristische  Vernähen  des  Orginals  nicht  nachgeahmt  werden;  auf  der  Kopie 
hat  man  statt  dessen  immer  Knoten  machen  müssen. 

Abb.  29  b  zeigt  eine  Variation,  die  in  genau  derselben  regelmässigen  Form  für  die 
silberne  Hülle  eines  Nadelbehälters  verwendet  wurde.  Hier  handelt  es  sich  also  nicht 
um  eine  Stickerei  auf  unterlegtem  Stoff.  Die  erste  Tour  wurde  nämlich  hier  von  einem 
um  den  Gegenstand  gespannten  Faden  aus  begonnen. 

Schema  c  kommt  nur  in  der  Kategorie,  die  man  als  freie  Nadeltechnik  bezeichnen 
könnte,  vor.  Für  eine  kleine  Figur  wie  St  20  ist  keine  Befestigung  oder  Unterlage 
notwendig,  sondern  lediglich  ein  Pfriem  oder  irgendein  Stäbchen,  um  darauf  den 
ersten  kleinen  Ring  zu  verfertigen,  der  als  Ausgangspunkt  für  die  weitere  Arbeit 
diente.  Einige  solcher  Ringe  hat  man  einzelweise  in  losem  Zustand  gefunden,  doch 
haben  vor  allem  solche  Ringe  zur  Verfertigung  der  grossen  pflaumenförmigen  An¬ 
hänger  aus  Silberdraht  gedient.  St  22  und  23. 

Wie  schon  erwähnt,  wurde  der  Schlingenstich  oft  kombiniert  mit  Flechten  ange¬ 
wendet  und  hat  in  diesem  Fall  eine  dekorative,  vor  allem  aber  eine  konstruktive  Auf¬ 
gabe:  nämlich  die  Glimmerblättchen  oder  dgl.  festzuhalten.  Das  Flechtwerk  bildet 
zusammen  mit  dem  Schlingenstich  eine  Art  Falte  oder  Falz,  die  sowohl  bei  Arbeiten 
mit  Stoffunterlage,  St  26,  als  auch  bei  den  laternenförmigen  kleinen  Anhängern 
Verwendung  fanden. 

Abb.  30  a  zeigt  die  Technik  für  den  ersten  Fall.  Die  zarte  Flechte  ist  in  Schlingen 
gelegt,  zwischen  die  kleine  runde  Glimmerstücke  eingelegt  wurden.  Der  innere 
Schlingenstich  erzielt  durch  entsprechende  Bindungen  die  Gestalt  und  richtige 
Lage  der  Flechte,  während  die  äussere  Stichreihe  die  Flechte  an  der  Stoffunterlage 
festhält. 

Bei  den  Anhängern  müssen  die  Falze  doppelseitig  sein,  bestehen  also  aus  zwei 
Flechten.  Abb.  30  b  zeigt  die  Technik  des  schönen  fazettenförmigen  Anhängers  St  29. 
Der  mittlere  Schlingenstich  verbindet  die  beiden  parallelen  Flechten,  während  die 
beiden  äusseren  die  Aussenkanten  der  Flechten  festhalten,  wodurch  der  Falz  fest  wird. 
Der  Begleitfaden  ist  hier  gegen  die  Regel  geradegestreckt;  an  der  Aussenkante  dient 
er  dazu,  den  Falz  zu  formen.  Ungefähr  auf  dieselbe  Weise  wurde  der  Falz  des  flachen 
rautenförmigen  Anhängers  St  30  hergestellt.  Der  von  Hanna  Rydh  aufgefundene 
Goldschmuck  dürfte  ungefähr  auf  diese  Art  verfertigt  worden  sein,  —  die  betreffende 


STICKERIEN 


”7 

Zeichnung  gleicht  am  ehesten  St  27.1  Die  beiden  übrigen  hier  beschriebenen  Frag¬ 
mente  aus  Adelsö,  St  32  und  33,  zeigen  wieder  andere,  ebenfalls  sehr  geschickte  An¬ 
wendungen  derselben  Technik.  Eine  weniger  komplizierte  Kombination  von  Schlin¬ 
genstich  und  Flechtarbeit  zeigt  der  breite  Ring  am  Stiel  der  grossen  Silberpflaumen 
St  22.  Dies  ist  nur  noch  ein  Beispiel  für  die  vielseitige  Verwendbarkeit  der 
Technik. 

Schliesslich  ist  noch  der  kleine  Anhänger,  an  dem  eine  Glimmerscheibe  mit  zu¬ 
sammengezwirnten  Silberdrähten  befestigt  ist,  zu  erwähnen,  eine  Arbeit,  die  man  eher 
einem  Goldschmied  zuschreiben  möchte.  Es  ist  ja  fraglich,  ob  hier  die  Nadel  ver- 


Abb.  30.  Schlingen  mit  Flechten. 

wendet  wurde;  der  Draht  war  sicher  steif  genug,  um  einzeln  durchgezogen  zu  werden. 
Ein  textiltechnisches  Wort  wie  „Stich“  wäre  dann  wohl  nicht  am  Platze.  Es  ist  un¬ 
möglich,  in  einem  solchen  Fall  eine  Grenze  zu  ziehen. 

Ich  habe  sonst  nirgends,  weder  in  der  Literatur  noch  in  den  Museen,  einen  Beleg 
für  die  oben  beschriebene  Technik  auch  nur  in  einer  aller  ihrer  Variationen  auffinden 
können.  Insofern  war  das  Namensproblem  einfach:  man  musste  einen  ganz  neuen 
terminus  technicus  erfinden.  Die  Bezeichnung  „Schlingenstich“,  die  meines  Wissens 
bisher  nicht  verwendet  wurde,  hebt  das  Wesen  der  Technik  hervor,  ohne  dass  dies 
Wort  irreführende  Gedankenverbindungen  hervorrufen  würde.  Das  einzige  Gegen¬ 
stück,  das  ich  kenne,  ist  die  altertümliche  Korbflechterei,  die  noch  in  manchen  Ge¬ 
genden  Skandinaviens  betrieben  wird.  Die  Bezeichnungen  hierfür  ist  lediglich 
„gebundene  Körbe“  im  Gegensatz  zu  den  üblichen  „geflochtenen“  Körben.2  Auch 

1  Hanna  Rydh,  Förhistoriska  undersökningar  pä  Adelsö,  Abb.  295  g.  Das  Stück  ist  aber  leider  jetzt  verloren 
gegangen,  weshalb  das  Verfahren  nicht  genau  festgestellt  werden  kann. 

2  Siehe  N.  Lithberg,  Svensk  korgslöjd,  Rig  1921,  Abb.  15,  16,  18. 


NEUNTES  KAPITEL 


1 18 

hier  arbeitet  man  mit  einem  aktiven  und  einem  passiven  Ende.  Doch  das  Material 
ist  ja  so  verschiedenartig,  dass  man  eigentlich  keinen  Vergleich  ziehen  kann. 

St  16.  Grab  832.  Taf.  36:  1 — 2.  Der  „Goldhirsch“.  Stickerei  in  Schlingenstich  (Schema  a  und  c)  aus 
Golddraht  und  mit  eingelegten  Glimmerstücken  auf  Unterlage  aus  feiner  Taftseide  (S  1),  von  der  jedoch  nur 
ein  kleines  Fragment  übrig  ist.  Der  Hirsch  hat  einen  kräftigen,  zurückgebogenen  Hals  und  einen  grossen 
Kopf,  der  teils  von  einem  Geweih  mit  je  5  bis  6  Sprossen,  teils  von  einem  vom  Scheitel  gerade  aufsteigenden 
Stachel  gekrönt  wird.  Die  erste  Tour  der  Stiche  (jetzt  auf  der  Unterseite  Ösen  bildend)  lief  die  Konturen 
entlang.  An  den  Spitzen  des  Geweihes  musste  man  immer  zwei  Stiche  in  den  Stoff  machen,  um  den  Begleit¬ 
faden  zu  befestigen.  Für  den  Bauch  wurde  ein  anderes  Verfahren  verwendet.  Mit  Hilfe  von  2  Stichreihen 
an  jeder  Kante  wurden  Querfäden  mit  wechselnder  Zwirnungsrichtung  hin  und  her  geführt  und  gespannt. 
Die  Nadel  hat  jedes  Mal  zwei  Stiche  gemacht.  Sowohl  Rumpf  wie  Kopf  und  Hals  sind  ein  wenig  bauchig, 
woraus  sich  auf  eine  dem  Stoff  aufgelegte  Füllung  schliessen  lassen  dürfte.  Im  ganzen  sind  7  „Löcher“  für 
Glimmerscheiben  gelassen  (je  eins  auf  jedem  Bein  und  dem  Auge  sowie  zwei  auf  dem  Rumpf),  von  denen 
jedoch  nur  noch  zwei  auf  ihren  ursprünglichen  Stellen  vorhanden  sind.  Die  Arbeit  am  Goldhirsch  zeigt  grös¬ 
sere  Geschicklichkeit  als  am  Silberhirsch,  St  17,  obwohl  die  Technik  ungefähr  dieselbe  ist.  Der  Verwendungs¬ 
zweck  war  sicher  derselbe  wie  beim  Silberhirsch.  Das  am  Fusse  des  Hirsches  übriggebliebene  Seidenfragment 
wurde  durch  die  Oxydation  einer  Silberborte,  P  12,  erhalten,  die  als  Randverzierung  zwischen  zwei  Stofflagen 
eingenäht  war.  Das  „Endstück“  bestand  also  aus  doppelter  Seide.  —  Masse:  Höhe  einschliesslich  der  Silber¬ 
borte  39  mm,  Länge  32  mm. 

St  17.  Grab  735.  Taf.  36:4.  Der  „Silberhirsch“.  Gesticktes  Endstück  irgendeines  Bandes.  Jetzt  wie 
eine  viereckige  Tasche  aus  Köperseide  (S  4)  mit  Nähten  an  den  Kanten.  Beide  Seiten  sind  auf  dieselbe  Art 
und  Weise  mit  einem  zurückblickenden  Hirsch  verziert,  hergestellt  aus  zartem  Silberdraht  in  Schlingenstich 
(Schema  a  und  b)  und  mit  Glimmerstücken  eingelegt,  ungefähr  wie  der  „Goldhirsch“,  St  16.  Die  Zeichnung 
weicht  jedoch  etwas  ab.  Der  Kopf  ist  kleiner,  der  einzelne  Stachel  fehlt,  der  Schwanz  ist  lang  und  über  den 
Rücken  gelegt.  Das  ganze  Tier  ist  flach  und  durchgehends  in  derselben  Technik  hergestellt. 

Entlang  aller  Kanten  des  Endstückes  läuft  zur  Verzierung  eine  doppelte  Reihe  von  Ösenstichen  (Abb.  25  c), 
die  auch  die  Naht  verdecken.  Spuren  einer  anderen  Randverzierung  fehlen.  Oben  sieht  die  Seide  etwa  2  bis 
3  mm  über  den  Stichrand  heraus,  wo  sie  sich  also  möglicherweise  fortgesetzt  hat.  Das  Stück  ist  an  der  einen 
Kante  defekt.  Höhe  36  mm,  Breite  unten  39,  oben  36  mm. 

St  18.  Grab  832.  Taf.  36:  3.  Kleines  hundeähnliches  Tier  aus  Golddraht  in  Schlingenstich,  ausgeführt 
wie  Schema  a  und  c.  Das  Tier  hat  einen  grossen  Kopf  mit  kleinen,  aufrecht  stehenden  Ohren,  drei  kurze  dicke 
Beine  und  in  die  Höhe  stehendem  Schwanz.  Die  Flächen  sind  mit  Glimmerstücken  ausgefüllt  und  mittels  zwei 
resp.  drei  Reihen  von  Schlingenstichen  aus  Golddraht  befestigt.  Die  Arbeit  begann  bei  dem  einen  aufrecht¬ 
stehenden  Ohre,  um  dann  zum  Rumpf  und  schliesslich  zu  den  Beinen  überzugehen.  Masse:  Länge  20  mm, 
Höhe  über  dem  Rücken  8  mm. 

St  19.  Grab  731.  Taf.  34:  4.  2  kleine  flache  Ornamente  oder  birnenförmige  Anhänger  aus  ziemlich  starkem 
Golddraht  in  Schlingentechnik  ausgeführt,  recht  ungleichmässige  und  plumpe  Arbeit.  In  der  Mitte  eines 
jeden  der  beiden  Stücke  ist  ein  jetzt  zerknittertes  kleines  Goldblech  angelötet.  Masse:  6x6  mm. 

St  20  a.  Grab  964.  Taf.  31 :  6.  Kränzchen  in  Schlingenstich  aus  feinem,  jetzt  stark  oxydiertem  Silberdraht. 
Die  Arbeit  wurde  von  der  Mitte  aus  begonnen,  laut  Schema  c:  der  Faden  wurde  in  einen  einfachen  Ring 
gelegt,  dann  mit  der  Nadel  der  nächste  Faden  um  den  Ring  geschlungen.  Hierauf  wurden  beide  Fäden  zusam¬ 
mengenommen  und  die  Arbeit  fortgesetzt,  sodass  kleine  Bogen  gebildet  werden,  abwechselnd  mit  Drehung 


STICKEREIEN 


H9 

und  „Stichen“  in  die  vorausgehende  Bogenreihe,  wie  beim  gewöhnlichen  Schlingenstich.  Die  Anzahl  der  Bogen 
erhöht  sich  jedes  Mal.  Der  Kranz  ist  jetzt  in  zwei  Stücke  zerbrochen.  Grösste  Ausdehnung  1 1  mm.  Dieses 
unregelmässig  abgeschlossene  Kränzchen  ist  vermutlich  ein  Teil  eines  grösseren  Gegenstandes  gewesen. 

St  20  b.  Grab  524.  F ragment  wie  das  vorige.  Silberdraht.  In  zwei  Stücke  zerfallen. 

St  21.  Grab  750.  Taf.  34:  7  u.  8.  Nadelbehälter.  Ein  Netz  aus  Silberdraht  in  Schlingenstich  nach  Schema  b 
von  oben  nach  unten  über  ein  Röllchen  aus  verfilzter  Wolle  gearbeitet.  Zwischen  dem  Netz  und  der  Wolle 
ganz  winzige  Reste  eines  dünnen  Stoffes,  vermutlich  Seide  in  einer  ursprünglich  hellen  Farbe.  Oben  scheint 
ein  Streifen  aus  Glimmer  (1  Stück  noch  erhalten)  und  Silberblech  (2  Stücke  zu  je  5  x6  mm)  angebracht  gewesen 
zu  sein.  Letztere  zeigen  Spuren  einer  dichten  Umwicklung  mit  Fäden.  Masse:  Länge  58  mm,  Durchmesser 
9  mm.  —  Eine  Nähnadel  ist  noch  angesteckt.  Das  Silbernetz  stark  oxydiert,  zum  Teil  abgefallen.  Etwas  ist 
davon  jetzt  an  einem  dicht  danebenliegenden,  wollenen  Gegenstand  angeklebt,  wo  es  sich  besser  erhalten  hat. 
Möglich,  dass  einige  daneben  liegende  Glimmerscheibchen,  etwas  gebogen  und  rautenförmig  (8x5  mm) 
auch  zum  Nadelbehälter  gehört  haben.  Sie  können  vielleicht  irgendwo  zwischen  dem  Netz  und  der  Unterlage 
eingenäht  gewesen  sein,  um  eine  glitzernde  Wirkung  zu  erzielen. 

St  22.  Grab  581.  Taf.  34:  2.  Ein  Paar  pflaumenförmige  Anhänger  aus  Silberdraht.  Ziemlich  starker  Draht 
in  Schlingenstich  gearbeitet  (Schema  e).  Das  Gitter  wurde  sicher  über  einem  Knäuel  aus  Flachs  oder  dgl. 
jetzt  ganz  vermodertem  Material  hergestellt.  Dieser  Körper  war  teilweise  mit  Silberblättchen,  wovon  einige 
noch  vorhanden  sind,  besetzt,  die  unter  dem  Fadennetz  hervorglitzerten  und  vor  allem  in  den  runden 
„Löchern“  funkelten. 

Diese  wurden  dadurch  erzielt,  dass  man  lose  Kränze  wie  St  19  (Schema  e)  hergestellt  hat,  die  an  der  breite¬ 
sten  Stelle  angebracht  wurden;  ein  Mal  8  Stück  in  Zickzack  gelegt,  ein  anderes  Mal  nur  4  Stück,  wobei  statt 
dessen  die  Zwischenräume  teilweise  mit  Stichen  ausgefüllt  wurden.  Die  Arbeit  wurde  von  unten  mit  einem 
Kränzchen  begonnen  und  dann  nach  oben  in  einer  Spirale  fortgeführt,  sodass  eine  Schale  gebildet  wurde. 
Nachdem  die  „Löcher“  fertig  waren,  fuhr  man  auf  dieselbe  Weise  fort  und  verringerte  die  Stichreihen.  Die 
Arbeit  zeigt  ziemlich  ungleichmässige  Ausführung  und  verschiedene  Masse.  In  dem  einen  Anhänger  liegt 
noch  ein  Stück  verknitterten  Silberblechs.  Masse:  Höhe  30  bzw.  25  mm,  Durchmesser  17 — 20  mm  bzw. 
15 — 21  mm.  Zwei  Ringe  aus  Spiralsilber,  ganz  genau  wie  der  Gleitknoten  P  23  hergestellt,  jedoch  mit  ent¬ 
sprechend  grösserem  Durchmesser,  waren  am  Stiel  der  Anhänger  ebenso  wie  die  Ringe  an  den  folgenden 
Anhängern  befestigt. 

St  23.  Grab  581.  Taf.  34:  1.  Ein  Paar  Anhänger  aus  Silberdraht,  den  vorigen  sehr  ähnlich,  aber  ein  wenig 
eckig.  Die  Arbeit  wird  unten  mit  dem  Kränzchen  begonnen,  von  dem  aus  aber  mit  vier  Fadenpaare  gearbeitet 
wird.  Dort,  wo  sich  die  Fadenpaare  treffen,  entsteht  eine  markante  Eck-Kette  (Schema  d),  die  vermutlich 
an  einem  vertikal  gespannten,  jetzt  vermoderten  Faden  eine  Stütze  fand.  Die  Kränze,  12  an  jedem  Anhänger, 
wurden  um  die  Mitte  des  Stützkörpers  angebracht.  —  Beide  Anhänger  enthalten  ziemlich  grosse  Stücke  ver¬ 
knitterten  Silberblechs.  In  einem  Loch  sitzt  noch  eine  Art  Stein,  jetzt  beinahe  verwittert.  Die  beiden  Anhänger 
haben  oben  einen  breiten  Ring  aus  Flechten  und  Schlingenstichen.  Der  Ring  besteht  aus  zwei  dreifachen, 
einander  drei  Mal  überkreuzenden  Flechten  aus  Spiralsilber,  tatsächlich  ist  er  aber  aus  einem  einzigen  Faden 
hergestellt,  der  sechs  Mal  herumläuft.  Das  Loch,  das  zwischen  den  Flechten  und  den  Kreuzungen  entsteht, 
ist  mit  zwei  Reihen  Schlingenstichen  umsäumt,  eine  Reihe  derselben  an  den  Aussenkanten  hält  diese  zusammen 
und  befestigt  den  Ring  an  dem  Anhänger.  Masse:  Höhe  ohne  Ring  32  bzw.  35  mm,  mit  dem  Ring  42  und  43 
mm,  Durchmesser  20 — 24,  bzw.  26 — 29  mm. 

St  24.  Grab  750.  Taf.  34:9.  Gleitring  in  Schlingenstich  aus  ziemlich  starkem  Golddraht,  der  teilweise 
silberfarbig  ist.  Der  Goldfaden  bildet  ein  Netz  in  Schlingentechnik  mit  langen  gezwirnten  Partien  und  ungleich- 


120 


NEUNTES  KAPITEL 


mässigen  Heftstichen.  Die  Arbeit  wurde  mit  zwei  Ringen  begonnen,  die  jetzt  die  Aussenkanten  bilden,  von 
wo  aus  nach  Schema  a  gearbeitet  wurde,  bis  schliesslich  die  beiden  Teile  längs  der  Mittellinie  zusammenge¬ 
schlungen  wurden.  Die  Innenseite  des  Ringes  ist  mit  Goldblech  ausgekleidet.  Der  Ring  ist  jetzt  zusammenge¬ 
drückt,  das  Goldblech  verknittert.  Breite  des  Ringes  9  mm,  jetzige  Länge  16  mm.  Zu  einem  ähnlichen  Ge¬ 
genstand  gehört  vielleicht  ein  einzelnes  Goldblech  in  der  Grösse  6x8  mm. 

St  25.  Grab  524.  Taf.  31:12.  Fragment  eines  Gleitringes  aus  Silberdraht  in  Schlingentechnik.  Dem 
eben  beschriebenen  Goldring  ziemlich  ähnlich.  Man  hat  offenbar  erst  2  schmale  Ringe  aus  3  bis  4  Reihen  ge¬ 
wöhnlicher  Stiche  hergestellt,  diese  beiden  wurden  mit  zwei  längeren,  zickzacklaufenden  Fadenpaaren  ver¬ 
einigt.  In  dem  Ring  sind  noch  Fragmente  eines  groben  Seidentaftes  vorhanden,  der  wahrscheinlich  dieselbe 
Aufgabe  wie  das  Goldblech  in  dem  vorhergehenden  Ring  erfüllte.  —  Breite  des  Ringens  ungefähr  10  mm. 

St  26.  Grab  832.  Taf.  34:6.  Mit  Silberdraht  und  Glimmer  gesticktes  Endstück  einer  Knotenborte. 
Ebenmässige  und  feine  Taftseide  (S  1).  Die  Fadenlage  geht  aus  dem  Diagramm  a  hervor.  Die  Arbeit  besteht 
aus  einer  dreifachen  Flechte  aus  feinem  doppeltem  Silberdraht,  die  runde  Bogen  bilden,  in  die  kleine  Glimmer¬ 
scheiben  eingelegt  sind.  Die  Flechte  ist  an  beiden  Seiten  durch  einen  Schlingenstich  zusammengehalten,  wo¬ 
durch  sie  auch  an  der  Aussenseite  des  Bogens  an  dem  Stoff  befestigt  ist.  Die  Stickerei  wurde  in  zwei  ungefähr 
gleichen  Exemplaren  hergestellt,  die  dann  zusammengesetzt  wurden.  Eine  Randborte,  P  9,  aus  doppeltem 
Spiralsilber  ist  am  Rande  zwischen  den  beiden  Stoffen  eingenäht.  Die  eine  Ecke  scheint  vollständig  zu  sein. 
Masse:  1.7  X3.1  cm.  —  Lose  Fragmente  einer  Flechte,  Spiralsilber  und  5  runde  Glimmerstücke,  zu  derselben 
Stickerei  gehörend. 

St  27.  Grab  644.  Taf.  34:5.  Drei  Fragmente  einer  Stickerei  aus  Silberdraht  und  Goldblech,  vermutlich 
zu  einem  oder  zwei  Endstücken  gehörig.  Technik  ungefähr  wie  St  26.  Die  Verschlingungen  einer  vierfachen 
Flechte,  aus  doppelten  Silberdrähten  hergestellt,  sind  auf  beiden  Seiten  mit  Schlingenstichen  fixiert  resp.  an¬ 
einander  befestigt.  In  den  äusseren  dreieckigen  Öffnungen  zwischen  den  Flechten  sind  Stücke  aus  Goldblech 
(teilweise  silberähnlich;  Weissgold?)  eingelegt.  Die  Stickerei  ist  doppelseitig,  d.  h.  sie  besteht  aus  2,  so  gut  wie 
gleichen,  am  Rande  zusammengenähten  Ornamenten,  zwischen  welchen  ein  jetzt  vermoderter  Stoff  gelegen 
hat,  der  ursprünglich  in  der  Mitte  hervorschaute.  Die  Stücke  waren  vermutlich  ungefähr  so  zusammengesetzt, 
wie  sie  hier  photographiert  erscheinen.  Das  Ornament  bestand  also  aus  4  spitzbogenförmigen  Rundteilen,  die 
durch  einen  grösseren  Ring  mit  einander  verbunden  waren.  Das  Endstück,  das  der  Form  nach  ungefähr  qua¬ 
dratisch  war,  hat  sicher  an  der  einen  Ecke  einen  Stiel  gehabt,  was  daraus  hervorgeht,  dass  das  Ornament  hier 
mehr  in  die  Länge  gezogen  ist,  sowie  daraus,  dass  an  der  Spitze  noch  Stoffreste  vorhanden  sind.  —  In  dieser 
Hinsicht  deutet  die  Ähnlichkeit  der  beiden  kleineren  Teile  (ganz  oben  auf  der  Abbildung)  daraufhin,  dass  sie 
nicht  zu  demselben  Endstück  gehört  haben.  Die  Zieratreste  dürften  also  ein  Paar  Endstücke  dargestellt  haben. 
Masse:  Grösste  Ausdehnung  des  grösseren  Fragmentes  (=  Seite  des  Quadrates)  27  mm. 

St  28.  Grab  750.  Taf.  34:  3.  Grosser  Knoten,  achterförmig,  aus  einer  dreifachen  Flechte  hergestellt,  die  auf 
der  einen  Seite  durch  Schlingenstich  verbreitert  war,  der  vermutlich  auch  dazu  gedient  hat,  den  Knoten  an  der 
Stoffunterlage  festzuhalten.  Die  Flechte  ist  aus  gesponnenem  Goldfaden,  der  Schlingenstich  aus  Golddraht. 
Die  an  beiden  Seiten  hängenden,  ziemlich  langen  Flechtenenden  geben  keinen  Aufschluss,  wie  das  Ganze  aus¬ 
gesehen  hat.  Masse:  Der  Knoten  (für  sich  allein)  16  X  10  mm. 

St  29.  Grab  496.  Taf.  35:8.  Anhänger,  1  Stück  ganz  erhalten,  2  teilweise,  ausserdem  mehrere  kleine 
Fragmente,  sich  nach  oben  und  unten  verjüngend,  mit  dreieckigem  Querschnitt.  Jeder  Anhänger  bestand  aus 
drei  vergoldeten  Lederstücken,  deren  Kanten  durch  Falze  aus  feinem  Silberdraht  zusammengehalten  wurden. 
In  den  Falzen  sind  noch  kleine  Lederfragmente  erhalten,  die  noch  deutlich  Vergoldung  aufweisen.  Wie  dieser 
Falz  hergestellt  wurde,  veranschaulicht  die  Zeichnung  Abb.  30  b,  wo  der  aktive  Faden  des  Schlingenstiches 


STICKEREIEN 


I  2  I 


ganz  schwarz  eingezeichnet  ist.  Der  Falz  besteht  aus  2  dreifachen  Flechten,  welche  mit  engen  Schlingenstichen, 
zusammengenäht  wurden,  so  dass  ein  scharfer  Grat  entsteht.  Der  Schlingenstich  läuft  an  der  Aussenkante  der 
Flechte  entlang,  um  sie  der  Breite  nach  zu  fixieren.  Oben  Spuren  eines  Stieles  aus  Spiralsilber  faden.  Masse: 
Höhe  1.8  cm  ,  Breite  i  cm.  —  Bei  diesen  Gegenständen  lagen  Fragmente  von  Knoten  oder  Flechten  aus  drei¬ 
fachem  Spiralsilberfaden,  wahrscheinlich  die  Borte,  an  der  die  Anhänger  befestigt  waren.  Alles  lag  „hinter  dem 
Kopf“. 

St  30.  Grab  524.  Taf.  35:7.  Knotenborte  mit  Anhängern  abwechselnd  rund  und  rautenförmig.  Die 
Knotenborte  (P  10)  ist  aus  einfachem  Spiralsilber  hergestellt.  Die  rautenförmigen  Anhänger  bestehen  aus 
einer  in  einem  Falz  eingefassten  Glimmerscheibe.  Abb.  30  b  zeigt  ungefähr,  wie  der  Falz  hergestellt 
wird,  jedoch  ist  er  in  der  Mitte  flach  zusammengefaltet.  Die  Flechte  ist  aus  einfachem  Silberdraht  und  die 
Schlingenstiche  sind  nicht  so  eng,  ungefähr  wie  Schema  a.  Masse:  18x12  mm.  Zwei  ganze  und  zwei 
fragmentarische  Anhänger,  wovon  der  eine  an  der  Borte  hängt. 


Abb .  31.  Schema  zu  St  32. 


Die  runden  Anhänger  bestehen  aus  einem  Glimmerscheibchen,  von  einem  stärkeren  Silberdraht  in 
Schlingentechnik  eingefasst:  rings  um  den  Rand  der  Glimmerscheibchen  ist  mittels  zweier  einander  kreuzender 
Fadenpaare  ein  Ring  befestigt;  von  hier  gehen  8  gleich  grosse  Bogen  aus.  Die  Zwirnung  ist  fest  und  die  Abstän¬ 
de  zwischen  den  Befestigungsstellen  länger  als  üblich.  Durchmesser  18  mm.  Zwei  Anhänger  vorhanden,  der 
eine  an  der  Borte  neben  einer  Raute  angebracht.  Die  ganze  „Franse“  25 — 27  mm  breit. 

St  31.  Grab  524.  Taf.  35:  6.  Fragment  einer  Stickerei  nach  Schema  Abb.  30  a,  ausgenommen  dass  die  Flechte 
aus  doppeltem  Silberdraht  besteht  und  nur  der  innere  Schlingenstich  erhalten  ist.  Das  Fragment  besteht  aus 
zwei  Flechten,  die  einander  kreuzen  und  gut  mit  einander  verbunden  sind.  Das  Ganze  ist  ein  wenig  bauchig. 
Möglich,  dass  hier  wie  beim  Goldhirsch  irgend  eine  Füllung  eingelegt  war.  Masse:  15  X13  mm. 

St  32.  Adelsöy  Skopinntull .  (S.  H.  M.  Inv.  Nr.  16117).  Taf.  31:  10.  Birnenförmiger  Schmuck  aus  Gold- 
und  Silberdraht,  Silberperlen  und  Goldblech1,  zusammengesetzt  aus  vier  gleichen  flachen  Kränzen  mit  einem 
Durchmesser  von  8 — 9  mm,  die  gleichsam  ein  Körbchen  bilden.  Die  Kränze  wurden  folgendermassen  ange¬ 
fertigt  (vgl.  Abb.  31).  Auf  einen  Ring,  vermutlich  aus  Silberdraht,  sind  15 — 20  Perlen  aus  Glasfluss  in  der  Grösse 
eines  Stecknadelkopfes  aufgezogen.  Die  Perlenreihe  ist  von  einem  Goldfaden  in  Schlingenstich  eingefasst, 
der  auch  die  Kränzchen  aneinander  bindet.  Der  Stiel  besteht  aus  einer  eckigen,  eng  geflochtenen  Schnur  aus 
Silberdraht,  der  jetzt  stark  zersetzt  ist.  Im  Innern  des  Schmuckes  zwei  lose  Goldbleche,  die  vermutlich  mit 
einer  Art  Polsterung,  die  jetzt  vermodert  ist,  unterlegt  waren.  Der  Mittelkranz  ist  jetzt  teilweise  gelockert 
und  der  ganze  Anhänger  verbeult.  Länge  mit  Stiel  36  mm. 

1  Hanna  Rydh,  a.  a.  O.,  S.  115  u.  164  ff.,  Abb.  295;  Der  Fund  von  Skopinntull  in  das  Ende  des  9.  Jhdts.  datiert. 


I  22 


NEUNTES  KAPITEL 


St  33.  Adelsö.  (S.  H.  M.  Inv.Nr.  16117).  Taf.  31:  n.  Gleitknoten  ähnlich  P  23,  aber  grösser  und  aus 
einer  zirka  3  mm  breiten,  flachen  Schnur  verfertigt,  deren  eigentümliche  Technik  nicht  festzustellen  ist,  da  das 
Material  teilweise  verschmolzen  oder  zersetzt  ist.  An  der  Oberfläche  sieht  man  querverlaufende  Fäden  — 
möglicherweise  als  Ösenstich  gearbeitet  —  und  auf  diese  sind  in  regelmässigen  Abständen  kleine  runde  Perlen 
aufgezogen,  wahrscheinlich  aus  Glas.  Darauf  liegen  zwei  Schnüre,  jede  aus  zwei  zusammengedrehten  Gold¬ 
drähten  bestehend,  die  mit  Schlingenstich  auf  beiden  Seiten  der  Perle  und  an  demselben  Faden  wie  diese  befestigt 
sind.  Zwischen  jeder  Perle  kreuzen  sich  die  Goldschnüre.  Der  Knoten  ist  jetzt  platt  zusammengedrückt. 
Grösster  Durchmesser  14  mm. 

Die  erhaltenen  Goldfragmente  in  Stielstich  geben  über  das  Muster  keine  anderen 
Aufklärungen  als  die,  dass  es  aus  unregelmässigen  Flächenornamenten  ohne  geome¬ 
trische  Stilisierung  bestand.  Sie  sind  freilich  zu  sehr  beschädigt  und  zu  klein,  als 
dass  man,  darauf  gestützt,  ein  bestimmtes  Urteil  abgeben  könnte.  Es  erscheint  aber 
nicht  unmöglich,  dass  sie  wie  diejenigen  seidenen  Stickereien  des  Osebergfundes,  die 
in  Medaillons  eingefasste  Tiere  aufweisen,  ausgesehen  haben  können.  Sowohl  der 
Massstab  wie  die  Formengebung  scheinen,  soweit  man  noch  sehen  kann,  damit  über¬ 
einzustimmen.  Mündlichen  Mitteilungen  zufolge  —  die  Arbeiten  sind  noch  nicht 
veröffentlicht  —  hält  Dr.  Hougen  aus  stilistischen  Gründen  diese  Stickereien  für 
englisch,  eine  Bestimmung,  die  mit  Rücksicht  auf  das  Material  auch  auf  unsere  Gold¬ 
stickereien  passen  würde.  Diese  gehören  nämlich  zu  den  in  Birka  nur  ganz  ausnahms¬ 
weise  vorkommenden  Arbeiten,  die  aus  dem  in  Westeuropa  gebräuchlichen  gespon¬ 
nenen  Faden  hergestellt  sind. 

Die  übrigen  Beispiele  für  dieselbe  Technik,  St  2 — 4,  können  kaum  eine  Hand¬ 
habe  für  eine  selbstständige  Bestimmung  abgeben.  Solch  einfache  Arbeiten  können 
so  gut  wie  überall  erzeugt  worden  sein.  Die  gerade  Naht  auf  dem  Wollstoff  kann 
sicher,  auch  wenn  der  Stoff  importiertes  „friesisches  Tuch“  ist,  in  Birka  ausgeführt 
worden  sein. 

Ein  Teil  der  ösensticharbeiten  sind  wirkliche  Wunderwerke  an  Eleganz  und  Prä¬ 
zision:  die  direkt  auf  Seide  gestickten  und  hierauf  sinnreich  zusammengesetzten  Stücke, 
St  9  und  10,  oder  die  geraden  Borten,  St  5.  Indessen  ist  zwischen  diesen  und  den 
übrigen  Arbeiten  in  derselben  Technik  oder  einer  Variation  davon  nur  ein  Grad¬ 
unterschied.  Man  muss,  so  scheint  es  mir,  voraussetzen,  dass  alle  in  Birka  gefundenen 
Exemplare  von  ösensticharbeiten  innerhalb  eines  verhältnismässig  engbegrenzten 
Gebietes  erzeugt  wurden.  Dies  dürfte  auch  für  die  komplizierteren  Borten,  St  1 5  a — f 
gelten,  welche  in  Smäland  und  auf  Gotland  gefunden  wurden.  Vielleicht  sind  diese 
mit  ihrem  besonderen  Zusatz  als  eine  jüngere  Entwicklungsstufe  der  Haupttechnik 
zu  betrachten. 

Das  einzige  auswärtige  Vergleichsmaterial,  das  mit  unseren  Ösenstichstickereien 
in  Zusammenhang  stehen  kann,  ist  in  südlicher  Richtung  zu  finden.  Dieselbe  Technik 
kommt  sowohl  auf  den  prachtvollen  antiken  Goldschmuckstücken  vor,  die  u.  a.  in 
Südrussland  gefunden  wurden,  wie  auf  bedeutend  jüngeren  und  auch  gröberen  Ar¬ 
beiten.  Vollständige  Angaben  über  die  Verbreitung  dieser  Technik  kann  ich  leider 


STICKERIEN 


123 


nicht  machen;  doch  soviel  scheint  sicher  zu  sein,  dass  sie  unter  den  ersten  Jahrhunderten 
nach  der  Jahrtausendwende  —  in  dem  Zeitalter  der  Kreuzzüge  also  —  in  den  Ländern 
südöstlich  des  Baltischen  Meeres  als  Volkskunst  verbreitet  war.  An  und  für  sich  ist 
es  gar  nicht  undenkbar,  dass  diese  Technik  auch  in  Schweden  im  Gebrauch  stand, 
besonders  da  sie  auch  auf  Silberschmuckstücken  von  zweifellos  schwedischer  Her¬ 
kunft  vorkommt.1 

Die  durchgehends  zum  Ausdruck  kommende  Geschicklichkeit  der  Ausführung 
und  die  Vielseitigkeit  der  Anwendung  der  Technik  deuten  auf  eine  weitverbreitete 
und  hoch  entwickelte,  gewerbsmässige  Handfertigkeit  hin.  Darum  könnte  man  viel¬ 
leicht  die  Möglichkeit  bezweifeln,  dass  diese  Gegenstände  einheimischer  Erzeugung 
wären.  Für  die  Wahrscheinlichkeit,  dass  diese  Technik  in  Schweden  verbreitet  war, 
sprechen  jedoch  die  vielen  in  Finnland  und  im  Ostbaltikum  verbreiteten  Exem¬ 
plare  gröberer  Ausführung:  sowohl  die  schiffchenförmigen  Haarschmuckstücke  aus 
Silberdraht,  die  oft  in  den  karelischen  Gräbern  aus  dem  Zeitalter  der  Kreuzzüge  zu 
finden  sind,  sowie  die  gröberen  Nachbildungen  derselben  Form  in  Silber  und  Bronze, 
die  sowohl  in  Estland  als  auch  in  Lettland  auftreten.2  Von  dieser  Technik,  die  in  der 
späteren  Eisenzeit  und  dem  frühen  Mittelalter  im  Baltikum  allgemein  in  Verwen¬ 
dung  stand,  lebt  wahrscheinlich  noch  ein  spätes  Überbleibsel  in  der  rein  textilen  Ver¬ 
zierungstechnik  der  estnischen  Volkskunst  fort.3 

Es  wurde  bereits  hervorgehoben,  dass  die  in  Rede  stehenden  Erscheinungen  aus 
Birka  bisweilen  an  Goldschmiedearbeiten  erinnern.  Dieser  Zug  tritt  noch  stärker 
bei  den  eben  erwähnten  finnisch-baltischen  und  auch  bei  den  eben  genannten  schwe¬ 
dischen  Exemplaren  hervor,  welche  ja  alle  jünger  sind.  Sicher  sind  diese  ohne  Nadel 
gearbeitet,  wahrscheinlich  unter  Zuhilfenahme  einer  feinen  Zange  (vgl.  die  Pinzetten 
in  Birka).  Ein  Vergleich  zwischen  unserem  Anhänger  und  dem  auf  Taf.  32:  7  abge¬ 
bildeten  karelischen  Schmuck  lässt  uns  keinen  Zweifel,  dass  die  beiden  verwandt  sind; 
wieso,  lässt  sich  dagegen  nicht  so  leicht  entscheiden.  Entweder  haben  beide  Gruppen 
einen  gemeinsamen  Ursprung;  doch  ist  es  auffallend,  dass  die  Technik  in  dem  mehr 
abseits  liegenden  Schweden  feiner  und  vielseitiger  ist.  Oder  auch  ist  die  eine  und 
zwar  die  ostbaltische  Gruppe  ein  späteres  Glied  in  der  Entwicklungskette. 

Zweifellos  ist  das  Birkamaterial  Erzeugnis  einer  erstklassigen  gewerblichen  Arbeit, 
während  die  finnisch-baltischen  Gegenstände  volkstümliche  Nachbildungen  einer 

1  Beispiele  für  die  hier  gemeinte  Art  sind  zwei  im  Querschnitt  runde  Silberketten  im  S.  H.  M.  (von  Bredsätra  auf 
Öland  und  Ödeshög  in  Östergötland),  die  so  dicht  gearbeitet  sind,  dass  sich  ihre  Technik  nur  schwer  von  den  Ketten  gleichen 
Aussehens  unterscheiden  lässt,  die  aus  wirklichen  Gliedern  bestehen.  Diese  beiden  Ketten  sind  mit  filigran  verzierten  Stücken, 
einem  Thorshammer  und  einem  Schlangenkopf,  verarbeitet,  die  die  schwedische  Herkunft  beweisen. 

2  Siehe  C.  A.  Nordman,  Karelska  järnäldersstudier,  Finska  fornminnesföreningens  tidskrift  XXXIV,  S.  135,  Abb.  3 
und  1 1 3.  Mehrere  Exemplare  in  den  Museen  zu  Dorpat  und  Riga.  Dieselbe  Technik,  ungefähr  wie  St  7  gearbeitet,  habe  ich 
an  einem  Halsschmuck  mit  verschiedenen  Anhängern,  u.  a.  arabischen,  deutschen  und  englischen  Münzen  aus  Tavaste- 
hus  (Finnlands  Nationalmuseum  Inv.  Nr.  3090)  beobachtet  und  an  einer  kleinen  lettischen  Spange  mit  Schlüssel  und 
OhrlöfFel  (aus  Vexküll;  Riga,  Dommuseum). 

3  In  einem  Aufsatz  über  Brettchenweberei  in  Estland  (Eesti  rahva  muuseumi  aastaraamat  VII,  S.  123)  zeigt  H. 
Kurrik  einen  Hemdkragen  mit  einem  Hohlsaum  und  einer  anderen  Naht  verziert,  die  Kettenstich  genannt  wird,  dessen 
deutlich  gezeichnetes  Diagramm  aber  mit  unserem  Schema  c  oder  e  übereinstimmt. 


NEUNTES  KAPITEL 


I  24 

solchen  sind.  Die  jüngeren  schwedischen  Verwandten  lassen  sich  am  besten  als  Zwi¬ 
schenglied  vor  den  etwas  gröberen  finnischen  einreihen.  Die  endgültige  Antwort 
auf  die  Frage,  ob  diese  Vorbilder  möglicherweise  in  Birka  hergestellt  worden  seien, 
wollen  wir  einstweilen  dahingestellt  sein  lassen. 

Wir  gehen  jetzt  auf  die  dritte  Art,  die  Schlingenstichtechnik ,  über.  Es  ist  mir  nicht 
gelungen,  zu  dieser  irgend  ein  Seitenstück  aufzufinden,  das  über  ihren  Ursprung 
Aufschluss  geben  könnte.  Allerdings  sind  die  äusserst  winzigen  Reste  von  Gold-  und 
Silberdraht,  die  man  in  dem  kürzlich  ausgegrabenen  Wikin gerschiff  aus  Ladby  in 
Dänemark  aufgefunden  hat,  auf  recht  ähnliche  Art  gearbeitet.  Die  schon  erwähnte 
Korbflechterei  ist  ihrer  Natur  nach  doch  so  anders,  als  dass  sie  in  diesem  Zusammen¬ 
hang  eine  Bedeutung  haben  könnte.  Als  einzige  könnten  uns  vielleicht  die  Glimmer¬ 
scheiben  einen  Fingerzeig  geben,  die  mittels  dieser  Stichart  eingefasst  sind.  Eine 
genaue  geologische  Untersuchung  könnte  möglicherweise  die  Herkunft  dieser  win¬ 
zigen  Splitterchen  feststellen. 

Verglichen  mit  der  vorhergehenden  Gruppe  sind  diese  Arbeiten  von  recht  un- 
gleichmässiger  Ausführung.  Während  die  Tiere  und  die  kleinen  Anhänger  mit  den 
eingefassten  Glimmerscheiben  zu  dem  Feinsten  und  Elegantesten  gehören,  was  sich 
überhaupt  denken  lässt,  sind  die  grossen  pflaumenförmigen  Zierate  für  Kopfbedek- 
kungen  recht  plump  und  ungeschickt  gemacht.  Diese  Technik  ist  trotz  ihrer  minu¬ 
tiösen  Finesse  ihrem  ganzen  Charakter  nach  primitiv:  ist  sehr  mühsam,  setzt  in  hohem 
Masse  natürliche  Anlage  und  Routine  des  Arbeiters  voraus  und  steht  in  unbedingter 
Abhängigkeit  vom  Material.  Ferner  ist  sie  auch  für  die  verschiedensten  Zwecke  ver¬ 
wendbar  und  ihre  Eigenschaften  wurden  erfinderisch  und  geschickt  ausgenützt. 
Die  in  Birka  und  auf  Adelsö  aufgefundenen  Exemplare  zeigen  die  Technik  in  den 
verschiedenartigsten  Gestaltungen,  allein  oder  kombiniert  mit  anderen  Technik¬ 
arten,  aber  sie  beweisen  auch,  dass  die  individuelle  Fertigkeit  bedeutend  gewechselt 
hat.  Gerade  diese  Verschiedenheit  setzt  eine  recht  umfangreiche  Produktion  voraus. 

Trotz  der  Ungleichmässigkeit  scheint  es  mir  ebenso  schwer  zu  sein,  bei  den  Sticke¬ 
reien  eine  Einteilung  zu  treffen  wie  in  der  vorhergehenden  Gruppe.  Statt  dessen 
lässt  der  Umstand,  dass  sowohl  der  Ösenstich  wie  der  Schlingenstich  an  demselben 
Gegenstand  (St  17)  Vorkommen,  direkt  vermuten,  dass  diese  beiden  Technikarten 
innerhalb  desselben  Gebietes  in  Verwendung  standen.  Dasselbe  gilt,  soweit  ich  ver¬ 
stehe,  auch  von  der  Kombination  des  Schlingenstiches  mit  den  feinsten  Posamenten, 
nach  der  „Franse“  St  30  zu  urteilen. 

ZUSAMMENFASSUNG. 

Prüft  man  alle  die  verschiedenen  Kleiderverzierungen  aus  Silber-  oder  Golddraht 
—  die  Gattungen  B,  P  und  St  —  vom  Standpunkt  der  Art  und  des  Charakters  aus, 
so  ist  es  ohne  w'eiters  klar,  dass  der  Ursprung  dieser  Gattung  im  Orient  zu  suchen  ist.1 

1  Die  Frage  der  Herkunft  wurde  zum  Teil  schon  früher  erörtert,  S.  73,  90 — 98  und  105. 


STICKERIEN 


I25 


Obwohl  ja  auch  anderswo  goldene  Kleiderverzierungen  verwendet  wurden,  muss 
man  in  diesem  Fall  vorerst  an  diejenigen  Teile  des  byzantinischen  Reiches  und  Süd¬ 
russlands  denken,  mit  denen  die  schwedischen  Wikinger  und  Kaufleute  zu  jener  Zeit 
in  Verbindung  standen.  Die  Frage  ist  nur  die,  ob  alle  Arbeiten  fertiger  Import  sind 
oder  ob  man  einen  Teil  für  einheimisches  Erzeugnis  halten  kann.  In  diesem  Falle 
hätten  in  Birka  oder  in  dessen  Umgebung  ansässige  Handwerker  sich  die  Fertigkeit 
in  der  fremden  Technik  angeeignet.  Es  sind  Gründe  genug  vorhanden,  die  für  eine 
solche  Möglichkeit  sprechen,  sodass  man  nicht  unbedingt  alles  für  Import  halten 
muss.1 

In  jenen  Fällen,  wo  man  überhaupt  noch  von  Mustern  auf  diesen  Fragmenten 
reden  kann,  liefern  sie  zur  Lösung  dieser  Frage  kaum  einen  Beitrag.  Das  einfache 
Stufenmotiv  auf  St  8  könnte  ebenso  gut  einheimisch  wie  byzantinisch  oder  etwas 
anderes  sein.  Dasselbe  dürfte  der  Fall  mit  dem  Flechtenmotiv,  St  io, sein.  Der  ganze 
Gegenstand  St  9  hat  doch  eine  so  auffallende  Ähnlichkeit  mit  der  Ornamentpartie 
einer  Handschrift  der  byzantinischen  Schule2,  dass  man  glauben  könnte,  dass  ein 
ähnlicher  Gegenstand  als  Vorbild  gedient  hätte. 

Schwieriger  ist  es,  Parallelen  zu  den  Tierdarstellungen  in  St  16 — 18  zu  finden. 
Mit  Geweihen  geschmückte  Hirsche  und  zurückblickende  Tiere  kommen  auf  den 
sogen.  Birkamünzen  sehr  häufig  vor3,  aber  es  ist  ein  weiter  Schritt  von  diesen 
plump  und  schematisch  dargestellten  Tieren  zu  dem  mit  grosser  Fertigkeit  gezeich¬ 
neten  Goldhirsch.  Es  muss  jedoch  hervorgehoben  werden,  wie  gewagt  ein  stilisti¬ 
scher  Vergleich  zwischen  dem  mittels  Kerbschnitt  auf  der  Stanze  hergestellten 
Bild  und  dem  grösseren,  aus  weichem  Golddraht  geformten  Tier  ist.  Der  Hirsch 
kommt  ja  oft  in  der  nordischen  Kunst  vor.  Ausserdem  sei  hier  auf  eine  gewisse 
Übereinstimmung  in  dem  technischen  Verfahren  mit  dem  kleinen  Kruzifix  in 
Silberfiligran  aus  Grab  660  hingewiesen,  das  sicher  schwedische  Arbeit  ist.4  Sucht 
man  dagegen  Anknüpfungspunkte  auf  orientalischem  Gebiet,  so  wirkt  die  naturalis¬ 
tische  Stilisierung  für  die  von  persisch-sassanidischer  Kunst  beeinflusste  Formenwelt 
fremd,  die  dem  Handwerk,  vor  allem  der  Gold-  und  Silberschmiedekunst  in  jenen 
Teilen  des  Orients  eigen  ist,  mit  denen  die  Nordmänner  auf  ihren  Fahrten  in  Berüh¬ 
rung  gekommen  sind.  In  den  Illustrationen  der  byzantinischen  Handschriften  sind 
neben  dem  stark  stilisierten  Dekorationsstil  naturalistisch  gezeichnete  Tiere  in  ge¬ 
ringem  Massstab,  freilich  meistens  Vögel,  aber  auch  Hirsche  und  andere  Tiere  zu 
finden5,  die  sehr  wohl  in  demselben  Milieu  wie  die  Birkahirsche  geschaffen  worden 
sein  können.  Aber  auch  in  diesem  Fall  hilft  ein  Vergleich  wegen  der  Verschiedenheit 
des  Materials  wenig. 

1  Arne  ist  z.  B.  der  Ansicht,  dass  alle  diese  Birka-Zierate  aus  Goldfaden,  ohne  Unterschied,  auch  die  Bänder,  ent¬ 
weder  arabisch  oder  byzantinisch  sein  müssen.  (La  Suede  et  l’Orient,  S.  214.) 

2  Weitzmann,  Die  Byzantinische  Buchmalerei  des  9.  und  10.  Jhdts.,  Abb.  468. 

3  Sune  Lindqvist,  Birkamynten,  Fornvännen  1926,  Abb.  223 — 236. 

4  H.  Arbman,  Schweden  und  das  Karolingische  Reich,  S.  205,  Taf.  63:  2. 

5  Weitzmann,  a.  a.  O.,  z.  B.  Abb.  87 — 98  und  558 — 560. 


I  26 


NEUNTES  KAPITEL 


Die  für  weitere  Bestimmungen  so  wichtige  Frage  nach  dem  Entstehungsort  des 
Goldhirsches  müssen  wir  mangels  eindeutiger  Beweise  in  der  einen  oder  anderen 
Richtung  bis  auf  weiteres  auf  sich  beruhen  lassen.  In  dem  Fall,  dass  sich  heraus¬ 
steilen  sollte,  dass  der  Goldhirsch,  die  in  künstlerischer  und  technischer  Hinsicht 
hervorragendste  aller  dieser  Arbeiten,  in  Birka  hergestellt  wurde,  gibt  es  ja  kaum  einen 
Anlass  anzunehmen,  dass  nicht  alles  samt  und  sonders  an  demselben  Platz  erzeugt 
wurde. 

Die  Arbeitsarten,  die  wir  oben  Posamenterie  und  Stickerei  genannt  haben,  kom¬ 
men  bisweilen  an  einem  und  demselben  Stück  vor.  Ausserdem  sind  sie  so  nahe  mit¬ 
einander  verwandt,  dass  eine  Einteilung  nach  der  Herkunft  auf  Grund  dieser  Be¬ 
zeichnungen  nicht  möglich  ist.  Jede  Art  für  sich  oder  beide  zusammen  wurden  in  zirka 
55  Birkagräbern  angetroffen,  davon  in  17  Gräbern  Stickereien.  Mit  Rücksicht  auf 
die  Annahme  orientalischen  Ursprungs  ist  es  indessen  bemerkenswert,  dass  der  übrige, 
notabene  erhaltene  Grabinhalt  in  gar  keinem  Fall  direkt  östliche  Orientierung  zeigt. 
In  einigen  dieser  Gräber  (z.  B.  514,  523,  524,  644)  kommen  einzelne  östliche  Stücke 
zusammen  mit  solchen  westeuropäischer  oder  einheimischer  Herkunft  vor,  doch  sehr 
oft  fehlen  bestimmt  östliche  Gegenstände  oder  der  Grabinhalt  zeigt  eine  ausgespro¬ 
chene  westeuropäische  Zusammensetzung,  so  wie  in  den  reichen  Kammergräbern 
73  5,  750  und  832.  Teilweise  gilt  dies  indessen  auch  für  die  Seidenstoffe,  die  ja  im¬ 
portiert  sein  müssen.  Die  grosse  Verbreitung  dieser  goldenen  und  silbernen  Zier¬ 
stücke  sind  nur  ein  Beweis  dafür,  dass  sie  in  der  schwedischen  Handelsstadt  gewohnte 
Erscheinungen  waren,  —  ob  aus  dem  Orient  importiert  oder  im  Inland  erzeugt, 
diese  Frage  sei  offen  gelassen. 

Für  die  letztere  Annahme  sprechen  die  in  den  Frauengräbern  obligatorisch  nieder¬ 
gelegten  Textilgeräte,  die  darauf  hinweisen  müssen,  dass  Arbeiten  ziemlich  verfeiner¬ 
ter  Art  ganz  allgemein  in  Birka  ausgeführt  wurden.  Dazu  gehörten  nicht  nur  Schere 
und  Nadelbehälter,  sondern  elegante  Pfrieme  und  Pinzetten  aus  Eisen  und  Bronze, 
welch  letztere  z.  B.  für  Arbeiten  wie  St  1 6,  20  und  29  oder  P  1 6  besonders  verwend¬ 
bar  gewesen  sein  müssen.  Die  vielen,  teilweise  sehr  schön  gearbeiteten  Beinnadeln,  die 
in  der  „Schwarzen  Erde“  aufgefunden  wurden,  könnten  wohl  für  die  Herstellung  von 
Posamentenarbeiten  wie  auch  von  bunten  Wollwirkereien  geeignet  sein.  Vgl.  oben 
S.  57  und  Taf.  39. 

Es  ist  jedoch  noch  ein  Faktor  in  Rechnung  zu  stellen,  wenn  es  sich  darum  han¬ 
delt,  den  Herstellungsort  der  in  Rede  stehenden  Erzeugnisse  auszuforschen:  das 
Material,  das  bereits  ausführlich  in  Kap.  VI  behandelt  wurde.  Die  Kunst,  Gold  und 
Silber  zu  Draht  auszuziehen,  scheint  eine  besondere  byzantinische  Erfindung  gewesen 
zu  sein,  die  im  übrigen  Europa  bis  zum  16.  Jhdt.  praktisch  genommen  unbekannt 
war.  Der  Faden,  den  man  sonst  verwendete  und  der  ausschliesslich  in  den  aus  der 
Vorzeit  erhaltenen  westeuropäischen  Funden  vorkommt,  bestand  aus  geschlagenem 


STICKERIEN 


127 


Gold,  das,  um  gebrauchsfähig  zu  werden,  um  einen  Textilfaden  gesponnen  wurde. 
In  Birka  kommt  dieser  Faden  äusserst  selten  vor  und  da  hat  man  in  zwei  Fällen  Grund, 
die  fertige  Stickerei  für  Import  aus  dem  Westen  zu  halten.  In  unserem  Fundmaterial 
besteht  der  grösste  Teil  aus  der  „byzantinischen“  Sorte,  sowohl  der  einfach  gezogene 
Draht  als  auch  derselbe,  spiralförmig  um  einen  textilen  Faden  gewickelt.  Gerade 
die  letztere  Form  kommt  bei  den  Lappen  vor,  aber  aus  Zinn  und  von  ihnen  selbst 
verfertigt. 

Verschiedenes  deutet  darauf  hin,  dass  die  Lappen  aus  der  Wikingerkultur,  mit  der 
sie  in  Birka  durch  den  Pelzhandel  bekannt  wurden,  auch  andere  Züge  übernommen 
und  bei  sich  erhalten  haben.  Es  wäre  sonst  sehr  schwer  zu  erklären,  woher  sie  ihre 
Zinndrahtstechnik  hätten  erhalten  sollen:  das  einfache  Ziehen  hätten  sie  an  und  für 
sich  vielleicht  durch  die  Goldschmiedekunst  lernen  können,  in  der  es  ja  sowohl  wäh¬ 
rend  der  Wikingerzeit  als  auch  später  sehr  gebräuchlich  war.  Doch  teils  scheinen  die 
Lappen  dieses  Gewerbe  nie  ausgeübt  zu  haben,  weshalb  es  weniger  glaubhaft  erscheint, 
dass  sie  sich  die  Technik  der  Zinnzieherei  separat  angeeignet  hätten,  teils  kommt  der 
Spiralfaden  vor  der  Zeit  um  1 500  —  und  dann  in  anderer  Gestalt  —  meines  Wissens 
nirgends  in  den  für  uns  erreichbaren  Teilen  von  Europa  ausser  in  Birka  und  bei  den 
schwedischen  Lappen  vor. 

Setzen  wir  nun  voraus,  dass  die  Lappen  die  Kunst,  aus  Metall  Faden  zu  ziehen 
und  ihn  spiralartig  zu  wickeln,  um  ihn  zur  Verzierung  ihrer  Kleider  zu  verwenden, 
von  der  Birkakultur  übernommen  haben,  muss  man  wohl  dort  die  Kunst  verstanden 
haben,  auch  Spiralgold  zu  erzeugen,  also  nicht  nur  das  Material  für  die  groben, 
sondern  auch  für  die  feinen  Flechtborten.  Doch  wenn  man  die  Leute  für  so  geschickt 
hält,  so  steht  kaum  ein  Hinderniss  der  Annahme  im  Wege,  dass  sie  jede  beliebige 
der  komplizierten  Technikarten,  die  oben  beschrieben  wurden,  hätten  ausüben  kön¬ 
nen.  Wie  es  damit  in  Wirklichkeit  steht,  ist  eine  andere  Frage,  die  auf  Grund  des 
gegenwärtig  vorhandenen  Materials  nicht  befriedigend  beantwortet  werden  kann. 


X. 


VERSCHIEDENE  ARBEITEN  AUS  WOLLGARN. 

Einige  der  unten  beschriebenen  Erzeugnisse  hätten  wegen  des  technischen 
Verfahrens  in  das  Kapitel  VIII  eingereiht  werden  können;  da  sie  jedoch 
im  Aussehen  wenig  mit  aus  Gold-  und  Silberfaden  hergestellten  Posamenterie- 
arbeiten  gemeinsam  haben,  dürfte  es  passender  sein,  sie  zusammen  mit  anderen  ein¬ 
zelnen  Gegenständen  in  ein  besonderes  Kapitel  zusammenzufassen.  Der  zuletzt  be¬ 
schriebene,  D  1 1 ,  gehört  vielleicht  zu  der  Kategorie,  die  in  Kapitel  IV  beschrieben 
wurde,  aber  man  kann  nicht  gut  sagen,  dass  er  dem  Titel  dieses  Kapitels  entspricht. 

Die  schlichten  Wollschnüre  sind  als  wenig  bemerkenswert  anzusehen,  die  Mehr¬ 
zahl  von  ihnen,  D  3 — 6,  verdient  jedoch  nicht  nur  wegen  ihrer  Feinheit  Beachtung, 
sondern  auch  weil  ihre  Technik  ungewöhnlich  ist.  Die  Verwendung,  —  sehr  diskret 
aber  ohne  praktische  Funktion  —  am  Rande  eines  Kleidungsstückes,  deutet  eine  recht 
fortgeschrittene  Schneiderkunst  an. 

D  1.  Grab  973.  Taf.  5:7.  Wollschnur,  am  Rande  eines  Kleidungsstückes  aus  Diamantenköper  (W  10), 
das  mit  Rips  gefüttert  ist  (W  30).  Die  Schnur  besteht  aus  mehreren  recht  zarten,  zweifädigen  Zwirnen  mit 
Rechtsdrehung,  die  zusammengedreht  wurden  (Linksdrehung). 

D  2.  Grab  954.  Taf.  6:7.  Wollschnur,  am  Rand  eines  feinen  Ripsstoffes  (W  24)  angenäht,  der  umge¬ 
schlagen  und  auf  der  verkehrten  Seite  niedergenäht  wurde.  Das  ganze  Stück  ist  stark  mit  Rost  vermengt  und 
deshalb  schwer  zu  analysieren.  Die  Schnur,  ungefähr  2  mm  im  Durchschnitt,  besteht  aus  mehreren  Fäden, 
um  die  ein  anderer  Faden  herumgewickelt  ist. 

D  3.  Grab  465  A.  Taf.  33:  7.  Schnur  aus  Wolle  mit  einem  dreieckigen  Querschnitt  von  2 — 3  mm;  ca.  2  cm 
Länge.  Das  Stück  war  stark  mit  Rost  vermengt  und  verhärtet.  Nach  langwieriger  Behandlung  im  Wasser 
wurde  die  Schnur  jedoch  so  weich,  dass  sie  eine  vorsichtige  Untersuchung  vertragen  konnte:  sie  ist  deutlich  aus 
mehreren  Fäden  geflochten. 

D  4.  Grab  838.  Taf.  5:6.  Feine  Wollschnur,  am  Rand  eines  Kleidungsstückes  aus  Diamantenköper  (W 
10  g)  angenäht,  mit  Ziersaum.  Sehr  ebenmässig  und  fest  gearbeitet;  dieselbe  Technik  wie  die  der  vorherge¬ 
henden. 

D  5.  Grab  1004.  Wollschnur,  an  den  Rand  eines  Kleidungsstückes  aus  Rips  angenäht,  W  27.  Die  Schnur 
hat  dreieckigen  Querschnitt  wie  D  3,  ist  jedoch  gröber  (3 — 4  mm).  Dieselbe  Sorte  im  Grab  839  und  860  ange¬ 
troffen. 

D  6.  Grab  466.  Taf.  5:5.  Feine  Wollschnur,  angerostet  an  der  Nadel  einer  Spange  zusammen  mit 
feinem  Wollstoff,  W  16.  Im  Querschnitt  dreieckig.  Entweder  wie  die  vorhergehenden  Schnüre  oder  mög¬ 
licherweise  mit  Gabel  hergestellt.  So  dicht,  dass  die  Technik  nicht  mit  Gewissheit  bestimmt  werden  kann. 


VERSCHIEDENE  ARBEITEN  AUS  WOLLGARN 


I  29 


Die  dem  Norden  eigentümliche  —  bereits  frühzeitig  auftretende  —  Flechttechnik 
„sprängning“  oder  Sprang  ist  unter  den  Birkafunden  nur  durch  zwei  kleine  Frag¬ 
mente  vertreten,  beide  leider  zu  unansehnlich,  als  dass  man  sich  eine  Vorstellung  von 
dem  ursprünglichen  Aussehen  der  Gegenstände  machen  könnte.  Allem  Anschein 
nach  ist  die  Technik  in  ihrer  einfachsten  Form  vertreten.  Sie  sind  wahrscheinlich 
weder  „ä  jour“  wie  die  dänischen  „Haarnetze“  noch  mit  verschiedenen  Flächen¬ 
effekten  wie  die  Hose  des  Teglefundes1  gearbeitet,  sondern  scheinen  am  ehesten  den 
in  dieser  Technik  ausgeführten  einfachen  Wollbändern,  in  Schweden  „pinnband“ 
genannt  („Stäbchenverfahren“)  geglichen  zu  haben,  welche  bis  in  die  jüngste  Zeit 
von  der  bäuerlichen  Bevölkerung  in  allen  skandinavischen  Ländern  hergestellt  wurden. 


Abb.  32.  Schema  zu  Sprang. 
Nach  v.  Walterstorff,  Swedish  Textiles. 


Abb.  33.  Flechten ,  Schema  zu  D  9. 


Möglicherweise  haben  sie  ein  Muster  mit  Farben,  wie  es  bei  diesen  Bändern  häufig 
vorkam,  gezeigt. 

Die  Technik  dürfte  aus  Abb.  32  ersichtlich  sein.  Es  ist  ein  Flechtwerk  aus  parallel 
gespannten  Fäden,  das  von  der  Mitte  aus  gearbetet  wird,  gewöhnlich  mit  Hilfe  von 
kleinen  Stäbchen.  Zwei  ganz  gleiche  Partien  kommen  hierdurch  zustande.  Die  Ar¬ 
beit  wird  dadurch  abgeschlossen,  dass  die  Fäden  in  der  Mitte  abgeschnitten  werden 
und  die  Lage  mit  Knötchen  fixiert  wird,  oder  die  Arbeit  wird  auch  wie  die  dänischen 
Netze  weiter  geführt,  bis  sich  die  beiden  Partien  treffen,  wonach  die  Drehungen  durch 
eine  besondere  Fadenverschlingung  fixiert  werden.  Im  ersteren  Fall  werden  daraus 
zwei  genau  gleiche  Fransen  oder  Borten,  im  letzteren  Fall  ein  einziger  Gegenstand. 

In  dem  oben  angeführten  Aufsatz  von  Broholm-Hald  wird  ausführlich  die  Technik 
und  ihr  Vorkommen  dargelegt.  Sprachforscher  wie  Hjalmar  Falk  und  J.  Brondam- 
Nielsen  vertreten  die  Ansicht,  dass  das  Wort  „sprang“  vom  Süden  erst  während  der 
zweiten  Hälfte  des  Mittelalters  heraufgekommen  sei,  und  ziehen  daraus  den  Schluss, 
dass  die  alte  Sprangtechnik  im  Norden  ausgestorben  gewesen  sei,  bis  sie  unter  einem 
anderen  Namen  wiederkehrte.  Ich  teile  vollkommen  die  von  den  beiden  dänischen 

1  H.  C.  Broholm  und  Margrethe  Hald,  To  sprangede  Textilarbejder  i  danske  Oldfund,  Aarböger  1935,  und 
H.  Dedekam,  a.  a.  O.,  in  Stavanger  Mus.  Aarsh.  1921 — 24. 

9  —  37823.  Birka  III. 


i3° 


ZEHNTES  KAPITEL 


Verfassern  ausgesprochene  Auffassung,  wonach  es  wahrscheinlicher  ist,  dass  sie  die 
ganze  Zeit  ausgeübt  wurde.  Die  Technik,  die  im  übrigen  hie  und  da  in  der  ägyp¬ 
tischen  Textilkunst  und  in  der  südeuropäischen  Volkskunst  vorkommt,  ist  im  Norden 
für  die  Bronzezeit,  die  römische  Eisenzeit  (Dänemark  und  Norwegen)  und  die 
Wikingerzeit  (Oseberg?1  und  Birka)  praktisch  belegt  und  war  in  der  jüngeren  Volks¬ 
kunst  aller  drei  Länder  weit  verbreitet.  Ausser  den  von  Broholm-Hald  erwähnten 
Belegen  in  Dänemark  und  Norwegen  möge  auch  hervorgehoben  werden,  dass  Sprang 
oft  in  den  schwedischen  Inventaren  usw.  besonders  aus  dem  16.  Jhdt.  genannt  wird, 
jedoch  auch  früher  und  später.2  Unter  diesen  findet  man  übrigens  bisweilen  Beschrei¬ 
bungen,  die  nicht  auf  die  Technik  passen,  die  wir  jetzt  Sprang  nennen.  Meines 
Erachtens  hat  die  Technik  wahrscheinlich  durch  lange  Zeiten  eine  sehr  weite  Ver¬ 
breitung  im  Norden  gehabt;  sie  hat  nur  den  Namen  gewechselt,  der  in  gewissen 
Fällen  auch  eine  weitere  Bedeutung  erhalten  hatte,  als  ihm  rechtmässiger  Weise  zu¬ 
kam. 

Überhaupt  dürfte  die  Tendenz  gefährlich  sein,  sich  bei  technischen  Ausdrücken 
auf  die  kontinuierliche  Bedeutung  einer  Bezeichnung  zu  verlassen.  Es  gibt  viele 
Beispiele,  und  zwar  aus  dem  textilen  Gebiet,  die  dasselbe  wie  auch  das  gerade  um¬ 
gekehrte  Verhältnis  beweisen:  dass  dasselbe  Wort  im  Laufe  der  Zeiten  die  Bedeutung 
verändert  hat  (z.  B.  Damast,  Baldachin).  Was  die  Anwendung  von  textiltechnischen 
Termini  in  Inventarangaben  betrifft,  so  muss  man  auch  mit  individuellen  Irrtümern 
bezüglich  des  beschriebenen  Gegenstandes  rechnen. 

D  7.  Grab  60  A.  Xaf.  37:  1.  Fragment  von  Sprang.  Das  Garn  ist  rechts  gezwirnt,  aus  gelb-brauner 
Wolle  und  von  normaler  Stärke.  Die  Fäden  liegen  parallel  gezogen  und  sind  so  brüchig,  dass  sie  sich  nur  wenig 
auseinander  dehnen  lassen.  Das  Sprangverfahren  steht  ausser  Frage,  im  übrigen  kann  aber  die  Fadenlage  im 
Detail  nicht  bestimmt  werden.  —  Das  Fragment  ist  unregelmässig;  grösste  Breite  kaum  1  cm,  Länge  5  cm. 

D  8.  Grab  660.  Xaf.  37:  2.  Fragment  von  Sprang,  vermutlich  Xeil  eines  Bandes.  Das  Garn  ist  mit  sehr 
fester  Rechtsdrehung  aus  gelbbrauner  Wolle  gezwirnt  und  zarter  als  im  vorigen  Fragment.  Auch  hier  liegen 
die  Fäden  gerade  gezogen  und  dicht  beisammen,  sodass  die  im  Bild  schematisch  gezeichneten  Fadenbuchten 
kaum  erkennbar  sind.  Nach  Befeuchtung  kann  das  Band  jedoch  vorsichtig  der  Breite  nach  ausgedehnt  werden, 
wodurch  die  Xechnik  deutlich  hervortritt.  Die  Fadenflechtung  ist  regelmässig  ohne  irgend  eine  Art  von  Mu¬ 
sterung.  —  Breite  10  bis  12  mm,  Länge  3  cm.  Das  Band  lag  am  Rand  des  Gewebes  M  4  festgeklebt. 

Für  eine  andere,  in  der  nordischen  Volkskunst  oft  auftretende  Technik  kann  D  9 
als  Beispiel  angeführt  werden,  Abb.  33-8  Es  ist  ein  gewöhnliches  Diagonalgeflecht 
mit  freien  Fäden,  sozusagen  eine  Fortsetzung  der  Technik  in  P  2,  Abb.  21,  nur 
mit  dem  Unterschied,  dass  die  Zahl  der  Fäden  viel  grösser  ist. 

D  9.  Grab  543.  Xaf.  37:3.  Fragment  eines  geflochtenen  Bandes.  Das  Material  ist  recht  grobes,  zwei- 
fädiges,  sehr  locker  linksgezwirntes  Wollgarn  in  dunkelbraunem  und  schwach  blaugrünem  Farbton.  Das 

1  Osebergfundet  II,  S.  178  f. 

2  Siehe  N.  Sjöberg,  Konung  Gustaf  I:s  fatbur  pa  Gripsholms  slott  und  Agnes  Branting,  Knytning,  knyppling 
och  sprängning,  beide  in  Fataburen  1907. 

2  Vgl.  z.  B.  Walterstorff,  Swedish  Textiles,  Abb.  113 — 114. 


VERSCHIEDENE  ARBEITEN  AUS  WOLLGARN 


l3l 

Fragment  machte  erst  einen  sehr  schmalen  Eindruck;  es  war  in  die  Länge  gezogen,  sodass  die  Fäden  dicht 
lagen  und  parallel  zu  laufen  schienen.  Im  feuchten  Zustand  konnte  das  ganze  Fragment  jedoch  der  Breite 
nach  ausgedehnt  werden,  sodass  die  Fadenlage  bestimmt  werden  konnte.  In  diesem  Zustand  sind  die  Masse 
ungefähr  2  V2  x6  cm. 

In  textiltechnischer  Hinsicht  kann  der  eigentümliche  Gegenstand  D  io  nur  als 
eine  Sammlung  von  Garnproben  bezeichnet  werden.  Da  man  es  als  unbezweifelt  an¬ 
zusehen  hat,  dass  er  an  Ort  und  Stelle,  wahrscheinlich  aus  im  Lande  erzeugtem  Garn 
hergestellt  worden  war,  lassen  diese  Proben  erkennen,  dass  hier  die  Spinngeschick¬ 
lichkeit  gut  war  und  die  Drehrichtung  des  Wollfadens  variieren  konnte.  Dieses 
Faktum  ist  kaum  geeignet,  Verwunderung  zu  erregen,  seitdem  man  festgestellt  hat, 
dass  in  gewissen  Wollstoffen  absichtlich  Kette  und  Schuss  mit  verschiedener  Spinn¬ 
richtung  verwendet  wurden;  vgl.  oben  S.  13.  Die  Sache  ist  indessen  eines  Hinweises 
wert,  weil  manche  Forscher  verschiedene  Spinnrichtung  als  Beweis  dafür  vorgebracht 
haben,  dass  die  jeweiligen  Garne  an  verschiedenen  Orten  erzeugt  worden  seien.1 

D  10.  Grab  97.  Taf.  3:8.  Unbestimmbarer  Gegenstand,  wahrscheinlich  mit  magischer  Bedeutung. 
Ein  flacher  Klumpen,  ca.  6  x8  cm,  enthaltend  ein  Büschel  Zweige,  möglicherweise  von  Birke,  sowie  Bronze¬ 
gegenstände,  umwickelt  mit  mehreren  Sorten  zweifädigen  Wollgarns,  das  in  verschiedenen  Richtungen  ge¬ 
wunden  ist.  Sowohl  die  Farbe  wie  die  Stärke  und  die  Zwirnrichtung  des  Garnes  wechseln,  die  Qualität  ist 
jedoch  immer  gut.  Das  Meiste  ist  linksgezwirnt.  Rot  kann  deutlich  unterschieden  werden.  Teilweise  lose 
sitzend,  teilweise  noch  eingeschlossen,  finden  sich  eine  Anzahl  Bronzestücke  und  Ringe  von  eigentümlicher 
abgeplatteter  Form.  Eingesunken  in  der  Oberfläche  eine  kleine  runde  Glasperle.  Aus  der  Röntgenphoto¬ 
graphie  geht  hervor,  dass  der  Klumpen  einen  unvollständigen  Ring  von  ungefähr  5  cm  Durchmesser  enthält, 
auf  dem  man  kleinere  Ringe  aufgereiht  sieht.  Losgelöste  Fragmente  von  mittelstarkem  Rips  in  dunkler  Farbe 
gleich  W  28,  mit  angeklebtem  Garn-  und  Federteilen.  Lag  beim  Knie  des  Skeletts,  in  StofF  und  Birkenrinde 
eingewickelt. 

Die  Gattung  des  auf  Taf.  37:  4  abgebildeten  und  unten  beschriebenen  Fragments 
kann  wegen  des  verfallenen  Zustandes  nicht  genau  bestimmt  werden.  Es  hat  den  An¬ 
schein,  als  wäre  es  ein  genopptes  Gewebe  gewesen,  man  kann  jedoch  nicht  sehen,  wie 
die  Extra-Fäden  eingearbeitet  worden  waren.  Die  deutlich  hervortretenden  roten  und 
blauen  Farben  im  Birkafragment  deuten  darauf  hin,  dass  der  fragliche  Mantel  oder 
die  Decke  einen  gewissen  Luxuscharakter  hatten. 

Vielleicht  ist  dies  ein  Villosamantel  von  der  Art  gewesen,  wie  sie  in  den  Urkun¬ 
den  erwähnt  werden.2  Wie  diese  aussahen  und  wie  sie  gearbeitet  waren,  wissen  wir 
ja  nicht,  es  hat  aber  den  Anschein,  als  hätten  sie  sowohl  grobe  Alltagskleider  als 
auch  vornehme  Kleidungsstücke  sein  können.  Hjalmar  Falk3  vertritt  die  Auffassung, 
dass  sowohl  die  Villosateppiche  wie  die  als  anord.  r'y ,  ags.  ryhe  {ruh,  zottig)  bezeichneten 
Gewebe  eine  genoppte  Textur  ungefähr  von  dieser  Art  hatten,  und  lod  und  roggvar- 
jeldr  der  wirklichen  Knüpftechnik  entspricht,  bei  der  die  eingewebten  Wollbüschel 

1  U.  a.  Pfister,  vgl.  S.  13,  Fussnote. 

2  Siehe  Kletler,  a.  a.  O.,  S.  113 — 114. 

3  A.  a.  O.,  S.  52. 


132 


ZEHNTES  KAPITEL 


roggvar  heissen.  Die  ausserordentlich  weite  Verbreitung,  die  die  letztgenannte 
Technik,  d.  h.  Rya  in  unserem  Sinne,  im  Norden  gegen  das  Ende  des  Mittelalters 
und  bis  weit  in  die  neuere  Zeit  gehabt  hat,  scheint  die  Annahme  rechtfertigen  zu 
können,  dass  die  Villosa  der  Wikingerzeit  auf  ähnliche  Weise  hergestellt  wurden.1 
Die  seltenen  Reste  von  genoppten  Geweben,  die  aus  vorgeschichtlicher  Zeit  er¬ 
halten  sind,  scheinen  mir  doch  eine  solche  Auffassung  nicht  zu  bestätigen.2  Betrach¬ 
ten  wir  die  beiden  Beispiele  aus  der  dänischen  Bronzezeit  von  Trindhöj3,  so  zeigt 
sich,  dass  die  Fäden  in  der  Mütze  sicherlich  nachträglich  mit  der  Nadel  einge¬ 
arbeitet  wurden,  und  es  hat  den  Anschein,  als  wäre  bei  dem  fraglichen  Mantel  ein 
ähnliches  Verfahren  angewendet  worden,  obwohl  dort  die  Arbeit  bedeutend  ober¬ 
flächlicher  und  weniger  sorgfältig  ausgeführt  ist.  Anlässlich  eines  Besuches  im  Natio¬ 
nalmuseum  in  Leyden  im  Frühjahr  1933  fand  die  Verfasserin  unter  den  im  Maga¬ 
zin  befindlichen  Terpenfunden  die  Ecke  eines  groben  Wollgewebes  mit  langen  Fä¬ 
den,  die  ebenso  wie  im  Trindhöjmantel,  wenn  auch  dichter  nebeneinander  als  in 
diesem,  sehr  unregelmässig  in  das  Grundgewebe  eingewirkt  waren,  vermutlich  doch 
beim  Weben.  Irgendwelche  Knoten  wie  in  der  nordischen  Rya  kamen  nicht  vor.4 

Du.  Grab  750.  Taf.  37:4.  Genopptes  Gewebe.  Die  Fragmente  sind  recht  gross,  jedoch  äusserst  brüchig 
und  dicht  verfilzt.  Das  Grundgewebe  ist  sehr  schwer  zu  erkennen,  scheint  aber  Leinwandbindung  zu  sein. 
Das  Vlies  besteht  aus  ungefähr  daumenlangen,  wenig  gesponnenen  Wollfäden  oder  Flöckchen  in  deutlich  roten 
und  blauen  Farbentönen,  welche  eine  wirre  pelzähnliche  Oberfläche  bilden.  Die  Wolle  wurde  analysiert  (Beil. 
I),  doch  ohne  ein  Resultat  über  den  Charakter  der  Schafrasse  zu  ergeben. 

1  Zuhörige  Fragen  ausführlich  behandelt  bei  Vivi  Sylwan  (Svenska  ryor,  Stockholm  1934,  S.  13  ff;  Svenska  ryor 
med  oklippt  flossa,  Rig  1934). 

2  Die  winzigen  Reste,  die  in  Valsgärde  bei  Uppsala  gefunden  wurden,  sind  m.  E.  viel  zu  fragmentarisch,  als  dass 
man  sich  über  die  Technik  äussern  kann.  Vgl.  V.  Sylwan,  Svenska  ryor,  S.  15. 

3  Broholm-Hald,  Danske  Bronzealdersdragter,  S.  232  ff.  u.  Abb.  18  u.  19. 

1  Abgebildet  bei  A.  E.  van  Giffen,  Terpenonderzoek  1919,  Taf.  X. 


XI. 


RESTE  VON  PELSWERK,  FELLEN  UND  KISSEN. 


A  usser  den  oben  beschriebenen  Textilarbeiten  wurden  in  den  Birkagräbern 
/  \  auch  Ansammlungen  von  Tierhaaren  vorgefunden,  die  man  wohl  für  Uber- 
X  Greste  von  Pelzwerk  halten  muss,  die  zur  Kleidung  gehört  haben.  Die  Haare 
wurden  analysiert  (siehe  Beil.  II)  und  es  konnte  festgestellt  werden,  dass  sie  von 
Eichhörnchen  (Grab  50 7),  Marder  (Grab  557)  und  Biber  (Grabnummern  539, 
619,  956  und  968)  stammen. 

Die  ungesponnene  Schafwolle,  die  nachgewiesen  wurde  (Grab  731  und  942), 
rührt  wahrscheinlich  von  Schafpelzdecken  her,  die  die  Hülle  oder  Unterlage  für  die 
Toten  bildeten,  wenn  der  stark  verfilzte  und  zusammengepresste  Zustand  im  Grab 
942  nicht  absichtlich  bewirkt  wurde.  Wenn  in  diesem  Fall  die  Wolle  wirklich  erst 
kardiert  wurde,  so  würde  hier  ein  frühes  Beispiel  von  einem  wirklichen  Filz  vorlie¬ 
gen,  und  zwar  so  erzeugt,  dass  die  stark  angefeuchtete  Wolle  stark  gepresst  wurde. 
Das  Letztere  erscheint  nicht  unwahrscheinlich,  obwohl  bisher  keine  solchen  Funde 
auf  nordischem  Gebiet  gemacht  worden  sein  dürften.  Bei  den  Römern  wurde  dieses 
Verfahren  zur  Erzeugung  von  Kopfbedeckungen  u.  a.  angewendet.1  Uber  den  Nor¬ 
den  sagt  Hjalmar  Falk2:  „Das  hohe  Alter  dieser  Kunst  erhellt  schon  aus  den  Ver¬ 
wandtschaftsverhältnissen  des  Wortes  Filz.“ 

Zwei  Mal  wurden  Reste  von  Federn  oder  Daunen  (Grab  597  und  825)  ange¬ 
troffen,  welchen  zu  erkennen  geben  dürften,  dass  Kissen  und  Polster  zu  den  reichen 
Grabausstattungen  gehört  haben.  Die  im  Grab  739  nachgewiesenen  Wildschwein¬ 
borsten  stellen  möglicherweise  die  Reste  einer  Bürste  dar. 

1  Blümner,  Technologie,  S.  223 — 224. 

2  a.a.  O.,  S.  37. 


XII. 


DIE  TRACHT. 


A  m  Schlüsse  dieser  Arbeit  entsteht  die  Frage,  wie  alle  oben  analysierten  textilen 
/  \  Erscheinungen  verwendet  wurden.  Wie  sah  die  Kleidung,  von  der  sie  Be- 
X  .A^standteile  waren,  in  Wirklichkeit  aus?  Leider  ist  es  nicht  möglich,  sich  nur 
ein  annähernd  vollständiges  Bild  von  den  in  Birka  herrschenden  Kleidermoden  zu 
machen,  dazu  sind  die  Reste  viel  zu  klein  und  zu  sehr  beschädigt  und  die  Fundanga¬ 
ben  auf  den  Plänen,  wenn  solche  vorhanden  sind,  allzu  knapp.  Wenn  auch  die 
Anschauungen  über  die  Kleidersitten  der  Wikingerzeit  in  einzelnen  Punkten  unge¬ 
klärt  bleiben  müssen,  dürfte  dies  zahlenmässig  ungewöhnlich  umfangreiche  Material 
geeignet  sein,  das  bisher  geltende  Bild  wesentlich  zu  bereichern  und  auch  zu  berich¬ 
tigen. 

Es  läge  nahe,  hier  die  Tracht  der  Wikingerzeit  eingehend  zu  untersuchen  und 
rekonstruieren,  doch  ist  dies  aus  mehreren  Gründen  nicht  möglich.  Ich  werde  hier 
zusammenfassend  einige  Annahmen  und  Schlussfolgerungen,  die  uns  unser  Material 
gestattet,  darstellen  und  versuchen,  sie  dem  fremden  Material  gegenüberzustellen, 
mit  dem  sich  in  der  einen  oder  anderen  Weise  eine  Zusammenhang  denken  lässt. 
Mehrere  der  hier  vorgeschlagenen  Lösungen  sind  gewiss  sehr  unsicher  und  viele  Er¬ 
scheinungen  haben  sich  überhaupt  nicht  erklären  lassen.  Die  nachfolgende  Dar¬ 
stellung  erhebt  nicht  einmal  den  Anspruch,  das  hier  vorgelegte  Material  erschöpfend 
vom  Standpunkt  der  Trachtengeschichte  aus  zu  behandeln.  Doch  ist  es  meine  Hoff¬ 
nung,  dass  die  Beschreibungen  der  vorliegenden  Tatsachen  so  deutlich  sind,  dass 
sie  anderen  Forschungen  zu  Grunde  gelegt  werden  können,  um  so  vielleicht  in  Zu¬ 
kunft  ihre  rechte  Erklärung  zu  finden.  Aus  diesem  Grunde  wurde  die  vergleichende 
Betrachtung  an  den  Schluss  gestellt. 

Quellen. 

Verglichen  mit  der  Bronzezeit,  die  ja  dank  der  dänischen  Grabfunde  in  dieser 
Hinsicht  gut  bekannt  ist,  ist  nun  die  Kenntnis  von  der  Tracht  der  Wikingerzeit 
sowie  der  übrigen  Eisenzeit  auffallend  unvollständig  und  wahrscheinlich  auch  teil¬ 
weise  falsch.  Es  ist  offenbar,  dass  man  mit  wesentlichen  Verschiedenheiten  nach 
Zeit  und  Raum  rechnen  muss,  weshalb  Verallgemeinerungen  von  manchen,  spärlich 
auftretenden,  mehr  aus  Zufall  bekannt  gewordenen  Erscheinungen  eine  unzuver¬ 
lässige,  aber  leider  nicht  ungewöhnliche  Methode  darstellen,  sich  ein  historisches  Bild 


DIE  TRACHT 


l3S 


zu  verschaffen.  Lokale  Verschiedenheiten,  die  bei  anderem  Material,  z.  B.  bei  der 
Form  und  dem  Gebrauch  von  Schmuck,  zu  beobachten  sind,  sollten  in  dieser  Hinsicht 
mancherlei  zu  denken  geben. 

Soweit  keine  Kleider  erhalten  sind,  sind  bildliche  Darstellungen  die  wichtigste 
Erkenntnisquelle  von  der  Tracht  der  einzelnen  Epochen  —  für  die  von  uns  behan¬ 
delte  Zeit  spielen  die  Buchillustrationen  die  bedeutendste  Rolle.  Leider  liefert  je¬ 
doch  diese  Quelle  allzu  geringe  und  zu  einseitige  Angaben,  teils  infolge  des  oft  sum¬ 
marischen  und  unrealistischen  Stils,  der  bei  „Verdeutlichung“  und  durch  „Ergän¬ 
zungen“  des  betreffenden  Autors  oft  sehr  entstellt  wurde,  teils  weil  die  Darstellungen 
an  und  für  sich  bewusst  schablonenhaft  waren  und  nur  selten  darauf  ausgingen, 
lebende  Menschen  wiederzugeben.  Unter  diese  verhältnismässig  seltenen  Aus¬ 
nahmen  sind  die  Herrscherbildern  zu  zählen,  z.  B.  Karl  der  Kahle  oder  Otto  II,  um¬ 
geben  von  Hofleuten  und  Geistlichen.  Gemeine  Leute  und  insbesonders  Frauen 
kommen  selten  vor  und  dann  gewöhnlich  als  unbedeutende  Beifiguren. 

Zur  Erforschung  der  ältesten  Trachten  hat  man  selbstverständlich  auch  die  zur 
Verfügung  stehenden  literarischen  Quellen  ausgenützt.  In  diesem  Zusammenhang 
waren  mir  die  Arbeiten  Enlarts  und  Girkes  von  unschätzbarem  Wert,  jeder  auf  seine 
Weise  durch  Kenntnisreichtum  und  Zuverlässigkeit  ausgezeichnet.1  Aus  der  reich¬ 
haltigen  älteren  Trachtenliteratur  war  dagegen  nicht  viel  zu  holen.  Enlart  hat  eine 
breit  angelegte  und  vom  historischen  Standpunkt  aus  so  gut  wie  unwiderlegliche 
Darstellung  erreicht,  indem  er  die  Quellen  mit  grosser  Vorsicht  benutzt;  er  bewegt 
sich  aber  auch  vorzugsweise  in  einem  Zeitraum,  in  dem  jene  beide  Arten  von  Quellen 
ziemlich  reichlich  fliessen  und  einander  ergänzen.  Seine  Behandlung  der  Karolin¬ 
gerzeit  ist  dagegen  recht  vage.  Für  Girke  war  die  Aufgabe  unleugbar  viel  schwie¬ 
riger  und  er  war  in  viel  höherem  Grad  auf  Hypothesen  und  Konstruktionen  angewie¬ 
sen,  worunter  natürlich  die  Geltungskraft  der  Darstellung  leiden  musste.  Oft  scheint 
er  mir  auf  die  Bezeichnungen  zu  grossen  Wert  zu  legen,  überhaupt  verfällt  er  leicht 
der  Versuchung  zu  generalisieren,  was  zu  einigen  offensichtlich  unrichtigen  Behaup¬ 
tungen  über  die  nordische  Tracht  geführt  hat.  Ebenso  wie  in  späteren  Zeiten  muss 
man,  besonders  wenn  es  sich  um  textile  Dinge  handelt,  mit  einer  Verschiebung 
zwischen  Bezeichnung  und  Begriff  rechnen  —  nach  Verlauf  einiger  Zeit  hat  die 
erstere  oft  einen  anderen  Begriff  gedeckt  und  umgekehrt  der  Begriff  vielleicht  eine 
andere  Bezeichnung  erhalten.  Auch  die  Unterscheidung  zwischen  zwei  gleichzeitig 
gebrauchten  Bezeichnungen  dürfte  oft  Zweifeln  unterworfen  sein.  Die  Unsicherheit 
ist  noch  auffallender  in  einer  rein  philologischen  Arbeit  wie  der  von  Falk.2  Obwohl 
nun  der  grössere  Teil  der  isländischen  Sagas  an  und  für  sich  das  gleiche  Alter  wie  unser 
Material  hat  oder  nur  geringfügig  jünger  ist,  so  erfolgte  doch  die  Niederschrift  in 
viel  späterer  Zeit  (200  bis  300  Jahre),  so  dass  man  mit  bedeutenden  Veränderungen 


1  Camille  Enlart,  Manuel  d’Archeologie  Frangaise  III,  Paris  1916;  Georg  Girke,  Die  Tracht  der  Germanen 
in  der  vor-  und  frühgeschichtlichen  Zeit,  II,  Mannus-Bibliothek  Nr.  23 — 24,  Leipzig  1922. 

2  Hjalmar  Falk,  Altwestnordische  Kleiderkunde,  Kristiania  1919. 


1 36 


ZWÖLFTES  KAPITEL 


in  den  Detailbeschreibungen  rechnen  muss,  insbesonders  wenn  es  sich  um  Kleider¬ 
trachten  handelt.  Wahrscheinlich  gibt  es  auch  darunter  Partien,  die  sich  nicht  auf 
nordische  Verhältnisse  beziehen.  Manche  Erscheinungen  sind  wiederzuerkennen, 
z.  B.  die  Goldbänder,  übrigens  bieten  aber  die  von  Falk  zusammengestellten  An¬ 
gaben  nur  sehr  wenig  Anregung  zur  Erklärung,  wie  die  eigentümlichen  Schmuck¬ 
stücke  der  Birkagräber  auf  den  Kleidern  verwendet  wurden,  überhaupt  ist  es  schwer, 
darunter  Anhaltspunkte  dafür  zu  finden,  wie  die  im  Norden  zur  Wikingerzeit  ge¬ 
tragene  Tracht  ausgesehen  hat.  Dagegen  erhalten  wir  interessante  Angaben  hier¬ 
über  durch  die  bekannte  Beschreibung  Ibn  Foszlans  von  den  nordischen  Wikingern, 
worauf  wir  unten  zurückkommen  werden. 

Die  beste  Erkenntnisquelle  der  Trachtenkunde  sind  ausser  vollständig  erhaltenen 
Kleidern  natürlich  Abbildungen,  die  sowohl  zeitgenössisch  als  auch  bodenständig 
sind.  Menschliche  Abbildungen  kommen  ja  in  der  nordischen  Kunst  selten  vor,  aus 
der  Wikingerzeit  sind  aber  doch  einige  Metallfiguren  vorhanden,  die  trotz  des  kleinen 
Massstabes  und  ihres  sehr  summarischen  Stils  unschätzbare  Dokumente  und  wichtige 
Ergänzungen  unseres  fragmentarischen  Fundmaterials  darstellen. 

Eine  andere  wichtige  Quelle  ist  das  volkskundliche  Material,  das,  vorsichtig  be¬ 
nützt,  viele  sonst  schwerverständliche  Erscheinungen  in  den  immer  mehr  oder  weniger 
fragmentarischen  archäologischen  Funden  erklären  kann.  In  der  sehr  konservativen 
Volkskunst,  die  im  östlichen  Finnland  und  in  den  ostbaltischen  Ländern  weiterlebt 
und  durch  die  hervorragenden  Forschungen  Heikels,  Sirelius’  und  Manninens  be¬ 
kannt  wurde,  kann  man  Formen  begegnen,  die  denselben  Ursprung  haben  dürften 
wie  die  Kultur  der  nordischen  Wikingerzeit.1 

Das  Birkamaterial. 

Bei  aller  Anerkennung  und  Bewunderung  für  Stolpes  genau  und  flott  gezeichnete 
Grabpläne2,  ohne  die  unser  Wissen  um  die  in  Birka  herrschende  Kleidungsart  ganz 
bedeutend  geringer  wäre,  muss  man  doch  lebhaft  beklagen,  dass  der  grössere  Teil 
und  alles  wichtigste  von  diesem  einzigartigen  Material  so  rasch  ausgegraben  wurde 
und  gerade  zu  einem  Zeitpunkt,  da  die  archäologischen  Ausgrabungsmethoden  noch 
wenig  entwickelt  waren.  Wenn  man  weiss,  wie  schwierig  es  ist,  in  der  feuchten  Erde 
kleine,  spröde  Textilfragmente  zu  erkennen,  darf  man  überzeugt  sein,  dass  bedeutend 
mehr  bei  einer  Ausgrabung  zu  finden  gewesen  wäre,  wenn  man  sie  nach  den  heute 
gebräuchlichen  Methoden  vorgenommen  hätte.  Aber  auch  bei  den  sichergestellten 
Gegenständen  —  so  bei  den  verhältnismässig  grossen  Mengen  von  Goldbänderresten 
aus  den  Gräbern  73  1  und  750  —  hätte  es  wohl  möglich  sein  sollen,  die  Lage  im  Grabe 
eingehender  festzustellen,  wodurch  die  Form  der  Kleidung  vielleicht  teilweise  hätte 
rekonstruiert  werden  können. 

1  Axel  O.  Heikel,  Die  Volkstrachten  in  den  Ostseeprovinzen  und  in  Setukesien;  U.  T.  Sirelius,  Suomen 
kansanomaista  kulttuuria;  I.  Manninen,  in  Eesti  rahva  muuseumi  aastaraamat  III. 

2  Leider  kann  nur  eine  begrenzte  Auswahl  davon  hier  wiedergegeben  werden,  Abb.  34 — 46  und  Taf.  40:  1 — 10. 
Im  übrigen  sei  auf  Birka  I — II  hingewiesen. 


DIE  TRACHT 


1 37 


Aus  dem  nun  vorhandenen  Material  —  den  Grabplänen  mit  den  dazu  gehörigen 
Vermerken  und  den  Textilresten,  die  die  Nummer  des  betreffenden  Grabes  tragen 
—  wurde  für  jedes  einzelne  Grab  eine  Zusammenstellung  und  eine  Tabelle  (S.  176) 


gemacht,  zu  dem  Zweck  die  Funktion  der  Textilien  zu  erläutern.  (Bezüglich  der 
Angaben  über  das  gesamte  Grabgut  sei  auf  den  Hauptteil,  Birka  I — II,  dieser  Publi¬ 
kation  verwiesen.)  Mit  Hilfe  dieses  Grabregisters  werden  wir  im  Nachfolgenden  eine 
zusammenfassende  Übersicht  zu  geben  suchen  über  die  Beobachtungen  und  Schluss¬ 
folgerungen,  die  man  daraus  zu  ziehen  wagen  darf. 


ZWÖLFTES  KAPITEL 


138 

Die  Zahl  der  Gräber,  in  denen  Reste  textiler  Natur  oder  andere  Kleiderteile  vor¬ 
gefunden  wurden,  die  Gegenstand  dieser  Untersuchungen  bilden,  beträgt  169;  die 
meisten  von  ihnen  sind  natürlich  Skelettgräber  —  49  Männer,  94  Frauen,  2  Kinder 
sowie  11  Doppelgräber.  Aber  auch  in  einigen  Brandgräbern  —  15  St.  —  wurden 
kleine  Textilreste  vorgefunden. 

Eine  Regel  tritt  in  frappanter  Weise  beim  Vergleich  zwischen  weiblicher  und 
männlicher  Kleidung  zu  Tage.  Die  erstere  ist  gleichartig  und  uniform,  die  einzig 
dastehenden  Zierate  und  Gold  kommen  selten  in  weiblichen  Gräbern  vor  und  man 
kann  kaum  von  überschwenglichem  Luxus  in  solchen  Gräbern  sprechen.  Der  männ¬ 
liche  Kleiderputz  muss  dagegen  manchmal  äussert  prachtvoll  und  kostbar  gewesen 
sein;  Gold  kommt  oft  vor,  überdies  zeigt  er  aber  eine  solche  Abwechslung,  dass  nicht 
ein  Stück  dem  anderen  gleich  ist:  mehrere  Erscheinungen  der  reicheren  Männergrä¬ 
ber  kommen  nur  ein  Mal,  höchstens  zwei  Mal  vor.  Sowohl  Männer  wie  Frauen 
hatten  prachtvolle  Kopfbedeckungen  mit  Besätzen  aus  Gold  und  Silber,  aber  auch  in 
diesen  Fällen  ist  die  grössere  Abwechslung  bei  den  Männern  auffallend. 

Zuerst  sei  berichtet,  was  die  Funde  über  die  weibliche  Tracht  zu  sagen  haben. 
Der  gegen  Zerstörung  widerstandkräftigste  Teil  davon,  die  beiden  ovalen  Spangen, 
waren  obligatorisch;  es  gibt  nur  zwei  Ausnahmen  von  dieser  Regel,  die  eine  ist  im 
übrigen  unsicher.  Die  Spangen  sassen  ziemlich  weit  unten  auf  der  Brust  befestigt, 
beiläufig  in  der  Höhe  der  Achselhöhle  oder  dicht  darunter  und  waren  immer  mit  der 
Nadel  nach  oben  gegen  die  Schulter  gerichtet.  Bisweilen  waren  sie  mit  herunter¬ 
hängenden  Perlenreihen  oder  dekorativen  Ketten  verbunden,  aber  fast  immer  hingen 
von  der  einen  Spange,  gewöhnlich  der  rechten,  Ketten  und  Schnüre  herab,  die  mindes¬ 
tens  einige  der  folgenden  Geräte  trugen:  Messer,  Schere,  Nadelbehälter,  Pfriem,  Pin¬ 
zette,  Beutel  mit  verschiedenem  Inhalt.  Bisweilen  wurden  einige  dieser  Gegenstände 
an  der  dritten,  vorne  in  der  Mitte  angebrachten  Spange  getragen.  Dagegen  ist  niemals 
die  geringste  Spur  eines  Gürtels  zu  finden.  Siehe  Taf.  40:  3,  4  und  6  sowie  Abb.  34. 
Wir  werden  weiter  unten  auf  diese  Frage  zurückkommen. 

Eine  Ausnahme  von  diesen  Regeln  bildet  das  reiche,  frühe  weibliche  Grab  854 
mit  seinen  zahlreichen  prachtvollen  Metallschmuckstücken,  u.  a.  2  Paar  kleine  Spangen 
statt  der  ovalen  grossen  und  zwei  stabförmige  Bronzeornamente,  die  an  einer  Stoff- 
unterlage  an  genäht  gewesen  sein  müssen  Taf.  40:  7. 

Dank  des  Grünspans  der  Bronzespangen  und  des  Rostes  der  Nadel  konnte  sich  der 
umliegende  Stoff  erhalten.  In  der  Schale  sind  oft  mehrere  Schichten  verrosteter 
Leinwand  zu  finden,  in  einigen  Fällen  so  viel,  dass  man  die  Gattung  des  Kleidungs¬ 
stückes  vermuten  kann.  In  sehr  vielen  Fällen  sind  leider  alle  Stoffreste  schon  längst 
bei  der  Reinigung  entfernt  worden,  aber  in  den  60 — 70  Spangenpaaren,  die  noch 
Stoffreste  enthalten,  habe  ich  nur  einzelne  gefunden  (Grab  620,  835,  973,  1084),  die 
zum  Teil  entweder  Seide  oder  Wolle  gewesen  sein  können. 

Das  Kleidungsstück  zunächst  dem  Körperwar  glatt  (Grab  465  A,  Taf.  2:  5)oderfein 
plissiert  (z.  B.  Grab  5  17,  978;  Taf.  1 :  2  u.  2:  3  ;  vgl.  S.  16).  Ein  Stück  (Grab  1062  Taf. 


DIE  TRACHT 


1 39 


3 :  9)  einer  an  einer  Schere  festgerosteten  Plis- 
sierung  kann  darauf  hindeuten,  dass  dieses 
Kleidungsstück  verhältnismässig  lang  war. 

Da  Plissierung  nur  in  5  Fällen  festgestellt 
werden  konnte,  ist  ja  die  Möglichkeit  gege¬ 
ben,  dass  der  Hängerock  mitunter  direkt  auf 
dem  Körper  getragen  wurde,  wie  Girke  u.  a. 
annehmen.  Es  sei  jedoch  hinzugefügt,  dass 
die  Nadel  der  Spange  niemals  in  dieses 
unterste  Kleidungsstück  hineinzustechen 
scheint;  dass  dieses  genügend  stark  in  die 
Spange  hineingepresst  wurde,  sodass  es  durch 
die  Bronze  geschützt  und  konserviert  wurde, 
ist  deshalb  nur  ein  Zufall.  Es  ist  natürlich, 
dass  in  den  meisten  Fällen  nur  die  Rock¬ 
schlaufen  erhalten  geblieben  sind,  weshalb 
man  aus  dem  Fehlen  von  Spuren  eines  solchen 
Unterkleides  nicht  darauf  schliessen  darf,  dass 
es  ein  solches  nicht  gegeben  hat. 

Uber  diesem  „Hemd“  wurden  doppelte 
Hängeröcke ,  Abb.  49,  aus  verschiedener  Lein¬ 
wand  getragen.  Zwischen  dem  Unterkleid 
und  der  Spange  sind  nämlich  in  der  Regel 
doppelte  Ösenpaare  aus  StofFriemen  um  die 
Nadel  gelegt  und  in  entgegengesetzter  Rich¬ 
tung  gezogen.  Diese  Stoff-Riemen  oder 
-Schlaufen  waren  am  Rand  eines  glatten 
Stückes  aus  demselben  Stoff,  also  am  Rocke 
selbst,  befestigt.  Die  von  unten  kommende 
Schlaufe  war  ziemlich  kurz,  während  die  von 
der  Schulter  kommende  recht  lang  gewesen 
sein  dürfte  —  eine  vollständige  ist  jedoch 
nicht  erhalten.  Vgl.  die  schematische  Zeich¬ 
nung,  Abb.  50.  Die  Stoffriemen  bestehen 
aus  mehrfachem,  sorgfältig  zusammengenäh¬ 
tem  Stoff,  meistens  aus  Leinen,  ausnahms¬ 
weise  aus  Wolle  oder  Seide.  Der  Leinenstoff 
ist  fast  immer  von  etwas  verschiedener  Qua¬ 
lität,  ein  Anzeichen,  dass  der  untere  Rock  grö¬ 
ber  und  der  obere  aus  feinerem,  mitunter  blauem  Stoff  war  (Grab  60  A 
In  einigen  Fällen,  u.  a.  im  Grab  838,  war  die  Spange  zuoberst  am  Stoff 


,  465  A). 
selbst  be- 


140 


ZWÖLFTES  KAPITEL 


festigt,  dessen  üppige  Falten  zeigen,  dass  er  von  der  Schulter  heruntergezogen  wor¬ 
den  war.  Auf  ähnliche  Weise  war  vermutlich  das  silberbandverzierte  Kleidungsstück 
befestigt,  das  von  der  Frau  im  Grab  824  getragen  wurde;  ob  das  ganze  Kleidungs¬ 
stück  aus  Seide  oder  nur  damit  besetzt  war,  lässt  sich  jetzt  nicht  entscheiden.  Wahr¬ 
scheinlich  sah  Form  und  Befestigung  ungefähr  wie  die  schematische  Zeichnung  Abb. 
47  aus. 

Auf  den  Spangen  findet  man  sehr  oft  Wolle,  gewöhnlich  einen  feinen  Stoff  wie 
W  1  o  u.  dgl.  In  einzelnen  Fällen  sind  die  Kanten  dieser  „Mäntel“  erhalten,  mit  einer 
Schnur  (D  1 — 6)  und  manchmal  mit  einem  Ziersaum  hübsch  abgesäumt  sowie  ge¬ 
füttert  —  im  Grab  973  ist  das  Futter  aus  Wolle,  im  Grab  1004  u.  a.  ist  es  vermodert, 
wahrscheinlich  Leinen.  Möglicherweise  wurde  dieser  Mantel  mit  der  mittleren  Spange 
zugehalten,  die  manchmal  Spuren  solcher  Stoffsorten  zeigt.  Im  Grab  660  diente  viel¬ 
leicht  ein  mehrfarbiges  Gewebe  (M  4)  als  Mantel,  aber  sonst  scheint  es,  als  ob  dieser 
Typus  eher  eine  lose  Decke  dargestellt  hätte.  Tatsache  ist,  dass  Gewebe  vom  Typus 
M  1 — 8  hauptsächlich  in  weiblichen  Gräbern  erhalten  sind;  dies  kann  aber  seinen 
Grund  in  den  grösseren  Mengen  von  konservierendem  Grünspan  der  Spangen  haben, 
muss  also  nicht  als  absolut  negativ  für  die  männlichen  Gräber  gedeutet  werden. 
Dasselbe  kann  in  gewissem  Grade  auch  für  das  reichliche  Vorkommen  von  feinen  Woll¬ 
stoffen  (Gruppe  II  und  III)  bei  den  Frauen  gelten.  Von  den  65  Frauengräbern,  in 
denen  Wollstoffe  gefunden  wurden,  enthalten  54  feine  Qualitäten  und  in  zirka 
20  Gräbern  sind  2  oder  mehrere  Sorten  vorhanden,  während  die  Gruppen  I  und  IV, 
meistens  die  letztere,  durch  etwa  20  Beispiele  vertreten  sind.  In  sämtlichen  männ¬ 
lichen  Gräbern  mit  erhaltenen  Wollresten  (nur  18  Stück)  sind  grobe  Stoffe  vorhan¬ 
den,  den  Gruppen  I  oder  IV  zugehörig. 

Auch  Seide  S  4  kommt  sehr  häufig  in  weiblichen  Gräbern  vor,  und  zwar  in 
Form  von  Riemen  oder  Streifen  mit  umgebogenen  Kanten,  ein  Zeichen,  dass  sie  als 
Besatz  auf  einem  anderen  Stoff  (wahrscheinlich  Leinwand,  da  nichts  mehr  davon 
übrig  ist)  angenäht  gewesen  waren.  Solche  kommen  sowohl  über  als  auch  unter  den 
Spangen  vor.  In  seltenen  Fällen,  in  den  reichen  Gräbern  557  und  660,  sind  im 
Zusammenhang  mit  den  Spangen  grössere  Stücke  erhalten,  die  möglicherweise  Teile 
irgendeines  Mantels  gebildet  haben.  Unter  der  Spange  desselben  Grabes  ist  die  eine 
vordere  Rockschleife  aus  Seidenstoff  —  das  kann  wohl  kaum  einen  ganzen  Rock 
aus  demselben  Material  bedeuten? 

Die  weibliche  Tracht  hat  auch  Silberbesätze  gehabt,  obgleich  keineswegs  in  so 
grossem  Umfang  wie  die  der  Männer.  Die  grösste  Menge  ist  im  Grab  965  erhalten, 
d.  i.  das  eigentümliche,  T-förmig  zusammengestückelte  Bänderpaar  (siehe  Grabinv.), 
dessen  ursprüngliche  Verwendung  ich  nicht  erklären  kann. 

Wie  die  Männertracht  im  allgemeinen  ausgesehen  hat,  darüber  wissen  die  Grä¬ 
berfunde  recht  wenig  zu  erzählen.  An  dem  einzigen  Trachtzubehör,  das  fast  regel¬ 
mässig  wiederkehrt,  nämlich  der  Hufeisenfibel,  befinden  sich  oft  kleine  Reste  grober 


DIE  TRACHT 


1 4 1 


Wolle  (W  i — 9  und  D  ii),  die  vom  Mantel  herrühren  müssen.  Aber  die  Hufeisen¬ 
fibel  liegt  recht  selten  auf  demselben  Platz  und  es  scheint,  als  ob  der  Mantel  häufig  ge¬ 
sondert  ins  Grab  gelegt  worden  wäre.  Bisweilen  kommen  sowohl  Ringnadel  als  auch 
Hufeisenfibel  vor,  was  vielleicht  bedeutet,  dass  zwei  Mäntel  den  Toten  ins  Grab 
begleitet  haben.1 


Abb.  37.  Grab  903. 


Abb.  38.  Grab  944. 


1  Von  Prof.  Lindqvist  auf  den  Bericht  Stolpes  (Mänadsbladet  1878,  S.  676  f.)  über  die  Lage  der  bis  dahin  ge¬ 
fundenen  Hufeisenfibeln  aufmerksam  gemacht,  machte  ich  ein  Tableau  von  der  vermutlichen  Lage  der  speziell  männ¬ 
lichen  Spangen,  der  Hufeisenfibel  und  der  Ringnadel,  in  Gräbern  mit  mehreren  Beigaben  und  deutlich  liegenden  Ske¬ 
letten.  Als  Resultat  dieser  grob  schematischen  Zusammenstellung  ergab  sich  Folgendes:  In  10  der  44  Gräber  lag  die 
Spange  (6  Hufeisenfibeln,  4  Ringnadeln)  an  der  rechten  Schulter  (in  einem  Fall  möglicherweise  an  der  linken);  in  12 
Gräbern  lag  sie  auf  oberen  Teilen  des  Rumpfes  oder  am  Kinn  (4  Ringnadeln);  in  10  oder  11  Fällen  lag  die  Spange 
(aus  Bronze  oder  Eisen)  in  der  Nähe  des  rechten  Schenkelknochens,  an  der  Hüfte  oder  am  Knie;  in  6  oder  7  Gräbern 
wurde  sie  an  den  Füssen  oder  so  weit  unten  am  Skelett  gefunden,  dass  es  kaum  denkbar  ist,  dass  sie  zur  Tracht  gehört 


142 


ZWÖLFTES  KAPITEL 


Wie  schon  hervorgehoben,  war  die  Männertracht  entschieden  reicher,  d.  h.  in 
jenen  Gräbern,  in  denen  Textilien  erhalten  sind.  Das  Gold  kommt  hauptsächlich 
dort  vor.  Seide  und  Silber  wurde  in  beinahe  ebenso  grossem  Ausmasse  in  den  weib¬ 
lichen  Gräbern  gefunden,  die  seltenen  Sorten  stammen  aber  alle  aus  männlichen  Grä¬ 
bern.  Sowohl  der  Trachtenschmuck  als  die  Kleidungsstücke  selbst  scheinen  ausser¬ 
ordentlich  abwechslungsreich  gewesen  zu  sein.  Die  feinsten  und  elegantesten  Posa¬ 
menten  und  Stickereien  haben  Männern  gehört  (P  11,  St  8 — 10,  16 — 18,22 — 23, 
26,  29 — 30).  Bedauerlicher  Weise  ist  es  indessen  selten  möglich,  gerade  bei  diesen 
festzustellen,  wo  und  wie  sie  ursprünglich  angebracht  waren,  soweit  sie  nicht  zur 
Kopfbedeckung  gehört  haben. 

Eine  ziemlich  übliche  Erscheinung,  besonders  an  der  männlichen  Tracht,  sind 
zwei  gleiche  Stücke ,  die  wahrscheinlich  als  Endzierate  zu  einem  Paar  Stoffbändern 
gehörten,  die  zum  Zusammenbinden  gedient  haben.  Wenigstens  8  ganze,  derartige 
Paare  sind  vorhanden,  teils  für  ganz  schmale  Riemen  (P  20,  22),  teils  für  etliche 
zentimeterbreite  Bänder  (P  13 — 15).  Es  erscheint  denkbar,  dass  auch  die  nunmehr 
einzelnen  Gegenstände  St  16,  17,  26  und  27  eine  ähnliche  Funktion  hatten.  Sie  sind 
nämlich  so  gearbeitet,  dass  sie  von  beiden  Seiten  anzusehen  sind.  Die  Erscheinung 
kann  vielleicht  mit  den  von  den  Schultern  flatternden  Mantelbändern  identifiziert 
werden,  die  auf  Miniaturen  Vorkommen.  Die  beiden  Teile  des  Paares  St  9,  von  dem 
man  dasselbe  vermuten  könnte,  liegen  jedoch  in  einer  Entfernung  von  ungefähr  40 
cm  voneinander  in  der  Nähe  der  Hände  und  Hüften;  möglicherweise  stammen  sie 
von  einem  Gürtel. 

Überdies  sind  Paarstücke  in  grösserem  Format  vorhanden,  die  eine  andere  Funk¬ 
tion  gehabt  haben  müssen:  die  auf  Seide  gestickten  Borten  St  8  zu  15  cm  Länge  und 
St  5  zu  3  5  cm.  Die  letzteren  befanden  sich  in  einer  solchen  Lage,  dass  sie  die  Kante 
irgendeines  Mantels  o.  dgl.  verziert  haben  können,  der  an  den  Schultern  befestigt 
war  und  über  den  Rücken  herunterhing  (Grab  624).  übrigens  sind  mehrere  Beispiele 
von  Silberbändern  (brettchengewebte  oder  vom  Typus  P  10)  an  der  Spange  oder  in 
der  Nähe  derselben  vorhanden  (Grab  643,  Abb.  46,752,962)^35  zu  der  Vermutung 
Anlass  geben  kann,  dass  der  Mann  auch  elegantere  Mäntel  als  die  oben  festgestellten 
aus  grober  Wolle  gehabt  hat.  Die  auf  vielen  Grabplänen  dem  Anschein  nach  sinnlos 
herumgestreuten  Silberbänder  können  vielleicht  von  solchen  lose  hineingelegten 
Mänteln  stammen,  Abb.  37. 

Uber  das  Aussehen  des  Leibrockes  geben  die  Grabfunde  keinen  Fingerzeig. 
Wahrscheinlich  war  er  ein  ungefähr  knielanges  Kleid,  mit  oder  ohne  Leibriemen,  wie 

haben  kann,  und  in  5  Gräbern  fehlte  sie  völlig.  —  Ausserdem  haben  3  Frauen  Hufeisenfibeln  getragen:  1  hatte  eine 
Bronzefibel  an  der  rechten  Schulter,  1  trug  eine  aus  Eisen  an  der  Hüfte;  die  3.  Fibula  konnte  nicht  lokalisiert  werden. 

Prof.  Lindqvist  hatte  laut  eigener  Mitteilung  ein  Mal  mit  Direktor  Dedekam  die  Trachtendarstellungen  bei  den 
Teppichen  aus  Oseberg  diskutiert  und  dabei  auf  die  Angabe  Stolpes  verwiesen,  dass  die  Spange  oft  auf  der  Hüfte  sass, 
wo  man  sich  also  vorstellen  kann,  dass  der  Mantel  verschlossen  wurde.  Die  hier  oben  gemachten  Angaben  aus  dem 
gesamten  Ausgrabungsmaterial  scheinen  die  Wahrscheinlichkeit  einer  solchen  Annahme  zu  bekräftigen,  sie  zeigen  aber 
auch,  wie  wenig  einheitlich  die  Spangen  angebracht  waren. 


DIE  TRACHT 


143 


er  auf  manchen  Miniaturen  sowie  auch  auf  schwedischen  Metallfigurinen,  Taf.  38:5, 
vorkommt.  Die  in  unverrückter  Lage  gezeichneten  Silberbänder  der  Gräber  750 
und  958  können  vielleicht  den  Halsausschnitt  eines  solchen  über  den  Kopf  zu  ziehen¬ 
den  Leibrockes  verziert  haben.  Die  beiden  in  Form  eines  grossen  Schreib-A  ge¬ 
legten  Silberposamenten  auf  den  Schultern  im  Grab  832  sind  dagegen  im  Zusammen¬ 
hang  mit  dem  einfachen  Schnitt  eines  solchen  Kleidungsstückes  weniger  motiviert, 
doch  ist  es  überhaupt  schwer,  für  sie  eine  konstruktive  Erklärung  zu  finden.  Vgl. 
Taf.  40:9  und  10  sowie  Abb.  35. 

Einfache  Gürtelspangen  kommen  nicht  selten  (Grab  790,  644)  vor,  aber  nur  2 
Mal  ganz  mit  Bronze  beschlagene  Gürtel  orientalischer  Herkunft  (Grab  716,  1074). 
Von  der  gleichen  Abkunft  sind  sicher  die  kleinen  runden  Bronzeknöpfe ,  die  4  Mal, 


Abb.  39 — 42.  Grab  707,  946,  798  und  581. 

in  einer  gleichmässigen  Reihe,  vom  Kinn  bis  hinunter  zum  Gürtel,  Vorkommen  —  in 
den  Gräbern  716,  944,  985  und  1074  resp.  8,  7,  4  und  18  St.  (Taf.  40:  1  und  Abb. 
38).  In  dem  letztgenannten  Grab  sind  die  Knöpfe  in  6  Gruppen  zu  je  3  Knöpfen, 
die  Schräglinien  bilden,  angebracht.  Wahrscheinlich  war  jede  Gruppe  in  eine  schräg 
abgeschnittene  Schleife  eingeknöpft,  —  ein  Verfahren  zum  Zuknöpfen,  das  dem  ge¬ 
schicktesten  Schneider  zur  Ehre  gereichen  würde. 

Einzelne  derartige  Knöpfe  und  grössere  runde  Schellen  wurden  ausserdem  in 
männlichen  wie  auch  in  weiblichen  Gräbern  vorgefunden;  mangels  textiler  Reste 
wurden  sie  nicht  in  unser  Register  aufgenommen;  siehe  darum  Birka  I — II.  In  3 
Fällen  (Gr.  715,  717  und  819)  gehörte  der  Knopf  offensichtlich  zu  einem  Leder¬ 
beutel.  In  ein  paar  Fällen  dürften  sie  als  reine  Zierate  am  Halsband  gehangen  haben 
(Grab  735  und  1 105),  ebenso  wie  eine  Öse  (Häftelmütterchen)  aus  Bronzedraht  im 
Grab  959.  In  den  übrigen  Fällen  —  Grab  352,  414  (3  St.),  684,  721,  1095,  1 145,. 
lauter  Schellen  —  haben  die  Grabpläne  wenig  zu  erzählen,  aber  es  scheint,  als  ob  die 
Schellen  ein  wenig  weiter  unten  an  der  Kleidung  befestigt  gewesen  wären.  Vielleicht 
haben  sie  sogen.  Kaatteris  o.  dgl.  gebildet  (siehe  unten). 

Die  grössten  Resten  eines  Kleidungsstückes,  die  in  den  Birkagräbern  gefunden 
wurden,  bestehen  in  dem  bandverzierten  Stück  des  Grabes  735,  worüber  im  Grab¬ 
register  ausführlich  berichtet  wird.  Siehe  auch  Taf.  14,  15  und  Abb.  48.  Und  doch 
genügt  dies  leider  nicht,  uns  eine  Vorstellung  davon  zu  geben,  wie  dieses  unge¬ 
wöhnliche  und  sicher  sehr  kostbare  Kleidungsstück  wirklich  ausgesehen  hat.  Waren 


M4 


ZWÖLFTES  KAPITEL 


es  vielleicht  zwei  oder  noch  mehr  Kleidungsstücke?  Obwohl  die  Seide  (S  4)  in  meh¬ 
reren  Qualitäten  vorkommt,  muss  dies  nicht  notwendig  der  Fall  sein,  nachdem  wir 
zwei  Sorten,  mit  einem  und  demselben  Bandstück  zusammengenäht,  gefunden  haben. 
Auch  die  Bänder  weisen  eine  Mischung  von  mindestens  6  verschiedenen  Sorten  auf. 
Der  Schnitt  muss,  nach  den  unregelmässigen  Nähten  zu  urteilen,  recht  kompliziert 
gewesen  sein.  Ein  in  Verbindung  mit  einer  Naht  angefertigter  Schlitz  und  der  kleine 
Ziersaum  St  2  sind  geschickt  gearbeitete  Einzelheiten,  die  hervorgehoben  zu  werden 
verdienen.  Desgleichen  auch  eine  andere  Finesse,  die  ursprünglich  sicher  eine  ziem¬ 
lich  starke  Wirkung  gehabt  hat:  jedes  zweite  der  auf  der  Seide  befestigten  Silberbänder 
ist  auf  ziemlich  unmerkliche  Weise  angenäht  und  jedes  folgende  mit  einem  dichten 
und  ebenmässigen  Kantsaum  (Langetten stich)  aus  Seide  eingesäumt.  Dies  ist  jetzt  so¬ 
wohl  wie  alles  übrige  dunkelbraun,  aber  man  kann  überzeugt  sein,  dass  die  Farbe 
anfänglich  gegen  ihre  Umgebung  kontrastiert  hat  und  dass  der  Grund  für  diese  be¬ 
sondere  Stickerei  der  war,  dass  man  dem  silberglänzenden  Kleidungsstück  einen  leb¬ 
hafteren  Rhythmus  durch  Einführung  einer  neuen  Farbe  geben  wollte.  Wahrschein¬ 
lich  hob  sich  die  Grundfarbe  des  nicht  umsäumten  Bandes  ebenfalls  dekorativ  ab. 

Die  Posamenten  und  das  in  Erdklumpen  noch  erhaltene  Fragment  einer  Seiden¬ 
stickerei  des  Grabes  944  lassen  uns  ein  Kleid  ahnen,  das  mit  seiner  Verfeinerung  das 
ebenbeschriebene  noch  übertroffen  haben  dürfte.  Leider  ist  aber  davon  noch  weniger 
übrig  und  der  Plan  weiss  nichts  über  sein  Aussehen  zu  erzählen.  Jetzt  sind  wenigstens 
5  oder  6  Silberborten  übrig,  die  sich  gegen  das  Ende  zu  schön  verschmälern  und  eine 
grösste  Länge  von  ca.  20  cm  aufweisen.  Diese  Borten  ruhten  auf  Seidenstreifen,  die 
in  einem  sehr  dünnen,  jetzt  nur  aus  dem  Abdruck  erkennbaren  Stoff  eingesetzt  waren. 
Die  auf  den  Seidenstreifen  aufgelegte  Kante  dieses  Stoffes  war  ihrerseits  mit  einer 
Seidenstickerei  aus  Stielstichen  verziert. 

Das  Einzige,  was  man  mit  Sicherheit  zum  Teil  infolge  des  Grabplanes  735,  Taf. 
40:  8,  über  die  oben  beschriebenen  Prachtgewänder  zu  behaupten  wagen  kann,  ist 
allein,  dass  die  Garnierung  quer  verlief  —  wie  Rippen. 

Das  mit  Silberbändern  eingefasste  Rechteck,  das  auf  der  Brustim  Grab  1076  lag 
(Taf.  40:  2),  kann  wohl  kaum  zur  Kleidung  im  strengeren  Sinn  des  Wortes  gehört 
haben.  Derselbe  Gedanke  stellt  sich  angesichts  des  dichten  Gemengsels  von  Zieraten 
ein,  die  in  den  Gräbern  524,  561,  905  usw.  offensichtlich  ungefähr  dieselbe  Lage 
eingenommen  hatten.  Möglicherweise  wurden  diese  Gegenstände  gesondert  hinein¬ 
gelegt.  Aber  man  darf  sich  nicht  der  Möglichkeit  verschliessen,  dass  der  Kleider¬ 
schmuck  oft  in  einer  Art  angebracht  wurde,  die  nicht  durch  den  Schnitt  motiviert 
wurde.  Die  kleinen  Goldknoten  P  1 6  z.  B.  waren  wohl  ohne  weiters  an  einem  Stoff 
angenäht,  wie  es  ja  auch  mit  etlichen  rein  goldschmiedartigen  Beschlägen  der  Fall 
war  (u.  a.  Grab  854).  Siehe  Abb.  43,  36  und  Taf.  40:  7. 

Eine  im  Birkamaterial  ganz  einzig  dastehende  Erscheinung  ist  ein  Paar  tierkopf¬ 
förmiger  Bronzehaken,  die  wir  versuchsweise  Gamaschenschlüsse  nennen  wollen.  Die 
unverrückte  Lage  im  Grab  905  ergibt,  dass  die  Haken  Wickelgamaschen  oder  Unter- 


DIE  TRACHT 


H5 


beinkleider  aus  starkem  Wollstoff  festgehalten  haben,  die  in  den  leinenen  Beinkleidern 
eingehakt  wurden,  welch  letztere  über  das  Knie  hinabreichten,  Abb.  45.  Abgesehen 
von  Steigeisen  (Taf.  40:  1),  die  in  manchen  Gräbern  Vorkommen,  sind  diese  Haken 
die  einzigen  Überreste  an  Bein-  und  Fussbekleidungen,  die  vorgefunden  wurden. 

Ein  wichtiges  Zubehör  der  männlichen  —  aber  auch  der  weiblichen  —  Tracht 
bestand  in  den  Taschen  und  Beuteln  mit  allerlei  Inhalt,  die  nebst  Messer  u.  a.  gewöhn¬ 
lich  im  Gürtel  hängend  getragen  wurden.  In  der  Regel  sind  diese  Beutel  jetzt  ver¬ 
modert  und  nur  die  charakteristische  Anhäufung  von  Gegenständen  bezeichnet,  was 
einst  gewesen  ist,  Abb.  34.  Bisweilen  konnten  dies  kunstvolle  Lederarbeiten  sein,  wie 
im  Grab  71 7.  Manchmal  waren  sie,  wie  eben  erwähnt,  mit  einem  Knopf  verschlossen. 


Abb.  43.  Grab  324. 


Abb.  44.  Grab  J31. 


Ein  ganz  anderer  Typus  sind  die  hufeisenförmigen,  verhältnismässig  flachen  und 
mit  verschiedenen  Bronzebeschlägen  versehenen  Täschchen,  die  unterhalb  der  Schul¬ 
ter  wie  eine  Art  äussere  Brusttasche  getragen  wurden  (Grab  949  und  958;  Taf.  40:  5 
und  Abb.  35).  Gemäss  E.  Sörling1  wurden  solche  Taschen  in  Birka  erzeugt. 

Uber  das  Vorkommen  von  Tierhaaren  und  Federn  wurde  in  Kapitel  XI  berichtet. 
Ein  Teil  davon  bildete  wahrscheinlich  die  Ausstattung  des  Grabes  —  vergleiche  die 
unten  wiedergegebenen  Zitate  aus  Ibn  Foszlan.  Die  edlen  Pelzarten,  Marder,  Eich¬ 
hörnchen,  Biber,  waren  dagegen  sicher  Bestandteile  der  Kleidung,  obwohl  niemals 
genügende  Mengen  erhalten  sind,  um  eine  Vorstellung  über  die  Art  der  Verwendung 
vermitteln  zu  können.  Der  Umstand,  dass  im  nordischen  Handel  das  Pelzwerk  eine 
wichtige  Stelle  einnahm,  lässt  ja  vermuten,  dass  es  auch  hier  oft  verwendet  wurde. 

Kopfbedeckungen  irgendeiner  Art  wurden  allgemein  sowohl  von  Männern  wie 
von  Frauen  verwendet  und  in  vielen  Fällen  hat  es  den  Anschein,  dass  es  wirkliche 

1  Das  Manuskript,  Penningeväskor  frän  Vikingatiden,  wird  demnächst  in  Fornvännen  erscheinen. 


IO  —  37823.  Birka  III. 


146 


ZWÖLFTES  KAPITEL 


Kopfbedeckungen  und  nicht  nur  schmale  Bänder  waren.  In  vielen  der  hier  erhaltenen 
Fälle  finden  sich  nämlich  nebst  der  bandförmigen  Silbergarnierung  auch  Seidenreste 
—  bei  den  Goldsachen  fehlen  ja  günstige  Konservierungsumstände.  Aber  auch  in 
dieser  Hinsicht  gilt  im  Grossen  und  Ganzen  die  Regel  einer  gewissen  Uniformität 
für  die  Frauen  und  grosser  Abwechslung  bei  den  Männern. 

Bei  Frauen  sind  Bänder  die  Regel  —  die  Pläne  zeigen  19  Beispiele  dafür.  Abge¬ 
sehen  von  3  oder  4,  die  offensichtlich  aus  ihrer  Lage  verschoben  und  daher  als  Belege 
ein  wenig  unsicher  sind,  liegen  diese  Bänder  gewöhnlich  über  der  Stirn.  In  einem 
Grab  (946)  markiert  das  Band  mit  der  dranheftenden  Seide  ein  rundes  Käppchen 
über  dem  Hinterhaupt.  Eine  reichere  Form  wird  durch  das  Goldband  des  Grabes 
73  1  angedeutet,  das  rund  um  den  Kopf  einen  Kreis  mit  auf  die  Schultern  herab¬ 
hängenden  geraden  Stücken  bildet.  Im  übrigen  sind  Goldbänder  in  weiblichen 
Gräbern  selten:  wir  kennen  nur  3  Beispiele,  davon  zwei  aus  Doppelgräbern.  Alle  diese 
Bänder  sind  brettchengewebt.  Eine  Ausnahme  macht  das  breite,  broschierte  Band  B  1. 
Nachdem  hier  kein  Stoff  erhalten  ist,  ist  anzunehmen,  dass  das  Band  direkt  auf  das 
Haar  gelegt  worden  war.  Dies  kann  vielleicht  auch  bei  einigen  der  anderen  Bänder 
der  Fall  gewesen  sein,  in  etlichen  Fällen  lässt  sich  denken,  dass  diese  durch  Seiden¬ 
streifen  verbreitert  worden  waren.  Nach  dem  Plan  lag  das  breite  Band  rings  um  den 
Kopf.  Doch  dürften  die  erhaltenen  Reste  ein  längeres  Stück  gebildet  haben,  als  nur 
dazu  nötig  war;  der  prachtvolle  Kopfschmuck  bei  den  Silberfigurinen  Taf.  38:3 
lässt  uns  auch  auf  den  Rücken  herabhängende  Bänder  ahnen.  Eine  alltäglichere 
Mode  ist  in  dem  ölandsbild  vertreten,  das  wohl  eine  gewöhnliche  Haartracht  mit  einem 
Knoten  im  Nacken  und  einem  einfachen  Band  über  der  Stirn  wiedergibt. 

Für  die  Untersuchung  der  männlichen  Kopfbedeckung  stehen  uns  20  Grabpläne 
zur  Verfügung.  Auch  hier  liegen  die  Bänder  gewöhnlich  um  die  Stirn,  ob  es  sich  nun 
um  gewöhnliche  Silberbrettchenbänder  (in  6  bis  7  Gräbern)  oder  geflochtene  oder 
geknüpfte  Borten  aus  Silber  oder  Gold  handelt  (8  Gräber).  An  der  Unterseite  von 
zweien  der  letzteren  (710  und  944)  sind  dünne  Seidenreste  erhalten,  die  zeigen,  dass 
wir  es  hier  mit  mützenartigen  Kopfbedeckungen  zu  tun  haben.  Die  Silberborte  P  1 1 
(Grab  944)  verbarg  eine  Naht,  die  zwei  am  Rand  abgerundete  Stoffstücke  verband, 
und  um  das  schmäler  zulaufende  Ende  der  Borte  liegt  der  Stoff  zusammengerafft  — 
wahrscheinlich  ungefähr  beim  Ohr. 

Die  Grabpläne  geben  aber  auch  Andeutungen  von  anderen  Anbringungsformen. 
Die  breite  Borte  aus  dreifachem  Band  im  Grab  798  lässt  uns  eine  wirkliche,  tief  über 
den  Kopf  herabgezogene  Mütze  ahnen  —  ob  sie  spitz  oder  oben  flach  war,  muss 
dahingestellt  bleiben.  Die  doppelten  Reihen  von  Silberflechten  im  Grab  886  und 
der  geschlossene  Kreis  von  Goldbändern  im  Grab  73  1  waren  vielleicht  in  ähnlicher 
Weise  angebracht. 

Fantastisch  kommt  uns  die  Kopfbedeckung  des  Grabes  581  (Abb.  42)  vor:  eine 
rückwärts  herabfallende  Zipfelmütze  aus  Seide  mit  tütenförmigem  Silberbeschlag  in 
Granulationstechnik  und  im  Nacken  die  4  pflaumenförmigen  Silberanhänger  St  22 — 


DIE  TRACHT 


*47 


23.  Die  Tüte  ist  wahrscheinlich  orientalische  Arbeit.  Ein  identisches  Exemplar  ist 
im  Grab  644  vorhanden,  doch  in  Verbindung  mit  einem  Golddiadem.  Die  zerbrech¬ 
lichen  kleinen  Anhänger  St  29  (Grab  496)  lagen  zusammen  mit  Brettchenbändern  am 
Kopf,  doch  über  die  Art  der  Zusammensetzung  gibt  der  Plan  leider  keine  Auskunft. 

Schliesslich  seien  hier  die  4  gleichen,  wunderbar  schön  gearbeiteten  Zierate  St  10 
aus  Grab  1 1 5 1  erwähnt.  Ihre  Lage  im  Grab  macht  wahrscheinlich,  dass  die  Gegen¬ 
stände  gesondert  hineingelegt  wurden,  wodurch  sich  die  Anhaltspunkte  für  unsere 


Rekonstruktionsversuche  verringern.  Es  fragt  sich  auch,  ob  sie,  wie  einzelne  der 
anderen  ähnlichen  Gegenstände,  gehangen  haben  oder  ob  sie  emporgerichtet  waren. 
Auf  einigen  Miniaturen,  z.  B.  Thronender  Otto  II.  mit  huldigenden  Nationen  und 
eine  Anbetung  der  Heiligen  Drei  Könige1  kommen  kronenähnliche,  viereckige 
Mützen  vor,  die  Anlass  dazu  geben,  versuchsweise  auf  die  zweite  Alternative  zu  raten. 

Vergleichendes. 

Nun  wollen  wir  die  oben  gemachten  Beobachtungen  mit  dem  Bild  vergleichen, 
das  man  sich  bisher  von  der  Tracht  jener  Zeit,  insbesonders  der  fränkischen  gemacht 
hatte.2 

1  A.  Goldschmidt,  Die  deutsche  Buchmalerei,  II,  Taf.  8.  Das  goldene  Evangelienbuch  Heinrichs  III.  (Faksimile¬ 
auflage  von  A.  Boeckler)  Abb.  42. 

2  Girke  schildert  (a.  a.  O.,  S.  99  f.)  wie  sich  römische  Kleidersitte  bereits  im  9.  Jahrhundert  im  fränkischen  Reich 
geltend  zu  machen  begann.  Karl  der  Grosse  widersetzte  sich  dem,  ging  selbst  nach  fränkischer  Sitte  gekleidet  und  wünschte 


148 


ZWÖLFTES  KAPITEL 


Sowohl  der  Mönch  von  St.  Gallen  als  auch  Einhardt  haben  eine  Beschreibung 
jener  fränkischen  Tracht  gegeben.  In  den  Gesta  Caroli  Magni1  heisst  es,  dass  die  alten 
Franken  Hosen,  „tibialia  vel  coxalia“,  aus  Leinen,  verschiedenartig  und  sorgfältig, 
verziert,  trugen;  verschiedenfarbige  Bänder,  „fasciolae  in  crucis  modum“,  die  um  die 
Beine  gewickelt  waren,  darüber  Riemen,  3  Armlängen  lang,  gekreuzt,  die  Schuhe 
aus  vergoldetem  Leder  festhielten;  ein  Leinenhemd,  „camisia  clizana“,  darüber  der 
Gurt  mit  dem  Schwert;  über  dem  Ganzen  einen  blauen  oder  weissen  Mantel  (pal- 
lium),  rechteckig  und  doppelt  gefaltet2,  sodass  er  vorn  und  rückwärts  bis  zu  den  Füs¬ 
sen  und  an  den  Seiten  bis  zu  den  Knieen  reichte.  Nach  Einhardt3  trug  Karl  der 
Grosse  Hemd  und  Unterhosen  aus  Leinen,  Leibrock  mit  Seidengürtel  sowie  Hosen, 
Beinbinden  und  Schuhe;  im  Winter  ausserdem  eine  Weste  (ärmellosen  Leibrock) 
aus  Ottern-  oder  Zobelpelz.  Weiters  trug  er  einen  blauen  Mantel  (sagum)  und  hatte 
immer  das  Schwert  mit  gold-  oder  silberbeschlagenem  Griff  gegürtet.  Zu  anderen 
Gelegenheiten  benützte  er  ein  mit  Edelsteinen  besetztes  Schwert. 

Man  findet  im  Grossen  und  Ganzen  dieselbe  Trachte  auf  den  Miniaturen  wieder, 
für  Herren  wie  für  Laien.  Es  ist  der  knielange  Leibrock,  mit  oder  (meistens)  ohne 
Gurt,  auf  jüngeren  Darstellungen  unten  und  an  den  Handgelenken  oft  mit  breiten 
Borten  verziert.4  Oft,  besonders  in  den  Federzeichnungen  der  St.  Gallner  Schule, 
wirkt  der  Stoff  auffallend  dünn  und  die  dichten  Querfalten  auf  den  engen  Ärmeln 
erinnern  an  die  Mode  des  12.  Jahrhunderts.5  Die  Fuss-  und  Beinbekleidungen  wech¬ 
seln  recht  stark  ab,  was  zu  den  vielen  Namen,  die  Girke  anführt,  stimmt.  Sehr  häufig 
sind  die  Beine  in  irgendeiner  Weise  umwickelt.  Der  mit  einer  Spange  auf  der  rechten 
Schulter  zusammengehaltene  rechteckige  Mantel  ist  leicht  wiederzuerkennen,  die 
Grösse  und  auch  die  Art,  ihn  zu  befestigen,  wechselt  ab.  (Bezüglich  der  Grösse  vgl. 
den  oben,  S.  43,  angeführten  Brief  Karls  des  Grossen  an  König  Offa.)  Manchmal, 
besonders  auf  den  älteren  Miniaturen  sind  sie  recht  kurz  und  weit.6  Manchmal  sind 
sie  rückwärts  länger  und  haben  vorne  eine  herabhängende  Ecke,  was  durch  den  empor¬ 
gehobenen  linken  Arm  noch  mehr  betont  wird.7  Es  ist  möglich,  dass  sich  dann  die 
Befestigung  nicht  in  den  Ecken  selbst  befand,  sondern  ein  Stück  weiter  an  dem  oberen 
Rand.  Ein  anderes  Mal,  z.  B.  in  der  Bibel  Karls  des  Kahlen,  ist  der  Mantel  enger  und 
länger,  so  dass  er  über  die  Waden  reicht;  er  ist  auf  der  linken  Seite  nicht  hinaufge- 
zogen,  wodurch  er  mehr  einem  gewöhnlichen,  ringsum  gleichlangen  Regenmantel 


dasselbe  von  seiner  Umgebung.  Ludwig  der  Fromme  behielt  den  altfränkischen  Kleiderschnitt  bei,  verwandte  aber  reichlich 
Goldverzierungen.  Als  Karl  der  Kahle  876,  mit  einem  bis  zu  den  Knöcheln  reichenden  Talar  und  Diademschmuck  an¬ 
getan,  aus  Italien  heimkehrte,  trat  eine  neue  Epoche  in  der  fränkischen  Kleidersitte  ein,  doch  drang  die  byzantinische  Mode 
erst  im  11.  Jhdt.  völlig  durch. 

1  Mon.  Germ.  hist.  Script.  II,  S.  747. 

2  Enlart  übersetzt  offensichtlich  fehlerhaft,  a.  a.  O.,  S.  16,  duplex  mit  »ayant  en  longueur  deux  fois  sa  largeur». 

3  Einhardi  Vita  Karoli  M.,  Mon.  Germ.  hist.  Script.  II. 

4  Goldschmidt,  a.  a.  O.,  I,  Taf.  63,  73,  76. 

6  Merton,  Buchmalerei  in  St.  Gallen,  Taf.  LIII — LV. 

6  Z.  B.  Goldschmidt,  a.  a.  O.,  I,  Taf.  13. 

7  Merton,  a.  a.  O.,  Taf.  XXI  und  Goldschmidt,  a.  a.  O.,  I,  Taf.  73. 


DIE  TRACHT 


1  49 


oder  Cape  ähnelt.  Der  Verschluss  befindet  sich  genau  in  den  Ecken,  die  in  zwei 
Bänder  auszulaufen  scheinen,  welche  oft  hinausflattern  und  bisweilen  recht  lang  werden 
können.  Es  ist  der  „Schnurmantel“  mit  seinen  Verschlussschnüren  oder  richtiger 
-bändern,  die  weiterleben  und  breiter  werden,  als  im  1 2.  Jahrhundert  die  Öffnung 
nach  vorne  gerückt  wurde.  Diese  Schnüre  waren  für  einen  lockeren  Verschluss  ge¬ 
dacht  und  ermöglichten  verschiedene  Arten,  den  Mantel  zu  tragen,  u.  a.  zusammenge¬ 
knüpft  und  über  die  linke  Schulter  hängend.1  In  dieser  Tracht  geht  man  häufig  ganz 
barhäuptig  oder  trägt  ein  schmales  Band,  eine  Stirnbinde,  oft  mit  herabhängenden 
Enden.  In  selteneren  Fällen  kommen  Helme  vor,  oft  in  sehr  fantastischen  Formen. 
Allmählich  reicht  dann  der  Mantel  bis  zu  den  Füssen  und  die  ganze  Kleidung  erhält 


Abb.  47.  Diagramm  über  die  Lage  der  Spangen  und  der  Silberbänder,  Grab  824. 
Die  Ergänzungslinien  sind  punktiert.  Etwa  1/s  nat.  Gr. 


das  Gepräge  byzantinischer  Schwere  und  Pracht.  Dazu  gehört  oft  die  schwere, 
viereckige  Kopfbedeckung,  auf  die  eben  hingewiesen  wurde. 

Unwahrscheinlich  ist  es  nun  nicht,  dass  viele  Bewohner  des  Nordens  und  auch  die 
von  Birka  in  fränkischer  Tracht  gingen.  Andrerseits  lassen  sich  zweifellos  viele  von 
den  in  Birka  beobachteten  Erscheinungen  unmöglich  mit  der  eben  beschriebenen  Bil¬ 
derserie  vereinbaren,  so  u.  a.  die  vielen  verschiedenen  Kopfbedeckungen,  wovon 
manche  ein  orientalisches  Gepräge  tragen.2  Ebenso  die  regelmässigen  Knopfreihen 
vorn,  die  zweifellos  einen  enganliegenden  Leibrock  voraussetzen.  Es  ist  zu  beachten, 
dass  bisher  in  gleichzeitigen  und  älteren  Funden  Knöpfe  fehlen  und  man  im  übrigen 

1  P.  Post,  Vom  mittelalterlichen  Schnurmantel,  Zeitschrift  f.  Waffenkunde  1933,  S.  123  ff.;  dort  auch  u.  a.  ein  in¬ 
struktives  Bild  König  Knuts  von  Dänemark  und  seiner  Gemahlin  aus  einem  1016 — 1020  hergestellten  codex  des  British 
Museum.  Andere  ältere  Beispiele  des  Schnurmantels  bei  Goldschmidt  II,  Taf.  58,  63  und  68. —  Auf  dem  frühmittel¬ 
alterlichen  Teppich  der  Kirche  zu  Hölandet  (Museum  Trondheim;  Abb.  7  bei  Salven,  a.  a.  O.)  trägt  einer  der  Hei¬ 
ligen  Drei  Könige  einen  Mantel  mit  sehr  langen,  auf  den  Rücken  herabflatternden  und  mit  Knoten  oder  dgl.  sich 
schliessenden  Schnüren,  die  an  unsere  Endzierate,  z.  B.  P  20,  auffallend  erinnern. 

2  Das  einzige  aufzufindende  Bild,  das  die  Verwendung  der  pflaumenförmigen  Anhänger  St  22 — 23  illustieren  könnte 
ist  das  Kaiserbild  in  den  Mosaiken  von  St.  Apollinari  Nuovo  in  Ravenna;  doch  besteht  im  übrigen  kaum  eine  Ähnlichkeit. 


ZWÖLFTES  KAPITEL 


r5° 

allgemein  der  Ansicht  war,  dass  sie  erst  im  14.  Jahrhundert  auftreten.1  Das  rippen¬ 
förmige  mit  Silberbändern  verzierte  Kleidungsstück  mit  seinem  komplizierten  Schnitt 
will  man  sich  ebenfalls  gerne  anliegend  vorstellen.  Es  unterliegt  kaum  einem  Zweifel, 
dass  dieser  Typus  —  oder  das  Kleidungsstück  selbst  —  nicht  orientalischen  Ursprungs 
ist.  Arne  nimmt  an2,  dass  der  im  Grab  1074  begrabene  Mann  mit  der  ungewöhn¬ 
lichen  Knopfreihe  und  dem  prachtvollen  khazarischen  Gürtel  ein  orientalischer  Kauf¬ 
mann  war.  Dieses  Kleidungsstück  dürfte  an  den  aus  späterer  Zeit  bekannten  persi¬ 
schen  Leibrock  erinnert  haben,  der  um  den  Rumpf  anliegend  ist  und  sich  über  den 
Hüften  erweitert. 

Es  ist  aber  kaum  wahrscheinlich,  dass  diese  orientalische  Tracht  der  byzantini¬ 
schen  glich.  Der  arabische  Schriftsteller  Ibn  Dast  erzählt,  dass  Khazaren,  Bulgaren 
und  Badjnaken  lange  Kleider  und  die  Rusen  kurze  hatten.3  In  seiner  bekannten 
Schilderung  von  den  schwedischen  Wikingern,  die  er  an  der  Wolga  traf,  gibt  Ibn 
Foszlan  eine  Beschreibung  des  toten  Häuptlings,  die  wohl  mit  den  Vorstellungen  von 
der  Tracht  übereinstimmt,  die  wir  uns  durch  die  Birkafunde  gebildet  haben.  „Ihn 
bekleideten  sie  dann  mit  Unterbeinkleidern,  Oberhosen,  Stiefeln,  einem  Kurtak  und 
Chaftan  von  Goldstoff  mit  goldenen  Knöpfen  und  setzten  ihm  eine  goldstoffene  Mütze 
mit  Zobel  besetzt  auf.“4  Dies  kann  ja  kaum  eine  typisch  nordische  Kleidung  sein, 
doch  die  Beschreibung  zeigt,  dass  sich  die  Nordmänner  in  dieser  Hinsicht  keineswegs 
ablehnend  gegen  fremde  Einflüsse  verhielten.  Gerade  diese  Eigenschaft  erklärt  voll¬ 
auf  die  in  diesem  Kapitel  einleitend  ausgesprochene  Regel  von  grossem  Luxus  und 
Abwechslung  in  der  männlichen  Kleidung  zum  Unterschied  von  der  einförmigen 
Frauenkleidung.  Auf  ihren  Reisen  legten  sich  die  Männer  ganz  natürlich  die  pracht¬ 
vollen  exotischen  Kleider  zu,  die  sie  zu  sehen  bekamen,  während  die  daheim  verblie¬ 
benen  Frauen  sich  an  ihre  nationale  Kleidung  hielten  —  ein  Brauch,  an  dem  sie  kon¬ 
servativ  festhielten  auch  in  den  Fällen,  da  sie  mit  ins  fremde  Land  zogen.  Etliche 
russische  Funde  der  charakteristischen  nordischen  ovalen  Spangen  illustrieren  das 
letzte  Verhältniss.5 6  Die  übliche  Anschauung  von  einem  speziell  weiblichen  Hang 
zum  Luxus  ist  also  hinsichtlich  der  Wikingerzeit  nicht  stichhältig. 

Wie  schon  hervorgehoben,  sind  Abbildungen  von  Frauen,  wenigstens  von  sol¬ 
chen,  die  etwas  über  die  Tracht  aussagen,  in  der  zeitgenössischen  europäischen  Kunst 
äusserst  selten.  Unter  diesen  sind  zwei  zu  vermerken:  das  Halberstädter  Diptykon9 
und  die  drei  sitzenden  Frauen  mit  Schleiern  über  dem  Kopf  in  der  Bibel  Karls  des 
Kahlen.  Das  Bild  in  der  Bibel  Karls  des  Kahlen  wirkt  so  fremdartig,  dass  es  auf  un¬ 
sere  Verhältnisse  kaum  irgend  eine  Anwendung  finden  dürfte.  Dagegen  zeugen 


1  Enlart  und  Girke,  a.  a.  O.,  Thor  Kielland,  Om  dragt  og  mote  i  middelalderens  Norge,  Aarsberetning  for 
1925  fra  Foreningen  t.  Norske  Fortidsmindesmerkers  Bevaring. 

2  T.  J.  Arne,  La  Suede  et  TOrient,  S.  222. 

3  Ouvaroff,  Les  Meriens,  S.  136. 

4  Frähn,  Ibn-Foszlan’s  und  anderer  Araber  Berichte  über  die  Russen  älterer  Zeit,  S.  15. 

5  Arne,  a.  a.  O.,  S.  24  und  38. 

6  Abgebildet  bei  Girke,  a.  a.  O.,  Taf.  44. 


DIE  TRACHT 


*5* 

einige  frühe  literarische  Angaben  von  einem  Typ  einer  weiblichen  Kopfbedeckung, 
die,  obwohl  natürlich  kostbarer,  vielleicht  unseren  geglichen  hat.  Angilbert,  der 
Hofdichter  in  Aachen,  beschreibt  die  kostbare  Kopftracht  der  Gemahlin  und  der 
Töchter  Karls  des  Grossen  und  Ermoldus  Nigellus  die  einer  dänischen  Fürstin.1 
Auch  die  vielen  verschiedenen  Bezeichnungen  in  der  isländischen  Sagenliteratur  be¬ 
zeugen  eine  grosse  Abwechslung  im  weiblichen  Kopfschmuck  und  das  Vorkommen 
von  Gold-  und  Silberbändern  sowie  von  allerhand  Kopftüchern. 

Für  den  Mangel  an  zeitgenössischen  ausländischen  Abbildungen  werden  wir  in¬ 
dessen  durch  die  bekannten  gotländischen  Bildsteine  und  vor  allem  durch  die  4  ein- 


Abb.  48 .  Diagramm  zu  Taf.  14 ,  25  und  21:  2,  Grab  735. 
Etwa  */s  nat.  Gr. 


heimischen,  auf  Taf.  38  abgebildeten  kleinen  Frauenbilder  entschädigt.2  Leider  ist 
die  Zeichnung  wegen  des  kleinen  Formates  sehr  summarisch  und  in  den  Einzelheiten 
unklar,  aber  in  den  wesentlichen  Zügen  der  Kleidung  kann  man  sich  nicht  täuschen. 
Wir  sehen  ein  bis  zu  den  Füssen  reichendes,  ein  wenig  schleppendes  Kleid,  das  eine 
Mal  vorne  mit  Querborten  versehen,  sicher  ein  leinener  Hängerock  mit  aufgenähten 
Seidenstreifen  o.  dgl.  Auf  den  Grödinge-  und  Kinsta-Bildern  sieht  er  wie  fein  ge¬ 
faltet  aus  —  das  kann  vielleicht  das  plissierte  Untergewand  sein,  das  länger  als  der 

1  Carmen  de  Carolo  Magno,  Mon.  Germ.  hist.  Poet.  lat.  aevi  carolini,  Bd.  I,  S.  370  f.;  Carmen  in  honorem  Hlu- 
dowici,  Mon.  Germ.  hist.  Poet.  lat.  aevi  carolini  II,  S.  68 — 69;  vgl.  Girke,  S.  104. 

2  Sune  Lindqvist,  Gotlands  bildstenar,  Rig  1933;  eine  grössere  Publikation  von  der  Hand  desselben  Verfassers  ist 
unter  Vorbereitung.  Holger  Arbman,  Människoframställning  i  vär  forntida  konst  (Ur  S.  H.  M:s  samlingar,  4,  Stockholm 
1936).  Auch  die  verschiedenen  Darstellungen  des  Osebergfundes  mögen  in  diesem  Zusammenhang  genannt  werden. 


*52 


ZWÖLFTES  KAPITEL 


Hängerock  war?  Eine  Eigentümlichkeit  tritt  deutlich  auf  dem  Tuna-Bild  zu  Tage, 
ist  aber  auf  zwei  der  anderen  zu  ahnen:  der  Vorder-  und  Rückenteil  des  Rockes  bilden 
zwei  verschiedene  Stücke.  Das  vordere  Stück  ist  glatt  mit  querverlaufenden  Borten, 
das  Rückenstück  ist  länger  und  faltenreich.  Uber  dem  Kleid  selbst  wird  ein  kontrastie¬ 
render  Schal  oder  Mantel  getragen,  in  zwei  Fällen  rückwärts  in  einem  Zipfel  herab¬ 
hängend  —  vielleicht  diagonal  gefaltet,  wie  es  in  späteren  Zeiten  öfters  geschah  — ; 
in  einem  Fall  gerade  über  den  Rücken  hängend  und  mit  den  Ecken  zu  beiden  Seiten 
herabfallend.  Möglicherweise  ist  auf  dem  letzteren  ein  gemustertes  Gewebe  abge¬ 
bildet.  Die  kleine  Ölandsfrau  hat  wahrscheinlich  keinen  Mantel,  was  sie  auch  bei 
ihrer  Beschäftigung  die  sie  eben  vorhat  behindert  hätte:  Met  aus  einem  Horn  zum 
Trünke  einzuschenken.  Die  einfache  Haartracht  deutet  darauf  hin,  dass  die  Situa¬ 
tion  nicht  so  feierlich  war. 

Die  Gesamtform  ist  von  auffallend  gleicher  Breite,  zwar  ein  wenig  kegelförmig 
ohne  die  geringste  Markierung  der  Taille.  Dies  stimmt  zu  dem  Fehlen  jeglicher  Spur 
eines  Gürtels  in  unseren  Grabfunden  und  zu  dem  eigentümlichen,  nach  unseren 
Begriffen  äusserst  unbequemen  Brauch,  so  viele  Geräte  an  die  beiden  Brustspangen 
anzuhängen.  Uber  die  Ausgestaltung  der  Kopfbedeckungen  und  der  Haartracht 
kann  man  sich  unmöglich  eine  nähere  Vorstellung  machen,  höchstens  die,  dass  sie 
aus  langen  in  Buchten  gelegten  und  nach  rückwärts  herabhängenden  Bändern  bestand. 
Der  grosse  runde  Knopf  des  Tunabildes  und  die  Kugelreihe  darunter  sind  auch  nicht 
leicht  zu  erklären;  möglicherweise  stellt  er  eine  Schalenspange  mit  daranhängender 
Kette  vor.  Die  kleine  öländerin  hat  wahrscheinlich  einen  gewöhnlichen  einfachen 
Haarknoten  im  Nacken  und  ein  schmales  Band  über  die  Stirnhaare  gehabt. 

Die  Einzelheiten  der  Bildsteine  sind  zum  grossen  Teil  verwischt,  doch  können  wir 
mehrmals  Frauen  mit  dem  langen  schleppenden  Rock,  dem  rückwärts  zipfligen  Mantel 
und  der  fantastischen  Kopfbedeckung  deutlich  unterscheiden.  Die  Männer  der  Bild¬ 
steine  tragen  gewöhnlich  bis  zu  den  Knien  reichende,  gegürtelte  Leibröcke,  Mäntel  (?), 
die  im  Profil  eine  täuschende  Ähnlichkeit  mit  weiten  Ärmeln  haben,  Helme,  oft 
spitzig  und  mit  Nackenschutz,  und  Bart.  Teilweise  stimmt  damit  die  kleine  Silber¬ 
figur  Taf.  38:5  überein,  aber  es  verbleibt  zu  erklären,  was  der  glorienähnliche  Bogen 
um  das  Haupt  vorstellt. 

Zusammenfassung. 

Das  Bild  auf  dem  Halberstädter  Diptychon,  ergänzt  durch  die  Beschreibung  des 
Tacitus  im  17.  Kap.  der  Germania,  veranlasst  Girke  (S.  107  f.  u.  1 18)  zu  der  Schluss¬ 
folgerung,  dass  die  Frauen  am  Körper  einen  „Hemdrock“  trugen.  Dieses  Urteil 
will  Girke  für  die  Germaninnen  im  allgemeinen  als  gültig  betrachtet  wissen,  jedoch 
mit  Ausnahme  von  Skandinavien  (!),  „wo  der  ärmellose  Hemdrock  nicht  getragen 
worden  zu  sein  scheint“.  Die  Annahme  gründet  sich  auf  eine  reine  Konstruktion: 
er  stellt  sich  vor,  dass  das  zweigeteilte  Gewand  der  Bronzezeit  in  ein  Ärmelhemd  mit 
Brustschlitz  ähnlich  einem  solchen,  wie  er  es  in  der  schwedischen  Volkstracht  beob- 


DIE  TRACHT 


*53 


achtet  hat,  übergegangen  ist.1  Auch  seine  Annahme,  dass  sie  einen  Gürtel,  mit 
einem  Gürtelring  oder  Schnalle  geschlossen,  sowie  eine  Gürteltasche2  gehabt  hätten, 
ist  ja,  wie  eben  hervorgehoben  wurde,  bezüglich  der  Birkagräber  und  anderem  schwe¬ 
dischen  Material  völlig  unbeglaubigt  und  somit  unwahrscheinlich.  Vielmehr  gibt  es 
andere  Gründe,  die  dafür  sprechen,  dass  sie  überhaupt  keinerlei  Gürtel  getragen 
haben.  Wenn  es  irgendeinen  Gürtel  gegeben  hat,  dann  kann  es  höchstens  ein  unbe¬ 
deutendes  Band  gewesen  sein,  das  nur  zum  Zuhalten  des  Rockes  gedient  hat. 

Wie  dieser  Hängerock  ausgesehen  hat,  ist  jedoch  nicht  recht  klar.  Auch  nicht, 
wie  weit  das  Untergewand,  also  das  Hemd,  gereicht  hat.  Die  im  Grab  1062  an  der 
Schere  zurückgebliebenen  Reste  eines  plissierten  Stoffes  können  darauf  hindeuten, 
dass  dieses  Gewand  ziemlich  lang  war  —  ganz  unwahrscheinlich  ist  wohl  nicht,  dass 
das  plissierte  Hemd,  wie  eine  der  Figurinen  ahnen  lässt,  bis  zu  den  Füssen  reichte 
und  daher  unter  dem  Rock  hervorschaute.  —  Eine  solche  Möglichkeit  wirkt  viel¬ 
leicht  verblüffend,  aber  sie  kann  den  Grund  zur  Plissierung  verständlich  machen,  die 
oben  an  der  Brust  unter  dem  Hängerock  kaum  irgendwelchen  Zweck  hatte.  Das 
Faltenlegen  ist  ja  ein  ausgezeichnetes  Mittel,  einen  weiten  Stoff  zu  raffen,  und  wurde 
daher  vielerorts  einst  und  jetzt  vornehmlich  für  Röcke  verwendet. 

Zur  Erklärung  der  Form  des  Hängerockes  stehen  zwei  in  dem  volkskundlichen 
Material  erhaltene,  altertümliche  Typen  zur  Verfügung.  Teils  das  zu  manchen 
schwedischen  Volkstrachten  gehörende  Unterhemd,  das  aus  einem  geraden,  durch 
ein  angesetztes  Stück  nach  unten  zu  weiterwerdenden  Rumpfteil  und  aus  schmalen 
Schulterbändern  besteht.3  Teils  der  ostbaltische  „offene  Rock“  oder  „Umlegetuch“, 
das  mit  Rücksicht  auf  seine  Verwendung  am  nächsten  verwandt  erscheint.  Ein  von 
der  Verf.  im  Museum  von  Helsingfors  studiertes  Exemplar  gehört  zu  der  altertüm¬ 
lichen  ingermanländischen  Frauentracht.  Es  besteht  aus  einem  viereckigen  Tuch  aus 
blauem  Wollstoff,  dessen  Kanten  alle  mit  einem  schmalen,  mit  bunten  Garn  über¬ 
nähten  Saum  verziert  sind.  Der  „Rock“  wird  so  um  die  Hüften  gelegt,  dass  die 
Kanten  auf  der  einen  Seite  aneinanderstossen  oder  sich  leicht  überdecken;  der  Rock 
hängt  von  zwei  schmalen  Schulterbändern  herab  und  wird  durch  einen  Gürtel  um 
die  Taille  festgehalten.  Manninen  teilt  mit,  dass  dasselbe  altertümliche  Kleidungs¬ 
stück  in  allen  drei  baltischen  Ländern  vorkommt  oder  vorgekommen  ist  und  zwar 
sowohl  aus  Wolle  als  aus  Leinen.  An  etlichen  Orten  kommt  auch  über  dem  gewöhn¬ 
lichen  Gewand  ein  in  ähnlicher  Weise  verwendetes  Umlegetuch  vor  und  zwar  um 
die  Hüften  gelegt  und  an  der  einen  Schulter  durch  eine  Spange  festgehalten.  Mit- 

1  Girke,  a.  a.  O.,  S.  107. 

Es  ist  zu  beachten,  dass  man  trotz  der  vielen  guterhaltenen  dänischen  Bronzezeitfunde  noch  nicht  zur  völligen 
Klarheit  gekommen  ist,  wie  der  eine  Frauenrock  ausgesehen  hat  —  dass  man  abwechselnd  zwei  verschiedene  Typen  ver¬ 
wendet  hat,  dürfte  sicher  sein.  Doch  ist,  wie  unlängst  aufgezeigt  wurde,  die  hier  gemeinte,  von  Sophus  Müller  (Aarböger 
1891,  S.  106)  gemachte,  mehrfach  wiederholte  Rekonstruktion  vermutlich  fehlerhaft.  Siehe  Broholm-Hald,  a.  a.  O., 
S.  325  f. 

2  Girke,  a.a.  O.,  S.  117  und  118. 

3  P.  G.  Widstrand,  Svenska  folkdräkter,  Stockholm  1907,  S.  82. 


*54 


ZWÖLFTES  KAPITEL 


unter  werden  auch  zwei  derartige  Tücher  getragen,  die  von  entgegengesetzten  Seiten 
umgelegt  und  befestigt  werden,  sodass  sie  den  Körper  völlig  bedecken.1 

Für  die  hier  versuchsweise  ausgesprochene  Vermutung,  dass  die  Frauen  der  Wi¬ 
kingerzeit  einen  offenen  Rock  trugen,  können  natürlich  keine  bindenden  Beweise 
beigebracht  werden,  aber  es  scheint  mir,  als  ob  etliche  Einzelheiten  des  oben  erwähnten 
baltischen  Materials  diese  Auffassung  bestätigen  würden.  Von  praktischen  Gesichts¬ 
punkten  aus  erscheint  es  auch  unleugbar  recht  sinnlos,  am  oberen  Rand  eines  gewöhn¬ 
lichen  geschlossenen  Rockes  Ösen  anzubringen,  die  dann  durch  Spangen  zusammen¬ 
gefasst  werden  sollen.  An  dem  einen  Rand  eines  viereckigen  Stoffstückes  ist  dagegen 
ein  solches  Arrangement  sehr  verständlich  und  zweckentsprechend.  Auch  das  Vor- 


Abb.  49.  Diagramm  des  zu  vermutenden  Hängerockes. 

handensein  von  doppelten  Stoffschlaufen  in  beiden  Richtungen,  doppelte  Röcke  an¬ 
deutend,  passt  besser  zu  einem  offenen  als  einem  geschlossenen  Rock  —  im  letzteren 
Fall  möchte  man  lieber  den  unteren  Rock  von  der  Taille  aus  herabhängen  lassen. 
Siche  weiter  Diagramme  der  vorhandenen  Spangenschlaufen  mit  angenähtem  Rock¬ 
rand  sowie  des  zu  vermutenden  Flängerocks,  Abb.  49  u.  50. 

Ist  diese  unsere  Vermutung  richtig,  so  stellt  dies  nicht  den  einzigen  Fall  einer  Ver¬ 
wandtschaft  zwischen  der  Wikingerkultur  und  der  Volkskultur  in  dem  südostbalti¬ 
schen  Gebiet  dar.  Wir  haben  oben  (S.  17)  für  Karelen  dieselbe  altertümliche  Methode, 
einen  Stoff  zu  plissieren,  nachgewiesen,  wie  sie,  nach  allem  zu  urteilen,  in  Birka  zur 
Anwendung  kam;  Manninen  erwähnt  dasselbe  von  Estland.  Mehrere  Einzelheiten 
der  noch  „lebenden“  Volkstrachten  z.  B.  die  livländischen  Frauen  auf  einem  von 
Manninen  wiedergegebenen  Kupferstich  vom  Ende  des  17.  Jahrhunderts,  lassen  eine 
Vorliebe  für  glänzenden  Kleidschmuck  ähnlicher  Art  erkennen,  wie  die  eleganten 

1  Manninen,  a.  a.  O.,  S.  496 — 497,  Abb.  229,  oder  Suomen  suku  III,  neben  S.  352. 


DIE  TRACHT 


1  55 


Zierate  der  Birkagräber.  Dieselbe  Geschmacksrichtung  treffen  wir  bei  den  mit  Bron¬ 
zespiralen  oder  Plättchen  verzierten  Kleidern  der  Eisenzeit1  und  auch  bei  den  mit 
Knöpfen,  Schellen  usw.  besetzten  kleinen  Hüftschürzen,  die  in  vorgeschichtlicher  und 
neuzeitlicher  Gestalt  nachgewiesen  wurden2  —  einzelne  Schellen  von  ganz  dersel¬ 
ben  Form  wurden  ja  in  mehreren  Birkagräbern  aufgefunden.  Der  rechteckige, 
vorne  mit  einer  runden  Spange  zusammengehaltene  Mantel,  den  wir  sowohl  von  den 
finnischen  eisenzeitlichen  Gräbern  als  auch  von  den  estnischen  und  lettischen  Frauen¬ 
trachten  kennen,  dürfte  sich  als  Ganzes  nicht  so  sehr  von  jenen  unterschieden  haben, 
die  von  den  schwedischen  Wikingerfrauen  getragen  wurden. 


Ahb.  50.  Lage  der  Stoffschlaufen  in  den  Spangen  und  Befestigung  am  Stoff. 

Nach  Grab  1084  u.  a. 


Es  ist  auch  nicht  unwahrscheinlich,  dass  sich  unter  den  vielen  verschiedenen 
baltischen  Kopfbedeckungen  solche  finden,  die  ziemlich  genau  den  weiblichen  Kopf¬ 
bedeckungen  der  Wikingerzeit  entsprechen.  Den  Typus  mit  Stirnband  oder  breitem 
Kranz  mit  rückwärts  herabhängenden  Bändern  gibt  es  sowohl  im  vorgeschichtlichen 
als  auch  im  jüngeren  Material.3 

Man  stellt  sich  die  Frage,  ob  verheiratete  und  unverheiratete  Frauen  bereits  da¬ 
mals  verschiedenen  Kopfbedeckungen  hatten,  ob  das  Kopftuch  vielleicht  nur  von  den 
verheirateten  getragen  wurde.  Die  Sitte,  den  Kopf  zu  bedecken,  ist,  meint  man, 
eine  orientalische  Erscheinung,  die  im  Abendland  nicht  vor  der  Zeit  der  Kreuz¬ 
züge  Eingang  gefunden  hätte.4  Der  Begriffsinhalt  ist  indessen  nicht  ganz  klar;  der 

1  Appelgren-Kivalo,  a.  a.  O.,  und  Tyyni  Vahter,  Der  späteisenzeitliche  Mantel  im  Ostbaltikum,  Congressus 
Secundus  Archaeologorum  Balticorum,  Rigae  1930;  E.  Kiwull,  Gewandreste  und  Bronzefunde  aus  einem  lettischen  Grä¬ 
berfelde  der  jüngeren  Eisenzeit  bei  Wenden,  Mitteil,  aus  der  livländischen  Geschichte,  Riga  1911. 

2  Tyyni  Vahter,  Les  „kaatteris“  chez  les  peuples  finnois  pendant  l’äge  recent  du  fer,  Eurasia  VII. 

3  Siehe  Manninen,  Appelgren-Kivalo,  Kiwull,  a.  a.  O. 

4  Enlart,  a.  a.  O.,  S.  179;  Girke,  a.  a.  O.,  S.  117. 


i56 


ZWÖLFTES  KAPITEL 


Unterschied  zwischen  Schleier,  Kopftuch  und  Umlegetuch  als  praktischer  Schutz 
gegen  die  Witterung  lässt  sich  schwer  bestimmen.  Die  Kopftücher  aus  Köperwoll¬ 
stoff  in  den  finnischen  eisenzeitlichen  Gräbern  scheinen  indessen  nicht  zur  letzteren 
Sorte  gehört  zu  haben,  diese  haben  zusammen  mit  den  Metallverzierungen  eine  fer¬ 
tige  Kopfbedeckung  gebildet.  Unter  einem  Paar  von  diesen  hat  man  Reste  eines 
Gestells  aus  Birkenrinde  gefunden  und  darüber  waren  als  Schmuck  lange,  hübsche 
Stirnbänder  aus  Bronzespiralen  —  der  Form  nach  nicht  unähnlich  unseren  Gold¬ 
diademen  (P  4)  —  gebunden.  Man  muss  sich  jedoch  hüten,  aus  der  Ähnlichkeit 
voreilige  Schlussfolgerungen  zu  ziehen  —  die  finnischen  Gräber  sind  spät,  aus  dem 
12. — 14.  Jahrhundert,  und  die  Birkadiademe  stammen  alle  aus  männlichen  Grä¬ 
bern;  in  dem  einzigen  Fall,  wo  der  darunter  liegende  Stoff  erhalten  wurde,  trägt  dieser 
eine  Naht,  ein  Beweis,  dass  er  eine  abgepasste  Mütze  und  nicht  ein  ursprünglich  ge¬ 
rades  Tuch,  das  um  den  Kopf  gebunden  wurde,  gebildet  hatte.  Weder  das  Birka- 
material  noch  die  Metallfiguren  sagen  etwas  Positives  für  oder  gegen  das  Vorkommen 
von  Kopftüchern  aus.  Um  dem  Bild  von  der  weiblichen  Kopfbedeckung  der  Wi¬ 
kingerzeit  näher  zu  kommen,  bedarf  es  neuer  Funde. 


GRABREGISTER 

in  Anbetracht  der  textilen  Überreste. 


Die  Datierungen  wurden  •von  Dozent  Arbman  angegeben ;  in  etlichen  Fällen  war  doch  keine  Zeitangabe  möglich.  Die  meisten  Grä¬ 
ber  sind  Skelettgräber;  nur  wenn  ein  Brandgrab  vorliegt ,  ist  dies  angegeben.  M.  —  männliche ,  W.  =  weibliche  Bestattung.  An¬ 
führungszeichen  =  die  betreffende  Angabe  stammt  von  Stolpe  selbst  oder  von  Hallström  ( Birka  I) . 


GRAB  58  A.  M.  9.  Jhdt. 

Unbedeutende  Reste  von  Silberband;  Knötchenborte  aus  Silber,  P  9,  5  cm.  Unter  der  Hufeisenfibel  Reste  von 
grobem  Wollstoff  ähnlich  W  6. 

GRAB  60  A.  W.  10.  Jhdt. 

In  der  1.  Spange  blauer  Leinenstoff,  FH  10,  zusammengerafft  um  die  Nadel,  am  meisten  von  unten  (am  Heft 
der  Nadel)  und  ein  Stückchen  von  oben.  Ausserdem  ein  gröberer  Leinenstoff,  FH  8,  und  ein  dünner,  dunkler 
Stoff,  möglicherweise  Hanf,  FH  11;  ein  schwarzer  Wollstoff  gleich  W  43;  Stücke  einer  Schnur  aus  rötlichem 
und  bläulichem  Wollgarn.  In  der  r.  Spange  hauptsächlich  Wollstoff.  Unter  der  runden  Spange  mehrfach 
FH  10;  derselbe  Stoff  über  der  Schere.  Am  Rückenwirbel  Spuren  des  Wollstoffes  und  wahrscheinlich  auch  das 
Stückchen  Sprang,  D  7.  Im  „Westl.  Ende  des  Hügels“,  nebst  Holzresten,  ein  Läppchen  feiner  Seide,  S  4, 
Stückchen  verschiedenartiger  Stoffe  und  eine  Flechte  (?). 

GRAB  60  B.  M.  10.  Jhdt. 

Nach  Hallström  auf  der  Hufeisenfibel  Haare,  wahrscheinlich  Reste  eines  Felles  und  ein  filzartiger  Stoff.  Nichts 
mehr  vorhanden. 

GRAB  73  A.  M.  10.  Jhdt. 

Unbedeutende  Reste  dunkler,  gezwirnter  Wollfäden,  die  möglicherweise  von  Bändern  oder  Sprang  her¬ 
rühren  (vgl.  B  26  und  D  7).  An  der  Messerscheide  wurde  ein  grober,  an  der  Hufeisenfibel  ein  dichterer  Woll¬ 
stoff  beobachtet. 

GRAB  93.  M.  Brandgr.  Um  900. 

Ein  wenig  Silberschuss  eines  breiten  Brettchenbandes. 

GRAB  97. 

Unbestimmbarer  Gegenstand,  D  10,  möglicherweise  eine  Art  Amulett,  umgeben  von  feinem  Stoff  gleich  W  28 
und  Birkenrinde.  Lag  in  der  Gegend  des  Kniees. 

GRAB  112A.  M.  Brandgr. 

Gleitknoten  aus  Spiralsilber  gleich  P  23,  obwohl  weiter.  Zerkrümelter  Silberdraht,  wahrscheinlich  Reste  eines 
gleichen  Ringes. 


IS« 


GRABREGISTER 


GRAB  138  B.  W.  Brandgr.  10.  Jhdt. 

Gleitknoten  aus  Silberdraht,  P  25;  Reste  eines  flachen  Knotens  gleich  P  19. 

GRAB  157.  M.  10.  Jhdt. 

An  der  Hufeisenfibel  ein  mittelgrober  Wollstoff,  W  39. 

GRAB  159.  Brandgr. 

Die  Hälfte  eines  Gleitknotens  aus  Spiralsilber  ähnlich  P  24;  der  Part  besteht  aus  einer  Flechte  zwischen  zwei 
geraden  Fäden. 

GRAB  181.  Brandgr. 

Gleitknoten  aus  Spiralsilber  wie  P  24,  dreifache  Parten;  vom  Feuer  beschädigt. 

GRAB  326.  Brandgr. 

Einzelne  Knoten  aus  Spiralsilber,  P  9,  wahrscheinlich  Rest  einer  Borte. 

GRAB  327.  Brandgr. 

Gleitknoten  aus  Spiralsilber,  gleich  P  24. 

GRAB  329.  Brandgr. 

Fragment  einer  Flechte  aus  Spiralsilber. 

GRAB  361.  M.  Brandgr. 

Gleitknoten  aus  Spiralsilber  wie  P  24,  fragmentarisch. 

GRAB  366.  M.  Brandgr. 

Gitterartiger  Rest  aus  Silberdraht,  St  11. 

GRAB  390.  W.  10.  Jhdt. 

Unter  einer  gleicharmigen  Spange  lag  dunkler,  feiner  Wollstoff,  W  10. 

GRAB  400  B.  Brandgr. 

Reste  eines  Spiralsilberfadens,  teilweise  kleine  Zierknoten  bildend.  Kann  möglicherweise  eine  Knötchenborte 
wie  P  9  oder  P  1 1  gebildet  haben.  Lag  ungefähr  in  der  Mitte  des  Grabes  auf  zwei  Stellen  in  Abständen  von 
ungef.  60  cm. 

GRAB  408.  Brandgr. 

Zwei  runde,  flache  Knoten  aus  Spiralsilber,  am  ähnlichsten  P  9;  beide  beschädigt.  Silberschuss  eines  Brettchen¬ 
bandes. 

GRAB  427.  Brandgr. 

Knötchenborte  aus  Spiralsilber,  Pu. 

GRAB  464.  W.  1.  H.  d.  9.  Jhdts. 

Uber  der  einen  Spange  Seide,  S  4,  von  heller  Farbe,  ungef.  6x12  cm.  Auf  der  einen  Kante  ist  eine  Randnaht 
mit  daranhängenden  schmalen  Riemchen  aus  demselben  Material,  Taf.  12:  1.  Mehrere  Reste  derselben  Seide 
teilweise  als  Riemchen.  Eine  Zeichnung  Stolpes  zeigt  noch  deutlicher  die  Lage  der  Riemen  in  der  Spange. 


GRABREGISTER 


*59 


Reste  von  Leinenstoffen  in  zwei  verschiedenen  Stärken,  ähnlich  FH  i — 2,  rühren  wahrscheinlich  von  der 
Innenseite  der  Spange  her.  Ein  feiner  Wollstoff,  W  21,  ist  vielleicht  auf  der  Spange  gelegen;  war  vermut¬ 
lich  gefüttert;  auf  der  Unterseite  zeigen  sich  nämlich  noch  lange,  unregelmässige  Stiche,  womit  irgendetwas 
angenäht  gewesen  war.  Beim  Messer  und  der  Schere  Reste  desselben  Stoffes.  Der  flache,  orientalische  Nadel¬ 
behälter  (Birka  I — II)  enthält  eine  dicke  Schicht  verfilzter  Wolle,  unbestimmbarer  Struktur,  die  von  dünner, 
köperartiger  Seide,  ungleich  den  anderen  hier  vorkommenden  Seiden,  umgeben  war.  Nach  Stolpe  (Mänads- 
bladet  1880,  S.  39)  war  es  mit  Stoffriemen  sowohl  an  der  einen  ovalen  Spange  wie  an  der  Silbersspange 
befestigt. 

GRAB  465  A.  W.  10.  Jhdt. 

In  beiden  Spangen  stark  verrostete  Reste  von  Leinwand;  eine  feinere  Sorte,  FH  1,  die  wahrscheinlich  blau 
war,  und  eine  gröbere  Sorte.  Ringsum  die  Nadeln  liegen  lange  Ösen  von  Stoffriemen,  in  entgegengesetzte 
Richtungen  gezogen.  An  allen  vier  Stellen  doppelte  Riemen;  aussen  der  feinere,  blaugefärbte  Stoff,  näher  am 
Körper  der  gröbere.  Nach  vorne  noch  ein  (drittes)  Schleifenpaar  oder  zusammengeraffter  Stoff.  Unmittelbar 
am  Körper  (d.  h.  die  oberste  Schichte  von  der  Unterseite  der  Spange  aus  gesehen)  liegt  ein  schlichter  Stoff,  FH  1 . 
Unter  der  kleeblattförmigen  Spange  eine  Wollschnur,  D  3.  Unter  und  ringsum  die  Schere  mehrfacher 
Rautenköper,  grober  W  10.  Stücke  von  S4  und  W  10  feiner  Qualität,  die  wahrscheinlich  zusammengenäht 
waren. 

GRAB  465  B. 

Um  die  Schere  mehrere  Schichten  teils  Leinwand,  ungefähr  FH  1,  teils  feiner  Wollstoff,  W  10.  Lose  zwei 
Stück  von  W  12,  gleich  gross  und  gefaltet.  —  Stolpe:  „Das  Stück  mit  dem  Nagel  von  der  Unterseite  nach  Nor¬ 
den.  Die  anderen  Stoffstücke  von  der  Oberseite  nach  Süden.“ 

GRAB  466.  W.  Um  900. 

Uber  der  einen  Spange  feiner,  blauer  Stoff,  W  16,  mit  der  Unterseite  an  der  Spange.  Dazwischen  ein  schma¬ 
ler  Stoffstreifen,  S  4,  mit  der  Oberseite  an  der  Spange.  Ein  Stück  des  Wollstoffes  mit  angenähter  Schnur, 
D  6,  in  die  die  Spangennadel  hineingesteckt  ist.  In  der  Spange  ausserdem  FH  9.  Lose  liegend  noch  etliche 

Restchen  von  Leinwand,  FH  2,  und  gröberer  Seide,  S  4,  usw. 

« 

GRAB  478.  M. 

An  der  Hufeisenfibel  Reste  eines  groben,  zottigen  Wollgewebes  in  rötlicher  Farbe.  —  Nach  Stolpe  waren 
Reste  eines  Goldbandes  nahe  beim  Messer  vorhanden. 

GRAB  479.  W.  9.  Jhdt. 

Ungewöhnlich  grober  Rautenköper,  W  10,  und  Rips,  grober  W  28. 

GRAB  480.  W.  10.  Jhdt. 

Gewöhnlicher  Rautenköper,  W  10,  eingepresst  zwischen  einem  Brett  und  der  Innenseite  einer  Spange,  wahr¬ 
scheinlich  umgeworfen.  Auf  der  Aussenseite  der  (anderen  ?)  Spange  ein  breiter  Seidenstreifen,  S  4,  mit  der 
Oberseite  nach  oben  an  dem  darangepressten  Brett. 

GRAB  485.  W.  9.  Jhdt. 

Reste  eines  groben  Wollstoffes,  W  9. 

GRAB  488.  M.  10.  Jhdt. 

»Am  Beschlag»  ein  dunkelbrauner,  schütterer  Wollstoff,  am  ähnlichsten  W  31,  obwohl  in  der  Kette  kaum 
dichter  als  im  Schuss  (8  x  6  F.  pr  cm). 


i6o 


GRABREGISTER 


GRAB  495.  M.  10.  Jhdt. 

Unbedeutende  Reste  eines  Silberbrettchenbandes,  das  auf  oder  unter  dem  Kopf  lag. 

GRAB  496.  M.  (Kammergrab).  1.  H.  d.  10.  Jhdts. 

Hinter  dem  Kopf  lagen  kleine  Anhänger,  St  29,  (3  relativ  ganz,  sowie  kleine  Reste)  Glimmerstücke,  Spiral¬ 
silberdraht  und  Silberschuss  eines  Brettchenbandes. 

GRAB  504.  W.  9.  Jhdt. 

In  den  ovalen  Spangen  Reste  von  Leinwand. 

GRAB  505.  W.  Um  900. 

In  der  einen  Spange  Leinwand,  drei  Sorten  verschiedener  Stärke;  von  vorne  hereingezogen  ein  schmaler  Rie¬ 
men  sehr  feiner  Qualität;  von  rückwärts  ein  breiter  Riemen  aus  mittelstarker  Leinwand. 

GRAB  507.  W.  Anfang  d.  10.  Jhdts. 

Reste  von  Stoffriemen  in  den  ovalen  Spangen,  FH.  Weiter  zwei  Qualitäten  Rautenköper:  teils  ein  sehr  feiner 
in  dunkelblauer  Farbe  mit  Webekanten,  W  10  i,  teils  ein  hellerer,  ungefähr  W  10  e.  Die  letztere  Sorte  lag 
um  eine  Bronzekette  nebst  Resten  von  Eichhörnchenfell,  Beil.  II.  Im  übr.  Riemen  u.  a.  Stückchen  von 
Seide,  S4;  dabei  ein  Streifen,  dessen  eingebogener  Rand  mit  einer  schmalen  Schnur  aus  rotem  und  blauem 
Wollgarn  verziert  ist. 

GRAB  510.  M. 

Zusammen  mit  einer  Schnalle  aus  Bronze  ein  Stück  dunkler  Wollstoff,  W  43. 

GRAB  51 1.  W.  10.  Jhdt. 

An  einer  Rippe  bei  der  Spange  Stücke  vom  Rand  eines  Kleidungsstückes  aus  ungewöhnlich  grobem  W  10, 
mit  einer  groben  Schnur  gleich  D  1  verziert.  Kleine  Reste  von  S  4  sowie  Leinwand-Riemen  in  den  Spangen. 
Unter  „dem  irischen  Kreuz“  (siehe  Birka  I — II)  ganz  am  Kopfende  des  Grabes  (also  nicht  auf  der  Leiche) 
sind  beträchtliche  Stücke  von  dickem  Fries  in  blauer  Farbe,  W  42,  erhalten. 

GRAB  513.  W.  Um  900. 

In  den  Spangen  Riemchen  aus  feiner  Leinwand.  Im  übr.  Reste  von  W  10. 

GRAB  514.  M.  9.  Jhdt. 

Zwei  Endstücke  mit  Silberstickerei,  St  9,  in  einer  Entfernung  von  ungef.  40  cm  voneinander  in  der  Nähe 
der  Hände;  das  eine  unmittelbar  innerhalb  des  r.  Schenkelknochens,  das  andere  ausserhalb  der  1.  Hüfte. 

GRAB  515.  W.  Mitte  d.  9.  Jhdts. 

Über  der  einen  Spange  doppelte  Schicht  von  blauem  Fries,  W  37.  Darunter  Leinwand. 

GRAB  517.  W.  Mitte  d.  10.  Jhdts. 

Über  einer  Spange  Reste  von  Leinwand  und  sehr  grobem,  schütterem  Wollstoff,  W  7.  In  den  Spangen  reichlich 
erhaltene,  durch  Rost  verhärtete  Reste  von  ebenmässig  gauffriertem  Leinenstoff  (siehe  S.  16  und  Taf.  1)  sowie 
Stoffriemen  aus  demselben  Material,  zwei  auf  jeder  Seite.  Das  gauffrierte  Kleidungsstück  zunächst  dem  Körper 
mit  Falten  ungefähr  parallel  mit  der  Längsrichtung  der  Spangen.  Die  Spangennadel  scheint  nicht  in  den  plis¬ 
sierten  Stoff  hineingestochen  gewesen  zu  sein.  Ausserdem  undeutliche  Fragmente  von  Seide,  S4.  Um  die 
Nadel  der  kleeblattförmigen  Spange  ein  Seidenriemen  sowie  feiner  Stoff  in  Leinwandbindung.  2  Knöpfe  ohne 
Platzangabe. 


GRABREGISTER 


1 6 1 


GRAB  518.  W.  io.Jhdt. 

Zwei  Seidenstücke,  S  4;  das  eine  rund,  in  Hassel nuss- Grösse,  das  andere  ein  15  mm  breiter  Streifen  mit  einge¬ 
bogenen  Rändern,  das  auf  einer  Unterlage  festgenäht  gewesen  sein  muss.  In  den  Spangen  grobe  Riemen  aus 
Leinwand. 

GRAB  520.  M. 

Silberne  Knötchenborte,  P  10,  ungef.  90  cm  lang,  lag  mitten  im  Grab  in  weichen  S-förmigen  Krümmungen. 
Im  übr.  nur  Schwert  und  Schildbuckel.  Die  beiden  Endzierate  P  20  auf  dem  Plan  nicht  angegeben. 

GRAB  521.  W.  Um  900. 

Kleine  Reste  von  Wollstoff,  teils  W  10,  teils  W  14. 

GRAB  523.  W.  (grosses  Kammergr.,  nicht  ganz  ausgenützt).  10.  Jhdt. 

Oben  auf  der  linken  Spange  lag  folgendes  (die  Ordnung  von  der  Spange  aus  gerechnet):  ein  Seidenstreifen,  S  4; 
dunkler  Rautenköper,  W  10,  unregelmässig  zusammengeknittert  und  stellenweise  doppelt;  parallel  liegend 
Stückchen  von  rotem,  gezwirntem  Wollgarn,  vielleicht  von  einem  Mustergewebe,  ähnlich  M  6,  herrührend; 
Büscheln  von  dunkler  Wolle.  Ungefähr  gleich  auf  der  rechten  Spange.  In  den  Spangen  gewöhnliche  Leinwand: 
teils  vollständige  Schleife-Paaren,  teils  Stoff  von  vorne  mit  der  Nadel  zusammengezogen.  Keine  Schere  usw.!  — 
Das  auf  dem  Plan  eingezeichnete  „Silberband“,  neben  dem  Hängeschloss  50  cm  hinter  dem  Kopf,  ist  nicht 
wiederzu  finden. 

GRAB  524.  M.  Mitte  d.  10.  Jhdts.  Planausschnitt  Abb.  43. 

Keine  Spur  des  Skeletts.  An  dem  vermutlichen  Platz  des  Kopfes  geflochtenes  Golddiadem,  P  7.  Über  der  Brust 
Goldschuss  eines  Brettchenbandes,  B  23,  35 — 40  cm  lang,  das  einen  spitzen  Winkel  bildet.  Nach  dem  erhal¬ 
tenen  Gold  zu  urteilen  (Gew.  17,53  gr.)  war  mehr  Goldband  vorhanden  als  der  Plan  ausweist.  Innerhalb  des 
Winkels  sind  4  Goldkreuze,  P  16,  sowie  „div.  Silberzierate“  angegeben.  Es  ist  wohl  zu  bezweifeln  dass  alle  die 
erhaltenen  Silberzierate  an  dieser  Stelle  gesammelt  lagen:  nämlich  3  Borten  von  Stoff  bändern,  P  12,  P  14, 
die  letzteren  ein  Paar;  3  Endknoten  von  Stoffriemen,  P  21,  P  22,  die  letzteren  1  Paar;  „Franse“  mit  runden  und 
rhombischen  Anhängern,  St  30;  ein  kleiner  Stickerei rest,  St  31;  ein  grosser  Gleitring  aus  Spiralsilber,  St  25; 
ein  rundes  Seidenstück,  S  4.  Wahrscheinlich  beim  Schwert  ein  ganz  verrosteter  Klumpen,  Leinwand  und  grobe 
Wolle,  W  5,  sowie  gemusterten  Stoff  ähnlich  M  7  enthaltend. 

GRAB  526.  W.  1.  H.  d.  9.  Jhdts. 

In  den  Spangen  Leinwand,  FH,  glatt  und  in  Riemen,  um  diese  herum  eine  Menge  Glasperlen  verstreut  und 
in  einer  geraden  Linie  über  dem  Kopf  ebenfalls  Perlen. 

GRAB  535.  W. 

Über  einer  Spange  unbedeutende  Reste  von  Seide,  S  1  und  S  4.  In  einer  Spange  Paare  von  Stoffriemen,  in  der 
anderen  nur  glatte  Leinwand  nebst  gezwirntem  Wollgarn,  von  einem  Band  oder  Mustergewebe  (gleich  M  6) 
herrührend. 

GRAB  539.  W.  9.  Jhdt. 

Auf  der  einen  Spange  gewöhnlicher  W  10,  auf  der  anderen  etwas  dickerer  blauer  Wollstoff,  W  44;  in  den 
Spangen  grobes,  ripsartiges  Leinen  (?),  zerknittert  und  ganz  steif  vor  Rost.  Reste  von  Biberfell,  Beil.  II. 

GRAB  542.  M.  9.  Jhdt. 

Geflochtenes  Golddiadem,  P  5.  Im  Grabinhalt  orientalischer  Glasbecher  und  westeurop.  Silberbeschlag. 


11—37823.  Birka  III. 


I  62 


GRABREGISTER 


GRAB  543.  W.  io.Jhdt. 

In  Verbindung  mit  den  Spangen  zusammengeknüllter  W  10,  ein  Stück  geflochtenes  Wollband,  D  9,  sowie 
Seidenstückchen,  S  4. 

GRAB  551.  W.  9.  Jhdt. 

Goldschuss  eines  schmalen  Brettchenbandes,  B  23.  Wahrscheinlich  nahe  der  Spange  unbedeutende  Reste 
feinen,  dunklen  4-bindigen  Wollstoffes,  die  Qualität  mit  W  10  a  übereinstimmend,  obwohl  ungemustert. 

GRAB  553.  M. 

Ein  rundes  Stück  Wollstoff,  W  35,  bei  der  Hufeisenfibel. 

GRAB  556.  W.  9.  Jhdt. 

In  der  einen  Spange  feine  Leinwand,  teils  Schleifen,  von  vorne,  teils  zusammengeraffter  Stoff. 

GRAB  557.  W.  1.  H.  d.  9.  Jhdts. 

Von  der  Oberseite  der  Spangen  recht  bedeutende  Stücke  von  Seide,  S  4,  teilweise  mehrfach  und  zusammen¬ 
geknüllt  mit  auf  der  Unterseite  angeklebten  Resten  von  dunklem  W  10,  und  Marderfell,  Beil.  II.  An  den 
Rändern  sind  die  Seidenstücke  umgebogen,  woraus  man  erkennt  dass  sie  an  einem  anderen  Stoff  angenäht  oder 
auch  gefüttert  waren.  Aus  demselben  Stoff  auch  ein  schmaler  Riemen  genäht,  der  ringsum  die  Nadel  der  Spange 
lag,  in  der  auch  Reste  von  Leinenstoff  vorhanden  waren.  Unter  versch.  anderen  Hängezieraten  ein  Silber¬ 
anhänger,  St  14,  und  ähnliche  Gegenstände  aus  Golddraht,  P  27.  Ein  kleiner  Rest  zweifarbiger  Wollwirkerei 
ähnlich  M  3. 

GRAB  559.  W.  9.  Jhdt. 

U.  a.  Brustschmuckstücken  2  jetzt  fragmentarische  silberne  Hüllen  für  Kugeln  o.  dgl..  St  13;  nach  Stolpe 
kleine,  foliierte  Glasstücke  enthaltend. 

GRAB  561.  M.  io.Jhdt.  Planausschnitt  Abb.  36. 

Innerhalb  eines  5-eckigen  Platzes,  den  grössten  Teil  des  Rumpfes  bedeckend,  wurden  Teile  von  Gold-  und 
Silberdraht  gefunden,  der  letztere  verwittert  und  über  den  ganzen  Raum  verstreut.  Erhalten  ist:  Goldschuss 
eines  Brettchenbandes,  B  23,  2  Sorten;  2  flache  Knoten,  P  17;  2  Gleitknoten,  P  23,  aus  Spiralgold  (wahr¬ 
scheinlich  beim  Wetzstein);  Reste  von  Spiralsilber,  die  sowohl  von  einem  Knoten  wie  P  22  wie  auch  von 
einer  einfachen  Flechte  herrühren. 

GRAB  566.  W.  io.Jhdt. 

In  beiden  Spangen  feine  Leinwand. 

GRAB  569.  Kind. 

Der  Sarg  schräg  in  ein  grösseres  Grab  hineingestellt.  Über  dem  Kopf  des  Kindes  ein  schmales  Silberband,  B  4. 
GRAB  571.  W(?).  1.  H.  d.  10.  Jhdts. 

Keine  ovalen  Spangen.  Um  den  Kopf  ein  schmales  Silberband,  B  24,  das  doppelt  gelegen  zu  sein  scheint. 
GRAB  573.  M.  u.  W.  10.  Jhdt. 

Quer  über  dem  Kopf  der  Frau  eine  gestickte  Silberborte,  St  7,  ungef.  25  cm  lang.  In  den  Spangen  reichlich 
Leinwand,  Schleifen  und  zerknitterter  Stoff. 


GRABREGISTER 


163 


GRAB  577.  W.  9.  Jhdt. 

Breite  Streifen  der  gewöhnlichen  Seide,  S  4,  die  unter  dem  Band  der  ovalen  Spange  lagen. 

GRAB  581.  M.  Anfang  d.  10.  Jhdts. 

Das  Skelett  ruht  auf  der  rechten  Seite,  gleichsam  sitzend.  Im  Nacken  lag  ein  tütenförmiger  Silberbeschlag 
mit  Granulation  nebst  daran  haftenden  Seidenresten,  S  4,  mit  Naht  für  eine  tütenförmige  Mütze.  Etwas 
weiter  unten  am  Nacken  4  pflaumenförmige  Silberanhänger,  St  22  u.  23.  Ohne  Platzangabe  die  Silberhülle 
eines  Knopfes  o.  dgl.,  St  12,  ein  flacher  Knoten  aus  Spiralsilber,  unbedeutende  Reste  eines  silbernen  Bandes. 

GRAB  594.  W.  Um  900. 

Diverse  Stücke  von  Seide,  S4,  teils  schmale  Riemen,  teils  Streifen  bis  2  cm  breit.  Stücke  von  W  10,  mittel¬ 
feine  und  sehr  feine  Qualität.  Wollreste. 

GRAB  597.  W.  9.  Jhdt. 

In  den  ovalen  Spangen  Leinwandreste.  Die  eine  Spange  ganz  bedeckend,  2  Schichten  Rautenköper,  W  10, 
zuunterst  in  blauer  und  darüber  in  hellbrauner  Färbung,  nebst  einem  brüchigen,  dunklen  Stoff,  vielleicht  Hanf. 
Zum  Teil  unter  der  Spange  ein  gerade  abgeschlossenes  Stück  von  W  10,  etwas  gröber  als  die  übrigen.  Wahr¬ 
scheinlich  in  der  Nähe  der  Spangen  waren  relativ  grosse  Klumpen  Gewebe  usw.  erhalten  gewesen,  teilweise 
an  Reste  des  Sarges  angeklebt.  Nach  langwierigem  Einweichen  in  Wasser  konnten  die  verschiedenen  Schichten 
voneinander  getrennt  werden.  Der  grösste  Klumpen  (ungef.  8x12  cm)  enthält  Folgendes:  3  St.  Rippen; 
W  10,  die  gröbere  Qualität;  schlichten  Köper,  W  36,  mehrfach  und  zusammengeknüllt;  kleiner  Seidenrest, 
S4;  mehrfarbiges  Gewebe,  M  I,  das  teilweise  zusammengefaltet  mit  der  Vorderseite  nach  innen  lag,  (Taf.  10 
zeigt  dieses  Stück  auseinandergefaltet);  um  dieses  eine  helle,  klebrige  Masse,  die  als  Federn  von  Enten  bestimmt 
werden  konnten,  und  Flocken  von  ungesponnenem  Wollhaar,  das  wahrscheinlich  auf  der  Haut  zurückgeblieben 
war  (Beil.  II). 

GRAB  599.  W.  9.  Jhdt. 

In  den  ovalen  Spangen  Reste  von  Leinwand. 

GRAB  602.  W.  Frühes  9.  Jhdt. 

In  den  ovalen  Spangen  Leinwand,  2  Stärken.  Im  übr.  2  Sorten  Wollstoff,  W  35  und  W  13. 

GRAB  606.  W.  Um  900. 

Rautenköper,  W  10. 

GRAB  619.  W.  1.  H.  d.  9.  Jhdts. 

Um  die  Spange-Nadel  Reste  von  Leinwand.  Reste  eines  Biberfells  (Beil.  II),  das  auf  einer  Spange  gelegen  zu 
haben  scheint,  sowie  brüchige  Reste  von  Köperstoff,  Hanf  ?  (FH  5).  Zwei  Endstücke  eines  Seidenriemens 
mit  Silberknoten  gleich  P  22,  das  eine  auseinander  gefallen. 

GRAB  620.  W.  9.  Jhdt. 

In  der  Spange  eine  schmale  Seiden-Schlaufe,  S  4,  von  vorne  gezogen.  Beim  Nadelhalter  ein  unbedeutender 
Rest  von  feinem,  zweibindigem  Stoff,  Leinen  oder  möglicherweise  Wolle.  Unter  der  Spange  lag,  ohne  dass 
die  Nadel  hineingesteckt  war,  ein  doppelt  gefaltetes  Stück  dicken  Wollstoffs,  W  41. 

GRAB  624.  M.  9.  Jhdt. 

Zwei  ungef.  35  cm  lange  Borten  mit  Silberdraht  auf  Seide  gestickt.  St  5;  die  eine  lag  zusammengefaltet  an  der 
Hufeisen fibel  mit  dem  einen  Ende  an  dem  Dorn  der  Fibel;  die  andere  in  einer  geraden  Linie  von  Kinn  abwärts 
nach  links. 


164 


GRABREGISTER 


GRAB  625.  W.  1.  H.  d.  10.  Jhdts. 

In  den  Spangen  leinene  Schleifen  um  die  Nadel  und,  näher  am  Körper,  Leinwand,  reichlich  zusammengeknüllt. 
GRAB  630.  W.  10.  Jhdt. 

In  den  ovalen  Spangen  Leinwand  verschiedener  Stärke,  teils  glatter  Stoff,  teils  Riemen,  ein  paar  Mal  um  der 
Nadel  gelegt. 

GRAB  633.  W.  10.  Jhdt. 

In  beiden  Spangen  Reste  von  Leinwand. 

GRAB  637.  W.  9.  Jhdt. 

In  den  Spangen  schmale  Leinenriemen.  Auf  der  Innenseite  der  Schale  Abguss  eines  Spitzenköpers. 

GRAB  643.  M.  1.  H.  d.  10.  Jhdts.  Planausschnitt  Abb.  46. 

Laut  dem  Plan  lag  die  einfachere  Hufeisenfibel  an  einem  recht  breiten,  30 — 40  cm  langen  Silberband  befestigt, 
auf  oder  hinter  dem  Kopf;  möglicherweise  ein  separat  hineingelegter  Mantel.  Ein  schmales  Goldband,  B  23, 
und  wahrscheinlich  das  Silberbortenstückchen  P  9  (3  cm  lang)  wurden  bei  der  prachtvollen  Ringnadel  auf  dem 
Körper  gefunden. 

GRAB  644.  M.  u.  W.  in  sitzender  Stellung.  Mitte  d.  10.  Jhdts. 

Über  dem  Schädel  des  Mannes  ein  Golddiadem,  P4;  am  Nacken  Silberbeschlag  einer  tütenförmigen  Mütze 
gleich  Grab  581.  Bei  der  Frau  lagen  zusammen  mit  einer  Menge  Gegenständen  (wie  Messer,  Wetzstein, 
Feuerzeug  usw.)  Schuss  eines  Goldbandes  (B  23),  ungef.  25  cm  lang,  in  einem  Winkel  gelegt  und  ein  doppel¬ 
seitiger  Stern  aus  Goldblech  und  Silberdraht,  St  27. 

GRAB  660.  W.  10.  Jhdt. 

In  den  Spangen  Leinenschleifen,  in  der  einen  doppelte  nach  der  einen  Seite.  Wahrscheinlich  über  der  einen 
Spange  die  „Krabbasnärdecke“  M  4  und  an  ihrem  Rand  Reste  von  Sprang,  D  8.  Die  eine  (vermutlich 
rechte)  Spange  hatte  sich  umgedreht  und  der  Inhalt  wurde  an  den  Deckel  des  Sarges  gepresst;  der  Schale  zu¬ 
nächst  lag  ein  breiter  Seidenstreifen,  S  4,  mit  zwei  festgenähten,  schmalen  Seidenriemen,  die  um  die  Nadel 
lagen.  Danach  ein  feiner  Wollstoff,  W  20,  und  ein  gröberer,  gleich  dem  Grundgewebe  der  „Decke“.  An  der 
anderen  Spange  war  ein  ungef.  dezimeterlanges  Stück  Köperseide,  S  4,  erhalten,  an  dem  einen  Ende  an  ein¬ 
ander  gestückelt  und  sorgfältig  mit  einem  5  mm  breiten  geraden  Streifen  eingefasst,  wahrscheinlich  in  einer 
anderen  Farbe.  Hiemit  zusammengepresst  vielfältige  Schichten  dünnen  Seidenstoffes,  S  2.  Lose  Reste  von 
S4,  zusammengestückelt  mit  Silberband  gleich  B  13 — 14,  und  Spiralsilberdraht.  —  Auf  dem  Plan  ist  in  einer 
gebogenen  Linie  über  dem  Kopf  ein  ungef.  25  cm  langes  Silberband,  wovon  jetzt  nichts  zu  finden  ist. 

GRAB  703.  M.  u.  W.  1.  H.  d.  10.  Jhdts. 

In  der  Spange  Reste  grober  Leinwand.  Auf  dem  Plan  ein  ungef.  20  cm  langes  Silberband  nahe  dem  Schild¬ 
buckel  und  ein  kürzeres,  aber  breiteres  Stück  frei  liegend.  Erhalten  sind  ein  paar  Stückchen  eines  ungewöhn¬ 
lich  schmalen  Bandes  gleich  B  4,  das  mit  Seide,  S  4,  zusammengenäht  ist,  und  von  einem  Stück  von  gewöhn¬ 
licher  Breite,  gleich  B  3.  Neben  der  Pinzette  ganz  verrostete  Reste  eines  Mustergewebes  gleich  M  6. 

GRAB  707.  Doppelgr.  Ende  d.  9.  Jhdts.  Planausschnitt  Abb.  40. 

Sehr  unvollständig  auch  auf  dem  Plan.  Dort  sind  auf  „dem  vermoderten  Schädel  verwitterte  Reste  von  Sil¬ 
berband  um  die  Stirne“  angegeben,  wovon  jedoch  nichts  mehr  vorhanden  ist. 


GRABREGISTER 


l65 


GRAB  710.  M.  10.  Jhdt.  • 

Geflochtenes  Silberdiadem,  P  6,  auf  dünner  Seide  angenäht.  Dies  ist  auf  dem  Plan  nicht  angegeben,  dagegen 
aber  etwas  vom  Kopf  entfernt  ein  ungef.  25  cm  langes  Silberband  neben  einigen  Gewichten. 

GRAB  71 1  A.  u.  B. 

Ein  Klumpen  mehrfachen  Wollstoffes,  W  15.  Reste  von  Leinen  wie  FH  2.  Stark  verwitterte  Reste  von 
Silberband  wie  B  2. 

GRAB  716.  M. 

Prachtvoller,  bronzebeschlagener  Gürtel  orientalischer  Herkunft.  8  runde  Bronzeknöpfe  unregelmässig  auf 
dem  Rumpf  liegend.  Schief  darüber  in  einer  geraden  Linie  ein  Silberband,  wovon  jetzt  nur  kleine  Reste  gleich 
B  2  usw.  übrig  sind. 

GRAB  731.  M.  u.  W.  10.  Jhdt.  Planausschnitt  Abb.  44. 

Auf  dem  Plan  Goldbänder  zweier  eigentümlicher  Kopfbedeckungen :  rings  um  den  Schädel  des  Mannes  bilden 
sie  einen  zusammenhängenden  Kreis,  am  Hals  offen;  um  den  Kopf  der  Frau  ist  der  Kreis  geschlossen  und  hat 
zwei  auf  die  Achseln  herabhängende  Enden.  Über  der  Brust  des  Mannes  ist  ein  Kreuz  eingezeichnet,  gebildet 
aus  2  St.  ungef.  15  cm  langen  Silberbändern. 

Von  den  Goldbändern  sind  nur  unbedeutende  Reste,  mit  gemischtem  Schuss,  übrig,  B  22  b;  von  ganz 
silbernen  Bändern  keine  Spur  —  wahrscheinlich  ist  B  22  b  damit  zu  identifizieren.  Dagegen  sind  Gold¬ 
fragmente  einer  Stielstichstickerei,  St  1  b,  und  2  kleine  Ornamente,  St  19,  vorhanden.  In  dem  erhaltenen,  jetzt 
verhärteten  Inhalt  einer  ovalen  Spange  ist  ein  2  cm  breiter  Seidenstreifen,  S  4,  zu  sehen  (vielleicht  auf  einem 
jetzt  verschwundenen  Stoff  festgenäht),  darunter  braunes  Schaffell  (Beil.  II)  und  Spuren  gesponnenen  Woll- 
fadens.  An  der  Rückseite  einer  Filigranspange  schwedischer  Erzeugung  ist  am  Henkel  ein  Riemen  aus  feiner 
Seide  (ähnlich  S  1)  festgenäht,  welcher  die  gewöhnliche  Bronzekette  ersetzt. 

GRAB  735.  M.  u.  W.  Mitte  d.  10.  Jhdts.  Planausschnitt  Taf.  40:  8. 

Da  die  Leichen  dicht  nebeneinander  gelegen  sind,  ist  es  in  den  meisten  Fällen  unmöglich,  bestimmt  zu  ent¬ 
scheiden,  was  zu  der  einen  oder  der  anderen  gehört  hat.  Dem  Manne  gehörten  die  mit  Seide  (S  4,  grobe  Qua¬ 
lität)  zusammengenähten  Silberbänder,  die  wahrscheinlich  ein  oder  vielleicht  zwei  Kleidungsstücke  mit  sehr 
kompliziertem  Schnitt  bildeten.  Die  wichtigsten  Reste  davon  sind:  (siehe  schem.  Zeichnung,  Abb. 48)  j)  Zwei 
Stoffstücke  mit  geraden  Nähten,  zusammengefügt  mit  B  18  (Taf.  48),  oben  abgeschlossen  mittels  Umbiegung, 
hierauf  Reste  von  dunklem  Wollgarn,  von  einer  Franse  oder  Futter  herrührend.  2)  Ein  Stück  ähnlich  dem 
vorhergehenden,  ungef.  11  X  14  cm;  quer  über  der  Anstückelung  sind  4  12 — 13  cm  lange  Bandstücke  (B  12 
u.  13)  angenäht,  3  mit  unsichtbaren  Stichen,  das  4.  mit  dichtem  Kantsaum,  der  die  Randborte  der  anderen  Bän¬ 
der  imitiert.  An  dem  einen  Ende  ist  jeder  Band  sorgfältig  abgeschlossen  und  der  Stoff  geht  weiter  fort;  an 
dem  anderen  Ende  ist  das  Ganze  an  ein  querverlaufendes  Band  desselben  Types  angestückelt.  Schief  über  dieses 
Band  und  die  Ecke  des  Stücks  ein  weiteres  Band,  das  mit  Seide  (in  abweichender  Weberichtung)  zusammen¬ 
genäht  ist;  die  Lage  erinnert  an  die  Zusammenstückelung  der  Unterseite  eines  Ärmels.  3)  Ein  Stück  desselben 
Stoffes,  ungef.  17  X  19  cm,  mit  8  St.  parallelen  Bändern,  abwechselnd  mit  unsichtbaren  Stichen  und  mit  Kant¬ 
saum  niedergenäht.  4)  Die  breiteren  und  reicher  grmusterten  Bänder  B  17  u.  B  20  haben  wahrscheinlich 
auch  Teile  desselben  Kleidungsstückes  gebildet.  Von  dem  letzteren  sind  viele  Reste  vorhanden,  teilweise 
mit  daranhängender  Seide,  einmal  sowohl  die  grobe  als  auch  eine  feinere  Qualität  zusammen.  Wie  auf  dem 
ersten  Stück  ist  der  Stoff  umgebogen  und  oben  auf  dem  Rand  des  Bandes  angenäht.  5)  Die  gestickte  Borte,  St  3, 
ist  auf  einer  feineren  Seide  gearbeitet  und  an  der  Kante  nur  umgebogen,  was  darauf  deutet,  dass  sie  entweder 
gefüttert  oder  auf  einem  anderen  Stoff  angenäht  war.  Der  kleine  Schlitz,  Taf.  21 :  2  ist  aus  demselben  Stoff  her¬ 
gestellt.  —  Ausserdem  etliche  kleinere  Band-  und  Seidenreste,  auf  den  letzteren  manchmal  Nähte  aus  Woll¬ 
garn  und  Reste  von  Haaren,  Pelzbesatz? 


1 66 


GRABREGISTER 


Das*  Bänderkleid  hat  offenbar  die  Brust  des  Mannes  bedeckt,  die  Rippe  lag  genau  unter  dem  Stück  Nr.  3; 
2  Bänder  über  dem  Schwert.  Weiter  unten  ungefähr  an  der  Taille  lag  die  gestickte  Borte,  St  8,  wovon  2  gleiche 
Stücke  zu  15  cm  Länge  vorhanden  waren.  Auf  der  anderen  Seite  des  Schwertes  lag  der  Silberhirsch  (St  17) 
ganz  allein.  In  sämtlichen  Fällen  war  Köperseide,  S  4,  als  Grundstoff  verwendet.  Laut  Plan  lag  über  St  8 
ein  kleines  Goldornament,  das  vielleicht  mit  einigen  Restchen  von  gesponnenem  Golddraht,  Goldblech  und 
Glimmer  identifiziert  werden  kann.  Das  Goldband,  B  23  d,  lag  vielleicht  auf  dem  Kopf  der  Frau.  Das  Frag¬ 
ment  eines  gemusterten  Wollgewebes,  M  6,  ist  vielleicht  bei  der  Spange  gelegen. 

GRAB  736.  M.  10.  Jhdt. 

Unter  dem  einen  Schild,  vermutlich  auf  dem  Kopf,  ein  Golddiadem,  P  8,  und  einige  jetzt  verschwundene  Stücke 
eines  Silberbandes.  Um  die  Hufeisenfibel  Reste  eines  zottigen  Gewebes,  W  9. 

GRAB  739.  W.  10.  Jhdt. 

In  der  Nähe  der  ovalen  Spangen  Wollstoff,  W  10,  und  bei  der  Silberspange  Seidenstreifen,  S4.  Beim  Schlüssel 
ein  kleiner  Rest  eines  Mustergewebes,  M  5.  An  unbekannter  Stelle  ein  relativ  grosses  Eckfragment  einer  mehr¬ 
farbigen  Decke,  M  2,  sowie  Reste  von  gröberen  und  feineren  Wollstoffen,  W4  und  W31.  Rings  um  die 
Bronzeschüssel  Leinwand  gleich  FH  2.  —  Auf  dem  Plan  sind  bei  der  Spange  oben  an  der  Achsel  2  End¬ 
knoten  aus  Silberdraht  gleich  P  22  zu  sehen,  doch  sind  diese  nicht  wiederzu finden. 

GRAB  750.  M.  u.  W.  Mitte  d.  10.  Jhdts.  Planausschnitt  Taf.  40:9. 

Erhalten  sind  ungewöhnlich  grosse  Mengen  Goldschuss  von  Brettchenband,  teils  B  23  (4  etwas  verschiedene 
Sorten),  teils  Reste  gleich  B  22  mit  Seidenrändern.  Ausserdem  Goldstickerei,  St  1,  ein  Gleitring  aus  Gold, 
St  23,  der  Goldknoten  St  28  und  2  Goldbleche  mit  Nadellöchern;  die  letzteren  4  Gegenstände  können  auf  dem 
Plan  nicht  identifiziert  werden. 

Auf  dem  Plan  lagen  an  den  Schultern  (vielleicht  auf  dem  Kopf)  des  Mannes  4  ungef.  gleich  lange  Gold¬ 
bänder,  die  paarweise  mit  einander  Winkel  gebildet  zu  haben  scheinen;  an  dem  Ende  des  einen  Bandes  ein 
Thorshammer  aus  Silber.  Weiter  unten  am  Körper  liegen  mehrere  Bänder  parallel  mit  dem  Schwert  und  eins 
im  Winkel  dazu.  An  dem  vermutlichen  Platz  vom  Kopf  der  Frau  eine  undeutliche  Markierung,  mit  der  viel¬ 
leicht  ein  Silberband  gemeint  ist,  wovon  kleine  Reste  erhalten  sind,  und  ein  Knoten  aus  Silberdraht  in  der  Art 
P  16,  der  sich  nicht  wiederfinden  lässt.  Am  Gürtel  trug  die  Frau  Messer,  Wetzstein,  gestickten  Nadelbehälter, 
St  21,  Spiegel  (?)  und  Schelle.  Neben  dem  Messer  sind  2  „brüchige“  Goldbänder  mit  gesponnenem  Schuss  an¬ 
gegeben,  siehe  B  23  a.  Ganz  unten  am  F ussende  eine  verworrene  Ansammlung  Goldschuss,  darunter  viel¬ 
leicht  auch  St  1 ,  dessen  Reste  bis  neulich  mit  Bandschuss  vermischt  lag.  In  dem  einen  Eimer  lag  ein  Leder¬ 
beutel  aus  vergoldeter  Flechtarbeit,  einen  Denar,  Gewichte  und  Golddraht  enthaltend.  Über  den  Leichen  sind 
wahrscheinlich  Decken  o.  dgl.  gelegen.  Zusammenhängende  Stücke  eines  zottigen  Gewebes,  Du,  zeigen 
deutliche  Spuren  der  weiblichen  Spangen.  Der  Thorshammer  hat  Abdrücke  auf  einem  verfilzten  Haarklumpen 
hinterlassen,  der  wahrscheinlich  von  einer  Pelzdecke  stammt,  die  wiederum  noch  mit  einem  groben  Ripsgewebe 
ähnlich  dem  Grundgewebe  in  M  4  bedeckt  gewesen  war. 

GRAB  752.  M.  10.  Jhdt. 

10  St.  runde  Bronzeknöpfe  in  gleichen  Abständen  in  einer  geraden  Linie  vom  Kinn  hinunter  zur  Gürtel¬ 
schnalle.  An  diesen  angeklebt  Reste  von  Tierfellen,  die  jedoch  keiner  der  analysierten  Proben  ganz  ähneln. 
Bei  der  Hufeisenfibel  ist  auf  dem  Plan  eine  kleine  Silberflechte  eingezeichnet,  die  jedoch  nicht  wiederzu¬ 
finden  ist. 

GRAB  757.  W.  10.  Jhdt. 

In  den  ovalen  Spangen  recht  viel  grobe  Leinwand,  ein  wenig  feine,  rote  Leinwand  und  ein  karierter  Stoff, 
FH  7.  Reste  eines  Stoffes  ähnlich  W  14  und  Spiralsilberdraht,  der  wahrscheinlich  eine  auf  dem  Plan  eingezeich¬ 
nete  „kreuzförmige  Flechtarbeit“  gebildet  hat. 


GRABREGISTER 


167 


GRAB  762.  Kind. 

Beim  Messer  sind  Reste  von  noch  deutlich  zu  erkennender  gleichmässig  hellroter  Leinwand  gleich  FH  2. 
GRAB  791.  W.  10.  Jhdt. 

Kleine  Reste  feinen  Wollstoffs  und  Seide  (W  10,  S  4)  welch  letztere  auf  den  ovalen  Spangen  gelegen  waren. 
Aut  einer  runden  Silberspange  ein  Stück  Goldband,  B  23. 

GRAB  798.  M.  Um  900.  Planausschnitt  Abb.  41. 

Unbedeutende  Reste  eines  silbernen  Brettchenbandes,  einige  Stücke  von  Knötchenborten  gleich  P  10,  2  Sorten 
schmale,  geflochtene  Silberschnüre,  P  1  u.  2.  Die  letzten  bildeten  eine  breite  Borte  rings  um  die  Stirne  und  das 
Hinterhaupt. 

GRAB  823.  W.  10.  Jhdt. 

Über  der  Stirn  ein  breites,  silbernes  Brettchenband,  B  15.  In  den  ovalen  Spangen  Leinen,  teilweise  als  Schleifen, 
und  Wollstoff,  W  10.  Gemusterte  Seide,  S  4,  ein  Stück  zu  4  X4  cm  und  Riemen  in  den  kleinen  Silberspangen. 

GRAB  824.  W.  10.  Jhdt. 

2  ungef.  20  cm  lange  Silberbänder,  B  2  a,  die  den  Rand  eines  vermutlich  rechteckigen  Seidenstückes  (S  4)  ge¬ 
schmückt  haben,  das  ganz  oder  teilweise  mit  einem  anderen,  jetzt  vermoderten  Stoff  gefüttert  war.  An  dem 
einen  Ende  war  das  Band  sowohl  wie  der  Stoff  mit  einem  Seidenstreifen  eingefasst,  der  in  einen  Riemen  fort¬ 
gelaufen  zu  sein  scheint  (den  man  z.  B.  um  den  Hals  knüpfen  konnte,  Abb.  47).  In  der  anderen  Richtung 
sind  die  Bänder  nicht  ursprünglich  abgeschlossen.  Sowohl  die  jetzige  Form  als  auch  der  Plan  geben  an,  dass  das 
Kleidungsstück,  auf  dem  die  Bänder  angebracht  waren,  über  den  Schultern  oder  dem  Rücken  lag  und  mittels 
der  beiden  Spangen  nach  unten  gezogen  wurde.  Ausser  diesen  auf  dem  Plan  erkennbaren  Stücken:  ein  9  cm 
langes,  ähnliches  Stück,  jedoch  besser  erhalten  (B  2  b),  und  die  Fragmente  B  22  mit  abwechselndem  Gold- 
und  Silberschuss,  die  mit  Seide  eingefasste  Paarstücke  ausgemacht  haben.  Auf  der  Oberseite  der  Spangen 
finden  sich  unbedeutende  Reste  groben  Wollstoffes,  gleich  W  2. 

GRAB  825.  W.  9.  Jhdt. 

Unter  der  einen  Spange  doppelte  Schichten  Rautenköper  (Variante  W  11),  die  mit  langen  Stichen  an  einander 
genäht  sind.  Derselbe  Stoff,  stark  geknittert,  lag  angeklebt  an  einem  mehrfärbigen,  groben  Gewebe,  M  3. 
Ein  Klumpen  von  zusammengepressten  Entenfedern  (Beil.  II)  zeigte  Abdrücke  von  der  Oberseite  einer  ovalen 
Spange  und  enthielt  Reste  von  S  4.  Ein  paar  daumenlange  Stücke  eines  Silberbandes,  B  26,  können  vielleicht 
mit  dem  ungef.  50  cm  langen  Band,  in  der  Längsrichtung  des  Grabes  über  dem  Schädel  hinunter  dem  Hals 
zu  liegend,  identifiziert  werden. 

GRAB  832.  M.  Wahrsch.  um  900.  Planausschnitt  Taf.  40:  10. 

Auf  dem  Plan  (Skelett  vernichtet)  sind  auf  beiden  Seiten  der  grossen  Ringnadel  (ungef.  auf  den  Schultern) 
zwei  identische  Figuren  in  der  Form  eines  A  gezeichnet.  Weiter  oben  (über  dem  Kopf  oder  am  Hals)  eine 
Reihe  kleiner  Knoten  in  der  Längsrichtung.  Diese  Bänder  sind  wahrscheinlich  mit  den  Knötchenborten  aus 
Spiralsilber,  P  10  u.  P  12,  zu  identifizieren,  die  jetzt  in  bedeutenden  Mengen  zusammengeknittert  in  Erd¬ 
klumpen  liegen.  Weiter  unten,  vielleicht  am  Gürtel,  lag  der  Goldhirsch  (St  16),  und  die  „Flitter-Stickerei“ 
St  26  nebst  mehreren  Glimmerstückchen.  Zwischen  diesen  und  dem  Messer,  woran  der  Silberknoten  P  18 
haftete,  lief  ein  jetzt  verschwundenes  Band.  Das  auf  dem  Plan  nicht  eingezeichnete  kleine  Tier  St  18  lag 
wahrscheinlich  hier.  Ein  Klumpen  enthielt  Reste  von  Pelz. 

GRAB  834.  M.  u.  W.  Mitte  d.  10.  Jhdts. 

In  der  einen  Spange  Leinwandreste,  zwei  Sorten.  Darüber  Seide,  S4,  eingefasst  mit  Silberband,  Typ  B  3, 
jetzt  sehr  verwittert.  Ein  paar  lose  Stücke  eines  sehr  groben  Wollgewebes,  W  1. 


1 68 


GRABREGISTER 


GRAB  835.  W.  10.  Jhdt. 

Im  Innern  der  ovalen  Spange  Leinwand  und  eine  Schleife  aus  dunklem  Wollrips,  W  22.  Ausserdem  Restchen 
von  Seide,  S  4,  und  grobem,  zottigem  Wollgewebe,  W  6. 

GRAB  836.  W.  10.  Jhdt. 

In  den  Spangen  grobes,  schütteres  Leinen. 

GRAB  837.  W.  10.  Jhdt. 

Auf  der  Oberseite  der  einen  Spange  feiner  Wollstoff,  W  22  und  23,  mit  erhaltener  Webekante,  Reste  von 
S4  u.  FH  4. 

GRAB  838.  W.  10.  Jhdt. 

In  den  Spangen  doppelte  Schleifen,  von  vorne  aus  feiner  Leinwand,  von  hinten  aus  gröberem  Stoff.  Die  beiden 
Spangen  sind  deutlich  infolge  der  Vermoderung  auf  den  Boden  des  Grabs  gesunken,  wobei  die  dazwischenlie¬ 
genden  Schichten  zum  Teil  erhalten  wurden.  Der  eine  Klumpen  enthielt,  von  der  Spange  aus  gerechnet: 
i)  Kantstück  eines  Mantels  o.  dgl.  aus  Rautenköper  mit  umgebogenem  und  gesticktem  Rand  (W  10  g,  D4, 
St  4);  wie  zufälligerweise  unter  der  Spange  hineingeglitten.  2)  Rippe  und  eine  dünne  Schicht  dunkler  Masse,  von 
dem  vermoderten  Körper  herrührend;  3)  Feiner  Wollstoff,  W  17,  mit  der  Unterseite  nach  oben.  4)  Unmittel¬ 
bar  daneben  eine  feine  und  ebenmässige  Pelzdecke  mit  hellbraunem  Haar,  möglicherweise  Marder  oder  Biber. 
5)  In  der  Erde  unter  der  Decke  waren  rötliche  Wollfäden  zu  sehen,  deren  Zusammenhang  unmöglich  festzu¬ 
stellen  war.  —  In  dem  anderen  Klumpen,  der  hauptsächlich  dasselbe  enthielt,  lagen  Reste  des  roten  Garnes 
nahe  an  W  17.  Ausserdem  stark  verwitterte  Reste  eines  Silberbandes,  das  über  der  Stirn  gelegen  war,  und  von 
Spiralsilber  eines  Knotens  gleich  P  21. 

GRAB  839.  W.  10.  Jhdt. 

Ein  schütterer,  jetzt  stark  mit  Grünspan  überzogener  Wollstoff,  W  29,  lag  über  der  einen  Spange.  Ein  feiner, 
wahrscheinlich  schwarzer  Stoff,  W  18,  lag  über  einer  Spange,  wahrscheinlich  der  anderen.  Im  übr.  ein  mit 
Grünspan  überzogenes  Silberband  und  ein  Stück  dreieckiger  Wollschnur  gleich  D  5. 

GRAB  840.  Skelettgr.  ohne  aufschlussgebenden  Grabinhalt. 

Stark  verwitterte  Reste  eines  Silberbandes  und  einer  4 — 5  cm  langen  Borte,  P  12,  was  alles  auf  dem  Plan  unge¬ 
fähr  am  Platz  des  Kopfes  eingezeichnet  ist. 

GRAB  842.  M. 

Auf  dem  Plan  ist  ein  ungef.  25  cm  langes  „Silberband  mit  Glimmer“  zu  sehen,  parallel  mit  dem  Schwertgriff 
liegend,  aber  etwas  näher  dem  Kopf  zu.  Davon  sind  nur  undeutliche  Erdklumpen  mit  zersetzten  Überresten 
von  gewöhnlichem  Silberband  und  Ornamentknoten  übrig. 

GRAB  843  A.  W.  10.  Jhdt. 

Reste  eines  dunklen  Ripses,  W  32,  und  feineren,  zweibindigen  Stoffes,  vielleicht  FH. 

GRAB  844.  W.  10.  Jhdt. 

Quer  über  dem  Kopf  ein  Goldband,  B  23.  In  einer  Spange  Schleifen,  von  vorne,  die  eine  aus  Seide,  S  4, 
die  andere  Leinwand.  In  einem  unter  der  einen  Spange  erhaltenen  Klumpen  liegen  Stücke  von  Leinwand, 
feinem  Wollstoff  (W  10  u.  W  18),  silbernem  Brettchenband  und  ein  2  cm  breiter  Seidenstreifen  (S4)  mit  ein¬ 
gebogenen  Rändern,  der  wahrscheinlich  auf  Leinwand  angenäht  war. 


GRABREGISTER 


169 


GRAB  845.  W.  io.Jhdt. 

Silberband,  B  14,  liegt  auf  der  Stirn  ganz  über  den  Augen.  Kleine  Reste  von  Rautenköper,  W  10,  Seide,  S4, 
grobem  Fell  ähnlich  Bärenfell  und  einige  undeutliche  Reste  roten  Wollgarns,  vermutlich  von  irgendeinem 
Gewebe  des  M-Typus. 

GRAB  847.  W.  10.  Jhdt. 

Grober  Rips,  W  32,  wahrscheinlich  an  der  Spange.  Etwas  Leinwand,  FH  6. 

GRAB  849.  W.  9.  Jhdt. 

Dunkler  Rautenköper,  W  10,  und  ein  3  cm  breiter  Seidenstreifen,  S  4,  der  auf  einem  anderen  Stoff  angenäht 
war.  Verrostete  Reste  von  Leinwand. 

GRAB  854.  W.  Mitte  oder  1.  H.  d.  9.  Jhdts.  Planausschnitt  Taf.  40:7, 

Kaum  etwas  Textilartiges  erhalten:  Reste  eines  Seidenriemens  und  eine  kleine,  runde,  massive  Perle,  aufgezogen 
auf  einer  feinen  Leinenschnur  aus  zweifädigem,  rechtsgezwirntem  Faden.  Das  Kleid  hatte  eine  Menge  pracht¬ 
voller  Schmuckstücke,  darunter  Bronzornamente  zum  Annähen,  westeuropäischer  Herkunft. 

GRAB  855.  M. 

Silbernes  Brettchenband,  B  9,  auf  dem  Plan  über  den  Schultern  und  entlang  der  Oberarme  bis  zum  Armbogen 
eingezeichnet. 

GRAB  856.  W.  io.Jhdt. 

Um  die  Nadel  der  einen  Spange  sind  Leinenriemen  verschiedener  Stärke  gelegen.  Unter  einer  Spange  sind 
mehrfache  Schichten  dunklen  Rautenköpers,  W  10,  erhalten.  Im  übrigen  Reste  von  sehr  grobem,  hellem  Woll¬ 
stoff,  gleich  W  3  oder  W  4,  und  Seide,  S  4. 

GRAB  857.  W.  Um  900. 

Kleine  rostgefüllte  Fragmente  von  Leinwand  von  der  Innenseite  einer  ovalen  Spange.  Ausserdem  ziemlich 
grober,  dreibindiger  Stoff,  W  19,  und  kleine  Reste  grober,  roter,  gezwirnter  Wollfäden,  vielleicht  von  einem 
Gewebe  wie  M  6  stammend. 

GRAB  860.  2  W.  io.Jhdt.  Planausschnitt  Taf.  40:6. 

Reste  von  Wollstoff,  W  10,  und  Leinwand. 

GRAB  861.  Doppelgr.,  M.  u.  W.? 

Breite  Silberbandstücke,  B  16;  laut  dem  Plan  am  Fussende  des  Grabes  auf  Holz  liegend. 

GRAB  865.  W.  io.Jhdt. 

In  den  Spangen  Reste  von  Leinwand. 

GRAB  886.  M. 

Flechtschnur  aus  Silber,  P  3,  in  doppelten  Reihen  um  den  Kopf.  Reste  von  Knoten  wie  P  9  aus  Spiralsilber 
und  Kreuzknoten,  wie  P  8,  aus  Silberdraht,  was  alles  laut  dem  Plan  auf  der  Brust  lag.  Hierher  gehört  wahr¬ 
scheinlich  die  auf  Seide  gestickte  Borte  St  6,  deren  erhaltene  Reste  zusammen  ungef.  75  cm  betragen.  Der 
Schwertgriff  aus  Holz  ist  mit  sehr  feiner,  jetzt  rostgefüllter  Leinwand  umwunden;  die  Stoffstreifen  sind  doppelt 
gefaltet  und  so  sorgfältig  gelegt,  dass  immer  dieselbe  Breite,  3 — 4  mm,  frei  liegt.  Ausserdem  waren  kleine 
Stücke  gröberer  Leinwand,  von  der  Kleidung  herrührend,  daran  festgerostet. 


GRABREGISTER  * 


170 

GRAB  894  A.  W.? 

Beim  Wetzstein  und  Messer  ein  Klumpen  mehrfachen  Wollstoffs,  W  38,  stark  verfilzt. 

GRAB  903.  M.?  Planausschnitt  Abb.  37. 

Mehrere  Stücke  Silberband  erhalten,  B  3.  Auf  dem  Plan  sind  solche  auf  verschiedenen  Stellen  wiederzu¬ 
finden:  über  dem  Kinn,  an  der  rechten  Schulter  2  parallele  Stücke,  eins  an  der  linken  Schulter  und  ein  Stück 
an  jedem  der  Unterarme. 

GRAB  904.  M. 

In  der  Mitte  des  Leibes  lagen  zwei  grössere  Klumpen,  enthaltend  groben  Wollstoff,  W  2,  einen  Lederbeutel 
mit  Bronzebeschlag  und  mehrfach  zusammengefaltet,  einen  dünnen,  zweibindigen  Stoff  von  nahezu  schwarzer 
Farbe,  möglicherweise  Hanf  (vgl.  FH  5). 

GRAB  905.  M.  Planausschnitt  Abb.  45. 

An  der  Ringnadel  haften  Reste  eines  groben  Wollgewebes.  Im  übrigen  keine  Textilien  erhalten.  Auf  der 
Brust  gibt  der  Plan  „Spuren  von  Silber“  an.  Unterhalb  der  Kniescheibe  seitwärts  von  jedem  Bein  ein  tierkopf¬ 
förmiger  Bronzehaken,  der  an  einem  kräftigen  mehrfachen  Wollstoff,  Typ  W  34,  angenäht  war.  Der  Haken 
war  in  einem  Eisenring  eingehakt,  der  an  doppelter  Leinwand  befestigt  war.  In  beiden  Fällen  ist  der  Haken 
nach  aufwärts  gerichtet  und  liegt  unmittelbar  unterhalb  der  Kniescheibe. 

GRAB  925.  Brandgr. 

Gleitknoten  aus  Spiralsilber  gleich  P  23. 

GRAB  942.  M.  Vermutlich  9.  Jhdt. 

Wahrscheinlich  beim  Schwert  sind  kleine  verfilzte  Klumpen  in  heller  rostbrauner  Farbe  erhalten,  die  aus  kar- 
dierter  Wolle  bestehen.  (Beil.  II.)  Der  Griff  war  (ähnlich  wie  im  Grabe  886)  mit  Leinen  umwunden.  Der 
Stoffstreifen  scheint  vorher  mit  einem  Saum  (Hinterstich)  verziert  worden  zu  sein. 

GRAB  943.  W.  10.  Jhdt. 

Auf  dem  Kopf  lag  ein  25  cm  langes  Silberband,  B  21 ,  am  Rand  eines  Seidenstückes  (S  4)  angenäht.  Auf  dem  Plan 
doppelt.  Auf  der  grösseren,  runden  Spange  gemustertes  Gewebe,  M  7,  und  darüber  ein  grober,  zweibindiger 
Stoff,  W  3.  Unter  der  Spange  ein  Stück  Silberband,  B  11.  Lose  Stücke  eines  Bandes,  teils  dieselbe  Sorte,  teils 
ähnlich  B  2  oder  5,  und  unbedeutende  Reste  von  Goldschuss.  Auf  dem  Plan  liegt  ein  langes  Band  zusammen 
mit  einer  Schere  u.  a.  Gegenständen.  Zusammen  mit  den  Bändern  eine  geflochtene  Wollschnur  gleich  D  3. 

GRAB  944.  M.  10.  Jhdt.  Planausschnitt  Abb.  38. 

Auf  dem  Kopf,  in  gerader  Linie  über  der  Stirn,  silberne  Knötchenborte,  P  11,  auf  einer  Unterlage  gemusterter 
und  mit  Gold  bemalter  oder  bedruckter  Seide,  S  3.  Die  Borte  verdeckte  eine  Naht,  die  zwei  der  Form  nach 
abgerundete  Stoffstücke  zusammengefügt  hatte.  Hiemit  zusammen  wurde  das  Fragment  S  5,  zusammen¬ 
geknüllt  und  mit  Spuren  von  zersetztem  Silber,  erhalten. —  An  der  linken  Schulter  eine  Silberborte,  P  13,  die 
Randverzierung  eines  10  cm  breiten,  doppelseitigen  Bandes  aus  Seide,  S  4.  In  grossen  Klumpen  (auf  dem  Plan 
zwischen  Hüfte  und  Knie)  wurden  Silberborten  derselben  Sorte  erhalten,  wie  auf  dem  Kopf.  Sie  lagen  auf 
Seidenstreifen,  S  4,  letztere  als  Besatz  in  einen  dünnen,  jetzt  vermoderten  Stoff  (FH  4?)  eingefasst,  die  mit 
Seide  gestickt  waren  (St  2).  Die  Silberborten  verschmälern  sich  dem  Ende  zu.  Durch  Aufweichen  in  Wasser 
konnten  4  Borten  mit  entspr.  Seidenstreifen  losgelöst  werden.  Der  übriggebliebene  Klumpen,  an  dem  aus  Rück¬ 
sicht  auf  die  Stickerei  und  den  Stoff  nicht  gerührt  wurde,  dürfte  wenigstens  eine  Borte  enthalten. 

Mehrere  Stücke  von  Silberbändern  in  zwei  Breiten,  Typen  B6 — 7,  liegen  lose  oder  mit  P  11  zusammen¬ 
geklebt.  Einige  Stücke  sind  mit  Seide,  S  4,  zusammengenäht  sowohl  der  Länge  als  der  Quere  nach  (vgl.  Grab 


GRABREGISTER 


I?I 

824).  Auf  dem  Plan  liegt  ein  ungefähr  25  cm  langes  Stück  von  der  rechten  Schulter  schräg  nach  unten  und  aus¬ 
sen  gerichtet  und  ein  Stück  weiter  unten  links.  Vorne  7  Bronzknöpfe.  Die  beiden  Endzierate  eines  Seiden¬ 
bandes,  bestehend  aus  P  15  und  einem  doppelgefalteten  Silberband,  sind  auf  dem  Plan  nicht  wiederzufinden. 

GRAB  946.  W.  Um  900.  Planausschnitt  Abb.  40. 

Kleine  Stücke  eines  Silberbandes,  Typus  B  6 — 7,  teilweise  mit  Seide,  S  4,  zusammengenäht.  Auf  dem  Schädel, 
der  auf  der  Seite  liegt,  ist  ein  Silberband  eingezeichnet,  der  den  Rand  eines  das  Hinterhaupt  bedeckenden  Käpp¬ 
chens  zu  markieren  scheint.  Unbedeutendes  Fragment  feinen  Wollstoffes,  Typus  W  22. 

GRAB  949.  M.  10.  Jhdt.  Planausschnitt  Taf.  40:4. 

Die  Leiche  lag  mit  hochgezogenen  Knien.  Auf  der  Brust  lag,  ganz  unter  der  linken  Schulter,  eine  hufeisen¬ 
förmige,  kleine  Tasche  aus  Leder  mit  Bronzebeschlag  und  Knöpfen,  die  in  Fornvännen  1938,  bei  Sörling, 
ausführlich  behandelt  wird.  Die  Köperstoffe  W  40  und  W  45  stammen  vermutlich  aus  diesem  Grab. 

GRAB  950.  W.  9.  Jhdt. 

An  dem  umgeworfenen  Schädel  lag  ein  Silberband,  ungef.  B  9,  als  Besatz  zwischen  Seide,  S  4,  wovon  recht 
grosse,  lose  Stücke  mit  eingebogenen  Rändern  vorhanden  waren.  —  In  der  ovalen  Spange  Riemen  aus  grober 
Leinwand  und  plissierte  feine  Leinwand;  am  Eisenschlüssel  ebenfalls  Leinwand.  Wahrscheinlich  von  der  Ober¬ 
seite  der  Spange  grober,  dunkler  Rautenköper,  W  10,  und  ein  schütterer  Wollstoff  gleich  W  33. 

GRAB  952.  W.  10.  Jhdt. 

An  der  ovalen  Spange  Rautenköper,  W  10,  mehrere  Stücke,  darunter  eine  mit  Schnur,  D  3,  abgeschlossenes 
Randstück,  das  ausserdem  mit  einem  gemusterten  Band,  wahrscheinlich  ähnlich  B  27,  verziert  war.  Das  Frag¬ 
ment  ist  so  klein,  dass  es  nicht  näher  bestimmt  werden  kann. 

GRAB  954.  M.  u.  W.  10.  Jhdt. 

Stück  von  feinem,  dunklem  Wollrips,  W  24,  davon  ein  Stück,  (ursprünglich  gefüttert?)  mit  umgebogenem 
Rand,  verziert  mit  Schnur  D  2.  Von  der  Oberseite  der  ovalen  Spange  Stücke  von  W  10. 

GRAB  955.  M. 

Um  die  Hufeisenfibel  etliche  Reste  eines  groben,  zottigen  Gewebes,  W  8,  teils  grobe  Haare  von  irgendeinem 
Fell. 

GRAB  956.  M.  10.  Jhdt. 

Ganz  zerrissene  Fragmente  von  Silberbändern,  auf  dem  Plan  vertikal  mitten  auf  der  Brust  eingezeichnet. 
Daneben  ein  Beutel  mit  Gewichten  und  weiter  unten  ein  anderer,  ein  Feuerzeug  enthaltend,  aus  Leder  mit 
Silberbeschlägen  und  (nach  Stolpe)  Spuren  von  Goldornamenten.  Der  dabei  liegende  grobe  Wollstoff,  gleich 
W  1,  dürfte  von  einer  Decke  o.  dgl.  herrühren.  Reste  eines  Biberfells  (Beil.  II). 

GRAB  957.  M. 

Knötchenborte  aus  Silber,  P  10,  am  einen  Ende  mit  einem  dreizipfligen  Knoten  schliessend  —  liegt  auf  dem 
Plan  in  einer  geraden  Linie  über  der  Stirne.  Mehrere  sehr  beschädigte  Stücke  von  Brettchenbändern,  2  Breiten, 
gleich  B  6 — 7,  teilweise  angenäht  an  Seide,  S  4;  auf  dem  Plan  sind  4 — 5  Bänder  dicht  zusammen  schräg  über 
der  Brust  zu  sehen. 

GRAB  958.  M.  10.  Jhdt.  Planausschnitt  Abb.  35. 

Klarer  Plan  mit  gut  erhaltenem  Skelett:  quer  über  der  Brust  und,  wie  es  scheint,  rund  um  die  Achseln  ein 
Silberband,  wovon  aber  nichts  erhalten  ist.  Gleich  unterhalb  der  linken  Schulter  eine  Ledertasche  mit  hufeisen- 


IJ2 


GRABREGISTER 


förmigem  Beschlag,  mit  „einem  kurzen  geflochtenen  Silberband“  verziert,  wovon  jetzt  nur  violettweisser 
Niederschlag  übrig  ist.  Das  grobe  Wollgewebe,  gleich  W  i,  das  zunächst  liegt,  rührt  vermutlich  von  einer 
Decke  oder  einem  Mantel  her.  —  Ausserdem  ein  anderer  Lederbeutel.  —  Die  Hufeisenfibel  liegt  an  dem  einen 
Knie. 

GRAB  959.  W.  10.  Jhdt. 

Äusserst  kleine  Reste  von  feinem,  zweibindigem  Gewebe  (FH  4?),  jetzt  stark  mit  Grünspan  vermischt. 
GRAB  960.  W.  10.  Jhdt. 

Sehr  kleine  Reste  dunklen  Rautenköpers,  etwas  gröber  als  W  10  a;  wahrscheinlich  bei  der  Schere  und  der 
Pinzette  erhalten. 

GRAB  962.  M. 

Silberband  B  25  an  der  Hufeisenfibel  auf  der  Brust. 

GRAB  963.  W.  10.  Jhdt. 

Das  breite,  broschierte  Band,  B  1,  hat  den  Kopf  geschmückt;  auf  dem  Plan  liegt  es  dahinter  und  auf  der  linken 
Seite.  In  den  Spangen  Schleifen  aus  Leinwand.  Einige  Reste  S  4. 

GRAB  964.  W.  10.  Jhdt. 

2  Stücke  einer  Silberbandes,  ungefähr  wie  B  11,  erhalten;  auf  dem  Plan  das  eine  unter  dem  Kinn,  das  andere 
ein  bischen  weiter  unten.  In  den  Spangen  Leinwand.  Unterhalb  der  Füsse  neben  einem  Tonkrug  lag  eine 
„Perle  aus  geflochtenem  Silberdraht“,  St  20.  Reste  von  dunklem  W  10. 

GRAB  965.  W.  in  Hockerlage.  10.  Jhdt. 

Erhalten  ungewöhnlich  viel  Silberband:  2  eigentümlich  zusammengestückelte  Bänder,  B6 — 7.  Diese  bilden 
ein  Paar,  jeder  Teil  aus  einem  42  oder  44  cm  langen  Band  bestehend,  eingesetzt  zwischen  Seide  (S  4),  und  an 
einem  Ende  mit  einem  7  cm  langen,  schmäleren  Band  zusammenhängend.  Dieses  ist  jedoch  nicht  in  derselben 
Fläche  angestückelt,  sondern  so,  dass  die  Stoff-Flächen  einen  Winkel  bilden.  Ausserdem  B  19,  grössere  und 
kleinere  Stücke,  zusammen  mindestens  40  cm,  und  kleine  Reste  wie  B  15,  angestückelt  an  einen  2  cm  breiten 
Seidenstreifen,  S  4.  Kleinere  Stücke  von  Seide  (S  4)  und  dunklem  Wollstoff,  W  10. 

Auf  dem  Plan  liegt  ein  langes  Band  in  einer  Geraden  mit  den  Schultern,  eins  zusammengeknüllt  seitwärts 
davon  und  mehrere  Stücke  hie  und  da  in  der  Längsrichtung  des  Körpers,  doch  ohne  sichtbaren  Zusammen¬ 
hang. 

GRAB  966.  W.  10.  Jhdt.  Planausschnitt  Abb.  34. 

Nach  Stolpe  hat  die  Frau  einen  Beutel  mit  Münzen  getragen,  der  eine  jetzt  verschwundene  Verzierung  aus 
Spiralsilber  hatte. 

GRAB  967.  W.  10.  Jhdt. 

Etliche,  teilweise  sehr  beschädigte  Silberbänder,  ähnlich  B  5.  Daranhaftende  Reste  von  Seide.  Die  Leiche 
liegt  auf  der  Seite  in  Hockerstellung,  weshalb  man  kaum  eine  Annahme  über  die  ursprüngliche  Lage  der 
Bänderstücke  machen  kann,  die  in  der  Umgebung  des  Messers  usw.  gefunden  wurden.  Rings  um  das  Hinter¬ 
haupt  ist  ein  Band  gelegen. 

GRAB  968.  W.  10.  Jhdt.  Planausschnitt  Taf.  40:5. 

Zwei  Stücke  von  etwas  verschiedenen  Silberbändern,  wie  B  5  und  7;  auf  dem  Plan  liegt  eins  schräg  über  dem 
Gesicht.  Auf  der  einen  ovalen  Spange  Reste  eines  mehrfarbigen  Gewebes,  M  8,  danach  wahrscheinlich  Federn 
und  zu  oberst  feiner  Wollstoff  wie  W  14;  die  Reihenfolge  ist  jedoch  vielleicht  umgekehrt.  Reste  von  Biberfell. 


GRABREGISTER 


173 


GRAB  969.  W.  io.Jhdt. 

Auf  einer  Spange  2  oder  3  Schichten  von  zweibindigen,  etwas  verschiedenartigen  Leinengeweben. 

GRAB  973.  W.  io.Jhdt. 

In  der  Spange  grobe  Riemen  aus  Wollrips,  gleich  W  25.  Teilweise  unter  der  Spange  der  Rand  eines  Mantels, 
W  10,  gefüttert  mit  Rips,  W  30,  und  eingefasst  mit  einer  Schnur,  Di.  —  Ein  10 — 15  cm  langes  Silberband, 
fragmentarisch,  ist  auf  dem  Plan  nicht  zu  finden. 

GRAB  976.  M. 

Verworrene  Reste  von  Silberband,  ungef.  B  7;  Knötchenborte  wie  P  10  aus  Silber,  mindestens  15  cm.  Gleit¬ 
knoten  aus  Silber  wie  P  24.  3  Spiralen  aus  grobem  Bronzedraht,  wie  Perlen  auf  eine  Wollschnur  aufgezogen, 
Masse  ungef.  5x15  mm.  —  Auf  dem  Plan  ist  am  Kopfende  des  Grabes  eine  S-ähnliche  Figur  aus  dem  Silber¬ 
band,  den  Bronzespiralen  und  der  Knötchenborte  eingezeichnet. 

GRAB  977.  M.  10.  Jhdt. 

Silberbänder,  3  Sorten:  B  5  u.  B  8;  von  dem  dritten  ist  nur  der  Schuss  übrig  (möglicherweise  gehört  ein  Teil 
der  Bänder  dem  Grab  967).  —  Auf  dem  Plan  ein  gerades  Stück  über  dem  Hals,  vielleicht  vom  Kopf  herunter¬ 
geglitten.  Seitwärts  der  Leiche  eine  verworrene  Ansammlung  von  Bändern. 

GRAB  978.  W.  io.Jhdt. 

In  der  rechten  Spange  Reste  einer  feinen  plissierten  Leinwand,  schräg  durch  die  Spange  gezogen,  so  dass  die 
Falten  von  den  Schultern  herabgefallen  zu  sein  scheinen. 

GRAB  980.  W.  10.  Jhdt. 

Auf  dem  von  der  Spange  herabhängenden  Eisenschlüssel  angerostet  Stücke  sowohl  von  plissierter  wie  von  glat¬ 
ter  Leinwand. 

GRAB  983.  W.  10.  Jhdt. 

In  den  Spangen  Spuren  von  Leinwand.  Vermutlich  darauf  dunkler  W  10  und  undeutliche  Reste  eines  groben 
Gewebes  wie  W  1.  Mit  ungewisser  Lage  kleine  Stücke  von  schmalen  Seidenriemen,  verschiedene  Knoten 
aus  Spiralsilber  und  ein  Fragment  von  gezwirnten  Wollfäden,  die  ein  Brettchenband,  B  28,  gebildet  zu  haben 
scheinen,  vermutl.  mit  gemischter  Kette. 

GRAB  985.  M.  10.  Jhdt. 

Vorne  in  einer  geraden  Linie  vom  Kinn  hinunter  4  Knöpfe  aus  Weissmetall.  An  der  Hufeisenfibel  „sehr 
gröber  Stoff“. 

GRAB  987.  W.  10.  Jhdt. 

In  den  Spangen  doppelte  Schleifen  aus  Leinwand,  zunächst  dem  Körper  von  feinerer  Qualität.  Über  und  teil¬ 
weise  unter  den  Spangen  dünner,  blauer  (?)  Wollrips,  W  26.  Am  Rand  der  einen  Spange  Rips,  ähnlich  W  22, 
und  Reste  von  Pelzwerk,  möglicherweise  Biber. 

GRAB  989.  M. 

Bei  der  Ringnadel  Silberschnur  mit  Knoten,  P  26. 

GRAB  1004.  W.  io.Jhdt. 

Bei  den  Spangen  zusammengeknüllte  Stücke  aus  dunklem  Wollstoff,  2  etwas  verschiedene  Sorten  (W  25, 
W  27).  Auf  dem  einen  Stück  ist  eine  Naht,  wo  die  beiden  zusammengefügten  Stücke  abweichende  Webe¬ 
richtung  haben.  Das  andere  Stück  hat  einen  umgebogenen  Rand,  der  mit  einer  Schnur,  D  5,  verziert  ist. 


174 


GRABREGISTER 


GRAB  1012.  W.  io.  Jhdt. 

Auf  der  Spange  grobe,  verrostete  Leinwand. 

GRAB  1014.  W.  10.  Jhdt. 

Auf  und  teilweise  unter  den  ovalen  Spangen  und  unter  der  gleicharmigen  Spange  dunkler,  dicker  Wollstoff, 
W  34,  sowie  eine  verrostete  Wollschnur  gleich  D  1. 

GRAB  1040.  Brandgr. 

Silberborte  P  12,  ungef.  4  cm  im  Ganzen. 

GRAB  1062.  W.  10.  Jhdt. 

Gleichmässig  plissierter  Stoff  (F  H  ?)  nebst  glatter  Leinwand  und  einfachem  Köper,  angerostet  an  der  Schere 
und  der  Pinzette,  die  an  der  Seite  neben  der  linken  Schulter  lagen.  In  der  einen  Spange  Mengen  von  Leinwand 
und  vielleicht  auch,  zuoberst,  Wollstoff,  ähnlich  W  22. 

GRAB  1074.  M.  10.  Jhdt.  Planausschnitt  Taf.  40:1. 

Orientalischer  Ledergürtel  mit  Bronzebeschlägen  und  daranhängendem  Lederfutteral  für  Kamm  usw.  Vorne 
vom  Kinn  bis  zur  Taille  18  runde  Bronzeknöpfe  in  6  regelmässigen,  schrägen  Linien  über  einander  angebracht. 
An  der  Schafthülse  des  Spiesses  Stoff  des  Typs  W  34  angerostet. 

GRAB  1076.  M.  10.  Jhdt.  Planausschnitt  Taf.  40:2. 

Reichliche  Reste  von  Silberbändern,  Bio,  teilweise  stark  verwittert.  Auf  dem  Plan  bilden  sie  eine  zusammen¬ 
hängende  Linie,  als  ob  sie  ein  rechteckiges  Stück  im  Format  von  ungef.  10  X35  cm  eingefasst  hätten,  das  ein 
wenig  zerknittert  auf  der  Brust  angebracht  war,  mit  der  einen  Ecke  am  Kinn  und  der  gegenüberliegenden 
Ecke  an  der  Taille. 

GRAB  1081.  W.  10.  Jhdt.  Planausschnitt  Taf.  40:3. 

Alle  Schmuckstücke  und  Ähnliches  in  gut  erhaltener  Lage;  am  Armring  Spuren  von  vergoldetem  Leder, 
von  dem  Beutel  herrührend.  Um  den  Hals  Eisenring  mit  Thorshammer.  Von  Textilien  sind  nur  Stückchen 
eines  feinen,  dunklen  Wollstoffes  übrig,  W  10. 

GRAB  1083.  W.  10.  Jhdt. 

Stückchen  feinen,  dunklen  Wollstoffes;  W  10,  doppelgefaltet  mit  Randschnur  D  3,  und  W  15. 

GRAB  1084.  W.  10.  Jhdt. 

In  den  Spangen  Schleifen  aus  grobem,  zweibindigem  Leinen  oder  vielleicht  Wollstoff  (W  30?),  sowie  auch  die 
Befestigung  der  Stoffriemen  am  Rand  des  „Rockes“.  Ausserdem  ein  glatter  Stoff,  zusammengeknüllt,  und  ein 
wenig  plissierte,  feine  Leinwand.  Vgl.  Abb.  50. 

GRAB  1090.  W.  10  Jhdt. 

Wollstoff reste,  W  28  und  W  33,  vermutlich  bei  den  Spangen  erhalten. 

GRAB  1125  B.  M.  10.  Jhdt? 

Reste  von  Silberband;  quadratischer  Silberknoten  P  19  und  ein  runder  Bronzeknopf.  Die  letzteren  finden  sich 
auf  dem  Plan  als  Abschluss  eines  Bandes  in  der  Nähe  des  Schädels. 

GRAB  1131.  W.  10.  Jhdt. 

Trichterähnlicher  Schmuckring  aus  Bronze,  durch  den  der  Stoff  ähnlich  W  35  hindurchgezogen  ist.  Auf  der 
Oberseite  der  Spangen  feiner  Rautenköper,  W  10,  innen  Leinwand. 


GRABREGISTER 


l7S 


GRAB  1 15 1 .  M.  9.  Jhdt? 

Vier  silbergestickte  Anhänger  (?)  St  10  mit  zugehörigen  Seidenstreifen,  S  4,  teilweise  gestickt;  damit  zusammen 
etwas  Spiralsilber.  Auf  dem  Plan  liegen  diese  bei  der  Spitze  des  Schwertes,  möglicherweise  quer  über  dem 
einen  Bein.  —  Über  der  schlecht  erhaltenen  Schädeldecke  und  am  Hals  sind  Bänder  eingezeichnet. 

GRAB  1159.  W.  10.  Jhdt. 

In  den  Spangen  Reste  feiner  Leinwand. 

AUSGRABUNG  1934,  GRAB  I.  W.  9.  Jhdt. 

In  den  Spangen  sind  Schleifen  erhalten;  ungef.  1  cm  breite  Riemen,  in  der  Mitte  mit  einer  Naht  zusammen¬ 
genäht.  Teils  sehr  feine,  wahrscheinlich  blaue  Leinwand,  teils  gröbere,  wo  die  beiden  Enden  der  Schleife  an 
demselben  Stoffstück  angenäht  sind;  Rekonstr.  Abb.  50.  Auf  der  einen  Spange  Reste  eines  Seidenstreifens, 
welcher  vermutlich  an  irgendeinem  jetzt  vermoderten  Stoff  angenäht  war.  Auf  der  Unterseite  der  rechteckigen 
Spange  gewöhnlicher  W  10,  und  ein  anderer,  infolge  der  Verrostung  jetzt  unbestimmbarer  Stoff,  in  dem  die 
Nadel  gesteckt  hat. 


TABELLE 


Grab 

Flachs 

oder 

Hanf 

Woll¬ 

stoffe 

Muster¬ 
gewebe  aus 
Wolle  und 

Flachs 

Seiden¬ 

stoffe 

Bänder 

Posa¬ 

menten 

Sticke¬ 

reien 

Diverses, 
Tierhaare 
u.  dgl. 

58  A.  M.  9.  Jhdt. 

W  6 

sB 

P9 

60  A.  W.  10.  Jhdt. 

FH  8,  10, 

1 1 

W43 

s4 

D  7 

60  B.  M.  10.  Jhdt. 

T 

73  A. 

M.  10.  Jhdt. 

W 

D 

-SL1--  . 

Brgr.  M.  Um  qoo. 

sB 

97- 

W  28 

D  11 

1 12  A.  Brgr.  M. 

P  23 

1 38  B.  Brgr.  W.  10.  Jhdt. 

p  19»  23 

157- 

M.  10.  Jhdt. 

W39 

159. 

Brgr. 

P  24 

181. 

Brgr. 

P  24 

326. 

Brgr. 

P9 

327. 

Brgr. 

p  24 

329- 

Brgr. 

p 

361. 

Brgr.  M. 

p  24 

366. 

Brgr.  M. 

St  II 

39°- 

W.  10.  Jhdt. 

W  IO 

400. 

Brgr. 

p 

408. 

Brgr. 

sB 

P9 

427. 

Brgr. 

p  11 

464. 

W.  i.H.d.9.Jhdts. 

FH 

W21 

s4 

465  A.  W.  10.  Jhdt. 

FH  1 

W  10 

s  + 

d3 

465  B. 

FH 

W  IO,  12 

466. 

W.  Um  900. 

FH  9,  2 

W  16 

s4 

D  6 

478. 

M. 

W 

gB 

479- 

W.  9.  Jhdt. 

W  10,28 

48O. 

W.  10.  Jhdt. 

W  IO 

s4 

485. 

W.  9.  Jhdt. 

W9 

488. 

M.  10.  Jhdt. 

W  31 

495- 

M.  10.  Jhdt. 

sB 

M.i.H.d.io.Jhdts. 

sB 

St  29 

504. 

W.  9.  Jh3t.  ' 

FH 

505. 

W.  Um  900. 

FH 

5°7. 

W.  A.  d.  10.  Jhdts. 

FH 

W  10 

s4 

T 

510. 

M. 

W43 

5n. 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

W  10,  42 

s4 

D  1 

5*3- 

W.  Um  900. 

FH 

W  10 

5X4* 

M.  9.  Jhdt. 

St  9 

51 5* 

W.  M.d.  9.  Jhdts. 

FH 

W37 

5T7* 

W.M.d.  10.  Jhdts. 

FH 

W7 

s4 

sB  und  gB  =  silbernes  resp.  goldenes  Brettchen  band. 


TABELLE 


I  77 


12  —  37823.  Birka  III. 


17B 


TABELLE 


Grab 

Flachs 

oder 

Hanf 

Woll¬ 

stoffe 

Muster¬ 
gewebe  aus 
Wolle  und 
Flachs 

Seiden¬ 

stoffe 

Bänder 

Posa¬ 

menten 

Sticke¬ 

reien 

Diverses, 
Tier  haare 
u.  dgl. 

736. 

M.  10.  Jhdt. 

W  9 

sB 

P  8 

739* 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

W 4, 10,31 

M  2,  5 

s4 

P  22 

75°. 

M.  W.M.d.  10. 

Jhdts. 

M  4 

B  22,  23 

P  16 

St  I,  21, 

D  ii  T 

24,  28 

752. 

M.  10.  Jhdt. 

P 

T 

757- 

W.  10.  Jhdt. 

FH  7 

W  14 

P 

762. 

Kind. 

FH 

791* 

W.  xo.  Jhdt. 

W  IO 

s4 

B  23 

798. 

M.  Um  900. 

sB 

P  I,  2,  IO 

823. 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

W  10 

S4 

B  15 

824. 

W.  10.  Jhdt. 

W  2 

S  1,  4 

B  2,  22 

825. 

W.  9.  Jhdt. 

W  11 

M  3 

S4 

B  26 

T 

832. 

M.  Um  qoo ? 

P  10, 12,18 

Stl6,l8,26 

T 

834- 

M.  W. 

W  1 

S4 

sB 

835- 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

W  6,  22 

S4 

836. 

W.  IO.  Jhdt. 

FH 

837- 

W.  10.  Jhdt. 

FH  4 

W  22,  23 

S4 

D  4  T 

838. 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

W  10,  17 

sB 

P  21 

St  4 

839. 

W.  10.  Jhdt. 

W  18,  29 

sB 

£>  5 

840. 

W.  10.  Jhdt. 

sB 

P  12 

842. 

M. 

sB 

P 

843  A 

,.W.  10.  Jhdt. 

FH 

W  32 

844. 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

W  10,  18 

S4 

B  23 

845. 

W.  10.  Jhdt. 

W  10 

M? 

S4 

B  14 

T 

847. 

W.  10.  Jhdt. 

FH  6 

W  32 

849. 

W.  9.  Jhdt. 

FH 

W  10 

S4 

854. 

W.  M.  0.  1.  H.  d. 

9.  Jhdts. 

S4 

855- 

M. 

b9 

856. 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

W  3,  10 

S4 

857. 

W.  Um  900. 

FH 

W  19 

M  6? 

860. 

2  W.  10.  Jhdt. 

FH 

W  IO 

86l. 

M.W.? 

B  16 

865. 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

St  6 

886. 

M. 

P  3>  9 

894  A 

,  W.? 

W  38 

B  3 

9°3- 

M.? 

B  3 

9°4* 

M. 

FH 

W  2 

9°5- 

M. 

FH 

Wi(?)34 

925. 

Brgr. 

P  23 

942. 

M.  9.  Jhdt.? 

FH 

T 

943- 

W.  10.  Jhdt. 

W  3 

M  7 

S4 

B  1 1,  21 

St  2 

D  3 

944. 

M. 

FH 

s  3. 4.  5 

B  6 

Pu, 13^5 

946. 

W.  Um  900. 

W  22 

S4 

B  6 

3&- 

M.  10.  Thdt. 

W  40,  45 

950. 

W.  9.  Jhdt. 

FH 

W  10,  33 

S4 

b9 

D  3 

952. 

W.  10.  Jhdt. 

W  10 

B  27 

954- 

M.W.  10.  Jhdt. 

W  10,  24 

D  2 

955- 

M. 

W  8 

T 

956. 

M.  10.  Jhdt. 

W  1 

sB 

P? 

T 

TABELLE 


179 


Grab 

Flachs 

oder 

Hanf 

Woll¬ 

stoffe 

Muster¬ 
gewebe  aus 
Wolle  und 
Flachs 

Seiden¬ 

stoffe 

Bänder 

Posa¬ 

menten 

Sticke¬ 

reien 

Diverses, 
Tierhaare 
u.  dgl. 

957- 

M. 

s4 

sB 

P  10 

958. 

M.  10.  Jhdt. 

W  1 

sB 

P 

959- 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

960. 

W.  10.  Jhdt. 

W  10 

962. 

M. 

B  5 

963- 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

s4 

B  1 

964. 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

W  10 

B  11 

St  20 

965. 

W.  10.  Jhdt. 

W  10 

s4 

B  6,  7, 

i5>  19 

966. 

W.  10.  Jhdt. 

P 

967. 

W.  10.  Jhdt. 

s4 

B  5 

968. 

W.  10.  Jhdt. 

W  14 

M  8 

B  5 

T 

969. 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

973- 

W.  10.  Jhdt. 

W  10, 

25> 

sB 

D  1 

3° 

976. 

M. 

B  7 

P  10,  24 

977- 

M.  10.  jhdt. 

B  5.  8 

978. 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

98O. 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

983- 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

W  1,  10 

s4 

B  28 

P 

985. 

M.  10.  Jhdt. 

W  1? 

987. 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

W  22, 

26 

T 

989. 

M. 

P  26 

IOO4. 

W.  10.  Jhdt. 

W  26, 

27 

D  5 

1012. 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

IOI4. 

W.  10.  Jhdt. 

W34 

D  1 

IO40. 

Brgr. 

P  12 

1062. 

W. 

FH 

W  22 

IO74. 

M.  10.  Jhdt. 

W  34 

IO76. 

M.  10.  Jhdt. 

B  10 

1081. 

W.  10.  Jhdt. 

W  10 

IO83. 

W.  10.  Jhdt. 

W  10, 

15 

IO84. 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

W  30 

IO9O. 

W.  10.  Jhdt. 

W  28, 

33 

1125B.  M.  10.  Jhdt.? 

p  19 

1 131- 

W.  10.  Jhdt. 

W  10, 

35 

1151. 

M.  9.  Jhdt.  ? 

s4 

sB 

p 

St  10 

11 59- 

W.  10.  Jhdt. 

FH 

Ausgr.  1934: 1.  W. 9. Jhdt. 

FH 

W  10 

s4 

BEILAGEN. 


I 

Mikroskopische  und  chemische  Untersuchungen , 

aus  geführt  von  Hjalmar  Ljungh,  Büroingenieur  der  Untersuchungsanstalt  der  staatlichen  Eisenbahnverwaltung , 

Stockholm. 

Flachs  und  Hanf 

FH  i.  Grab  465  A.  Zweibindiges  Gewebe. 

Das  Material  löst  sich  nicht  in  kochender  Kalilauge.  Es  besteht  also  nicht  aus  tierischen  Haaren.  Nachdem 
die  imprägnierenden  Eisensalze  mittels  Salzsäure  entfernt  worden  waren,  wurde  die  Untersuchungsprobe  in 
Alkohol  gewaschen.  Das  Garn  der  Probe  ist  sehr  ungleichmässig  gesponnen.  Der  Querschnitt  schwankt 
zwischen  0.6  und  0.1  mm.  Im  Mikroskop  liess  sich  feststellen,  dass  die  Garnfasern  aus  Flachs  bestehen.  Hin 
und  wieder  tritt  eine  Faser  auf,  die  den  Eindruck  von  Baumwolle  macht,  weil  sie  kein  Anzeichen  von  Knoten 
und  kleine  Verschiebungen  in  seitliche  Richtung  zeigt,  was  sonst  ein  charakteristisches  Kennzeichen  für 
Flachsfasern  ist;  trotzdem  sind  diese  Fasern  Flachs.  Ich  konnte  nämlich  völlig  gleichartige  Bildungen  in  Ab¬ 
fallflachs  nachweisen,  den  ich  einmal  an  einer  Anbaustelle  in  Ängermanland  herausgeholt  hatte. 

FH  3.  Grab  619.  Zweibindiges  Gewebe. 

Nach  sorgfältiger  Reinigung  in  verdünnter  Salzsäure  und  Wasser  erwies  sich  die  Untersuchungsprobe  als  ein 
verhältnismässig  dünnes  und  schütteres  Gewebe;  die  Stärke  des  Garnes  kann  auf  0.25  bis  0.30  mm  geschätzt 
werden.  Die  Stücke  sind  widerstandskräftig  gegen  alle  Lösungsmittel  für  tierisches  Textilmaterial.  Sie  sind 
also  vegetabilischen  Ursprungs.  Ihr  Garn  ist  aus  rund  70  weisslichen  Fasern  zusammengesetzt.  Die  mikro¬ 
skopische  Untersuchung  ergab  ein  Bild  von  durchscheinenden,  zylinderförmigen  oder  prismenförmigen  Fasern, 
die  hier  und  da  kleine  flache  Ausbuchtungen  und  charakteristische  Kniebildungen  aufweisen,  ein  Kennzeichen 
für  Flachs.  Zur  Sicherheit  wurde  das  aufgetrenselte  Ende  eines  Garnstückes  in  einen  Tropfen  Zeresin-Paraf¬ 
fin  eingeschmolzen,  durch  den  ein  Mikroskopschnitt  gelegt  wurde,  so  dass  die  Faserenden  in  der  Schnittfläche 
als  Tüpfelchen  erschienen.  Nach  Behandlung  mit  Jodlösung  und  Schwefelsäure  erschienen  die  Tüpfelchen 
blau  gefärbt  und  hier  und  da  mit  einem  vieleckigen  Querschnitt;  also  nicht  elliptisch-rund  wie  bei  Baumwolle 
oder  Hanf. 

FH  4.  Grab  837.  Undichtes  zweibindiges  Gewebe. 

Das  Gewebe  ist  zum  grossen  Teil  mit  einem  grünen  Belag  von  Kupfersalz  (Malachit)  überzogen.  Nachdem 
alle  Erdreste  und  F remdstoffe  vorsichtig  mit  warmer,  äusserst  schwacher  Säure  abgewaschen  worden  waren, 
kam  eine  hellbraune  Färbung  zum  Vorschein.  Die  Behandlung  mit  verschiedenen  Lösungsmitteln  erwies, 
dass  das  Garn  keine  Bestandteile  tierischen  Ursprungs  enthält.  Es  besteht  aus  einer  Anzahl  (40  bis  45  St.) 
Pflanzenfasern  in  einer  Stärke  von  20 — 55  /ll.  In  Kupferoxydammoniak  lösen  sich  die  Fasern  nicht,  werden 
aber  von  dieser  Flüssigkeit  blaugrünlich  gefärbt.  Die  völlige  Unlöslichkeit,  die  Färbung,  die  recht  beträchtliche 
Stärke  der  Fasern  und  ihre  nachweisbare  Tendenz,  sich  an  den  Enden  auf  charakteristische  Weise  aufzuspalten. 


BEILAGEN 


1 8 1 


zeigen,  dass  es  sich  hier  nicht  um  Baumwolle  oder  Flachs,  sondern  nur  um  Hanf  handeln  kann.  Dieser  Sach¬ 
verhalt  wird  auch  durch  das  Aussehen  des  Fasernquerschnittes  im  Mikroskop  bestätigt.  Der  Querschnitt  ist 
nämlich  nicht  wie  beim  Flachs  polyederartig;  er  ist  vielmehr  rund  oder  ellipsenförmig  mit  einem  grossen  und 
deutlichen  Mittelkanal. 

FH  5.  Grab  619.  Besonders  kleine  Fragmente  eines  dünnen  Gewebes. 

In  3%iger  Kalilauge  löst  sich  das  Material  nicht,  doch  schwellen  die  Fasern  etwas  auf.  Ebensowenig  löst  es 
sich  in  kochender,  konzentrierter  Salzsäure,  in  Zinkchlorid  oder  in  31  %  iger  kochender  Chromsäure.  Also 
ist  es  nicht  tierischer  Herkunft.  Kupferoxydammoniak  löst  nicht,  färbt  aber  braungrünlich.  Die  mikroskopische 
Untersuchung  weist  auf  Hanf  hin.  Irgend  eine  Färbung  —  ausser  der  durch  die  Erde  hervorgebrachten  — 
ist  nicht  zu  erkennen. 

FH  6.  Grab  847.  Sehr  geringfügiger  Geweberest. 

Die  Materialprobe  ist  widerstandsfähig  gegen  kochende,  starke  Salzsäure  —  ist  daher  nicht  Seide.  Ebenso¬ 
wenig  löst  es  sich  in  kochender  3%iger  Kalilauge  —  also  nicht  tierisches  Haar.  Kupferoxydammoniak  löst 
nicht  —  also  keine  Baumwolle;  es  zeigen  sich  aber  Quellungserscheinungen.  Diese  nebst  dem  mikroskopischen 
Bild  weisen  auf  Hanf  hin,  dessen  ursprüngliche  Farbe  vielleicht  bräunlich  war. 

Wolle . 

W  1.  Grab  834.  Sehr  grobes,  zweibindiges  Gewebe. 

Die  Wolle  ist  kräftig  und  sehr  grob  und  zeigt  im  Mikroskop  eine  auffallende  Ähnlichkeit  mit  der  Wolle  des 
sogen,  urschwedischen  Schafes.1 

1  Mit  dieser,  ein  wenig  unzutreffenden  Bezeichnung  ist  eine  Schafrasse  mit  einer  Wolle  von  vorwiegend  Grannen¬ 
haartypus  gemeint,  eine  zwar  nicht  ganz  einheitliche  Rasse,  die  lange  Zeit  überall  hierzulande  verbreitet  war,  bis  sie 
immer  mehr  durch  die  von  Jonas  Aiströmer  im  18.  Jahrhundert  eingeführte  spanische  Schafrasse  des  weich  wolligen 
Merinotypus  und  später  noch  mehr  durch  die  englischen  „Fleisch“- Schafe  verdrängt  wurde.  Die  alte  schwedische 
Rasse,  wovon  Reste  in  entlegenen  Gegenden  noch  weitergelebt  haben,  wurde  in  letzter  Zeit  von  Ingenieur  Wählstedt, 
Dala-Floda,  unter  befriedigenden  Verhältnissen  weiter  gezüchtet.  Die  zum  Vergleich  verwendete  Probe  wurde  von 
seiner  Schäferei  geliefert. 

W  3.  Grab  943.  Grobes,  zweibindiges  Gewebe,  braun. 

Das  dünnste  Garn  der  Probe  zählt  107  Wollhaare,  das  dickste  über  500.  Von  einer  ursprünglichen  Färbung 
der  Wolle  ist  nichts  zu  sehen.  Der  Querschnittsdurchmesser  der  Wollhaare  schwankt  beträchtlich:  zwischen 
10  und  80  fi.  Die  Mehrzahl  hält  sich  zwischen  30  und  50  fi.  Die  gröberen  Haare  etwas  dunkler.  Das  Aus¬ 
sehen  der  Wollhaare  zeigt  grosse  Ähnlichkeit  mit  der  sogen,  urschwedischen  Wolle,  obwohl  der  Charakter 
weniger  ausgeprägt  ist. 

W  7.  Grab  517.  Grobes  und  unregelmässiges,  vierbindiges  Gewebe. 

Der  Querschnitt  der  gemessenen  Wollhaare  schwankt  zwischen  20  und  75  fi ,  die  groben  wiegen  vor.  Eine 
Menge  Haare  sind  stark  angefault.  Andere  Haare  zeigen  jedoch  eine  guterhaltene  Epidermisstruktur,  die  an 
die  sogen,  urschwedische  Wolle  erinnert.  Eine  absichtliche  Färbung  des  Garnes  kann  nicht  nachgewiesen 
werden. 

W 10.  Grab  507.  Rautenköper. 

Das  Material  stimmt  mit  W  22,  W  20  und  W  37  überein,  siehe  unten. 

W  22.  Grab  837.  Feiner  Kettenrips  in  grünblauer  Farbe. 

Die  Wolle  ist  weiss  und  von  ganz  einheitlichem  Charakter.  Querschnitt  der  Wolle  17—50  fi.  Die  Spinn- 


BEILAGEN 


l82 

arbeit  ist  ausserordentlich  gleichmässig,  linksgezwirnt,  höchstens  40  Haare  per  Faden.  Färbung  wahrscheinlich 
mit  Färberwaid  (Isatis  tinctoria),  möglicherweise  mit  Färberwau  (Reseda  luteola)  erfolgt. 

Die  Probe  löst  sich  rasch  in  heisser,  3  %  iger  Kalilauge:  also  keine  Pflanzenfasern  vorhanden.  Aber  sie 
löst  sich  ebenfalls,  wenn  auch  nicht  so  rasch,  in  kochender  Salzsäure  (spezifisches  Gewicht  1.12)  und  erstaun¬ 
lich  rasch  in  kalter  3i%iger  Chromsäurelösung.  Dies  würde  daraufhindeuten,  dass  das  Material  der  Probe 
aus  einer  Art  Seide  besteht,  um  so  mehr  als  konzentriertes  Ammoniak  keinen  auf  Wolle  deutenden  Schup¬ 
penbelag  unter  dem  Mikroskop  zum  Vorschein  kommen  lässt,  sondern  statt  dessen  das  Material  rasch  zer¬ 
setzt  und  auflöst.  Indessen  kann  man  durch  vorsichtige  Behandlung  der  Probe  mit  10%  iger  Kaliumkarbonat¬ 
lösung  eine  deutliche  Wollschuppenstruktur  bei  einer  grossen  Menge  der  Haare  zum  Vorschein  bringen, 
zum  Beweis,  dass  sie  wirkliche  Wollhaare  sind.  Die  hier  berichteten  eigentümlichen  Verhältnisse  wirken  bei 
der  Beurteilung  von  derartigen  alten,  gefärbten  Wollmaterialien  leicht  verwirrend.  Sie  machen  ein  beson¬ 
ders  angepasstes  Untersuchungsverfahren  für  solche  Objekte  dringend  nötig  (z.  B.  bei  den  Proben  W  22  und 

w37). 

Die  Färbemethode  Hess  sich  auf  folgende  Weise  bestimmen.  Eine  entsprechende  Menge  grünen  Woll¬ 
garns  wurde  zu  Flocken  auseinandergezupft  und  in  eine  Probierröhre  gelegt,  dann  mit  Phenol  in  Kristallform 
(Schmelzpunkt  41 0  C.)  bedeckt.  Die  Röhre  wurde  eine  Stunde  in  kochendes  Wasser  gehängt  (hie  und  da 
geschüttelt).  Die  Phenollösung  verfärbte  sich  hierbei  kräftig  blau,  besonder  nach  Zusatz  von  Äthanol,  ein 
Zeichen  für  das  Vorhandensein  von  Indigo,  doch  nicht  von  dem  Charakter,  den  die  Farbe  durch  die  Indigo- 
Pflanze  erhält,  sondern  der  auf  Isatis  tinctoria  (Färberwaid)  hinweist.  Nachdem  der  blaue  Farbstoff  auf  diese 
Weise  herausgezogen  wurde,  erwies  sich  die  Wolle  als  goldfarbig.  Auch  dieser  gelbe  Farbstoff  konnte  heraus¬ 
gelöst  werden  und  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  auf  Färberwau  (Reseda  luteola)  zurückgeführt  werden. 

W  20.  Grab  660.  Feiner  dreibindiger  Köper  mit  Rautenmuster. 

Die  Wolle  ist  im  Grossen  und  Ganzen  feinhaarig,  aber  doch  von  wechselndem  Feinheitsgrad.  Die  Schuppen¬ 
bildung  der  Haare  ist  undeutlich.  Das  Garn  ist  linksgesponnen,  besonders  fein  und  ebenmässig.  Im  Mikroskop 
ist  die  Blaufärbung  recht  ungleichmässig,  wahrscheinlich  durch  Färberwaid  erreicht. 

W  32.  Grab  847.  Grobes  Ripsgewebe  in  dunkler  Farbe. 

Die  Wolle  ist  so  stark  von  Erdsäuren  angegriffen  (saure  Reaktion),  dass  nur  sehr  sporadisch  einige  Haare  ihre 
charakteristische  Struktur  beibehalten  haben,  jedoch  nur  stückweise.  Die  ursprüngliche  Farbe  ist  längst  ver¬ 
wandelt  und  ganz  herausgelöst,  sodass  die  braune  Erdfarbe  jetzt  allein  vorherrscht.  In  der  Wolle  findet  sich 
eine  beträchtliche  Menge  grober,  teilweise  markführender  Haare,  vermengt  mit  einer  überwiegenden  Zahl  von 
mittelstarken  und  feinen  Wollhaaren  ohne  Markkanal.  Es  ist  anzunehmen,  dass  die  Wolle  mit  Nachlässigkeit 
sortiert  wurde.  Die  noch  an  manchen  Stellen  erhaltenen  Schuppen  weisen  nicht  auf  eine  bestimmte,  charak¬ 
teristische  Schafrasse  hin. 

W  37.  Grab  515.  Mittelstarker,  vierbindiger  Köper,  blau. 

Die  Wolle  zeigt  unverkennbare  Ähnlichkeit  mit  der  Probe  W  20.  Wahrscheinlich  mit  Färberwaid  gefärbt. 
Das  Garn  ist  gleichmässig,  obwohl  gröber  als  in  der  Probe  W  20,  links-  und  rechtsgesponnen. 

W  42.  Grab  51  i.  Kräftig  gewalkter,  mittelstarker,  vierbindiger  Köper,  grünblau. 

Die  Wolle  ist  nicht  besonders  grob.  Der  Querschnitt  zwischen  12  und  35  \i ,  durchschnittlich  28  \i .  Die 
feinsten  Haare  haben  sich  am  besten  erhalten,  während  die  gröberen  oft  von  Fäulnis  angegriffen  sind.  Die 
Schuppenstruktur  weist  nicht  auf  die  Wolle  der  „urschwedischen“  Schafrasse  hin.  Das  rechtsgesponnene  Garn 
hat  an  einigen  Stellen  eine  schwache  rötliche  Schattierung,  doch  wieweit  dies  ursprünglich  ist,  lässt  sich  nicht  ent¬ 
scheiden.  Auch  im  übrigen  Garn  ist  eine  gewisse  Ungleichmässigkeit  in  der  Farbennuance  zu  erkennen  —  an 
manchen  Stellen  überwiegt  die  gelbe  Komponente,  an  manchen  Stellen  die  blaue  —  sogar  bei  einem  und 


BEILAGEN  I  8  3 

demselben  Haar.  Die  grüne  Farbe  wurde  offenbar  hinzugeführt,  nachdem  das  Garn  schon  zu  Stoff  verwebt 
worden  war. 

M  1.  Grab  597.  Untersuchungsprobe  der  Kette  und  des  verschieden  gefärbten  Schusses,  letzterer  in  gelb¬ 
grauem,  rötlichem  und  blaugrünem  Farbenton. 

Das  Garn  ist  rechtsgezwirnt.  Die  Kette  enthält  gröberes  Haar  als  der  Schuss,  Durchmesser  zwischen  15  und 
16  fi.  Unbeschädigte  Haare  Hessen  sich  in  der  kleinen  Probe  nicht  auffinden.  Auch  im  Schuss  sind  die  Woll- 
haare  sehr  beschädigt.  Die  Stärke  wechselt  zwischen  7 — 38  ft.  —  Infolge  der  weit  fortgeschrittenen  Zer¬ 
störung  der  äusseren  Teile  der  Wollhaare  ist  es  nicht  möglich,  über  die  Herkunft  der  Wolle  auch  nur  die  gering¬ 
ste  Vermutung  zu  äussern.  Bemerkenswert  ist  jedoch,  dass  das  Schussmaterial  besonders  feinwollig  ist.  Die 
Untersuchung  der  übriggebliebenen  Farbe  mit  Hilfe  verschiedener  Säuren  (wie  Salzsäure,  Ameisensäure  und  Bi- 
sulfite)  und  Basen  (Ammoniak,  Kalilauge  usw.)  deutet  daraufhin,  dass  die  rote  Farbe  mit  Krapp  erzielt  wurde. 

M  4.  Grab  660.  Grober  Rips,  Grundgewebe  der  „Krabbasnärdecke“. 

Die  Wollhaare  befinden  sich  in  einem  sehr  zerstörten  Zustand.  Teils  sind  sie  stark  von  Fäulnis  angegriffen, 
teils  auch  sehr  abgenützt,  stellenweise  bis  zur  halben  Stärke.  Querschnitt  nur  10 — 37  ft.  Nach  vorsichtiger 
Behandlung  mit  verdünnter  Chromsäurelösung  war  es  möglich,  im  Mikroskop  Haare  mit  erhaltenen  Epider- 
misschuppen  zu  finden.  Diese  umgeben  das  Haar  so  wie  bei  der  Wolle  der  Merinos.  Die  geringe  Stärke  der 
Haare  zeigt  ebenfalls  Übereinstimmung  mit  der  Merinowolle.  Die  ursprüngliche  Farbe  der  Wolle  ist  weiss. 
Bei  den  nur  wasserbehandelten  Haaren  lassen  sich  im  Mikroskop  einzelne  blaugefärbte  Partien  von  wechseln¬ 
der  Intensität  nachweisen. 


Ungesponnene  Wolle  und  andere  Haare . 

Du.  Grab  750.  Zusammenhängende  Stränge  ungesponnener  (?),  vorwiegend  rauher  Wolle  in  verschiedenen 
F  arbenschattierungen. 

Die  Wolle  stammt  zweifellos  von  Schafen.  Doch  bezüglich  der  Rasse  kann  nichts  Bestimmtes  gesagt  werden. 
Die  Epidermisschuppenstruktur  hat  keine  direkte  Ähnlichkeit  mit  der  mehrmals  erwähnten  Eigenart  der  sogen, 
ursch wedischen  Rasse. 

Der  Durchmesser  der  grünschwarzen  Haare  hält  sich  ungefähr  auf  40  fi  und  steigt  nur  in  Ausnahmsfällen 
über  50  fi.  Die  Grünfärbung,  die  an  und  für  sich  äusserst  dunkel  ist,  ist  nicht  gleichförmig.  Hier  und  da  geht 
sie  in  Orangegelb  über,  an  anderen  Stellen  in  Dunkelblau.  Die  Epidermisschuppenstruktur  scheint  hier  mehr 
von  der  „urschwedischen“  Wolle  abzuweichen  als  die  der  roten  und  schwarzbraunen. 

Der  Durchmesser  der  roten  und  schwarzbraunen  Haare  ist  grösser,  35 — 80  fi.  Ausser  eindeutig  ganz  roten 
Haaren  gibt  es  Haare,  die  an  dem  einen  Ende  rot  und  am  andern  schwarz  sind.  Es  sieht  aus,  als  ob  eine  Reihe 
von  roten  Haaren  mittels  Eichenlohe  und  irgendeinem  Eisenoxydsalz  schwarz  gefärbt  worden  wäre.  Versucht 
man  die  Haare  in  Wasserstoffsuperoxyd  zu  bleichen,  färben  sie  sich  deutlich  blau.  —  Ausserdem  gibt  es  kleine 
Gruppen  irgendeines  dünneren  Haares  in  gelblich  rostroter  Farbe,  deren  Oberflächenstruktur  wenig  von  den 
gröberen  roten  Haaren  abweicht. 

Grab  942.  (Kap.  XI.)  Wolle  in  Flocken,  stark  zusammengepresst. 

Die  mikroskopische  Untersuchung  ergibt,  dass  die  Probe  aus  Schafwolle  in  einer  Mischung  von  feinen  Haaren 
mit  groben  Grannenhaaren  besteht. 

Grab  956.  (Kap.  XI.)  Haar  in  Klumpen  mit  Erde. 

Nach  einer  24-stündigen  Behandlung  mit  schwacher  Salzsäure  bei  Zimmertemperatur  konnte  eine  Menge 
rotbrauner  Haare  und  Hautfragmente  abgeschieden  werden.  Nach  der  Reinigung  Hessen  sich  die  Haare  unter 
dem  Mikroskop  als  Biberhaare  bestimmen. 


184 


BEILAGEN 


Seide . 

S  1.  Grab  824.  Seidentaft. 

Die  ganze  Probe  war  nur  so  gross,  dass  sie  im  Gesichtsfeld  des  Mikroskopes  bei  geringer  Vergrösserung  (50- 
fach)  Platz  fand.  Es  zeigte  sich,  dass  Kette  und  Schuss  aus  derselben  Sorte  Garn  hergestellt  waren,  und  zwar 
aus  etwa  150  Kokonfäden,  die  nicht  gezwirnt,  sondern  lediglich  lose  zusammengedreht  waren.  Die  inneren, 
geschützteren  Fasern  des  Garnes  besassen  noch  die  vermutlich  absichtlich  beigebrachte  goldgelbe  Farbe.  Bei 
starker  Vergrösserung  sieht  man,  besonders  an  mechanisch  beschädigten  Stellen  wie  z.  B.  an  den  Enden, 
dass  die  Kokonfäden  ihre  natürliche  Struktur  behalten  haben,  sodass  sich  die  beiden  Fibroinfäden  noch  immer 
in  der  schützenden  Serizinhülle  befinden.  Also  ist  es  Rohseide,  d.  h.  nicht  abgebastete  Seide.  Zur  Bestätigung 
der  Echtheit  des  Seidenmaterials  wurde  die  kleine  Probe  zerteilt  und  mikrochemisch  untersucht.  Die  ver¬ 
schiedenen  Reaktionen  ergaben  als  positives  Resultat:  die  Seide  ist  echt,  ohne  Beimengung  fremden  Materials. 

S  2.  Grab  660.  Dünnes,  ungewöhnlich  flaches,  zweibindiges  Gewebe  in  erdbrauner  Farbe. 

In  der  einen  Richtung  des  kleinen  Probestückes  (10  X20  mm)  sind  die  Fäden  ziemlich  eben  und  bestehen  aus 
etwa  70  Fasern.  Die  dagegen  senkrechten  Fäden  zeigen  bezüglich  ihrer  Stärke  eine  besondere  Unordnung. 
Dünne  Fäden  mit  nur  10  Fasern  findet  man  mit  dicken,  etwa  50  Fasern  enthaltenden  Fäden  beisammen. — 
Das  Material  löst  sich  rasch  in  3%iger  kochender  Lauge  mit  Ausnahme  einiger  herumschwimmender,  recht 
unberührter  Pflanzenfasern.  Ebenso  verhält  es  sich  mit  kochender  3i%iger  Chromsäure.  Beim  Kochen  in 
konzentrierter  Salzsäure  hinterlässt  das  Material  überdies  eine  Menge  kleiner  Serizin-Schläuche.  Es  besteht 
daher  aus  echter  Seide,  die  nicht  veredelt  wurde.  Einige  sporadische  Flachsfasern  können  zweifellos  als  un¬ 
absichtlich  beigemengt  betrachtet  werden. 

Die  Probe  besteht  demnach  aus  echter  Seide,  die  nicht  entbastet  wurde,  mit  anderen  Worten  aus  Rohseide. 
In  stark  wechselnder  Anzahl  klebten  die  Kokonfäden  zu  einem  recht  ungleichförmigen  Garn  zusammen,  das 
ohne  weiters  zum  Weben  verwendet  wurde.  Aus  guten  Gründen  wage  ich  anzunehmen,  dass  das  Gewebe  in 
der  Nähe  des  Haspelplatzes  hergestellt  wurde. 

S  3.  Grab  944.  Durch  BindungseflFekte  gemusterte  Seide  in  brauner  Schattierung. 

Das  Seidengarn  löst  sich  langsam  in  Kupferoxydammoniak,  dagegen  leicht  und  rasch  in  kochender  Salzsäure. 
Kocht  man  ein  Stück  der  Probe  in  verhältnissmässig  schwacher  Säure,  so  wird  das  Fibroin  in  kurzer  Zeit  recht 
vollständig  aus  den  Seidenfasern  herausgelöst  und  man  hat  eine  Menge  schlauchähnlicher  Gebilde  ungelösten 
Serizins  übrig,  die  in  der  Lösung  herumschwimmen  oder  fortwährend  in  Form  von  Kette  und  Schuss  Zusam¬ 
menhängen.  Manche  dieser  losen  Schlauchstücke  sind  der  Länge  nach  aufgeschlitzt,  sodass  sie  in  Glyzerin 
unter  dem  Objektglas  gelegt,  sich  beim  Fingerdruck  in  der  Ebene  ausbreiten  lassen  und  dadurch  3.14  Mal 
breiter  erscheinen.  Beim  Aufhören  des  Druckes  nehmen  sie  ihre  ursprüngliche  Zylinderform  wieder  an. 
Wenn  auch  unmöglich  jetzt  genau  zu  entscheiden,  so  scheint  es,  als  ob  das  eine  Fadensystem  blaugefärbt 
gewesen  wäre. 

S4.  Grab  524.  Gewöhnlicher  Doppelköper. 

Die  Probe  wurde  längere  Zeit  mit  verdünnter  Salzsäure  gereinigt.  Ein  Stückchen  wurde  in  3i%iger  Chrom¬ 
säurelösung  gekocht.  Das  Stückchen  löste  sich  beinahe  vollständig  in  weniger  als  einer  Minute.  Versuche  mit 
anderen  Lösungsmitteln  bestätigten  ebenfalls,  dass  die  fragliche  Probe  nicht  aus  Wildseide  besteht,  sondern 
ganz  und  gar  aus  echter  Seide  (vom  Maulbeerspinner).  Die  Seide  ist  offenbar  einer  gewissen  Entbastung  unter¬ 
worfen  worden,  obwohl  das  Serizin  dadurch  nicht  völlig  beseitigt  wurde.  Die  mikroskopische  Untersuchung 
bestätigte  dieses  und  erwies  ausserdem  die  vollständige  Abwesenheit  von  Tierhaaren.  Sporadisch  tritten  einige 
Flachsfasernfragmente  als  Verunreinigung  auf.  —  Nach  allem  zu  urteilen,  hatte  die  Seide  früher  eine  gold¬ 
gelbe  Farbe.  Das  Kettengarn  ist  dünn  und  straff  gesponnen.  Das  Schussgarn  ist  dagegen  dick  und  sehr  lose 
gesponnen. 


BEILAGEN 


185 


B  1.  Grab  963.  Verschiedene  Seidenfäden  von  einem  breiten  Band  mit  broschiertem  Muster. 

Bei  der  Reinigung  im  Wasser  flössen  ungefähr  0.2  mm  dicke  Fasern  an  die  Oberfläche.  Sie  ergaben  mit  Jod 
und  Schwefelsäure  eine  kräftige  Blaufärbung,  ein  Zeichen  für  Zellulose.  Sicherlich  hat  man  hier  mit  zufälliger 
Beimischung  von  Pflanzenresten  zu  tun.  Der  grösste  Teil  der  Probe  besteht  aus  gewöhnlicher  Seide,  in  Form 
eines  kräftigen  Garnes  (ungef.  150  Fasern),  zum  Teil  rotgefärbt.  Die  einzelnen  Fasern  sind  hier  etwas  gröber 
als  gewöhnlich  und  zeigen  an  der  Oberfläche  eine  ausgesprochene  Ritzenbildung,  die  so  stark  ausgeprägt  ist, 
dass  man  vermuten  möchte,  dass  irgendeine  Wolle  hier  vorliege.  Die  vorgeblichen  „Haare“  lösen  sich  ausser¬ 
dem  in  Natronlauge.  Die  Lösung  wird  aber  nicht  durch  Nitroprussidnatrium  gefärbt  und  nicht  durch  Blei- 
azetat  geschwärzt.  Es  können  demnach  keine  Tierhaare  sein.  Die  Fasern  lösen  sich  auch  leicht  in  kochender 
Salzsäure  und  noch  leichter  (in  V4  Minute)  in  3i%iger  Chromsäurelösung:  sie  bestehen  offensichtlich  aus  ech¬ 
ter  Seide.  Vermutlich  ist  es  sogen.  Florettseide  mit  angegriffener  und  zerplatzter  Serizinhülle.  Der  dicke  Sei¬ 
denfaden  ist  wahrscheinlich  gesponnene  Seide,  die  nicht  vom  Kokon  abgehaspelt  werden  konnte.  Wären  näm¬ 
lich  hier  vollständige,  aber  vom  Schmetterling  selbst  zerrissene  Kokons  verwendet  worden  —  wie  in  Indien  — 
so  hätten  fehlerfreiere  und  schönere  Seidenfasern  in  grösseren  Mengen  vorhanden  sein  müssen. 

Die  Probe  besteht  folglich  aus  echter  Seide,  teils  gehaspelt  (für  das  Grundgewebe),  teils  gesponnen  (in  ver¬ 
schiedenen  Farben  für  das  Muster).  Das  Mittel  zum  Rotfärben  der  Florettseide  war  wohl  —  Reaktionen  und 
allem  nach  zu  urteilen  —  Krapp.  Infolge  des  starken  Serizingehaltes,  der  die  Färbung  erschwert,  ist  die  Seide 
ungleichmässig  gefärbt. 

B  11.  Grab  943.  1  Stück  Brettchenband  mit  Schuss  aus  Silberdraht. 

Der  zum  Schuss  verwendete  Silberdraht  ist  teilweise  stark  korrodiert,  teilweise  gut  erhalten.  Das  Silber  enthält 
nachweislich  einen  geringen  Zusatz  von  Kupfer.  Das  Kettenmaterial  besteht  aus  Kokonfasern,  die  aufgehaspelt 
wurden.  Zur  Erreichung  genügender  Stärke  und  Festigkeit  des  Garnes  wurden  dann  die  so  erhaltenen  Fäden 
gezwirnt.  Infolge  des  Vorhandenseins  der  Silbersalze  ist  die  Struktur  der  Fasern  sehr  gut  bewahrt,  obwohl 
gleichzeitig  die  Bestimmung  der  ursprünglichen  Farbe  sehr  erschwert,  beinahe  unmöglich  gemacht  wurde. 


II 


Mikroskopische  Untersuchungen  verschiedener  Fasern, 

durchgeführt  von  Dozent  I.  Arwidsson  an  der  Universität  Uppsala  im  Frühling  1933. 


Grab  507. 
»  557- 

»>  539- 

»  597. 


*  597» 

*  597» 

»  619. 

*  731- 

»  736- 


Eichhörnchenfell. 

Die  dickere  Partie:  Marderfell. 

Die  dünnere  Partie:  wahrscheinlich  Marder,  schlecht  erhalten. 

Biberfell. 

Feder  von  Ente  (Farn.  Anatidae). 

Nebstbei  gesponnener  Faden;  der  Faden  scheint  aus  einzelnen  Wollhaaren  und  Fasern  unbe¬ 
kannter  Art,  wahrscheinlich  Pflansenfasern,  zu  bestehen.  In  einem  besonderen  Präparat  sind 
Wollhaare  (von  einem  gesponnenen  Faden?)  wiederzu finden;  Durchmesser  der  Wollhaare 
(9—)  20—36  fi. 

a.  Gesponnener  Faden,  wahrscheinlich  aus  Pflanzenfasern.  Durchm.  bis  zu  40  fx.  Hanf? 

b.  Schafwolle,  nicht  gesponnen,  noch  am  Fell  sitzend?  Durchm.  der  Wollhaare  11 — 25 — 30  [i. 
Biberfell. 

Teils  gesponnener  grober  Wollfaden;  Durchm.  d.  Wollhaare  20 — 50  fxy  teils  Schafwolle,  wahr¬ 
scheinlich  am  Fell  sitzend,  auf  jeden  Fall  ungesponnen;  Durchm.  d.  Wollhaare  (8 — )n — 50  [x . 
Gesponnener  grober  Wollfaden;  Durchm.  der  Wollhaare  15 — 40  fx. 


1 86 


BEILAGEN 


Grab  750.  Gesponnener  grober  Wollfaden;  Durchm.  d.  Wollhaare  20 — 50  fx. 

»  750,  a.  Gesponnener  grober  Wollfaden;  Durchm.  d.  Wollhaare  (15 — )30 — 40 — 60  fx 


00 

La 

Feder  von  Ente  (Fam.  Anatidae)  in  Form  eines  flachen  Klumpens;  an  der  Oberfläche  der  Federn¬ 
masse  waren  teils  Reste  eines  Seidengewebes  (laut  Angabe),  teils  Reste  gesponnenen  groben 
Wollfadens  zu  finden;  Durchm.  d.  Wollhaare  25 — 40  [x . 

»  838. 

»  839. 

*  943- 

»  956. 

»  968. 

Fasern,  deren  Innenwände  fein  grübchenförmig  erscheinen:  Pflanzenfasern?  Vgl.  597,  a. 
Recht  feines  Wollgewebe;  Durchm.  d.  Wollhaare  15 — 2o( — 30)  \,i. 

Grobes  Wollgewebe;  Durchm.  d.  Wollhaare  (15 — )20 — 30 — 40 — 70  jx . 

Wollfäden;  Durchm.  d.  Wollhaare  (15 — )i8 — 20 — 30 — 50 — 60  \x. 

Oben:  feineres  Wollgewebe;  Durchm.  d.  Wollhaare  15 — 20 — 45  fx. 

Darunter:  gröberes  Wollgewebe;  Durchm.  d.  Wollhaare  (11 — )i5 — 60  fx. 

Biberfell. 

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- ,  siehe  Post,  L.  von. 


KORREKTUREN. 


s. 

16, 

Zeile 

IO  V. 

0. :  statt 

zum  Sticken 

richtig  für  Stricke 

s. 

23, 

» 

9  v. 

u. :  » 

IO 

» 

5 

s. 

48, 

» 

9  v- 

0.:  » 

8 

» 

18 

s. 

62, 

» 

31  v- 

0. :  » 

16 

» 

Abb.  16 

s. 

95> 

Fussnote  1 : 

» 

183 

» 

18 

s. 

105, 

» 

2 : 

» 

Bj  elvretschenskaj  a 

» 

Bjelorjetschenskaj 

s. 

in, 

Zeile 

2  V. 

0. :  » 

St  16 

» 

St  15 

s. 

15°, 

» 

I  I  V. 

0. :  » 

Ibn  Dast 

» 

El  Balkhi 

s. 

165, 

» 

13  v. 

0. :  zusammenhängenden  fällt  aus. 

LITERATURVERZEICHNIS 


I9I 

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S.  H.  M.  =  Statens  Historiska  Museum,  Stockholm. 


Taf.  I 


Grab  835  und  517 


l/j  nat.  Gr, 


Taf.  2 


1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


i.  Grab  943. 


2.  Grab  523.  —  3.  Grab  978.  —  4.  Grab  523.  —  5.  Grab  465  A. 
6.  Ausgrabung  1934,  Grab  I.  —  7—8.  Grab  539. 

7i  nat.  Gr. 


Taf.  3 


Grab  466,  FH  9.  —  2.  Grab  465,  FH  1.  —  3.  Grab  466,  FH  2.  —  4.  Grab  619,  FH  3. 
5.  Grab  757.  —  6.  Grab  757,  FH  7.  —  7.  Grab  619,  FH  5. 

8.  Grab  97,  D  10.  —  9.  Grab  1062. 


Nr.  1-7  7, 


Taf.  4 


i.  Grab  523,  W  10,  a.  —  2.  Grab  521,  W  10,  e.  —  3.  Grab  507,  W  10,  i.  —  4.  Grab 
465  B,  W  12.  —  5.  Grab  602,  W  13.  —  6.  Grab  825,  W  11. 

2/i  nat.  Gr.  Die  Pfeile  bezeichnen  die  Kettenrichtung. 


Taf.  5 


i.  Grab  521,  W  14.  —  2.  Grab  839,  W  18.  —  3.  Grab  838,  W  17.  —  4.  Grab  71 1  A,  W  15. 
5.  Grab  466,  W  1 6,  D  6.  —  6.  Grab  838,  W  10,  g,  D  4  und  St  4.  —  7.  Grab  973,  W  10,  Di. 

Nr.  1—5  7i>  Nr.  6  u.  7  2/i  nat.  Gr. 


Taf.  6 


i .  Grab  837,  W  22.  —  2.  Grab  987  (W  22).  —  3.  Grab  987,  W  26.  —  4.  Grab  847,  W  32. 
5.  Grab  1090,  W  28.  —  6.  Grab  973,  W  30.  —  7.  Grab  954,  W  24,  D  2. 

8.  Grab  1090,  W  33.  —  9.  Grab  962,  B  25. 

Nr.  1 — 8  ’/j,  Nr.  9  2/i  nat.  Gr. 


Taf.  7 


i.  Grab  955,  W  8 
5.  Grab  834,  W  1. 


—  2.  Grab  524,  W  5.  —  3.  Grab  904,  W  2. 

—  6.  Grab  517,  W  7.  —  7.  Grab  539,  W  10,  h. 

Nr.  1 — 7  Yi>  Nr.  8  2/i  nat.  Gr. 


—  4.  Grab  943,  W  3. 

—  8.  Grab  466,  W  16. 


Taf.  8 


x.  Grab  602,  W  35.  —  2.  Grab  515,  W  37.  —  3.  Grab  620,  W  41.  —  4.  Grab  1014,  W  34. 
5.  Grab  949,  W  45.  —  6.  Grab  510,  W43.  —  7.  Grab  949,  W  40. 

8.  Grab  894  A,  W  38.  —  9.  Grab  51 1,  W42. 

7i  nat.  Gr. 


Vaf.  9 


i.  Grab  739,  M  2.  —  2.  Grab  597,  Mi.  —  3.  Grab  739,  M  2.  —  4.  Grab  825,  M  3. 

Nr.  1—3  1/1,  Nr.  3  a  und  4  2/1  nat.  Gr. 


Taf.  io 


Grab  597,  M  1 


3/ä  nat.  Gr. 


Taf.  i  i 


i — 3.  Grab  660,  M  4  von  Vorder-  und  Rückseite.  —  4.  Grab  739,  M  5. 
5.  Grab  735,  M  6.  —  6.  Grab  968,  M  8.  —  7.  Grab  943,  M  7. 

Nr.  3  und  4  2/i  nat-  Gr.,  die  übrigen  ‘/x- 


TaF.  I  2 


1 


2 

i.  Grab  464,  S  4.  —  2.  Grab.  944,  524  u-  944?  S  4,  b,  c  u.  d,  von  Rückseite 

und  Vorderseite  gesehen. 

Nr.  1  3/2,  Nr.  2  2/i  nat.  Gr. 


Taf.  13 


2 


2  3 


4 


i .  Grab  944,  S  5.  —  2.  Grab  660,  S  2.  —  3.  Grab  824,  S  1 .  —  4.  Grab  944,  S  3. 

2/j  nat.  Gr. 


Taf.  14 


Grab  735 


V,  nat.  Gr, 


Taf.  15 


Grab  7 35.  —  */,  nat.  Gr. 


fkJy 


Vaf.  16 


Grab  963,  B  1 


1/1  nat.  Gr.  Rekonstr.  Taf.  25:  5 


Taf.  i  7 


4 

—  2.  Grab  86i?  B  16.  —  3.  Grab  569,  B  4.  —  4.  Grab  571,  B  24. 
2/i  nat.  Gr. 


1.  Grab  965,  B  6  u.  7. 


Taf.  i  8 


4 

i — 3.  Grab  7 35,  B  20;  3.  von  hinten.  —  4.  Teilaufnahme  z.  Taf.  15. 

Nr.  1  1/i,  Nr.  2 — 4  2/i  nat.  Gr. 


Taf.  i  9 


i.  Grab  824,  B  2,  a  u.  b.  —  2.  Grab  855,  B  9.  —  3.  Grab  977,  B  8. 
4.  Grab  735,  B  13.  —  5.  S.  H.  M.  Inv.  Nr.  15448:2,  B27. 

2/i  nat.  Gr. 


Taf.  20 


3 

i.  Grab  977,  B  5>  von  beiden  Seiten.  —  2.  Grab  823,  B  15,  dito. 

3.  Grab  903,  B  3. 

2/x  nat.  Gr. 


TaF.  2  I 


B23, 


2 

2.  Grab  735,  B  18,  S  4,  St  3.  —  3.  Grab  643,  B  23,  c. 
J/i  nat.  Gr. 


I 


Grab  750, 


a. 


TaF.  22 


i.  Grab  965,  B  6—7.  —  2.  Grab  943,  B  21.  —  3-4.  Grab  965,  B  19. 

Nr.  1  7i>  Nr.  3—4  2/i  nat.  Gr. 


Taf.  23 


1 


2 


3 


1.  Grab  735,  B  17.  —  2.  Grab  824,  B  22.  —  3.  Grab  943,  B  1 1 

5.  Grab  1076,  B  10. 

2/j  nat.  Gr. 


5 

4.  Grab  845,  B  14. 


Taf.  24 


rh rri w»f  irirmrn*?}"  r  ’• 


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5 

1.  S.  H.  M.  Inv.  Nr.  18401,  Alvastra.  —  2.  S.  H.  M.  Inv.  Nr.  14360,  Visby. 
3.  Dom  v.  Sens,  Grab  des  Erzbischofs  Pierre  de  Charny. 

4—5.  Wien,  Mus.  f.  Kunst  u.  Industrie. 

Nr.  1—4  7i,  Nr.  5  etwa  3/i  nat.  Gr. 


Taf.  25 


1—2.  Grab  825,  B  26  von  beiden  Seiten  —  2/x  nat.  Gr.  —  3—7.  Rekonstruktionsmodelle: 
zu  3  vgl-  Taf.  20:  1  u.  3;  zu  4  Taf.  22:  2;  zu  5  Taf.  16;  zu  6 — 7  Taf.  36. 


Taf.  2  6 


i.  Grab  798,  P  2.  —  2.  Grab  798,  P  1.  —  3.  Grab  886,  P  3.  —  4.  Grab  520,  P  10,  a. 

5.  Grab  832,  P  10. 

Nr.  1—3  2/1;  Nr.  4—5  '/i  nat.  Gr. 


Taf.  27 


1  2  3  4  5  6 

1.  Grab  736,  P  8.  —  2.  Grab  524,  P  7.  —  3.  Grab  542,  P  5.  —  4.  Grab  644,  P  4. 

5.  Grab  710,  P  6.  —  6.  Grab  957,  P  10,  b. 

Nr.  1 — 4  etwas  verkleinert,  Nr.  5—6  1/1  nat.  Gr. 


Taf.  28 


1.  Grab  1125,  P  19.  —  2.  Grab  520,  P  20.  —  3.  Grab  944?,  P  15.  —  4.  Grab  1040,  P  12. 
5.  Grab  643,  P  9.  —  6—7.  Grab  524,  P  7,  P  16.  —  8-9.  Grab  561,  P17,  P  23. 
10.  Grab  989,  P  26.  —  1 1.  Grab  138,  P  25.  —  12.  Grab  181,  P  24.  —  13.  Grab  327,  P  24. 

14.  Grab  832,  P  1 8. 

Nr.  1,  2,  4,  5  2/i  Hat.  Gr.,  Nr.  3,  6-9,  10—13  3L>  Nr.  14  ’/i- 


Taf.  29 


1 


Grab  944,  P  11,  b  und  a.  —  */i  nat.  Gr. 


Taf.  30 


1.  Grab  750,  St  1.  —  2.  Grab  944,  St  2  und  P  11.  —  3.  Grab  731,  St  1,  b. 

Nr.  1  u.  3  1/1,  Nr.  2  2/x  nat.  Gr. 


Taf.  31 


1.  Grab  886,  St  6.  —  2.  Grab  573,  St  7.  —  3.  Grab  58  1,  St  12.  —  4—5.  Grab  559, 
St  13.  —  6.  Grab  964,  St  20.  —  7—9-  Grab  366,  St  11.  —  10.  S.  H.  M.  Inv.  Nr. 
16171,  Adelsö,  St  32.  —  1 1.  Dito,  St  33.  —  12.  Grab  524,  St  25.  —  13.  Grab  557,  St  14. 
Nr.  1,  2,  10—12  2/x  nat.  Gr.,  Nr.,  3—9  u.  13  3/x. 


Taf.  32 


6  7 

1.  Grab  624,  St  5.  —  2.  Grab  886,  St  6.  —  3.  Grab  573,  St  7.  —  4.  S.  H.  M.  ohne  Nr., 
St  15,  b.  —  5.  S.  H.  M.  Inv.  Nr.  2203,  St  1 5,  c.  —  6.  Museum  Visby,  St  15,  a,  von  beiden 

Seiten.  —  7.  Finnlands  Nationalmuseum. 

Nr.  1  -5  u-  7  7i,  Nr.  6  2/i  nat.  Gr. 


Taf.  33 


2 


5  6  7 


i.  Grab  514,  St  9.  —  2.  Grab  1 151,  St  10.  —  3—4.  Gräber  1074,  517  u.  854,  Bronzeknöpfe. 
5.  Grab  644,  Silberbeschlag  einer  Seidenmütze.  —  6.  Grab  557,  P  27.  —  7.  Grab  465  A,  D  3. 

Nr.  1,  2  u.  7  2/u  Nr.  3—6  1/1  nat.  Gr. 


Taf.  34 


i — 2.  Grab  581,  St  22—23.  —  3-  Grab  750,  St  28.  —  4.  Grab  731,  St  19.  —  5.  Grab 
644,  St  27.  —  6.  Grab  832,  St  26.  —  7—8.  Grab  750,  St  21.  —  9.  Grab  750,  St  24. 


Taf.  35 


i,  3—7.  Grab  524:  1.  P  22,  3.  P  14,  4.  P  21,  5.  P  12,  6.  St  31,  7.  St  30.  —  2.  Grab  944,  P  13. 

8.  Grab  496,  St  29. 

Nr.  1—7  7i,  7  a— 8  2/i  nat-  Gr. 


Taf.  36 


1— -2.  Grab  832,  St  16;  2.  alte  Aufnahme.  —  3.  Grab  832,  St  1 8.  —  4.  Grab  735,  St  1  7, 

von  beiden  Seiten.  —  5.  Grab  735,  St  8. 

Nr.  1  u.  3  2I1  nat.  Gr.,  Nr.  2  u.  5  Vj,  Nr.  4  3/2. 


Taf.  37 


i.  Grab  60  A,  D  7.  —  2.  Grab  660,  D  8.  —  3.  Grab  543,  D  9.  —  4.  Grab  750,  D  11. 

Nr.  1—3  2/i,  Nr.  4  */i  nat-  Gr. 


Taf.  38 


8 


i.Birka,  Grab  507.  —  2.  Krsp.  Grödinge,Sö. —  3.Tuna,  Krsp.  Alsike,Up. — 4.Kinsta,Öland. 
5.  Birka,  Grab  571.  —  6  u.  7.  British  Museum;  Grabungen  von  Stein,  Lou-Lan. 

8.  Rekonstr.  vgl.  Taf.  9  u.  10. 

Nr.  1  1jl,  2—7  2/i  nat.  Gr. 


Taf.  39 


Oben  und  unten  rechts:  Knochengeräte  aus  der  „Schwarzen  Erde“.  Links  unten  Nadelbehälter, 
Wetzstein,  Pfrieme  und  Pinzette  aus  den  Gräbern  644  u.  543. 

1/l  nat.  Gr. 


Taf.  40 


Grabpläne,  Originalzeichnungen  von  Hj.  Stolpe.  1.  Gr.  1074.  —  2.  Gr.  1076.  —  3.  Gr. 
1081.  —  4.  Gr.  949.  —  5.  Gr.  968.  —  6.  Gr.  860  B.  —  7.  Gr.  854.  —  8.  Gr.  735. 

9.  Gr.  750.  —  10.  Gr.  832. 


1 


ALMQVIST  &  WIKSELLS 

BOKTRYCKERI-AKTIEBOLAG 
UPPSALA 
1  9  3  8 


Geh.  35  Kronen.  Ln.  40  Kronen.